„Du bist lächerlich“, murmelte sie, ihre Lippen streiften die Ohrmuschel seines Ohrs. „Das alles … und trotzdem bringst du mich dazu zu glauben, ich könnte dir davonlaufen.“
Pagans Lippen verzogen sich an ihrem Haar zu einem langsamen, wilden Lächeln, seine Zähne strichen leicht über ihre Schläfe. „Schmeichle dir nicht zu sehr, kleiner Sturm“, sagte er mit tiefer, bedächtiger Stimme. „Du kannst weglaufen … aber du wirst mir niemals entkommen.“
Charise erschauerte bei dem Besitzanspruch in seinen Worten, während sich die Wärme trotz des nachlassenden Adrenalins erneut tief in ihrem Bauch sammelte. Sie ließ ihre Hände über seine Brust wandern, spürte jeden Schlag seines Herzens, jede Muskelzuckung unter ihrer Berührung und genoss die stille Intimität, die auf ihre wilde Inbesitznahme folgte.
Ihr Wolf gurrte sanft in ihrem Inneren, schmiegte sich an die geborgene Wärme, die sie umgab. Charise lehnte sich leicht gegen ihn zurück, atmete aus und ließ die Anspannung langsam nachlassen, während seine Hand ihre Taille umschloss und sie sanft näher an sich zog.
Pagans Daumen strich über das Schimmern ihres Bindungsmals und verweilte dort, als würde er es erneut auswendig lernen, um sie beide zu erden. „Du fühlst dich … perfekt an“, murmelte er mit rauer, tief vibrierender Stimme.
Charise lachte leise, ein sanfter, atemloser Laut voller Freude und Zufriedenheit. „Du bist besessen“, neckte sie ihn und neigte den Kopf, um ihm einen flüchtigen Kuss an die Seite seines Kiefers zu drücken. „Aber ich glaube … ich glaube, mir gefällt das.“
Ein Knurren vibrierte gegen ihren Rücken und durch ihre Haut, auf eine angenehme, beruhigende Weise. „Und wie dir das gefällt“, murmelte er. „Vergiss das bloß nicht.“
Für einen langen, stillen Moment atmeten sie einfach gemeinsam, während die Bindung sanft unter ihrer Haut pulsierte und jeder Herzschlag sie noch stärker miteinander verband. Jede zufällige Berührung ihrer Finger, jeder subtile Druck von Körper gegen Körper verstärkte die Nähe, die sie durch Hitze, Herausforderung und Vertrauen aufgebaut hatten.
Charise schloss die Augen, als sie sich vollständig an ihn schmiegte und die Wärme seiner Dominanz, das Gewicht seines Anspruchs und die nachklingende Hitze der Jagd und Vereinigung in ihre Muskeln sinken ließ. Ihr Wolf schnurrte zufrieden, ein Spiegelbild der menschlichen Bindung, die zwischen ihnen summte.
Als schließlich das Zittern der letzten Impulse verblasste, bewegte sich Pagan leicht und lockerte seinen Griff gerade genug, damit sie sich zu ihm umdrehen konnte. Seine Finger strichen über ihre Wange, sein Daumen glitt über ihre Lippen, und sie legte ihre Hand auf seine, genoss die greifbare Intimität, die stille Erdung und das unausgesprochene Versprechen, dass dies – diese Inbesitznahme, diese Verbindung – erst der Anfang war.
Die Sonne wanderte über ihnen weiter und warf schräges Gold über ihre Körper, während die Blätter sanft raschelten. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich Charise vollkommen verankert – körperlich, emotional und magisch – vollkommen sicher in den Armen ihres Alphas.
Pagan stand noch immer hinter ihr, nun schweigend, seine Präsenz eher Schatten als Gestalt. Sie konnte spüren, wie er sie beobachtete, während die Bindung in langsamen Impulsen wie ein zweiter Herzschlag summte.
Als sie sich schließlich umdrehte, griff er nicht nach ihr. Er sah sie nur an – dieser ruhige, prüfende Blick wurde an den Rändern weicher. Die wilde Schärfe von zuvor war verschwunden und hatte etwas Ruhigerem Platz gemacht.
„Alles okay?“, fragte er mit tiefer, rau-warmer Stimme.
Charise nickte und strich sich die Haare aus dem feuchten Gesicht. „Ja. Ich … komme nur wieder zu Atem.“
Seine Lippen zuckten – kein richtiges Lächeln, aber nah dran. „Du wirst stärker“, sagte er nach einem Moment. „Und schneller.“
„Trotzdem habe ich dich nicht besiegt“, murmelte sie.
