Kapitel 2 Seite2

1509 Words
Am späten Nachmittag gingen Michael, Christine und Maria noch in ein kleines All-you-can-eat-Buffet, als Marias Handy klingelte. Sofort stand sie auf und huschte nach draußen. "Jonathan, was hast du für mich?" "Treffe mich morgen um zehn Uhr wieder am Café. Wir fahren dann zu ihrem Anwesen." "Perfekt. Ich wusste, du wirst es hinbekommen, wenn ich dich wieder an mein Höschen lasse!", sagte sie spöttisch. "Na, dann hoffe ich mal, dass du morgen ein schönes Höschen trägst!", sagte er und legte auf. Maria ließ sich nichts anmerken, als sie wieder zum Tisch zurückkehrte. "Seit wann hast du ein Handy?" fragte Christine ganz verblüfft. "Ich wollte nicht immer für jeden Anruf ins Internetcafé und so kann Papa mich auch erreichen, wenn es ihm nicht gut geht." Christine warf ihr einen fragenden Blick zu. "Was ist denn mit ihm?" Einen kurzen Moment verstummte Maria. "Er ist krank und momentan etwas geschwächt, aber das wird schon wieder." Irgendwie hatte Christine das Gefühl, als würde Maria nicht die ganze Wahrheit sagen. Sie war doch gerade sehr emotional, als sie über ihren Vater sprach. Aber vielleicht vermisste sie ihn auch nur. Sie schaute Michael fragend an. Michael schaute Christine an und dann Maria. Als er sah, dass Maria anscheinend mit den Tränen kämpfte, legte er seine Hand auf ihre. In diesem Augenblick spürte er, wie Maria ihn ansah. Er verspürte eine plötzliche Hitze, die in ihm aufstieg. Sie hatte etwas sehr Anziehendes an sich, und ihre weichen Hände waren sehr gepflegt. Für einen Moment fragte er sich, ob ihr ganzer Körper wohl so weich sein würde wie ihre Hände. Sein Blick fiel auf ihre wohlgeformten Brüste, und er stellte sich plötzlich vor, wie sie wohl nackt aussehen würde. Ruckartig zog er seine Hand wieder weg. Er wollte Christine und nicht Maria. Er durfte so etwas noch nicht einmal denken. "Wenn du etwas brauchst, Maria, sind wir natürlich für dich da!" "Gracias, Michael!" Jetzt bemerkte auch Christine, dass ihn etwas beunruhigte. "Michael, was ist los?" "Nichts, ich hatte nur das Gefühl, dass eine Fliege meine Hand gestreift hatte." "Michael, bitte, ich merke doch, wenn mit dir etwas nicht stimmt…" Er schaute sie mit einem scharfen Blick an. "Alles gut. Lass mich einfach etwas allein!" Er stand auf, überreichte ihr seine Kreditkarten und ging vor die Tür. Christine schaute ihm hinterher und wollte ihn zurückrufen, aber sie tat es nicht. Sie ließ ihn gehen und fragte sich nur, was mit ihm los sei. Als die beiden Damen dann zahlten, gingen sie, um zu sehen, wo Michael war. "Ist in Ordnung, Chef. Ich verspreche es! Maria, wir fahren morgen los!", rief er ihr zu, als sie auf ihn zukam. "Du hast es aber plötzlich sehr eilig, Michael!" "Nein, nicht wirklich. Mein Chef hat mir gerade meinen Urlaub genehmigt und noch ein paar extra Tage dazu. Dann haben wir genug Zeit, und ich denke, je früher wir fahren, desto besser, meinst du nicht auch?" "Morgen schon?" fragte Maria. Ihre Stimme hatte etwas Beunruhigendes an sich. "Ich dachte, wir fahren erst in ein paar Tagen", sagte sie, als sie in Michaels Auto stieg. Was sollte das jetzt? Sie sollte doch noch Jonathan treffen. Da konnte sie unmöglich schon fahren. „Christine! Vamos, bitte“, rief Maria am nächsten Morgen. „Was ist los, Maria?“ „Ich fühle mich nicht gut. Ich denke, ich sollte einen Arzt aufsuchen.“ „Aber, Maria, ist es wirklich so schlimm? Wir wollten doch nach dem Frühstück losfahren.“ „Bitte, ich werde nicht lange brauchen, versprochen!“ „Nicht lange? Hier in LA dauert es den ganzen Tag, um einen Arzt zu finden, der dich schnell drannimmt, sonst musst du in die Klinik, und da wartest du auch stundenlang!“, sagte Michael, als er sie im Vorbeigehen hörte. Er schaute Christine an und rollte mit den Augen. „Komm schon, Mike. Es ist ja nicht so, als müssten wir zu einer bestimmten Uhrzeit losfahren“, flüsterte Christine. Er schaute sie nur misstrauisch an und zuckte mit den Schultern. Bevor es noch mehr Grund für Diskussionen zwischen ihnen gab, ergriff Maria ihre Jacke und verschwand. Schnell ging sie die Straße entlang und schaute sich immer wieder um, nur um sicherzugehen, dass ihr niemand folgte. Als sie vor dem Café Mama wieder ankam, setzte sie sich an ihre gewohnte Stelle und wartete. „Willkommen, möchten Sie etwas trinken?“, fragte der Kellner. Christine gab ihm ein eindeutiges Handzeichen, dass er verschwinden sollte. Plötzlich erschrak sie. Sie schaute sich um. Es war Jonathan, der ihr in seinem Auto ein Zeichen gab, dass sie einsteigen sollte. Sie griff nach ihrer Tasche und ging zum Auto. „Denise hat nicht viel Zeit. Sie hat noch einen Dreh.