Isabella´s POV
Um 19 Uhr klingelte es an meiner Tür. Andrea holte mich ab. Als ich ihr die Tür öffnete, hielt sie mir einen großen Beutel vor die Nase.
„Hier ist dein Outfit für heute Abend. Da du ja erst eingezogen bist, dachte ich du könntest es sicher gut gebrauchen.“
Verlegen nahm ich die Tüte und ließ sie im Wohnzimmer warten, während ich mit der Tüte ins nahegelegene Schlafzimmer verschwand. Tatsächlich stand ich eine geschlagene Stunde vor meinem Kleiderschrank und wusste weder, was ich tragen sollte, noch, hatte ich das Gefühl irgendetwas passendes zu haben. Schnell zog ich das Kleid von Andrea an. Ein enganliegendes dunkles türkisblaues Paliettenkleid, das knapp über meinen Knien endete. Nicht zu kurz, aber gewagt genug. Ich sah mich selbst im Spiegel an. Es war wie für mich gemacht. Ich sah wirklich sehr hübsch aus und fühlte mich wohl darin.
Das Kleid harmonierte gut mit meinen langen braunen Haaren, welche ich offen über meiner rechten Schulter trug. Dazu ein Paar schwarze High Heels, dezentes Make-Up und einen nudefarbenen Lippenstift. Als ich ins Wohnzimmer zu Andrea zurückkehrte, sah sie mich mit weit aufgerissenen Augen an.
„Wow, Isabella, du siehst super heiß aus! Du solltest das Kleid behalten. Es steht dir sowieso weitaus besser als mir. Du wirst dich heute Abend nicht vor Männern retten können.“, neckte sie.
„Alles nur das nicht. Das ist das Letzte, was ich gerade gebrauchen kann. Es liegt so viel Arbeit ab nächster Woche vor mir.“ Andrea wusste nicht, dass ich noch nie einen Freund oder s*x hatte. Dabei wollte ich es auch noch für die nächste Zeit belassen. Ich kenne sie ja auch erst seit wenigen Wochen.
„Ach komm schon, hab mal ein bisschen Spaß.“, scherzte Andrea und stieß mich am Arm an.
„Heute wird nicht mehr über die Arbeit geredet. Wir beide haben jetzt Spaß. Das haben wir uns verdient.“ Mit diesen Worten zerrte Andra mich aus der Wohnung.
Als wir am Klub abkamen, zog Andrea mich hinter sich her, direkt vorbei an der Schlange der wartenden Gäste, zu den Türstehern. Andrea musste sie gekannt habe, denn sie küsste einen von ihnen auf die Wange und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Wir konnten sofort in den Klub. Zuerst bestellte Andrea ein paar Drinks, welche wir an der Bar getrunken haben. Ich schaute mich um und nahm den ganzen Klub in mich auf. Ein paar Leute standen oder saßen an der Bar, bestellten Getränke, redeten. Andere brachten ihre Körper dicht an dicht auf der Tanzfläche ins Schwitzen. Ich trank mein Getränk schneller, so wie ich immer nervöser wurde.
„Immer langsam Isabella. Bei der Geschwindigkeit, wie du trinkst, wird es ein kurzer Abend für dich werden.“, lachte Andrea und sah mich dann besorgt an.
„Es geht mir gut. Es ist nur… ich bin noch nie in so einem Klub gewesen, in so einem Outfit. Ich muss nur meine Nerven ein wenig beruhigen.“
„Du brauchst dir wirklich keine Sorgen darüber machen, wie du aussiehst. Isabella, du siehst wirklich fantastisch aus.“
Für Andrea war es leicht das zu sagen. Sie war wunderschön, mit ihren großen blauen Augen und ihren langen blonden Haaren. Sie trug ein silbernes Kleid, welches wie meins mit Palietten bestückt war. Ihres hatte einen Wasserfallausschnitt und war ein wenig kürzer als meins. Nur ein paar silbern glitzernde Striemen zierten ihren Rücken. Sie war sehr schlank und hatte perfekte Kurven. In kurzer Zeit bekam sie die Aufmerksamkeit von allen, Männern und Frauen.
Im Laufe des Abends hatten wir mehr Drinks, Tequila shots, und tanzten. Je mehr Zeit verging, umso wohler fühlte ich mich. Andrea hatte Recht, es tat wirklich gut mal die ganze Arbeit zu vergessen. Ich machte mein ganzes Leben lang eigentlich nichts anderes als zu arbeiten und hatte nie Spaß. Ich tat was alle anderen taten, hielt meine Arme in die Luft und bewegte mich zum Rhythmus der Musik hin und her. Dabei ließ ich meine Augen die meiste Zeit zu. Ich ließ mich einfach treiben und fühlte mich leicht und frei. All die Leute um uns herum taten dasselbe und waren mit sich selbst beschäftigt. Keiner achtete darauf, was der andere machte. Das weiche Licht im Klub, welches seine Farben und Intensität immer wieder änderte, riss mich noch mehr mit. Ich verlor mich darin. Ein Kerl tanzte Andrea von hinten an. Ohne ihn überhaupt anzusehen schmiegte sie ihren Rücken an ihn und bewegte sich gemeinsam mit ihm zur Musik. Ich bewunderte ihre Losgelöstheit. Plötzlich verspürte ich ein Urbedürfnis, ich musste pinkeln. Wir hatten ziemlich viel getrunken. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die Blase meldete. Ich wollte Andrea nicht stören, also entschied ich mich alleine auf den Weg zur Toilette zu machen. Ich lächelte ihr zu und signalisierte ihr, dass ich für einen Moment weg bin. Sie gab mir ein kurzes Nicken zurück, dass sie verstand.
Als ich versuchte mir einen Weg durch die Menge zu bahnen fiel mir auf, wie voll es im Klub war und ebenso, dass ich definitiv am Schwitzen war. Als ich endlich das Symbol für die Toiletten sah, natürlich auf der anderen Seite der Tanzfläche, machte ich mich direkt auf den Weg dorthin.
Ich sah nach unten, um zu verhindern, dass ich jemanden auf die Füße trete, als ich gegen eine harte Wand vor mir prallte.
BANG!
Er spannte seine Armmuskeln an und packte mich an den Oberarmen, um zu verhindern, dass ich hinfalle. Mit dem Gesicht noch immer nach unten gerichtet, sah ich teure Schuhe. Männer Schuhe. Als ich meinen Blick nach und nach aufrichtete, sah ich, dass er Jeans trug und ein schwarzes Langarmshirt, das so eng anlag, dass es seinen muskulösen Oberkörper sehr gut zur Geltung brachte.
„Oh, es, es tut mir leid!“, stotterte ich leise und war mir sicher, dass er es bei der lauten Musik nicht gehört hat.
„Ich habe nicht aufgepasst. Ich musste so nötig zur Toilette.“, fügte ich hinzu. Als ich endlich den Mut hatte dem Unbekannten ins Gesicht zu sehen, fror mein Blut auf der Stelle ein und ich riss die Augen auf.
ER! Schon wieder!
„Sie??“
Ich errötete und wünschte mir im Boden versinken zu können. Habe ich gerade dem CEO der Firma, für die ich arbeite, gesagt, dass ich pinkeln musste? Es könnte nicht peinlicher werden. Was zur Hölle machte er überhaupt hier? Verfolgt er mich oder sowas?
Er sah mich mit intensivem Blick an und hielt direkten Augenkontakt. Nach einem Moment, der ewig andauern zu schien und er mich immer noch fest im Arm hielt, sagte er:
„Das scheint wirklich Ihr Ding zu sein.“ Er lächelte leicht. „Geht es Ihnen gut?“
Als ich ihn wieder ansah, bemerkte ich, wie er mich abscannte. Er wollte sich wahrscheinlich vergewissern, dass ich nicht verletzt war oder ähnliches. Ich schmolz bei seiner Berührung fast dahin, aber der Fakt, dass er mein Boss war, traf mich und ich wand mich aus seinem Griff heraus. Es war unnötig, dass er mich noch länger festhielt und es fühlte sich, in Anbetracht dessen, dass ich seine Angestellte war, unangemessen an.
„Es geht mir gut. Ich, ich muss jetzt wirklich gehen.“ Safte ich laut und mit nervöser Stimme. Meine Blase drückte jetzt tierisch. Ich nickte mit dem Kopf in Richtung der Toiletten, die sich hinter ihm befanden.
Er wusste, was ich meinte. Als er mich dennoch nur ansah und sich kein bisschen bewegte, machte ich den ersten Schritt und drückte mich an ihm vorbei. Dabei berührten sich die Vorderseiten unserer Körper leicht, was ein Prickeln in meinem Körper auslöste. Es nahm mir die Luft zum atmen und für einen Moment fühlte ich diese riesige Spannung zwischen uns, in der ich mich hätte verlieren können. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt. Ich wusste nicht, was vor sich ging oder mit mir nicht in Ordnung war. Ich wusste nur, dass es mich komplett aus den Latschen kippt und mein Hirn vernebelte. Das konnte ich nicht zulassen. Ich musste von ihm weg. Ohne ihn anzusehen rannte ich regelrecht zu den Toiletten und konnte erst wieder richtig atmen, als ich die Kabine hinter mir schloss. Als ich mich erleichterte, ließ ich meinen Kopf in die Hände fallen und stützte meine Ellenbogen auf den Oberschenkeln ab. Warum passierte mir das? Warum musste er ausgerechnet heute hier sein? Von all den Tagen. Heute, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben ausgehe. Ich hatte das Gefühl verrückt zu werden.
Ich machte mich frisch und entschied mich Andrea zu suchen, um den Abend zu beenden und nach Hause zu gehen. Ich wollte heute Abend definitiv nicht noch einmal in eine solch peinliche Situation mit meinem Chef geraten. Ich suchte die Tanzfläche nach Andrea ab. Als ich mich ihr immer mehr näherte fühlte ich plötzlich zwei Hände, die sich eng um meine Taille schlungen und mich dicht an einen Körper zurückzogen. Sie gehörten zu keinem Mann, den ich kannte. Es war nicht Mr. Crawford. Crawford hatte diesen moschusartigen Duft. Dieser Kerl roch nicht gut und seine Hände fühlten sich eklig auf meinem Körper an. Er begann mich im Rhythmus der Musik hin und herzuwiegen. Ich versteifte mich und versuchte mich aus seinem festen Griff zu befreien.
Ich zog an seinen Händen, versuchte mich von ihm wegzudrücken, aber sein Griff straffte sich nur noch mehr, als er mir ins Ohr flüsterte:
„Sei nicht schüchtern mein Kätzchen, entspanne dich und genieße den Tanz, so wie du es vorhin genossen hast dich zu bewegen. Das ist schließlich der Grund, warum du hier bist, nicht wahr?“