„Musstest du auch nicht.“ Seine Augen trafen ihre, und sie bemerkte den Hauch von Humor darin. „Du hast mich dazu gebracht, dich zu jagen.“
Ihre Brust wurde warm bei diesem unerwarteten Lob. Sie trat näher, nah genug, um das Salz auf seiner Haut und den schwachen metallischen Geruch seiner Magie wahrzunehmen. „Du bist gar nicht so schrecklich, weißt du“, sagte sie leise.
Er stieß ein kurzes Lachen aus. „Hohes Lob, wenn es von dir kommt.“
Sie lächelte, ließ eine Fingerspitze an seinem Arm hinabgleiten und trat dann wieder zurück, sodass der Raum zwischen ihnen wieder atmen konnte. „Wir sollten zurückgehen, bevor Merrick anfängt, Vorträge über Zeitmanagement zu halten.“
Pagans Grinsen wurde scharf. „Wenn du ihn mich belehren lässt, muss ich ihn daran erinnern, wer hier das Sagen hat.“
„Bitte tu das“, sagte sie trocken. „Dafür würde ich sogar bezahlen.“
Er lachte daraufhin leise und aufrichtig, und das Geräusch hallte durch die Lichtung. Es machte ihn weicher auf eine Weise, die sie nicht oft sah – diese Art von Lachen, die seine Selbstbeherrschung durchbrach und ihre Brust enger werden ließ.
Sie gingen langsam zurück, Seite an Seite, während sich die Stille angenehm zwischen ihnen ausdehnte. Ab und zu streiften sich ihre Hände – zufällig, warm, vertraut.
Als die Dächer des Anwesens schließlich zwischen den Bäumen sichtbar wurden, war das Adrenalin vollständig verflogen und hatte einer tiefen, bis in die Knochen reichenden Ruhe Platz gemacht. Ihr Wolf regte sich noch einmal zufrieden, bevor er sich wieder in die Stille zurückzog.
Pagan bog zuerst ab und steuerte mit einem halben Grinsen und einem lässigen Gruß die Trainingsfelder an. Charise blieb noch eine Weile im Hof stehen, barfuß im Gras, den Kopf dem Licht entgegen geneigt, das durch die Blätter fiel.
Sie konnte ihn noch immer spüren – sie alle – durch die Bindung. Schwache Fäden von Wärme, jeder einzigartig, jeder zog auf seine eigene Weise an ihr. Lyons Beständigkeit, Merricks Zurückhaltung, Pagans Hitze.
Als die Sonne schließlich hinter der Baumgrenze verschwand, hatte sich über das Haus die Ruhe des Abends gelegt – jene Art von Stille, die nach einem Tag voller Training, Adrenalin und zu vieler unausgesprochener Dinge eintrat.
Charise war in die Küche geflüchtet.
Die breiten Steinarbeitsflächen waren kühl unter ihren Handflächen, und der Geruch von Holzrauch hing noch vom Kamin an der gegenüberliegenden Wand in der Luft. Jemand – wahrscheinlich Lyon – hatte einen halben Laib Brot und ein Bündel Kräuter auf dem Tisch liegen lassen. Sie band sich die Haare hoch, krempelte die Ärmel hoch und begann, ohne nachzudenken zu arbeiten. Das Messer traf rhythmisch auf das Schneidebrett, und das Geräusch erfüllte die Stille.
Die einfache Tätigkeit beruhigte sie. Nach Stunden, in denen sie wild durch den Wald gerannt war und Pagans Hitze ihren Puls gejagt hatte, wirkte das hier erdend. Der Duft von Rosmarin, das Schaben von Metall auf Holz, die langsame Wärme des sich aufheizenden Ofens.
Sie hörte Merrick erst hereinkommen, als er sprach.
„Du blutest.“
Sie blickte nach unten. Ein kleiner Schnitt zog sich über ihren Daumen, winzig, aber deutlich sichtbar. „Kaum.“
Merrick lehnte am Türrahmen, die Arme verschränkt, eine Augenbraue angehoben. Das flackernde Lampenlicht fing die helle Linie seiner Narbe und die kontrollierte Ruhe seiner Haltung ein. Er sah immer so aus, als hätte er bereits das Ende der Seite gelesen, auf der sie sich noch befand.
„Du verbringst den ganzen Nachmittag damit, mit Wölfen herumzurennen, und schaffst es trotzdem, dich beim Brotschneiden zu verletzen“, sagte er trocken.
„Das ist ein Talent“, murmelte sie und spülte ihre Hand im Wasserbecken ab.