Kapitel 3

1162 Words
Der Marsch war eine Tortur voller purer, unverfälschter Qual. Alpha Rylans Befehl war klar gewesen: Wenn sie stirbt, übernimmst du ihren Platz. Beta Zeno, der vernarbte Riese, der mich mit sich schleppte, würde nicht wegen einer Omega das Gefängnis riskieren. Er drängte mich zu einem Tempo, das einen Krieger brechen würde, nicht einen abgelehnten, verletzten Diener. Wir rannten stundenlang, der raue Boden verschwamm unter meinen nackten, aufgeschürften Füßen. Die Crimson Claws, schlank und effizient, bewegten sich mit räuberischer Leichtigkeit um uns herum. Ich sah keine Freude in ihnen, nur die kalte, tödliche Konzentration von Soldaten. Sie waren alles, was das Moonshadow-Rudel aus Faulheit und Selbstgefälligkeit nicht sein wollte. Der Schmerz über Ethans Ablehnung krallte sich immer noch in meine Brust, ein physischer Schraubstock, der mir das Leben aussaugte. Jeder Atemzug war wie eine Nadel. „Lass los“, flüsterte Lumina, meine verängstigte Wölfin, aus den tiefsten Tiefen meines Geistes. „Es tut zu sehr weh. Lass los.“ Aber der metallische Ozon-Geruch von Alpha Rylan – getragen vom vorbeiziehenden Wind und stark bei den wenigen Crimson Claw-Kriegern, denen wir begegneten – wirkte wie ein perverses, elektrisches Stimulans. Die qualvolle Ablehnung kämpfte mit der erschreckenden Anziehungskraft des Schicksalsbandes zu dem Mann, der mich gefangen genommen hatte. Der Kampf machte mich übel und desorientiert. Fest in meiner Handfläche umklammert, meine Haut stechend, lag das silberne Fragment, das ich im Dreck gefunden hatte. Es war kein Stück Rüstung oder Schmuck. Es fühlte sich an wie komprimiertes Mondlicht, kühl und fremdartig. Ich wagte einen Blick nach unten, als Zeno inne hielt, um sich lautlos mit einem Späher zu verständigen. Das Fragment pulsierte schwach, und als ich mich auf das kalte Stechen konzentrierte, ließ der Schmerz in meiner Brust nach – nur ein wenig, aber genug, um atmen zu können, ohne zu schreien. „Du bist nicht Omega. Du bist Luna.“ Das Flüstern kehrte zurück, kein hörbarer Ton, sondern ein Gedanke, der nicht mein eigener war. Es fühlte sich uralt, schwer und seltsam beruhigend an. Luna. Das Wort für eine Partnerin, die herrscht. Das Wort für eine Göttin. Das Wort, das Alpha Ethan mir verweigert hatte. Ich steckte das Fragment in meinen Umhang, das erste Geheimnis, das ich jemals wirklich für mich hatte. Wir hielten inne, gerade als die ersten schwachen, blassen Strahlen des Morgenlichts durch das dichte Blätterdach brachen. Zeno befahl mir, mich auf einen umgestürzten Baumstamm zu setzen, und legte seine riesige Hand auf meine Schulter, um sicherzustellen, dass ich nicht davonlief. „Beweg dich nicht, Omega. Wenn du wegläufst, werde ich dich zur Jagd freigeben“, knurrte er mit monotoner Stimme. Bevor ich vor Erschöpfung zusammenbrechen konnte, hörte ich die vertrauten, schweren Schritte von teurem Leder, die sich näherten. Zeno wurde sofort steif und salutierte militärisch. „Alpha Rylan.“ Rylan kam aus dem Wald, sein Mantel war noch immer makellos, sein Auftreten völlig unbeeindruckt von der nächtlichen Razzia. Er wurde von zwei hochrangigen Betas begleitet, aber seine Aufmerksamkeit galt ausschließlich mir. Mit einer Handbewegung entließ er seine Begleiter. Sie verschwanden und ließen nur Zeno, Rylan und mich auf der Lichtung zurück. Die Luft wurde augenblicklich angespannt. Rylan umkreiste langsam den Baumstamm und musterte meinen verletzten Körper und mein schmutzverschmiertes Gesicht mit klinischem Blick. Er sah mich weder mit Begierde noch mit tiefem Hass an – nur mit distanzierter Analyse, wie ein Wissenschaftler, der eine besonders lästige Mikrobe untersucht. „Warum bist du nicht gestorben, Omega?