Kapitel 55 Das Flüstern zog mich aus dem Schlaf wie eine unsichtbare Hand, die mich sanft, aber unnachgiebig wachrüttelte. Die Dunkelheit der Kapelle war dichter geworden, als hätte sie ein Eigenleben entwickelt. Die Flammen des Feuers waren erloschen, nur noch vereinzelte Glutstücke glimmten matt vor sich hin. „Anna…“ Die Stimme klang gleichzeitig nah und fern, wie ein Echo, das sich in den Wänden verlor. Mein Atem beschleunigte sich, mein Blick wanderte zu Elias, der auf der anderen Seite des Raumes lag. Er schien tief zu schlafen, unbewegt, als ob ihn nichts aus der Ruhe bringen konnte. Simon hingegen war nicht mehr in seiner Ecke. Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Simon?“ flüsterte ich ins Nichts, meine Stimme kaum mehr als ein Hauch. Keine Antwort. Das Flüstern kam näher. Es w

