Kapitel 7

1966 Words
Der Schultag war die reinste Qual gewesen. Er hatte sich ewig in die Länge gezogen und wollte praktisch gar nicht enden. Miranda zog den üblichen Mist ab mit ihren dummen Kommentaren. Meinem Selbstbewusstsein ging es schon mal besser. Misha und Riley ignorierten mich meist, aber eins war mir klar. Morgen würde ich mir Misha schnappen. Irgendwie musste ich es schaffen mit ihr alleine zu sein. Die bekam ich schon auf meine Seite. Es war nur die Frage wie genau ich das anstellen sollte. Rache zu planen war schwierig. Davon zu träumen war leicht. Die Umsetzung wurde kompliziert. Aktuell war ich wieder im Diner und heute war wenig los. Kira hatte frei, da sie bis spät Abends Kurse hatte. Die Tage waren immer anstrengend. Das mit Sina beschäftigte mich den ganzen Tag. Warum hatte sie mich eingeladen? Es machte absolut keinen Sinn. Klar, sie meinte, dass sie es witzig findet, wie ich mit Jack umging. Aber deshalb musste man mich nicht zu einer Party einladen. Ich seufzte und sah auf die Uhr. Wenn es so weiter ging würde ich Vera fragen, ob ich früher abhauen konnte. Ich machte kaum Trinkgeld und es war sterbenslangweilig. Bis die Tür aufging und Miranda hereinkam. Mein Herz blieb einen Moment stehen. Da sie mir abgewandt war, reagierte ich, indem ich mich hinter dem Tresen versteckte. Besser gesagt ich warf mich auf den Boden. Als ich nochmal darüber nachdachte war jetzt die Frage, wie ich das lösen sollte. Irgendwann musste ich aufstehen und dafür sollte eine gute Begründung her. Ich tat das Erstbeste, was mir einfiel. Leise in die Küche krabbeln. Zu früh gefreut, denn ich hörte eine verwirrte Stimme: "Mia?" Oh nein. Ich war erwischt worden. Ich sah auf, versuchte mich an einem Lächeln und stand auf. Was war diese Giraffe auch so groß, dass sie über den Tresen sah? Sie fragte: "Was machst du da?" Nach einem Räuspern antwortete ich: "Wöchentlicher Putz, da wird sogar der Boden geschrubbt." Miranda wurde stets verwirrter. Hoffentlich war sie dumm genug, um mir das halbwegs abzukaufen, obwohl ich kein Putzzeug bei mir hatte. James stand neben ihr und ich wollte alle beide am liebsten umbringen. Jetzt wurde mir reingerieben, wie toll sie als Paar waren. Hinter ihnen entdeckte ich Misha mit ihrem Freund. Fraglich wo Riley blieb. Um abzulenken deutete ich auf einen freien Tisch. "Setzt euch doch." Das taten sie und ich eilte in die Küche. Sie waren abgelenkt und in meiner Panik floh ich deshalb. Ich musste mich kurz sammeln. An die Wand lehnen und tief Luft holen war mein erster Versuch zur Beruhigung. Diesen Wahnsinn würde ich schaffen und überstehen. Meine beste Freundin rieb mir zwar ihr Liebesglück mit meinem Ex rein und wollte mich vermutlich anstacheln, aber das überlebte ich alles. Schön positiv bleiben. Joe kam in die Küche und sah mich besorgt an. "Alles ok?" Ich zeigte ihm den Daumen hoch und ging an ihm vorbei. Sich ewig zu verstecken machte es nicht besser und bei Joe warf das Fragen auf. Also ging ich zum Tisch von meinen angeblichen Freunden. Innerlich war es ein Kampf freundlich zu bleiben. "Und wisst ihr was ihr wollt oder möchtet ihr die Karte lesen?" Jeder wusste was er wollte und ich nahm die Bestellung auf. Ich wartete keine weitere Sekunde und eilte davon. In der Küche gab ich die Bestellung ab und machte mich an die Getränke. Innerlich hoffte ich das sie nach dem Essen sofort gingen. Zu ihnen würde ich nur sehen, wenn ich es musste. Miranda und James starteten sicher wieder eine ihrer Kuss Orgien. Meine Augen sollten davon verschont bleiben. Als die Getränke fertig waren, ging ich damit zu ihrem Tisch. Wie erwartet küssten Miranda und James sich, die bekamen nicht mal mit, das ich schon hier war. Aber die anderen beiden dankten mir. Ja, es gab auch höfliche Menschen auf diesem Planeten. Sofort stürmte ich davon hinter den Tresen, der meine Sicherheit war. Die Tür ging wieder auf und diesmal kamen Sina und Lucy herein. Was war los mit den