"Bist du dir ganz sicher!"
"Ja, Miss. Wir sind auf dem Weg, ihre Mutter mit ihrem Freund Michael zu finden!"
Denises Augen weiteten sich. Das waren alles Details, die niemand sonst außer Joshua, sie und ... Amy wussten! Amy lebte. Wie konnte das sein? Überwältigt von den Informationen, konnte sie nicht mehr sitzen und brauchte Zeit, um nachzudenken. Sie stand auf, winkte ihrem Personal zu, damit die Gäste das Anwesen verlassen sollten, und verließ das Zimmer.
"Was wird sie jetzt machen?" fragte Maria, als sie wieder im Auto mit Joshua saß.
"Lass sie die Nachricht erst einmal verarbeiten. Ich bin mir sicher, dass ich noch von ihr hören werde."
"Maria, hast du einen Arzt gefunden? Was hat er gesagt?" rief Christine, als sie durch die Tür kam.
"Es war nur eine kleine Magenverstimmung, nichts Ernstes. Alles ist in Ordnung!"
"Gut, dann können wir endlich losfahren, oder gibt es noch eine ungeplante Überraschung?" Michael wollte nicht unhöflich erscheinen, aber er war sehr verärgert. Sie hatten den halben Tag damit verbracht, auf Maria zu warten, wie so oft. Sie hätten längst auf dem Weg sein können, schließlich hätten sie schon am Wochenende losfahren können, anstatt jetzt zu Beginn der Woche. Sie hatten bereits Zeit verloren. Michael war nicht nur sauer, sondern stinksauer. Sein Urlaub war begrenzt, und er musste bald wieder arbeiten. Er hatte nicht den Luxus eines reichen Vaters, der ihm alles ermöglichte. Er wollte nicht noch mehr Zeit verschwenden und begann, die nötigen Sachen zum Auto zu bringen und sie im Kofferraum zu verstauen.
Michael hatte in den letzten Tagen einen Reiseplan erstellt, der genügend Zwischenstopps für Christine vorsah. Schließlich war sie schwanger und brauchte wahrscheinlich öfter eine Toilette. Außerdem wollte er ihr einige Sehenswürdigkeiten zeigen, da sie sich jetzt frei bewegen konnte. Er wollte ihr so viel zeigen und mit ihr erleben. Das konnte er alles nicht tun, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Damals musste sie sich vor ihrem Peiniger verstecken und war überhaupt nicht bereit für solche Aktivitäten. Jetzt war sie frei und entschlossen, ihre Mutter zu finden. Sie sollten sich auf den Weg machen und unterwegs noch ein wenig Sightseeing betreiben.
Das massive Gefängnistor öffnete sich knarrend, und Joshua trat hinaus in die Freiheit. Er trug immer noch die Kleidung des Gefangenen und hielt eine Papiertüte mit persönlichen Gegenständen in den Händen.
Die Wärter und Insassen, zu denen er mit einigen eine Art Knastfreundschaft aufgebaut hatte, beobachten gespannt, wie er den ersten Schritt in Richtung Freiheit machte. Einige von ihnen nickten ihm aufmunternd zu, während andere ihn mit neugierigen Blicken verfolgten.
Joshua schaute sich um und sah seine Schwester. Denise stand in der Nähe und wartete an ihrem Schwarzen Pontiac auf dem Parkplatz. Sie lehnte an der Motorhaube und wirkte nervös, aber entschlossen.
Joshua lief auf sie zu und umarmte sie.
„Willkommen zurück, Joshua.“
„Danke, Denise. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich draußen bin.“
Denise öffnete die Beifahrertür für Joshua, der einsteigt. Sie fuhr los, und in diesem Moment sank die Anspannung, die Joshua all die Jahre im Gefängnis begleitet hatte.
„Joshua, ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen.“ Denise sah ihn ernst an.
„Was ist los?“
„Amy lebt.“
Joshua starrte seine Schwester fassungslos an.
Sie schüttelte den Kopf, während er sie völlig ungläubig ansieht.
„Nein, Joshua, sie hat ihren Tod vorgetäuscht. Sie heißt jetzt Christine und ist am Leben, und sie ist schwanger - von dir.“
Joshuas Augen weiteten sich und er war sich nicht sicher, ob er Freude oder Hass für sie empfinden sollte. Er liebte sie und er würde sie ewig lieben. Sie sollten zusammen sein – für immer, vor allem jetzt, wo sie ein Kind von ihm erwartet.
„Amy, ehm, Christine lebt und erwartet mein Kind? Das ist unglaublich!“
Denise nickte entschlossen.
„Du musst sie finden, Joshua. Sie braucht dich, und du hast eine zweite Chance, deine Familie zusammenzubringen.
„Wir werden sie finden, Denise. Egal, was es kostet.“
Die beiden Geschwister lächeln sich an, fest entschlossen, seine Familie wieder zusammenzuführen.
"Ich kann einfach nicht fassen, dass sie mich so hintergangen hat", sagte er aufgebracht.
Denise schaute ihn an. "Ich kann es selbst noch gar nicht begreifen. Und als wäre das nicht genug, ist sie auch noch schwanger."
"Ich werde sie finden, Denise", sagte Joshua mit einer Entschlossenheit, die die Luft spannend machte. "Und ich bringe sie nach Hause zurück. Sie muss zu mir zurückkommen, bevor das Kind geboren wird. Dann wird es eine echte Familie sein."