“, fragte er mit leiser Stimme. Die unverblümte Grausamkeit versetzte mich in Schweigen. „Dein ehemaliger Alpha hat deine Bindung gelöst. Du solltest unter Schock stehen und unfähig sein, dich zu bewegen. Du atmest immer noch schwer, aber du bist nicht handlungsunfähig“, drängte er und kniff seine eiskalten Augen zusammen, als sie auf das schwache Narbengewebe auf meiner Wange fielen. „Warum widersetzt du dich dem natürlichen Prozess?“ Meine Trotzigkeit, die durch jahrelange Angst unterdrückt worden war, entflammte endlich. „Vielleicht war dein Alpha nicht stark genug, um die Aufgabe zu Ende zu bringen“, flüsterte ich mit brüchiger, aber fester Stimme. Ein dunkler Schatten huschte über Rylans Gesicht. Er hörte auf, um mich herumzulaufen, und stellte sich direkt über mich, sein Geruch überwältigend, meine Sinne mit dem gefährlichen Ozon überflutend. „Verwechsle meine Geduld nicht mit Schwäche, Omega“, knurrte er. „Ich kann die Sache sofort zu Ende bringen. Du bist eine biologische Anomalie, eine Infektion, die beseitigt werden muss. Doch dein Geruch ... er haftet an meinem Wolf. Das macht mich wütend.“ Er streckte die Hand aus, seine langen Finger zeichneten eine feurige Linie über meinen Nacken bis zum Rücken. Ich schauderte unwillkürlich, nicht nur aus Angst, sondern auch wegen der erschreckenden, unbestreitbaren Erkenntnis seiner Berührung. Mein Schmerz der Ablehnung verstummte für einen Moment, neutralisiert durch die kraftvolle Welle der Berührung des feindlichen Alphas. „Fass mich nicht an“, brachte ich hervor und drückte ihn schwach zurück. Rylan zog seine Hand zurück, als hätte er sich verbrannt. Er sah wirklich überrascht aus, dann verärgert. „Hol deine Sachen“, bellte er Zeno an. „Wir reiten los. Wir werden das Gelände vor Sonnenuntergang erreichen.“ Zeno bewegte sich sofort. Rylan wandte sich zum Gehen, hielt aber inne und blickte über seine Schulter zurück. „Ich habe dich vielleicht nicht getötet, Ember, aber verstehe eines: Du wirst meinem Rudel als ständige Erinnerung an Moonshadows Torheit dienen. Du bist für mich nichts weiter als eine Quelle der Irritation. Und wenn du versuchst zu fliehen, werde ich dich selbst jagen, und ich verspreche dir, dass ich die Sache dann zu Ende bringen werde.“ Er verschwand zwischen den Bäumen. Zeno packte meinen Arm und zog mich vom Baumstamm herunter. „Los, beweg dich!“ Der Beta zog mich vorwärts, aber meine Erschöpfung erreichte einen letzten, lähmenden Höhepunkt. Meine Füße verhedderten sich, ich stolperte und fiel hart gegen Zenos Bein. Er zögerte nicht. Er hob seine massive Hand und bereitete sich darauf vor, mir ins Gesicht zu schlagen – eine Disziplinarmaßnahme, die mir wahrscheinlich den Kiefer brechen würde. Ich kniff die Augen zusammen und bereitete mich auf den knochenerschütternden Schlag vor. In diesem Moment pulsierte das silberne Fragment in meiner Hand heftig. Ein tiefes, resonantes Summen begann in meinem Innersten. Der erwartete, widerliche Schlag kam nie. Stattdessen strömte eine Welle kalter, uralter Energie durch meine Adern, und das Wort STOPP dröhnte in meinem Kopf. Nicht meine Stimme, sondern die Stimme der Luna. Zenos Hand erstarrte zitternd in der Luft. Seine Augen, weit aufgerissen vor Verwirrung und Angst, waren nicht auf mich gerichtet, sondern auf die plötzliche, schwache silberne Aura, die aufgetaucht war und kurz um meinen verletzten Körper schimmerte. Und dann drang eine zweite Stimme – kraftvoll, wütend und mit dem überwältigenden metallischen Geruch des Alphas – aus den Bäumen hinter uns in die kleine Lichtung, eine Stimme, die Sekunden zuvor noch meilenweit entfernt gewesen war: „Was zum Teufel hast du gerade getan, Zeno? Geh weg von ihr, SOFORT!“ Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
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