Leuten? Kamen jetzt alle ins Diner? Bei Glück setzten sie sich in den Bereich von Joe, dann hatte ich meine Ruhe. Ich putzte den Tresen, so hatte ich meinen Frieden und wirkte beschäftigt. Leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn die beiden nahmen auf den Stühlen mir gegenüber Platz. "Hey Mia", kam von beiden gleichzeitig und mit einem Lächeln sah ich auf. "Hi Sina und Lucy." Ich fragte gleich: "Wollt ihr euch die Karte ansehen?" Immer dieselbe Frage, einfach bei jedem Kunden. Ich fühlte mich wie ein kaputter Radio, der sich ständig wiederholte. Sina antwortete: "Zweimal Kaffee mit Milch und Zucker, bitte." Ich nickte und ging zur Kaffeemaschine. Joe lief an mir vorbei und sagte: "Ich bring das Essen an deinen Tisch." "Danke, Joe." Perfekt, dann musste ich nicht zu den Irren, die meine Freunde waren. In Ruhe machte ich den Kaffee fertig und brachte diesen Sina und Lucy. Sie dankten mir und Sina fragte: "Und wie geht's dir?" "Gut danke und euch?" Das war sogar eine freundliche Unterhaltung, wer hätte das gedacht. Die schlechten Gerüchte waren vielleicht sogar unberechtigt. "Auch gut." "Auch." Sina fuhr schon fort: "Deine beste Freundin muss dir wohl ihre Liebe mit deinem Ex reinreiben, was?" "Tja, man sollte das Glück den anderen gönnen." Sina lachte und Lucy unterdrückte es, um etwas zu sagen: "Das ist Verarsche. Nur scheinbar ignorierst du das." Ich zuckte mit den Schultern und wollte mich abwenden. Aber Sina fragte: "Prinzessin, warum lässt du dir das überhaupt gefallen? Es kann einem praktisch nicht entgehen, wie sie dich, Misha und Riley behandelt." Die Antwort sollte ich mir gut überlegen. Miranda mit Anhang waren zwar zu weit weg, um uns zu hören. Aber ich konnte es mir nicht leisten, einen Fehltritt zu machen. Dennoch sagte ich: "Es ist nicht so als hätte ich ansonsten viele Optionen. Außerdem sind das meine Freundinnen." Lucy lachte wieder und Sina meinte: "Wow, die Königin unserer Schule hat Gehirnwäsche bei dir angewandt." Ok, jetzt nervte es mich und das ließ ich bei meinem Blick durchschimmern. "Mia, hast du schon mal darüber nachgedacht, dass sie dich das nur denken lässt? Du solltest in der Schule besser darauf achten. Es wäre traurig, wenn dich die gesamte Schule hasst, nur, weil du jetzt nicht mehr reich bist." Das gab mir zu denken. Allerdings mied man mich praktisch. Niemand begrüßte mich mit offenen Armen. Den Gedankengang sah man mir wohl an, denn Lucy meinte: "Die Leute haben euch schon immer gemieden, da ihr gerne unter euch seid. Aber befreundet wären sie gerne mit euch. Was fraglich ist, da Miranda ein Miststück ist. Jedoch äußere ich mich nicht weiter dazu." Wäre es möglich, das die zwei auch auf Rache aus waren? Ansonsten würden sie wohl kaum exakt diese Unterhaltung mit mir führen. Vielleicht erkannten sie es als ihre Chance. Offensichtlich war ihnen klar, wie ich behandelt wurde seit dem Absturz. Ich suchte genauso Verbündete. Eventuell verfolgten die zwei Mädels denselben Plan. Trotzdem musste ich vorsichtig sein. Man konnte nie wissen, ob jemand wirklich ein Freund war. Ich schüttelte den Kopf und ging wieder. Irgendeine Aufgabe fand ich sicher. Früher nach Hause zu gehen klang für mich immer verlockender. Ein guter Grund um Vera in ihrem Büro aufzusuchen. Ich klopfte an und sie bat mich gleich herein. Vera lächelte und ich kam direkt zum Punkt: "Vera, es ist fast nichts los. Wäre es möglich, das ich heute früher gehe?" "Von mir aus kannst du auch gleich gehen. In einer halben Stunde kommt sowieso die Spätschicht und es ist wirklich nicht mehr viel zu tun." Jackpot. "Danke, dann gebe ich noch schnell Joe Bescheid." "Geht klar, er soll in der Zwischenzeit deine Tische übernehmen und, falls er doch Hilfe braucht, soll er mich rufen." "Vielen Dank, Vera." Sie lächelte noch immer und antwortete: "Nein, nicht dafür. Bis morgen, Mia." Ich verabschiedete mich und verließ das Büro. Joe ging gerade in die Küche und ich folgte ihm