Es waren schon einige Stunden Fahrt vergangen, als wir die erste Pause an einem Rastplatz einlegten. Im Bus hatte es gefühlte 40 Grad und die Luft bestand hauptsächlich nur noch aus Kohlenstoffdioxid, an dessen Entwicklung Bruno mit seinen Füßen maßgeblich mitgewirkt hatte. Dementsprechend waren wir alle sehr froh, als sich die Türen öffneten und wir frische Luft in unsere Lungen saugen durften. Von einem mutmaßlichen Sauerstoffmangel benebelt, stolperte ich aus dem Bus heraus. Hinter mir folgte Bruno.
"Bro, ich hab echt Kohldampf. Wollen wir uns drinnen was zu futtern holen?", fragte er mich.
"Klar. Ich könnte auch was vertragen."
So schlenderten wir in den Rasthof und begutachteten das umfangreiche Angebot.
Als Bruno das XXL Schnitzelbrötchen erblickte, war es um ihn geschehen. "Max... Max! Sie... siehst du das?" Er deutete mit dem Finger auf den Koloss.
Ich konnte meinen Augen kaum trauen, wie riesig es war. Es thronte auf einem Art Podest und wurde gezielt von bunten Neonlichtern angestrahlt. "Das schaffst du doch niemals alleine! Das Ding könnte eine ganze Familie satt kriegen."
Brunos Augen ließen sein Ziel nicht mehr los. "Von meiner Geburt an, war es meine Bestimmung, an diesem häutigen Tag, in diesem Lokal, diese heilige Delikatesse zu kaufen und zu verzehren!"
Seinem Gesicht zu urteilen, stand er kurz davor, wie ein Hund aus dem Mund zu sabbern.
Ich verdrehte die Augen. "Ach Bruno. Dann tu, was du nicht lassen kannst."
Er ließ keine unnötige Sekunde verstreichen. "Entschuldigung? Arbeitet hier jemand? Ein hungriger Kunde wartet!"
Ein Mitarbeiter eilte aus der Hintertür. "Moin moin. Was kann es denn sein?"
"Ich hätte sehr gerne dieses Schnitzelbrötchen da." Mit zittriger Hand deutete er auf sein Verlangen.
"Ah, auf unseren Goldschatz haben Sie es abgesehen!" Er hob das Prachtexemplar vom Podest. "Zum hier Essen oder Mitnehmen?"
"hier Essen!", schrie Bruno ungeduldig. Als er darauf einen kritischen Blick kassierte, fügte er hinzu: "...bitte."
"Das macht dann 80 Euro bitte."
Der darauffolgende Wechsel von Brunos Mimik hätte mit einer Slow Motion Kamera festgehalten werden müssen. Zuerst verfinsterten sich seine Augen, anschließend zogen sich seine Augenbrauen zusammen, gefolgt von einer drastischen Errötung seines Gesichts.
"Wie bitte?!", schrie er, seine Emotionen nun nicht mehr unter Kontrolle haltend. "Sie wollen 80 Euro dafür haben?? Wer bezahlt denn so viel für ein gottverdammtes Schnitzelbrötchen?!"
Der Mitarbeiter ließ sich von Brunos Wutanfall nicht beeindrucken. "Der Preis ist gerechtfertigt. Schließlich hat Niedersachsens bester Koch, Sven Elverfeld, dieses Schnitzelbrötchen selbst zubereitet!" Stolz streckte er das Meisterwerk in die Höhe.
Die Begierde Brunos wuchs nun ins unermessliche. "Ist das so???" Panisch schaute er sich um. Jetzt blieb sein Blick an mir kleben. "Max, du bist mein bester Freund. Ich habe selten etwas von dir verlangt, aber jetzt zähle ich auf deine Partizipation. Teilen wir uns das Schnitzelbrötchen und jeder zahlt die Hälfte?"
Ich dachte über seinen Vorschlag nach, aber wusste, dass es unvernünftig wäre. "Hmm. Ehrlich gesagt ist mir das immer noch zu viel Geld. Die Klassenfahrt hat noch nicht mal wirklich begonnen und wir wollen jetzt schon so tief in die Tasche greifen? Ne, tut mir Leid."
Tränen sammelten sich in Brunos Augen. "Neeeeeeiiiiiiiiin!" Er streckte seine Arme nach oben.
Ein Unbeteiligter müsse glauben, dass ihm gerade ein Arzt eine tödliche Diagnose aufgestellt hatte.