17.Kapitel Die Wahrheit

1408 Words
Am Abend brachen die Männer zu ihrem großen Plan auf. Ich sagte Clintch immer wieder, das ich mitkommen würde, doch er lehnte es immer ab. Ich sollte mein Bein noch schonen. Auch Mitch durfte sie nicht begleiten und er musste, mit mir und Grace im Lager bleiben. Ich hielt mich von ihm fern. Dieser Mann kam mir merkwürdig vor, jedes Mal wenn ich seinen Weg kreuzte, bombardierte er mich mit komischen Blicken. Einmal zwinkerte er mir sogar zu. Doch ich würde nicht im Lager sitzen bleiben. Mit einer dunklen Ahnung versetzte es mich plötzlich in die Zeit zurück, als die Bande damals den Zug ausraubten und ich beinahe erschossen worden wäre. Als ich sicher sein konnte, das Grace und Mitch nichts mitbekamen, schlich ich mich zu den Pferde. Meine Pistole steckte bereit in meinem Gürtel und ich schwang mich auf meinen Hengst. Ich ritt aus dem Lager und in die Richtung der Stadt, in die Clintch und seine Leute gehen wollten. Aufregung ließ mein Herz schneller pumpen, als ich in der Stadt ankam und vor der Bank mein Pferd anband. Die Bande hatten sich einen gescheiten Plan ausgedacht um in die Bank herein und unbemerkt wieder herauszukommen. Doch ich wusste, ich würde schlauer sein. Ich duckte mich und schlich um die Bank herum. Die Hintertür konnte ich mit Leichtigkeit aufbrechen. Als ich in den Raum gestürzt kam, zielte sogleich ein Mitarbeiter der Bank, mit der Waffe auf mich, doch ich schoss als erstes und er ging zu Boden. Vorsichtig schlich ich weiter. Doch im zweiten Raum umringten mehrere Mitarbeiter Karl und Frank. Ich stürzte mich vor und schoss dem ersten in den Rücken. Frank gab seinem Gegner eine mächtige Kopfnuss und Karl stieß seinem Gegenüber ein Messer in den Bauch. Alle drei gingen zu Boden und die beiden Gesetzlosen nickten mir kurz zu. Im dritten Raum standen auch die restlichen Bandenmitglieder und öffneten mit hoher Präzision einen Save nach dem anderen. Gustav und Michah standen als Späher am Türrahmen. Amanda und John, stopften in ihre Taschen die Geldscheine und Becky und Clintch kümmerten sich um die noch verschlossenen Save's, doch so viele gab es gar nicht mehr. Als ich mit Frank und Karl in das Zimmer eintrat, warf mir Clintch einen kurzen, dunklen Blick zu, doch er sagte nichts. Ich durchquerte den Raum und wollte mich gerade zu Amanda und John gesellen, als Michah und Gustav ein hektisches Zeichen gaben, das jemand kam. Doch die Bande reagiert zu langsam und ihre Möglichkeiten waren ohnehin begrenzt, denn die Tür sprang auf. Zu Jedermanns Erstaunen, trat Jim Cartwright ein. Er hatte eine Waffe gezogen und richtete sie auf uns. Hinter ihm strömten Kopfgeldjäger in den Raum und ein Sheriff. Ich riss die Augen auf und plötzliche Angst pochte durch meine Venen. Nun richteten sich etlichen Pistolen auf uns. ,,Auf den Boden! Und Hände in die Luft!", rief Jim laut und die Gesetzlosen gehorchten. Ich zog mich nach ganz hinten zurück und hockte mich in eine Ecke. Jim blickte frostig in die Runde. ,,Seid ihr überrascht?", fragte er leicht spöttisch und sein Mundwinkel wanderte langsam nach oben, ,, Ihr seht richtig. Ich bin kein Gesetzloser, so wie ihr es seid. Ich habe euch die ganze Zeit über gejagt. Ich bin ein Kopfgeldjäger." Die Unterkiefer der Gesetzlosen fielen herab. Ich wusste was sie nun dachten, ein Kopfgeldjäger? Was hatte Jack Garrett mit der Sache zu tun? ,,Steckt Jack Garrett dahinter?", grummelte Clintch eine vorsichtige Frage. Doch Jim lächelte breiter und richtete sich auf. ,,Jack Garrett hat mit der Sache nichts zu tun.", rief er laut und fügte hinzu, ,,Er war genauso wenig in die Sache involviert wie ihr." Eine Zeitlang ruhte sein Blick siegreich auf uns, doch mein Herzschlag blieb ruhig. ,,Allerdings..", begann Jim von neuem, ,,Ist heute der Tag der Wahrheit gekommen.", sein Blick wurde hart und er schaute auf uns herab, ,,Ihr habt einen Verräter unter euch." Ihnen stockte der Atem. Die Spannung dehnte sich im Raum aus, beinahe konnte ich sie hören. Nun hämmerte mein Herz doch gegen meinen Brustkorb. Verräter! Ich versuchte von weiter vorn einen Blick auf Clintch zu erhaschen, doch ich bekam ihn nicht zu sehen. Verräter! Jim sah mich nicht an, doch sein Grinsen wurde breiter, dann hielt er sich plötzlich die Hand vor den Mund und versuchte nicht zu Lachen. ,,Es tut mir Leid.", kicherte