sofort. Ich brachte ihn auf den neuesten Stand und er hatte kein Problem damit. Kein Wunder, es war fast niemand im Diner. Danach eilte ich in den Personalraum. Meine Freunde würde ich einfach ignorieren. Das konnte ich so abtun, dass ich Stress hatte oder total vergessen hatte, das sie hier waren. Irgendeine Ausrede fiel mir bis dahin schon ein. Dumm nur, dass ich an Sina und Lucy vorbei musste. Ich zog mir schnell die Schürze aus und hing sie in den Spind. Meine Tasche holte ich raus, dann konnte es losgehen. Ich zögerte keine Sekunde mit schnellen Schritten loszugehen. Als ich an Lucy und Sina vorbei ging, sagte ich: "Mein Kollege übernimmt euch, da ich Dienstschluss habe. Schönen Abend und bis morgen." Sina stand auf und meinte: "Oh, du hast früher aus. Perfekt, dann nehmen wir dich mit." "Wir wollten sowieso gehen." Ach verdammt. Ok, es war eigentlich nett, dass sie mich mitnehmen wollten. An der Stelle würde ich höflich bleiben. "Das ist lieb, danke." So etwas hätte ich mir von meinen Freunden nie erwarten können. Die beiden legten Geld auf den Tresen und ich winkte Joe zu. Erstens, damit er wusste, das die zwei das Geld hingelegt hatten und zweitens, um mich zu verabschieden. So verließ ich mit den Mädels das Diner. Lucy fragte nebenbei: "Wo wohnst du überhaupt?" Irgendwie überraschte mich, das sie gar keinen Plan hatten. Die Leute tratschten viel über mich und noch fraglicher wurde es, wenn man bedachte, das sie angeboten hatten mich mitzunehmen. Aber mir war klar, wo die beiden wohnten. Deshalb antwortete ich: "In Sinas Nähe." Ihre Gesichter erhellten sich automatisch. "Cool." Wir waren am Gehsteig und Sina rempelte mich leicht an. "Dann sind wir also beinahe Nachbarn und ich hatte keine Ahnung." Ja, das konnte man so ausdrücken. Lucy schloss einen Wagen auf. Es war kein schlechtes Auto. Das konnte man nicht als Durchschnitt bezeichnen, scheinbar hatte sie keine armen Eltern. Wenn man sogar der Tochter ein Auto kaufen konnte. Ok, es war unklar, ob es ihr gehörte. Deshalb fragte ich: "Wow. Ist das dein Wagen?" Lucy grinste breit. "Ja, den hat mein Dad mir geschenkt." Wir stiegen ein und Sina lachte: "Als Entschuldigung, das er sich von ihrer Mum getrennt hat." Da hatte ich wohl etwas verpasst, mir war unklar gewesen, dass die beiden sich getrennt hatten. "Oh, das tut mir leid." Lucy tat es mit einer Handbewegung ab und parkte aus. "Nein, glaub mir, es ist besser so. Die beiden haben sich ständig angeschrien. Die Scheidung war eine Erleichterung für mich." Gut, schön zu hören. Die meisten Kinder waren bei so etwas entsetzt oder traurig. Lucy schien ganz ein anderer Fall zu sein. Sina fragte: "Wie sieht's aus? Kommst du zu meiner Party?" "Das kann ich noch nicht genau beurteilen. Erstens wegen der Arbeit und zweitens, ja, ich war nie auf einer deiner Partys. Deine Einladung wundert mich." Wegen meiner Ehrlichkeit mussten die beiden lachen, was ich nachvollziehen konnte. Lucy meinte gespielt ernst: "Wir akzeptieren kein Nein." Ich konnte nicht anders und musste es einfach fragen. "Eine Frage. Wäre es möglich, das ihr mit mir auf Rache hofft gegen eine bestimmte Person?" Kurze Ruhe. Beide schienen darüber nachzudenken, wie sie darauf reagieren sollten. Sina sagte schließlich: "Weißt du, im Grunde wäre es nur ein Bonus. Der Hauptgrund ist, das es göttlich ist, wie Jack sich bemüht, aber einen Korb nach dem anderen kriegt. Klar, er ist einer unserer besten Freunde. Und Freunde sind dazu da, um sich gegenseitig zu ärgern. Schon mal davon abgesehen, dass Miranda eine wahres Miststück ist. Sorry, aber die behandelt dich, wie den letzten Dreck. Das ist nicht ok, du hast schon genug Probleme." Dennoch war die Aktion Selbstlos. Lucy merkte an: "Und eigentlich sollte dir klar sein, das uns klar ist, das du auf Rache aus bist. Dein Blick spricht da teilweise Bände. Also warum sollten wir da einander nicht ein bisschen helfen?"
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