Kapitel 1-2

616 Words
Nalis Palast: Unterirdische Kammern „Behaltet sie hier. Niemand außer den Gargoyles soll in ihre Nähe kommen. Sieh nach, ob Denae etwas tun kann, um ihre Schmerzen zu lindern“, befahl Nali, als sie aus dem Hochsicherheitsraum heraustrat. „Ja, Kaiserin“, antwortete Di. Nali schaute durch das dicke Diamantscheibenfenster. Der Raum war abgesichert und versiegelt worden, damit der Außerirdische nicht entkommen konnte. Sie legte ihre Hand auf die dreißig Zentimeter dicke Stahltür und betrachtete die leidende Seehirschstute im Wassertank, die von zwei Gargoyles überwacht wurde. „Kaiserin, kann ich irgendetwas tun?“, fragte ihr alter Wächter. Nali schüttelte den Kopf. „Nein, Pai. Ich muss das alleine machen“, murmelte sie. Der Hippogreif schüttelte den Kopf und klapperte mit dem Schnabel. Sie sah ihn an und lächelte über seine offensichtliche Missbilligung. „Eure Eltern …“, begann er, bevor er seinen Schnabel wieder zuklappte. „… hätten darauf bestanden, dass du mich begleitest. Ich verstehe deine Besorgnis, Pai, aber meine Eltern haben so etwas noch nie erlebt“, sagte sie und schaute wieder durch das Fenster. „Sie wird von dem Außerirdischen in ihr gequält.“ Pai trat näher, die langen Krallen an seinen Vorderbeinen klackerten auf dem polierten Steinboden. Nali hob ihre Hand und streichelte sanft das Gefieder an seinem Hals. Pai war schon ihr ganzes Leben lang ihr Beschützer, und sie schätzte seine jahrelange, unerschütterliche Freundschaft und Loyalität. „Ich kann mich um die Hinrichtung der Seehirschstute kümmern. Ich sorge dafür, dass sie nicht leiden muss“, bot Pai an. „Das wäre barmherziger.“ Sie schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Vielleicht kann Denae den Außerirdischen aus der armen Kreatur herauslocken, ohne sie zu töten“, murmelte sie. Mit diesen Worten machte sich Nali auf den Weg in die oberen Stockwerke des Palastes. Pai folgte ihr. Gargoyle-Soldaten standen stramm, als sie vorbeiging. Sie verbeugte sich vor jedem von ihnen, während sie in Gedanken ganz bei dem Problem war. „Nali, wenn es noch einen Außerirdischen gibt, ist es das Beste, wenn ich dir bei der Suche helfe. Du brauchst meine scharfen Augen“, drängte Pai. Nali gluckste und seufzte. „Du wirst doch nicht etwa aufgeben, oder?“, fragte sie, als sie stehenblieb und sich ihm zuwandte. Pai legte den Kopf schief, als würde er über ihre Frage nachdenken, bevor er ihn schüttelte. „Nein“, antwortete er neckisch. Ihre Gesichtszüge entspannten sich, als sie die Sorge sah, die er nicht zu verbergen versuchte. Auch die silberne Färbung seines Gefieders und sein leicht hinkender g**g waren ihr nicht entgangen. Pais Fachkenntnisse wären zwar nützlich, aber sie machte sich Sorgen um seine Gesundheit. Er war nicht mehr der rüstige junge Hippogreif, der er noch vor einem Jahrhundert gewesen war. „Du weißt, was der Außerirdische anrichten kann. Du hast gesehen, was passiert, wenn er in deinen Körper eindringt. Wir wissen immer noch nicht, wie er das anstellt. Ich hoffe, Denae wird es uns sagen können. Außerdem weißt du, dass du nicht über den gleichen Schutz verfügst wie ich, Pai“, warnte Nali, obwohl sie bereits wusste, dass sie Pais Wunsch, sie zu begleiten, nachgeben würde. „Und was passiert, wenn er Euch überrumpelt, bevor Ihr Euch verwandeln könnt? Wer wäre dann da, um Euch zu beschützen?“, fragte er. „Du, natürlich! Glaubst du wirklich, ich merke nicht, wenn du mir folgst – auch entgegen meinen Anweisungen?“, antwortete sie mit einer mahnenden Handbewegung. Pai gluckste. „Ich muss wohl Krallen verlieren“, antwortete er stattdessen. „Wo fangen wir an?“, fragte er. „Wir beginnen dort, wo der Seehirsch angespült wurde“, erwiderte sie.
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD