Und dann grollte ein tiefes, vibrierendes Geräusch in seiner Brust. Ein Geräusch, das ich mehr in meinen Knochen spürte als hörte.
Es war ein Knurren, und es war mir zugewandt.
Ich stand wie angewurzelt da, wie ein Kaninchen, das einem Wolf in den Rachen starrt.
Jaxson Blackwoods Augen … diese furchteinflößenden, goldenen Augen … ruhten auf mir. Die anderen Spieler hatten aufgehört zu laufen, und ich spürte ihre Blicke, die sich von der anderen Seite des Eises in meinen Rücken bohrten.
Er musterte mich von oben bis unten, sein Blick schwer und abweisend, als wäre ich ein Schmutzfleck auf seinen teuren Schlittschuhen.
„Miller“, bellte er, ohne den Blick von mir abzuwenden. Seine Stimme war ein tiefer Bariton, rau vor ungenutzter Aggression. „Was ist das?“
Miller stürzte aus dem Tunnel hinter mir hervor und sah gehetzter denn je aus. „Das ist die neue Assistentin der Flüssigkeitsversorgung, Captain. Sie heißt Maya. Sie ist nur hier, um …“
„Raus hier!“, unterbrach Jax ihn mit eiskalter Stimme.
Es? Nicht sie, nicht die neue Mitarbeiterin … Es?
Die Angst, die mich gelähmt hatte, verflog augenblicklich und wurde von einem plötzlichen Anflug von Empörung abgelöst.
Ich hatte panische Angst vor ihm. Ja, er ist ein Monster, aber auch ein reicher, arroganter Schnösel, der gerade über mich geredet hat, als wäre ich ein verlorenes Gerät.
„Ich habe einen Namen“, sagte ich.
Meine Stimme zitterte so stark, dass ich kaum mehr als ein Flüstern herausbrachte, aber ich brachte die Worte hervor.
Jax sah mich an, wirklich an, nicht nur, um an mir zu schnuppern.
Seine Brauen zogen sich zu einem tiefen Stirnrunzeln zusammen, als wäre gerade eine sprechende Maus auf seinem Eis erschienen.
„Was hast du gerade gesagt?“, fragte er und beugte sich näher über die Bande.
Ich krallte meine Fingernägel in meine Handflächen und schöpfte Kraft aus dem stechenden Schmerz.
„Ich sagte, ich habe einen Namen!“, wiederholte ich und zwang mich, diesmal lauter zu sprechen.
„Ich bin’s, Maya. Ich versuche nur meinen Job zu machen, damit du dein Spiel spielen kannst“, fügte ich hinzu.
Einen Moment lang dachte ich, er würde über die Bande springen und mich erwürgen.
Das goldene Leuchten in seinen Augen flammte erneut auf, während sich seine Kiefermuskeln anspannten.
Doch dann tat er etwas Unerwartetes. Er lachte.
Es war kein freundliches Lachen. Es war ein raues, bellendes Geräusch, völlig humorlos.
„Ein Mensch mit Rückgrat“, höhnte er und stieß sich von der Bande ab. „Man lernt nie aus. Geh mir aus dem Weg, du Mäuschen. Und versuch nicht, in Ohnmacht zu fallen, wenn es richtig losgeht.“
Mit furchterregender Geschwindigkeit drehte er sich auf seinen Schlittschuhen und schoss aufs Eis zu, ein verschwommener Fleck aus blauem Trikot und roher Kraft.
Ich atmete erleichtert aus, ohne es vorher bemerkt zu haben; meine Knie gaben fast vor Erleichterung nach.
„Mann, Junge“, flüsterte Miller und tauchte neben mir auf.
Er sah kreidebleich aus. „Hast du einen Todeswunsch? Man widerspricht Blackwood nicht. Vor allem nicht, wenn er so drauf ist.“
„Warum?“, brachte ich mit zitternder Stimme hervor. „Warum hat er … warum hat er mich so angeschaut? Als wollte er mich fressen?“
Miller rieb sich verlegen den Nacken. „Er wollte dich nicht fressen, Bennett. Er war nur … verwirrt.“
„Verwirrt?“, fragte ich.
„Hör mal, diese Typen … ihre Sinne sind extrem geschärft, besonders der Geruchssinn. Sie nutzen Gerüche, um zu kommunizieren und ihre Umgebung zu verstehen. Du … du riechst nach nichts, was sie kennen.“
„Ich rieche nach Mensch“, sagte ich verteidigend und zog Grans Pullover enger um mich.
