Es dauerte nur einen Moment bis Jack den Kuss erwiderte. Es war bewundernswert, dass er sich derart schnell gefangen hatte. Immerhin dürfte ihn das mehr als nur überrascht haben. An seiner Stelle hätte ich sicher nicht so reagiert. In erster Linie hätte ich den Kuss nie erwidert. Er hingegen ging voll darauf ein.
Unsere Lippen bewegten sich perfekt gegeneinander, da musste ich die Notbremse ziehen.
Ich wollte mich von ihm lösen. Alleine, weil das genug Show gewesen war.
Aber Jack zog mich an sich. Es war etwas fest, weshalb mein Mund sich leicht öffnete. Er verlor keine Zeit und machte einen Zungenkuss daraus. Da reagierte jemand stark auf meinen Kuss und wusste was er wollte.
Ich hatte keine Ahnung warum ich es tat, allerdings ging ich darauf ein und legte meine Arme um seinen Hals. So heftig war es nicht geplant gewesen, aber er war ein verdammt guter Küsser.
Seine Lippen auf meinen fühlten sich etwas zu gut an.
Irgendwann bekam ich mein Leben doch wieder auf die Reihe und löste mich von ihm. Er ließ es zu und grinste natürlich frech.
Ich war etwas durch den Wind und räusperte mich, bevor ich sagte: "Ich geh dann mal."
Zack, ich drehte mich um und ging schon.
Natürlich wurde ich rot, wie eine Tomate. Von Jack kam keine Antwort, der war wohl doch zu überrascht. Es war ihm nicht zu verübeln. Ich war selbst verwundert darüber, wie sehr dieser Kuss eskaliert war.
Ich eilte in die Schule, denn vielleicht wurde es dort besser, damit ich wieder einen kühlen Kopf bekam.
Seine Freunde hörte ich lachen, was verständlich war.
Das musste ein Anblick gewesen sein. Mia ging praktisch auf Jack los und niemand wusste, warum.
Gut, Sina wusste es und sie schloss schon mit mir auf. Sie unterdrückte ein Lachen und ich fragte: "Oh Gott, das habe ich wirklich getan, oder? Oh scheiße."
Sina meinte: "Lächeln, Mia. Lächeln." Sehr gute Idee und ihren Vorschlag setzte ich um.
Sie fuhr fort: "Ich gestehe, ich hätte nicht gedacht das du es wirklich tust. Aber man wird immer wieder von seinen Mitmenschen überrascht." Das Lachen musste sie noch immer unterdrücken.
Ich war knallrot und konnte es selbst nicht recht glauben, was ich da getan hatte.
"Wie erklärst du das überhaupt, Mia? Das sind wir nicht durchgegangen."
Ich nickte und antwortete: "Sehr einfach. Jack und ich haben schon länger was am Laufen. Gestern meinte er, das ich mich nie trauen würde es öffentlich zu machen. Weshalb das heute spontan war und das dürfte es jedem erklären, weil er jetzt sicher, wie ein verwirrter Trottel aussieht." Sina fing hemmungslos zu lachen an.
Innerlich wollte ich sterben. Das hatte ich wirklich getan. Nein, ich war verrückt geworden. Ausgerechnet den Typen hatte ich geküsst.
Aber er war der Einzige, der Interesse an mir zeigte und eine Chance bestand, dass der Kuss erwidert wurde.
Und der große Pluspunkt, das Miranda ewig in ihn verliebt gewesen war. Das machte das Ganze noch besser.
Ich beeilte mich an meinem Spind, um die richtigen Bücher für den Tag rauszusuchen. Sina hatte sich endlich beruhigt, weshalb sie sagte: "Nice, Mia. Ja, die Erklärung dürften dir die Leute abkaufen. Aber was sagst du Jack?"
"Sehr gute Frage."
Sina unterdrückte ein weiteres Lachen und sagte: "Ich versichere, deinen sogenannten Freunden fiel die Kinnlade runter."
Eine Antwort bekam sie keine, denn das Ganze war mir aktuell selbst zu viel.
Ich eilte weiter und Sina musste genauso zu ihrem Spind, so wurde ich sie los.
Fraglich, was ich Jack sagen sollte. Weitläufig hatte ich meinen Plan nicht bedacht. Aber für die anderen Leute schon.
