Kapitel 6

1320 Words
Während ich mich fertig machte, konnte ich nicht umhin, mich von der ganzen Situation überwältigt zu fühlen. Die strenge Ordnung, die ständige Erreichbarkeit und die hohe Erwartung, perfekt zu funktionieren, waren alles neue Herausforderungen für mich. Trotzdem wusste ich, dass ich mich den Anforderungen stellen musste. Schließlich hatte ich mir diesen Job nicht nur ausgesucht, sondern auch gewünscht. Als ich schließlich in den Spiegel blickte, sah ich eine junge Frau, die bereit war, ihre neue Rolle anzunehmen. Die Uniform saß gut, und ich konnte mich ein wenig mit dem Bild, das mir entgegenblickte, anfreunden. Die goldene Krawatte schimmerte im Licht und ließ mich daran erinnern, dass ich Teil von etwas Größerem war. Die Verantwortung, die mit dieser Aufgabe kam, war mir bewusst, aber ich war entschlossen, mein Bestes zu geben. Mit einem letzten Blick auf die Uhr nahm ich mein Handy und verließ den Umkleideraum, bereit, mich in den Arbeitsalltag des Hotels einzufinden. Die nächste Zeit würde mich auf die Probe stellen, aber ich wusste, dass ich die Herausforderung annehmen musste, um mich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Ich ging nach dem raschen Umziehen durch die endlosen Hotelgänge, die sich wie ein Labyrinth vor mir ausbreiteten. Die Gänge waren wie immer grell beleuchtet und von dem ständigen Summen der Neonlichter erfüllt. Der Personalaufzug war mein Ziel, und ich wollte so schnell wie möglich ins Housekeeping-Büro gelangen. Als ich aus dem Aufzug trat, suchte ich sofort nach dem Büro und stieß dabei auf ein freundliches Zimmermädchen, das gerade ihren Wagen an mir vorbeischob. „Entschuldigung“, sagte ich und versuchte, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. „Könnten Sie mir bitte sagen, wo ich das Housekeeping-Büro finde?“ Das Zimmermädchen lächelte freundlich und deutete den Gang entlang. „Gehen Sie einfach diesen Gang entlang, das Büro ist auf der linken Seite am Ende des Flurs.“ „Vielen Dank“, antwortete ich und machte mich auf den Weg. Die Wände des Gangs waren geschmückt mit dem typischen Hotelkunstwerk – abstrakte Bilder in sanften Farben, die versuchen sollten, eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen. Ich konnte schon aus der Entfernung den Klang von Tastaturen und das leise Murmeln der Stimmen hören. Schließlich erreichte ich das Büro, dessen Tür weit geöffnet war. Penelope, die an einem Schreibtisch saß, tippte emsig auf ihrer Tastatur und sah dabei konzentriert aus. Der Raum war übersichtlich und funktional eingerichtet, mit Regalen voller Ordner und einer großen Karte des Hotels an der Wand. Ich klopfte vorsichtig an die Tür, und Penelope blickte auf. „Guten Tag“, sagte ich und trat ein. „Ich bin Olivia. Ich bin hier, um mit Frau Langdon zu sprechen.“ Penelope nickte mir zu und deutete auf eine Tür im hinteren Teil des Raums. „Frau Langdon wartet schon auf Sie. Gehen Sie ruhig hinein.“ Ich ging durch die Tür und betrat ein kleines, aber ordentlich eingerichtetes Büro. Frau Langdon, die erste Hausdame, saß an ihrem Schreibtisch und sah von ihrem Computerbildschirm auf. Sie war eine Frau mittleren Alters, gepflegt und von einer gewissen Autorität umgeben. Ihre Augen waren scharf und durchdringend, und als sie mich ansah, konnte ich sofort erkennen, dass sie es ernst meinte. „Olivia, willkommen“, sagte sie mit einem höflichen Nicken. „Setzen Sie sich bitte.“ Ich nahm Platz und versuchte, meine Nervosität zu verbergen. Frau Langdon betrachtete mich einen Moment lang, als wollte sie sicherstellen, dass ich ihre Erwartungen verstand. „Passt wie angegossen“, sagte sie schließlich und lächelte leicht. „Also, Olivia, da Sie vom Fach sind, erwarte ich vollste Hingabe von Ihnen. Wir haben hohe Standards hier, und ich vertraue darauf, dass Sie diese erfüllen werden.“ Ich nickte eifrig, um ihr zu zeigen, dass ich ihre Worte ernst nahm. „Ja, selbstverständlich. Ich werde mein Bestes geben.“ „Gut“, sagte Frau Langdon und zog eine Liste aus einer Schublade. „Hier ist die Liste der Zimmer, die Sie heute kontrollieren müssen. Versuchen Sie, sich alles schnell einzuprägen. Wir haben hier keine Zeit für Verzögerungen.“ Ich nahm die Liste entgegen und überflog sie kurz. Es waren zahlreiche Zimmer aufgelistet, und ich wusste, dass es eine Menge Arbeit bedeuten würde, alle in einwandfreiem Zustand zu überprüfen. Frau Langdon beobachtete mich, während ich die Liste studierte und nickte zufrieden. „Denken Sie daran“, fuhr sie fort, „Handy bleibt an. Jeder Anruf muss angenommen werden. Wir können es uns nicht leisten, dass irgendetwas untergeht. Wenn Fragen auftauchen, bitte fragen Sie mich oder Penelope. Sie ist meine rechte Hand und Vertretung, wenn ich mal nicht im Hause sein sollte.“ „Verstanden“, antwortete ich und steckte die Liste sorgfältig in meine Tasche. „Ich werde alles im Blick behalten.“ Frau Langdon nickte erneut, und ich konnte sehen, dass sie sich beruhigt fühlte. „Sehr gut. Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag. Und Olivia? Wenn Sie etwas brauchen, zögern Sie nicht, uns anzusprechen.“ „Danke“, sagte ich und erhob mich von meinem Platz. „Ich werde mich melden, wenn ich Hilfe benötige.“ Als ich das Büro verließ, spürte ich ein Gefühl der Anspannung, gemischt mit einem Hauch von Aufregung. Der erste Tag war immer der schwerste, und ich wusste, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen musste. Der Flur war inzwischen leer, und das Zimmermädchen, das mir vorher geholfen hatte, war nicht mehr zu sehen. Ich atmete tief durch und machte mich auf den Weg zu den ersten Zimmern, die ich überprüfen sollte. Die Liste war lang, und die Arbeit würde anstrengend sein. Doch ich war fest entschlossen, alles richtig zu machen. Die Gänge des Hotels schienen sich zu dehnen, und ich begann, mir eine Route zu überlegen, um die Zimmer möglichst effizient abzuklappern. Die meisten Zimmer befanden sich in den oberen Etagen, und ich nahm mir vor, den größten Teil der Arbeit zuerst zu erledigen, um später mehr Zeit für Details zu haben. Ich ging rasch durch die Flure im achten Stock des luxuriösen Hotels, den ich heute kontrollieren sollte. Die endlose Fensterreihe erstreckte sich vor mir und bot einen atemberaubenden Blick über Manhattan. Die Skyline der Stadt funkelte im Nachmittagssonnenlicht, und ich konnte die geschäftige Bewegung auf den Straßen unter mir nur erahnen. Ab und zu klingelte mein Handy, besonders wenn es um spezielle Anforderungen der Gäste ging, die von der Küche oder der Wäscherei kamen. Jedes Mal, wenn ich den Bildschirm ansah, meldeten sich neue Nachrichten oder Anrufe mit Details über besondere Wünsche oder zusätzliche Anfragen. Mein Kopf rauchte schon bald vor all den Informationen, die ich verarbeiten musste. Trotzdem, ich liebte meinen Job jetzt schon. Es gab nichts Befriedigenderes, als durch die perfekt vorbereiteten Zimmer zu gehen und sicherzustellen, dass alles bis ins letzte Detail stimmte. Ich war noch neu in dieser Position, doch die Verantwortung, die mir übertragen worden war, machte mir große Freude. Die Aufgabe, die Zimmerliste aus der Personalabteilung abzuholen, schien mir wie eine willkommene Abwechslung zu den ständigen Telefonaten und der Kontrolle der Flure. Also stieg ich in den Aufzug, der mich in den 15. Stock bringen sollte. Der Aufzug schloss sich hinter mir, und als ich den Knopf drückte, um in den obersten Stock zu gelangen, bemerkte ich einen weiteren Knopf darüber, auf dem „Penthouse“ stand. Meine Neugier war geweckt. Wer mochte wohl dort oben wohnen? Wahrscheinlich handelte es sich um die teuerste Suite des Hotels, und ich stellte mir vor, wie exklusiv und luxuriös es dort oben sein musste. Als der Aufzug stoppte und die Türen sich öffneten, trat ich in den 15. Stock hinaus. Die Gänge waren elegant und geschmackvoll eingerichtet, mit dunklem Holz und sanften Farben. Ich schritt in Richtung der Personalabteilung, die sich am Ende des Flurs befand. Ganz vertieft in meine Zimmerliste, bemerkte ich gar nicht, dass ich gegen jemanden stieß, der gerade um die Ecke kam. Ich taumelte und hätte beinahe das Gleichgewicht verloren, als ich mich hastig wieder aufrichtete und meinen Blick hob.
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