„Ja, aber …“, Miller zögerte und rang nach Worten. „Du riechst wie ein Mensch, der … ich weiß nicht. Es ist kompliziert. Vertrau mir einfach, sein Wolf wusste nicht, was er von dir halten sollte. Er war total nervös. Und ein nervöser Alpha ist ein gefährlicher Alpha.“
Er klopfte mir unbeholfen auf die Schulter. „Halt den Kopf gesenkt. Schau ihm nicht mehr in die Augen. Und um Himmels willen, widersprich ihm nicht. Bring jetzt die Flaschen auf die Bank. Der Trainer fängt gleich mit den Übungen an.“
Ich nickte stumm und wandte mich wieder dem Wagen zu. Meine Hände zitterten noch immer, als ich die Flaschen fertig platzierte.
Auf dem Eis ertönte erneut der Pfiff. Das Geräusch der Schlittschuhe auf dem Eis setzte wieder ein, lauter und schneller als zuvor.
Ich konnte Jax’ Stimme hören, die Befehle brüllte; ihr tiefer Klang durchdrang den Lärm.
Ich riskierte einen kurzen Blick auf ihn … er stand mitten auf dem Eis und leitete eine komplexe Passübung. Seine Geschwindigkeit und Wucht waren furchteinflößend.
Er checkte einen seiner Teamkollegen … einen Riesen, der bestimmt 135 Kilo wog … und schleuderte ihn mit einem knochenerschütternden Knall gegen die Bande.
Jax bremste nicht einmal ab.
Ich sah schnell wieder auf meine Wasserflaschen.
Er war ein arrogantes, brutales, furchteinflößendes Monster, und ich musste die nächsten vier Stunden in seiner unmittelbaren Nähe verbringen.
Während das Training um mich herum tobte und ich seinen durchdringenden Blick jedes Mal spürte, wenn er in die Nähe der Bank kam, fragte ich mich, ob das überhaupt Geld wert war.
Ich bin eine Maus in der Höhle des Löwen, und der größte Löwe hatte mich gerade erst bemerkt.
~
[Drei Wochen später …]
Wenn ich dachte, ich wäre vorher müde gewesen, kannte ich die wahre Bedeutung dieses Wortes nicht.
Drei Wochen verschwammen zu einem einzigen, qualvollen Nebel aus Koffein, Dieselabgasen und dem unerbittlichen Geruch von reinem Testosteron.
Mein Leben war zu einem schizophrenen Jonglierakt zwischen zwei Welten geworden, die absolut nicht zusammenpassten.
Tagsüber war ich Maya, die kämpfende Studentin am Community College in Oakhaven. Ich saß in hell erleuchteten, zugigen Hörsälen, …Ich versuchte, mir Informationen über menschliche Anatomie und Mikrobiologie einzuprägen, während ich gegen die Versuchung ankämpfte, auf meine überteuerten Lehrbücher ohnmächtig zu werden.
Meine Hände, wund und rissig vom Mischen hunderter Liter Elektrolytlösung in eiskaltem Wasser, verkrampften sich, während ich wie wild Notizen machte.
Ich aß Cracker aus dem Automaten zum Mittagessen und zählte jeden Cent.
Nachts war ich der „Mensch“ in der Silver Creek Arena. Jeden Abend um vier bestieg ich den ratternden Bus der Verzweiflung, überquerte die Grenze zum glitzernden Land der Giganten und verbrachte sechs Stunden damit, 136 Kilo schweren Gestaltwandlern auf Rollschuhen auszuweichen.
Meine Schultern schmerzten vom Schleppen des Getränkewagens.
Mein Gehirn fühlte sich permanent benebelt an von dem überwältigenden Reizüberfluss in der Umkleidekabine.
Aber als ich meine Banking-App öffnete, waren es nicht mehr 12,43 Dollar.
Herr Henderson hatte für zwei Monate im Voraus bezahlt.
Die erste Rate für Omas Hospiz war bezahlt.
Mir ging es noch nicht gut … ich aß fünf Abende die Woche Nudeln und trug immer dieselben drei Outfits … aber ich ertrank nicht mehr in Schulden.
Ich konnte aufatmen, ohne die erdrückende Last der drohenden Obdachlosigkeit zu spüren.
Diese finanzielle Sicherheit war das Einzige, was mich jeden Abend mit eiserner Willenskraft durch die Türen der Arena gehen ließ.
Die Spieler hatten sich größtenteils daran gewöhnt, mich zu ignorieren, was mir recht war.
Für sie war ich nur ein Teil der Ausrüstung … eine mobile Trinkstation, die ab und zu quietschte, wenn sie sich bewegte.
Stone, der mit den grünen Augen, nickte mir manchmal kurz zu.
Miller schrie mich mindestens fünfmal pro Schicht an, aber ich hatte gelernt, dass das einfach sein Normalzustand war.
Und dann ist da noch Jaxson Blackwood.
Der Kapitän hat mich seit jener ersten Nacht weder angeknurrt noch auch nur ein Wort mit mir gewechselt.
Aber beobachtet mich genau.