Denise schaute Joshua skeptisch an. "Ich habe dir gesagt, dass dieses Mädchen Schwierigkeiten macht, Joshua. Was, wenn sie nicht zurückkommen will?"
Joshua antwortete mit einem festen Blick: "Sie wird zurückkommen müssen, Denise. Wenn nicht freiwillig, dann muss sie sich entscheiden. Entweder sie kommt mit, oder sie gibt mir das Kind. Schließlich ist es auch mein Kind." In der Stille lag die ungewisse Spannung darüber, wie die Dinge sich entwickeln würden. Denise spürte eine Mischung aus Neugier und Besorgnis, als sie Joshua fragte: "Was genau hast du vor?" Joshua antwortete ruhig: "Das wird sich noch herausstellen. Aber eines steht fest: Ich werde mein Kind bei mir haben. Alles andere wird sich noch ergeben." Ein geheimnisvolles Lächeln huschte über sein Gesicht, während er Denise direkt in die Augen sah. "Was genau ich vorhabe, wirst du schon sehen, Denise. Aber eins verspreche ich dir: Ich werde sie finden, und sie wird nicht einfach so davonkommen." In der Stille zwischen ihnen lag die Spannung über Joshuas Plänen und wie die Dinge sich entwickeln würden.
Die Fahrt war lang, und zwischendurch hatte Denise immer wieder gefragt, wie es ihm im Gefängnis ergangen ist. Daraufhin hatte er ihr davon erzählt. Aber viel gab es nicht zu berichten, denn immerhin wurde er wegen guter Führung und wegen Mangel an Beweisen im Anklagepunkt des Mordes freigelassen.
„Sag mal, Joshua, du hast mir nie erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass der Fall neu aufgenommen wurde?“
‚Ach, nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass ich jetzt raus bin aus dem Loch. Man hat versucht, mich wegen Mordes anzuklagen, aber es gab keine Beweise dafür. Amy hat sich ja selbst umgebracht oder, wie ich jetzt weiß, nur so getan, als wäre sie tot. Aber wie zum Teufel hat sie das geschafft? Sie hatte ja auch keinen Puls mehr, oder war er nur sehr schwach? Ich weiß es nicht mehr! "
"Okay. Das hat dich bestimmt eine Menge Zeit und Kraft gekostet, nicht wahr? Möchtest du heute Nacht bei uns bleiben? "
"Danke, Denise, aber nein. Ich muss zurück auf mein Anwesen, um nach dem Rechten zu sehen. Ich möchte einfach wieder in meinen eigenen vier Wänden sein, verstehst du? Es war bereits genug Zeit in fremden Räumen. Ich will auch erst mal nicht weiter darüber reden. Ich will jetzt erst einmal meine Freiheit genießen."
"Ich verstehe! In Ordnung, dann bringe ich dich nach Hause. Aber wenn du reden möchtest, bin ich für dich da. Du kannst mich jederzeit anrufen, okay?‘"
Joshua wurde bereits vom Personal in der Villa empfangen. Einige Tage zuvor hatte er ihnen mitgeteilt, dass er entlassen werden würde. Deshalb waren sie schon vor seiner Ankunft vor Ort, um nach allem zu sehen und die Villa zu entstauben. Schließlich war er eine lange Zeit lang weggeschlossen gewesen. Es war ein unglaubliches Gefühl, wieder in seinem eigenen Reich zu sein. Joshua atmete tief ein und seufzte zufrieden, als er ausatmete. Endlich konnte er sich wieder frei bewegen, in seinem eigenen Bett schlafen und das Essen bekommen, das er mochte – nicht mehr dieses unscheinbare und schlecht gewürzte Essen, das er im Gefängnis serviert bekam. Zum Glück beherrschte sein Personal die Kochkunst perfekt.
Nie wieder sollte sein Gaumen solch enttäuschende Speisen erleben wie dort im Gefängnis. Aus jeder Ecke roch es gerade nach Essen, denn in der Küche wurde gerade ein Mahl zubereitet. Aber erst wollte er nach oben, um sich endlich mal wieder etwas Vernünftiges anzuziehen. Er blieb vor dem Zimmer stehen, das bisher als Amys Kinderzimmer genutzt wurde, aber die letzten Monate hatte sie immer häufiger bei ihm geschlafen. Joshua stand in dem Zimmer und schaute sich um. In seinem Gedanken sah er schon das neu gestaltete Zimmer des Babys.
Michael, Maria und Amy saßen bereits seit einiger Zeit im Auto. Nach fast zwei Stunden erreichten sie den Yosemite Park. Hier entschieden sie sich, eine Pause einzulegen, um sich die Beine zu vertreten und etwas zu essen.
"Als allererstes sollten wir ein Badezimmer aufsuchen. Das brauche ich jetzt am dringendsten", sagte Christine.
"Na klar, warst du schon einmal im Yosemite Park, Christine? Es ist wirklich schön", bemerkte Michael.
"Nein, dazu bin ich bisher noch nicht gekommen, aber ich habe mal darüber gelesen", antwortete Christine.
„Na, dann wird es ja mal Zeit, nicht wahr?“ Er lächelte sie an und hielt ihr seine Hand hin. Sie ergriff seine Hand und schaute sich noch einmal um, um Maria im Auto zu sehen, wie sie telefonierte. „Erstattet sie ihrem Vater Bericht oder was meinst du, was sie da macht?“