er, ,,Ich wollte nicht so Grinsen, wenn ich euch die Wahrheit sage, aber euer Gesichtsausdruck ist einfach nur zu komisch." Verräter! Jim atmete kurz ein und sprach weiter:,, Na schön. Ich will euch nicht länger warten lassen. Ihr sollt denjenigen kennenlernen, der euch an der Nase herumgeführt hat. Es wird mir eine Freude sein ihn euch vorzustellen!" Jim streckte die Arme aus und noch während er sprach, stand ich in meiner Ecke langsam auf. Keiner hörte mich und keiner sah mich. Verräter! Erst als ich meine Pistole neu lud und das laute klicken durch den Raum schallte, drehten sich alle Köpfe zu mir um. Verräter, Verräter! Ich richtete die Waffe auf sie, auf meine alten Kameraden, auf Clintch. Mein Herz pochte und mein Puls erhöhte sich, doch ich fühlte nichts. Mit bedächtigem Schritt umrundete ich langsam die Bande und kam vorn bei Jim an. Verräter! ,,Ganz richtig.", murmelte ich finster, ,,Ich habe euch etwas vorgemacht, jeden einzelnen von euch. Seid ihr überrascht?" Neben Jim blieb ich stehen. Ich konnte Clintchs Blick nicht deuten, doch er starrte mir direkt in die Augen. Amanda hatte den Mund halb geöffnet, in ihren Augen glimmte Entsetzen. John blinzelte mehrmals, er zog die Augenbrauen zusammen und schaute mich aus schmalen Schlitzen an, als könnte er mich nicht richtig erkennen. Gustavs Blick allerdings war finster und er jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Doch in allen Blicken von ihnen, lag Enttäuschung, Überraschung und Schmerz. ,,Mein Vater ist nie ein Pferdehändler gewesen. Mein Vater ist Sheriff.", sprach ich mit festem Ton und sah bemitleident auf Clintch herab, ,,Er hat dich Jahrelang gejagt. Es ist erbärmlich das du ihn nicht erkannt hast. Allerdings wusste er, nach einiger Zeit, für diesen McKay-Burschen, dafür brauch er einen besseren Plan.", ein kurzes Lächeln zuckte über mein Gesicht und für ein paar Sekunden verstummte ich und genoss den unlesbaren Blick Clintchs auf mir. Dann fuhr ich fort:,, Jim und ich hatten schon Jahre vorher Banditen wie euch gejagt. Und eines Tages kam mein Vater zu uns und erzählte von seinem Plan. Ich fühlte mich sehr geehrt, das mein Vater ausgerechnet zu mir kam, er hätte auch zu meinen drei anderen Brüdern gehen können..." Ich verstummte kurz, als mir der Gedanke an William zurück in den Kopf rutschte. Mit kaltem Blick betrachtete ich Clintch unter mir und plötzlich schrie ich los:,, Und ich habe es dir natürlich nicht verziehen, das du meinen Bruder ermordet hast!" Meine Stimme donnerte durch den Raum wie ein Gewitter und ich glaubte Clintch leicht zusammenzucken zu sehen. Ich atmete lang aus. ,,Macht euch keine Vorwürfe.", erhob Jim wieder die Stimme, ,,Egal was ihr anders gemacht hättet, wir waren euch immer einen Schritt voraus." Mein Arm wurde schwer an dem ich die Pistole hielt, doch es war ein angenehmes Gefühl, im Gegensatz zu meinem Innern. Dort fühlte ich immer noch nichts. Ich fühlte weder Freude noch Triumph oder Wut. Jeden einzelnen von ihnen sah ich mit steinigem Blick direkt in die Augen und ich konnte ihre Gedanken beinahe hören. Verräter, Verräter, Verräter! ,,Ihr gehört alle an den Galgen.", murmelte ich kalt und versuchte so die Stimmen in meinem Kopf zu übertönen, ,,Morgen in der Früh, werdet ihr hängen." Die anderen Kopfgeldjäger machten einige Schritte vor und wollten den Gesetzlosen Handschellen anlegen und abführen. Doch so weit kamen sie nicht. Denn plötzlich strömten weiter Menschen in das Zimmer. Sie waren alle schwarz gekleidet und sprangen durch die Fenster, zu uns herein oder durch die offenstehenden Türen. Sie schlugen die Kopfgeldjäger beiseite. Sie sahen aus als gehörten sie irgendeiner Sekte an. Die Gesichter waren ausdruckslos, doch in ihren Augen glitzerte es, wie kleine Kristalle. Sie zogen die Waffen und erschossen die Kopfgeldjäger, all die die sie erwischen konnten. Ich sah zu wie sie einen nach dem anderen der Gesetzlosen packten und sie Bewusstlos schlugen. Doch ich konnte nicht reagieren, denn auch mich hatte plötzlich jemand von hinten gepackt und etwas Hartes stieß gegene meine Schläfe. Vor meinen Augen sah ich Sterne und Schmerz zuckte durch mein Hirn. Ich verlor das Bewusstsein und fiel ins Schwarze. Die Gesetzlosen wurden von jemandem vor dem Galgen gerettet. Wer war dieser jemand?
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD