Kapitel 68

1194 Words
Das letzte Wort – ihr Name auf seiner Zunge – fühlte sich schwerer an als ein Befehl. Ihre Lippen teilten sich, als wollte sie antworten, aber sie tat es nicht. Stattdessen stand sie langsam auf, die Bewegung bedächtig, das Kinn zu ihm gehoben. Der Größenunterschied brachte sie nah genug, dass die Luft sich veränderte, d**k und aufgeladen. Ihr Wolf drängte nach vorn, ein schwaches Echo durch die Verbindung – neugierig, prüfend. Merrick lächelte, nur ganz leicht. „Vorsichtig“, sagte er leise. „Wenn du mich weiter so ansiehst, höre ich vielleicht auf, so zu tun, als wäre ich geduldig.“ Charises Atem stockte, ihr Blick huschte von seinem Mund zu seinen Augen, bevor sie ein kleines, unsicheres Lächeln zeigte. „Dann ist es vielleicht gut, dass ich auch lerne, mich zu beherrschen.“ Merricks Lachen war leise, tief in seiner Brust. „Denkst du das?“ „Ich versuche es“, sagte sie, trat einen Schritt zurück, ihre Stimme blieb fest trotz der Röte, die ihre Wangen färbte. Er folgte ihr nicht – aber sein Blick tat es, beobachtete sie, als sie sich abwandte, die Verbindung immer noch zwischen ihnen summte wie ein unausgesprochenes Versprechen. Der bernsteinfarbene Schein der Abendsonne erstreckte sich über die Gärten des Anwesens und ergoss Wärme durch die hohen Fenster der Haupthalle. Charise trat ein, die Ärmel hochgerollt, das Haar leicht vom Wind zerzaust, ihre Stiefel hallten leise auf dem polierten Steinboden. Sie trug die ruhige Selbstsicherheit einer Frau, die sich die Welt um sie herum zurückeroberte, obwohl darunter die Müdigkeit der letzten Tage lag, das ständige Ziehen ihrer Verbindung mit den drei Alphas, das leise durch ihre Brust fädelte. Lyon bemerkte sie, bevor sie überhaupt die Mitte des Raumes erreicht hatte. Aus dem Schatten nahe der Treppe hielt er mitten im Schritt inne, sein Blick folgte der Kurve ihrer Schultern unter dem eng anliegenden Shirt, dem leichten Schwung ihrer Hüften beim Gehen, der Art, wie ihre Jeans gerade genug anlagen, um die schlanke Stärke zu betonen, die sie trug. Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit, Sturheit – alles verflochten im präzisen Rhythmus ihres Schrittes. Durch ihre Verbindung spürte er es mehr, als er es sah. Das leise Summen ihres Wolfs, zufrieden und ruhelos zugleich, drückte gegen die Ränder seines Bewusstseins. Es lag ein Funke von Schabernack darin, ja, aber darunter ein Puls von etwas anderem: ein Bedürfnis, nicht dringend, nicht verzweifelt, aber zerbrechlich und auf der Suche nach einem Anker. Er richtete sich auf, ein kaum merkliches schnelleres Schlagen in seiner Brust, sich der subtilen Welle der Emotion in ihr bewusst, der nachwirkenden Energie des Tages, die an den Rändern ihrer Kraft drückte. Charise hielt an der Schwelle zur Bibliothek inne, ihre Finger strichen über die Buchrücken, als wollte sie sich erden, und ließ die Stille des Raumes sich um sie legen. Lyon näherte sich langsam, bedächtig, seine Schritte lautlos auf dem Stein. Sie drehte sich beim Geräusch um, ihre Augen schimmerten grün im schwachen Licht, und etwas in ihrem Ausdruck – scharf, neugierig, lebendig – ließ ihn zögern. „Du bist den ganzen Nachmittag herumgewandert“, sagte er leise, hielt seine Stimme gedämpft, damit er sie nicht erschreckte. „Planst du als Nächstes die geheimen Archive zu finden?“ Sie grinste schief, neigte den Kopf leicht. „Vielleicht“, sagte sie, „vielleicht bewundere ich auch nur das Chaos deines ordentlichen Anwesens. Es ist… beeindruckend.“ Er ließ ein leises Lachen entweichen, die Augenwinkel wurden weich. „Du solltest es langsam angehen.“ „Langsam ist langweilig“, erwiderte sie mühelos, die Mundwinkel zuckten vor Schabernack. „Und außerdem sehe ich gerne, was alle anderen machen, während ich… unsichtbar bin.“ Lyons Blick glitt über sie, verweilte auf der leichten Röte auf ihren Wangen, der sanften Anspannung in ihrem Kiefer, der subtilen Kurve ihrer Schultern, als sie sich bewegte. Seine Hand hob sich unbewusst, der Daumen strich entlang ihrer Schläfe. Die Wärme der Geste trug etwas Unausgesprochenes – erdend, beschützend, intim – und ihr Wolf schnurrte leise bei der Berührung. Sie ließ den Moment nachwirken, neigte den Kopf leicht, als suchte sie Bestätigung, ohne zu fragen. Ihr Puls summte gegen seinen, die Verbindung fädelte sich durch sie beide, ruhig, aber lebendig, das nachklingende Schimmern der Tri-Alpha-Energie strich wie ein Geist über ihre Haut. Er konnte ihre Stärke spüren, ihre sture Unabhängigkeit, aber auch die Art, wie sie sich jetzt diese kleinen Atempausen erlaubte, da sie wusste, dass sie sicher war. „Du trägst viel“, murmelte er, fast zu sich selbst. „Mehr, als du solltest.“ Sie blickte zu ihm auf, ein Flackern von Verletzlichkeit in ihren Augen, das schnell mit trockenem Humor maskiert wurde. „Mir geht’s gut“, sagte sie, die Stimme leise und neckend. Er neigte den Kopf leicht, Respekt und Verständnis zogen sich durch seinen Ausdruck. „Vielleicht“, sagte er, „aber du musst es nicht mehr.“ Ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen, zögernden Lächeln, die Anspannung in ihren Schultern ließ etwas nach, gerade so, als würde der Raum selbst mit ihr ausatmen. Sie verlagerte ihr Gewicht, lehnte sich gegen die Kante eines Sofas nahe den Bücherregalen und erlaubte sich, in die Wärme seiner Präsenz zu entspannen. Lyon blieb nah bei ihr, ein stiller Wächter an ihrer Seite, und ließ die Verbindung sanft zwischen ihnen pulsieren. Außerhalb des Raumes, durch das subtile Summen des Anwesens, konnte er die anderen spüren – Merrick und Pagan – ihre Präsenz schwach, aber unverkennbar. Fäden ihrer Aufmerksamkeit flackerten durch die Verbindung, wellten sich durch Charise, streiften ihr Bewusstsein auf die weichste, intimste Weise. Ein Schauer lief durch sie, eine leichte Röte wärmte ihre Wangen. Sie drückte ihre Hand leicht auf die Armlehne des Sofas, fing einen Hauch der Tri-Alpha-Verbindung auf, die unsichtbare Fessel aus Fürsorge und Wachsamkeit, die sie mit allen dreien verband. Lyon beobachtete ihre Reaktion, seine Brust zog sich zusammen bei der stillen Welle der Emotion, die er nicht ganz benennen konnte, aber in jedem Puls ihrer Energie verstand. Sie war strahlend und bewacht zugleich, stur und verletzlich im gleichen Maße, und er spürte das Gewicht seines Versprechens, sie hindurchzuführen, sie hindurchzuhalten und das Vertrauen zu ehren, das sie zögernd anbot. „Du bist… anders, als ich erwartet habe“, sagte er sanft und strich eine weitere Strähne Haar hinter ihr Ohr. Sie lachte leise, fast zu sich selbst. „Anders gut, hoffe ich?“ „Anders“, erwiderte er, die Augen weich, aber fest. „Aber… gut genug, um bemerkt zu werden.“ Ihre Augen trafen seine, grün und glänzend im warmen Licht, ein Funke von Schabernack und Verständnis kam ihm auf halbem Weg entgegen. Die Verbindung summte leise darunter, ruhig, aber unbestreitbar, während die Hitze des Tages in den Abend überging und die drei von ihnen auf ihre unterschiedliche Weise nach ihr griffen – beschützend, geduldig, unerschütterlich. Das leise Murmeln des Anwesens drang durch die offenen Türen, das ferne Echo von Merrick und Pagan, die sich anderswo bewegten, und für einen Moment gab es nur sie und ihn – Lyon, ihr Anker, ihr Licht, der den Raum stabil hielt, während Charise sich einen Bruchteil des Vertrauens erlaubte, das sie so lange zurückgehalten hatte.
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