Ich hob den Kopf, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als ich in zwei tiefbraune Augen blickte. Seine Augen. Verdammt. Vor mir stand er: Alessandro Venturi. Der Hotelchef. Ich war direkt in ihn hineingelaufen, die Wucht des Aufpralls war nichts gegen das Chaos in meinem Kopf. Meine Wangen brannten, während ich spürte, wie das Blut mir ins Gesicht schoss. Wie peinlich.
Seine Hand hatte die meine ergriffen, stark und warm, während er mich mit einer beiläufigen Eleganz wieder auf die Beine stellte. Seine Berührung ließ eine unerwartete Hitze durch meinen Körper fahren, eine, die nichts mit der Scham zu tun hatte, die mich gleichzeitig zu verbrennen schien. Ich spürte die Spannung zwischen uns, greifbar und doch flüchtig, während er mich ansah, mit einem Blick, der mich beinahe entblößte.
„Alles in Ordnung?“ Seine Stimme war tief, samtig, ein gefährliches Gemisch aus Besorgnis und amüsiertem Spott. Seine Augen funkelten, und ich wusste, dass er genau sah, wie ich mich in meiner Verlegenheit wand. Er hatte mich durchschaut, vollkommen.
„Ja, alles gut“, stammelte ich, während meine Zunge mir den Dienst verweigerte. Die Wahrheit war, dass gar nichts gut war. Ich spürte immer noch die Wärme seiner Haut an meiner, obwohl er meine Hand mittlerweile losgelassen hatte. „Ich… ich habe Sie nicht gesehen. Es tut mir leid.“
Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, das mich noch mehr aus dem Gleichgewicht brachte. Da war etwas in diesem Lächeln – etwas Dunkles, etwas, das versprach, dass er noch viel mehr sah, als ich jemals preisgeben wollte. „Das passiert. Erste Arbeitstage können hektisch sein“, sagte er, seine Stimme ein gefährliches Streicheln. „Manchmal sogar ein bisschen... chaotisch.“
Ich versuchte, mich zu sammeln, doch seine Nähe ließ meinen Verstand taumeln. „Olivia Wood. Hausdamenassistentin“, brachte ich schließlich hervor, bemüht, meine Stimme zu festigen. Doch innerlich war ich ein Wrack, ein erbärmlicher Versuch, Haltung zu bewahren.
„Olivia.“ Er sprach meinen Namen aus, als würde er ihn schmecken, als würde er ihn besitzen. „Willkommen. Ich bin sicher, Sie werden sich schnell einleben.“
Dann trat er zurück, ließ mich los – ein kurzer Verlust, der mich gleichzeitig erleichterte und frustrierte. Ich hätte etwas sagen sollen, irgendetwas, aber mein Mund war trocken, meine Gedanken ein Chaos. Stattdessen nickte ich nur, lächerlich stumm, bevor ich mich umdrehte und den Gang entlangging. Mein Herz schlug immer noch viel zu schnell, und ich konnte seinen Blick auf meinem Rücken spüren, brennend wie eine unsichtbare Berührung.
Mein erster Arbeitstag. Und ich hatte mich gerade beim Hotelchef bis auf die Knochen blamiert.
Jede Faser meines Körpers kämpfte gegen die Situation an, während ich den Blick von Alessandro Venturi in meinem Rücken spürte – schwer wie eine unsichtbare Hand, die mich festhielt. Ein heißer Schauer rann über meinen Rücken, als seine Aufmerksamkeit wie ein elektrisches Flüstern meine Haut streifte. Ich wollte widerstehen, wollte weitergehen, doch etwas, etwas Dunkles und Unerklärliches, zwang mich, mich noch einmal umzudrehen.
Dort stand er, lässig und doch irgendwie bedrohlich, mit einem Blackberry in der Hand. Seine Haltung war scheinbar entspannt, doch seine Augen – diese Augen – bohrten sich in mich hinein, als ob sie jede Schicht von mir durchdringen wollten. Sie waren intensiv, fast unmenschlich, und in ihrem tiefen Glanz lag ein Hunger, der mich erschütterte. Ein leicht lüsterner Ausdruck lag auf seinem Gesicht, gerade genug, um meine Knie weich werden zu lassen und meine Sinne in Alarmbereitschaft zu versetzen.
Ich fühlte mich durchleuchtet, als ob ich nur noch aus Reaktionen bestand, aus offen gelegten Gedanken und Gefühlen, die ich nicht einmal vor mir selbst verbergen konnte. Gott, machte dieser Mann mich nervös. Es war, als ob die Luft um mich herum dicker wurde, als ob die Wände des Ganges näher kamen, mich einengten, bis ich fast das Atmen vergaß. Mein Schritt wurde schneller, mein Ziel die rettende Tür zur Personalabteilung, doch sein Blick hielt mich gefangen.
Jedes Mal, wenn ich es wagte, ihn wieder anzusehen, verschmolz ich mit der Intensität seiner Beobachtung. Der Raum um mich herum dehnte sich, dann zog er sich zusammen, und ich fühlte mich, als würde ich jeden Moment in einem bodenlosen Vakuum verschwinden. Mein Herz schlug heftig, ein dumpfes, drängendes Pochen, das sich in meinem ganzen Körper ausbreitete. Es war fast unerträglich, doch in diesem Moment, in dieser Spannung, lag auch etwas Verführerisches, etwas, das mich tiefer in den Strudel zog, obwohl ich wusste, dass ich längst die Kontrolle verloren hatte.
