Der Knall ließ uns beide instinktiv zur Quelle herumfahren.
In einem Moment stand Christian noch neben mir, seine Schuld roh und offen, eine Version von ihm, von der ich bezweifelte, dass sie je jemand gesehen hatte. Im nächsten Augenblick hallte die Stimme einer Frau durch den Korridor – scharf und voller Wut, die sie nicht einmal versuchte zu verbergen.
„Du!“, schrie sie, und ein weiterer Knall durchbrach die Stille des Krankenhauses.
Ich wirbelte herum, das Herz sprang mir in den Hals. Eine kleine Gruppe war ins Krankenhaus gekommen und war nur wenige Schritte entfernt.
Eine Frau im Alter des Mannes, der im Krankenbett lag, das Gesicht rot und fleckig vom Weinen, gefolgt von einem jüngeren Mann und einem Teenager-Mädchen. Die Augen der Frau bohrten sich in Christian, als wäre er der Teufel persönlich.
„Du hast das getan!“, schrie sie, ihre Stimme brach. „Mein Mann liegt da drin wegen dir! Wegen deiner egoistischen Familie und eurem stinkenden, dreckigen Geld!“
Christians Kiefer spannte sich an, aber er bewegte sich nicht. Sagte nichts. Er stand einfach da und nahm es hin, als glaubte er, es zu verdienen.
Der jüngere Mann trat vor, die Finger zu harten Fäusten geballt, die aussahen, als wollten sie jeden Moment zuschlagen. „Denkst du, dein Geld kann das wieder in Ordnung bringen? Glaubst du, uns interessiert diese dreckige Entschädigung?“
„Das ist nicht…“, begann ich.
„Halt dich da raus!“, kreischte die Frau und stieß mich zur Seite. Ihr Finger stach in Christians Brust. „Er ist für dich gefahren! Er hat dir vertraut! Und jetzt schau ihn dir an! Liegt da drin wie ein Gemüse!“
Das Teenager-Mädchen weinte still, die Hände vor den Mund gepresst.
„Es tut mir leid“, sagte Christian, und seine Stimme war so leise, so frei von jeder Arroganz, dass es mich mehr erschreckte als jede Drohung es je gekonnt hätte. „Es tut mir so leid.“
Entschuldigung reichte nicht aus.
Der jüngere Mann stürzte nach vorne, die Augen voller Mordlust.
Ich handelte, bevor der Gedanke zu Ende gedacht war. Meine Schulter krachte gegen seine Brust und lenkte seinen Schwung um. Er taumelte zurück und fluchte. Die Frau griff nach Christians Arm, die Nägel gruben sich hinein, und ich schob mich zwischen sie, die Arme ausgestreckt.
„Zurück!“, befahl ich. „Alle zurück!“
Aber sie drängten weiter, die Trauer hatte sich in Wut verwandelt, und ich wusste, wir waren Sekunden von einer Katastrophe entfernt.
Christians Hand schloss sich um mein Handgelenk. „Hier entlang.“
Er zog mich den Korridor hinunter und stieß eine Tür mit der Aufschrift „Medizinischer Bedarf“ auf. Wir schlüpften hinein, gerade als eine Faust gegen den Rahmen hämmerte. Ich presste meinen Rücken gegen die Tür und hielt sie mit meinem Körpergewicht zu, schwer atmend.
Der Vorratsraum war klein. Dunkel. Regale mit Mull und Antiseptika säumten die Wände. Und Christian war nah, viel zu nah – seine Brust berührte meine beinahe, sein Atem ging ungleichmäßig und strich über meine Haut.
Draußen erfüllten die Schluchzer und Anschuldigungen der Familie den Krankenhausflur.
Drinnen sprach keiner von uns. Mein Blick wanderte für einen Moment zu seinen vollen, geschwungenen Lippen, bevor ich ihn zwang, wegzusehen.
Seine Augen trafen meine im dämmrigen Licht, und zum ersten Mal sah er mich nicht an wie seinen Schatten. Er sah mich an, als wäre ich das Einzige, das ihn noch aufrecht hielt.