Ich kam in meinem Klassenraum an und setzte mich an meinen Platz. Wenigstens hätte ich erst später eine Stunde mit Jack. Aktuell konnte ich ihm aus dem Weg gehen.
Miranda kam reingestürmt und sah mich entsetzt an. Sie fragte aufgebracht: "Mia, was zur Hölle ist los mit dir?"
Unschuldig fragte ich: "Was? Warum?"
Die Unschuldsmasche zog sicher kein bisschen, aber ich versuchte es.
Wütend fuhr sie mich an: "Tu nicht so! Du weißt ganz genau, was ich meine." Sie blieb vor dem Tisch stehen und funkelte mich an.
Ok, da war jemand sehr wütend. Mit so einer heftigen Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Das war etwas zu d**k aufgetragen.
"Was denn? Ich treffe mich schon seit einer Weile mit Jack." Ich zuckte mit den Schultern und holte das Buch für die Stunde aus meiner Tasche. Das war eine tolle Beschäftigung, so konnte ich ihrem Blick ausweichen.
Miranda ließ sich auf ihren Stuhl fallen und fragte: "Bist du jetzt komplett irre? Was sollte das?"
Also das es ihr nicht passte, war mir klar gewesen, aber das war eine Nummer schärfer. Ihre Tonlage war sehr bissig.
Ich blieb ruhig und antwortete: "Wie gesagt, wir haben eine Weile was am Laufen. Jack meinte gestern das ich mich nie trauen würde, das öffentlich zu zeigen. Deshalb die Aktion gerade." Ich zuckte nochmal mit den Schultern als wäre es kein Ding.
Ich holte schön langsam einen Stift aus meiner Tasche, damit verging auch ein wenig Zeit.
Hoffentlich kam bald der Lehrer.
Misha und Riley kamen jetzt auch und setzten sich auf die Bank vor uns.
Misha fragte: "Was war das mit Jack?" Miranda kam mir zuvor mit einer Antwort. "Sie dreht komplett durch, das ist los mit ihr." Sie wandte sich mir zu und fügte hinzu: "Mia, sei vernünftig. Der Typ ist kein guter Umgang. Was denkst du dir? Damit blamierst du dich und das sehr. Willst du wirklich noch tiefer fallen?"
Ich biss die Zähne zusammen, um sie nicht anzufahren. Wieder von zehn abwärts zählen und etwas beruhigen. Ansonsten explodierte ich und würde ihr meine ungefilterte Meinung geben.
"Miranda, ich habe es dir bereits erklärt. Soll ich es dir vielleicht noch aufschreiben? Außerdem ist es mein Leben." Meine Stimme klang todernst und sie wirkte überrumpelt.
Gut, ich hatte ihr nie die Stirn geboten. Das war das erste Mal, dass ich so etwas zu ihr sagte.
Misha biss sich auf die Unterlippe, als müsste sie sich ein Lachen verkneifen.
Und Riley sagte: "Das war mal was. Jack sah ziemlich verwirrt aus."
Ich antwortete sofort: "Ja, er hat gestern gemeint, das ich es nie wagen würde öffentlich zuzugeben, dass wir uns treffen. Deshalb heute die spontane Aktion. Vermutlich dürfte das jetzt als öffentlich gelten."
"Ja, eher schon. Die Leute haben ziemlich geguckt." Ich nickte und hoffte, das der Lehrer endlich kommen würde.
Miranda würde mich noch mit ihrem Blick töten. Sie meinte: "Mia, das ist doch kein Verhalten. Der Typ ist die unterste Schublade. Denk mal darüber nach." Miranda sah nun stur an die Tafel, wofür ich dankbar war.
Misha sagte auch wieder etwas: "Miranda, Freunde wünschen sich Glück für einander."
Entsetzt sah ich zu Misha. Hatte ich mich verhört? Hatte sie das gerade wirklich gesagt?
Klar, Miranda sagte das ständig wegen James. Aber wer wagte es das zu Miranda zu sagen? Offensichtlich sie.
Miranda sah sicher genauso dumm aus, wie ich es tat. Aber Misha drehte sich nach vorne und Riley blieb still.
Ok, der Tag wurde immer verrückter. Endlich kam der Lehrer in die Klasse und unsere Unterhaltung war offiziell beendet.
Jetzt musste ich mir nur noch überlegen, was ich zu Jack sagen sollte...