Ich erreichte endlich die Tür zur Personalabteilung. Die Knäufe waren aus Silber, und ich drehte sie mit zittrigen Händen, als ob ich versuchte, einen unsichtbaren Druck von mir zu nehmen. Als ich die Tür öffnete, konnte ich den kühlen Luftzug des klimatisierten Büros spüren, der mir fast wie eine Erlösung vorkam. Der Raum war hell erleuchtet, und die Wände waren mit freundlichen Farben gestrichen, die darauf abzielen sollten, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
Ich schlüpfte hastig hindurch und schloss die Tür hinter mir, als ob ich damit eine Barriere gegen die unangenehme Spannung schaffen könnte, die ich im Flur zurückgelassen hatte. Ein Gefühl der Erleichterung durchzog mich, aber es war nur von kurzer Dauer. Ich musste mich jetzt auf den bevorstehenden Termin konzentrieren. Der Raum war mit modernen Möbeln ausgestattet, und es gab eine große Fensterfront, die einen Blick auf die Stadt bot.
Gina Berlusconi empfing mich am Empfangstresen mit einem Lächeln, das so makellos war, dass es fast wie aus einer Zahnpastawerbung wirkte. Ihre Zähne blitzten im grellen Licht des Büros, und ich konnte mir vorstellen, dass sie diese Technik schon lange perfektioniert hatte. „Willkommen an Bord!“, sagte sie mit einer Stimme, die so freundlich war, dass ich fast meinte, sie könnte in einem Kinderbuch sprechen. „Hier sind einige Listen, die Sie bitte ausfüllen müssen.“ Sie reichte mir eine Reihe von Papieren, die wie eine kleine Flutwelle auf mich herabrollten.
Ich nahm die Listen entgegen und nickte, während ich versuchte, den Überblick zu behalten. „Selbstverständlich“, sagte ich, obwohl ich wusste, dass meine Kapazität zum Multitasking gerade an ihre Grenzen stieß. Gina schien das nicht zu bemerken. Sie wünschte mir noch einen erfolgreichen ersten Tag und wandte sich dann einem anderen Mitarbeiter zu, der offenbar ebenfalls etwas dringend benötigte. Mit einem letzten Lächeln verabschiedete sie sich, und ich machte mich auf den Weg.
Die Hotellobby war ein Ort der geschäftigen Eleganz. Gäste kamen und gingen, und das geschäftige Treiben hatte seinen eigenen Rhythmus. Ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz, aber ich wusste, dass ich schnell meinen Platz finden musste. Die Listen, die ich erhalten hatte, beinhalteten verschiedene Aufgaben, und die erste davon war, Blumengestecke für bestimmte Suiten abzuholen. Die Gärtnerei des Hotels befand sich im hinteren Teil des Grundstücks, und der Weg dorthin führte mich durch ein Labyrinth von Korridoren und kleinen Gärten.
Als ich die Gärtnerei betrat, wurde ich von einem betörenden Duft empfangen, der mich sofort einhüllte. Hier war alles grün und lebendig, und die Farben der Blumen leuchteten in einem Spektrum, das beinahe überfordernd war. Der Gärtner, ein kräftiger Mann in mittleren Jahren mit einem grünen Kittel, stand zwischen den Beeten und schaufelte Erde. Er blickte auf und lächelte mich an. „Wir kennen uns wohl noch nicht. Ich bin Simon, der Florist des Hotels. Sie müssen die Blumengestecke für die Suiten abholen, oder?“
„Ja, genau“, antwortete ich. „Ich bin Olivia Wood, die neue Hausdamenassistentin.“ Ich konnte ihm den Wunsch nur zu gut nachfühlen, sich nicht durch die vielen Listen quälen zu müssen. „Könnten Sie mir bitte die Gestecke zeigen?“
Der Gärtner nickte und führte mich zu einem Tisch, der mit verschiedenen Arrangements bedeckt war. Ich betrachtete die Farben und Formen, während er mir die einzelnen Gestecke erklärte. „Dieses hier ist für die Präsidentensuite“, sagte er und deutete auf ein opulentes Arrangement aus roten Rosen und weißen Lilien. „Und dieses andere ist für die Honeymoon-Suite, eine Mischung aus sanften Pfirsich- und Rosatönen.“
Ich nickte zustimmend und notierte mir die Details. Es war eine Kunst, diese Gestecke so zu gestalten, dass sie den Gästen einen bleibenden Eindruck hinterließen, und ich war beeindruckt von der Sorgfalt und Liebe zum Detail, die in jedem Arrangement steckten. Nachdem ich die Gestecke verpackt hatte, nahm ich sie vorsichtig in die Hand und machte mich auf den Weg zurück zur Lobby.
Der Weg kam mir nun viel länger vor, als ich ihn auf dem Hinweg wahrgenommen hatte. Die Blumen waren nicht nur schön, sondern auch überraschend schwer. Die Süße des Blumendufts, die mich eben noch beflügelte, schien jetzt eine Last zu werden. Meine Füße brannten in meinen Schuhen, die ich an diesem Tag gewählt hatte, und ich begann, die Anstrengung des Tragens zu spüren. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde ich durch Sand laufen, und ich sehnte mich nach einer Pause.