Die Nacht senkte sich wie ein dicker, unerbittlicher Schleier aus Tinte über das Rote Mond-Rudel. Die Schatten wirkten tiefer als sonst und kräuselten sich wie stumme Beobachter um die Ecken. Die Lampen in den Gängen flackerten schwach bernsteinfarben und vertrieben die Dunkelheit nur mühsam. Selene bewegte sich hindurch wie ein Faden durch Stoff – leise, vorsichtig, in der Hoffnung, nicht hängenzubleiben. Ihre Finger streiften die kleine Schriftrolle unter ihrem Ärmel, die Botschaft, die sie die halbe Nacht in Gedanken immer wieder neu formuliert hatte, bis jedes Wort scharf genug war, um Bedeutung zu haben. Waffenlager. Wachablösung. Die neue Lieferung silberspitziger Pfeile. Marcus brauchte sie jetzt. Doch das Rudel war auf eine Weise wach, wie es nicht sein sollte. Die Untersuchung