“ „Gut, ich habe auch nicht viel Zeit. Wir wollen heute schon weiterreisen.“ Die Fahrt war lang, und die Straßen waren um diese Uhrzeit immer voll, sodass der Verkehr immer wieder stockte. Jonathan sprach nicht viel, und im Radio liefen nur Oldies. Das war nicht gerade die Musik, die Maria mochte. Normalerweise sang sie immer gern mit, aber diese Musik war gar nicht ihrs. Deshalb lehnte sie ihren Kopf ans Fenster und ging in Gedanken noch einmal durch, was sie Denise sagen würde. Das war gar nicht so einfach, denn sie konnte nicht einfach zu einer Frau gehen, die sie noch nie zuvor getroffen hatte, und ihr sagen: "Hey, deine vermeintlich tote Schwägerin lebt noch, und übrigens, du wirst Tante." Sie musste sich schon etwas überlegen, wie sie das am besten formulieren würde. Jonathan fuhr gerade auf ein sehr großes Anwesen. Die Auffahrt war riesig, und Maria fühlte sich überwältigt. "Die hat ja wirklich viel Geld!", entfuhr es ihr. Sie schaute zu Jonathan, der ihr nur zustimmend zulächelte. "Maria, bist du dir sicher, dass du das machen willst?", fragte er, als er das Auto parkte und sie bereits ausstieg, als würde sie genau wissen, wohin sie gehen sollte. "Madam ... Mr. Hampton?", begrüßte sie ein rothaariger Mann. "Bring uns zu Miss Johnson, sie erwartet uns!", antwortete Jonathan. Sie folgten dem rothaarigen Mann ins Haus und im Foyer ließ er sie stehen, mit der Bitte, dort zu warten. Maria flüsterte immer wieder "Wow, muy bien", während sie sich umschaute. "Rühr bloß nichts an, das kann man nicht ersetzen. Das sind alles Einzelstücke!", mahnte Jonathan. "Jonathan, lange ist es her. Was verschafft mir die Ehre?", hörte man Denise sagen, als sie ins Foyer kam. "Bitte, folgt mir doch ins Wohnzimmer. Ich kann es nicht fassen, dass Karl euch einfach hier hat stehen lassen. Er ist gerade nicht hier, ich denke, ich muss noch einmal mit ihm sprechen." "Ach, du kennst mich doch. Das macht mir nichts aus. Ich warte gerne auf dich", erwiderte Jonathan. Sie musterte ihn, ähnlich wie damals, als sie noch intime Nächte miteinander verbracht hatten. Schnell wandte er den Blick ab. Sie sah immer noch unglaublich verführerisch aus, aber dieses Mal war sie verheiratet. Er musste ihrem lüsternen Blick ausweichen, um nicht der Versuchung zu erliegen. Und dennoch bemerkte er ihren provokanten Beinüberschlag, als sie sich setzte. Sie wusste genau, wie sie ihn um den Finger wickeln konnte. Was bezweckte sie damit? Wollte sie ihn wirklich wieder verführen oder wollte sie ihm nur zeigen, was er nicht mehr haben konnte? "Nun", räusperte er sich, "wie du siehst, habe ich jemanden mitgebracht, Denise!" "Das ist mir nicht entgangen, mein Lieber. Was willst du? Du weißt, Geduld ist nicht gerade meine Stärke, also raus mit der Sprache!", antwortete Denise. Ihre Stimme war bestimmend, aber ihr Ton war äußerst verführerisch. Er schwieg und versuchte, nichts von seiner inneren Aufruhr nach außen zu zeigen. Doch selbst nach all den Jahren hatte sie immer noch eine starke Wirkung auf ihn. "Also, was ist jetzt?", fragte sie Jonathan herausfordernd. "Hola, mein Name ist Maria Martinez", warf Maria in den Raum. Ihr entging nicht, dass die Stimmung im Raum ziemlich aufgeheizt war. "Willst du Arbeit oder was willst du hier? Ich habe hier keinen Platz für dich!", erwiderte Denise ungeduldig. "Denise, bitte", griff Jonathan ein, "höre ihr bitte zu. Ich verspreche dir, es wird dich interessieren." Denise wurde ruhig und blickte überrascht zu Jonathan. Offensichtlich war sie gespannt. Sie hoffte, dass es sich lohnen würde, schließlich hatte sie mehr zu tun, als sich mit Jonathan und einer unbekannten Mexikanerin auseinanderzusetzen. Sie warf Jonathan einen gelangweilten Blick zu und rollte mit den Augen, als sie ihren Blick auf Maria richtete. "Maria, so heißt du, oder?", fragte sie. Maria nickte bestätigend. "Was gibt es so Wichtiges?" "Es geht um deinen Bruder, Miss. Ich glaube, sein Name war Joshua, nicht wahr?" "Komm zum Punkt. Ich weiß, wie mein Bruder heißt." "Er wird Vater, und zwar bald!" "Was soll das heißen?" "Eine Bekannte, die ich begleite, ihr Name ist jetzt Christine. Aber ich habe Einblick in ihre Akte, die mein Vater – also der Chef von Christine – führt. Früher hieß sie Amy." "Stopp! Amy ist tot. Das hat er mir gesagt!" "Nein, ist sie nicht. Und sie ist schwanger!" Für einen Moment war Denise sprachlos. Ihr Blick wanderte zu Jonathan, der ihr zustimmend zunickte.
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