„Hör auf, herumzuzappeln“, murmelte er unter seinem Atem, als ihre Hände versuchten, die Decke zurechtzuziehen. „Du fällst nicht herunter.“
Charise grummelte leise, sagte jedoch nichts und ließ das Gefühl von Wärme, Schutz und – am beunruhigendsten von allem – seiner Nähe sich um sie legen.
Der Konvoi und ihr Rudel folgten hinter ihnen, während die Wachen Wege freimachten und die Mitarbeiter darauf warteten, die Verwundeten und Vorräte zum Anwesen zu bringen.
Jeder Schritt, den Pagan machte, war vorsichtig und dennoch sicher.
Er bewegte sich mit der Gewissheit eines Mannes, der genau wusste, was er trug – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn.
Als die breiten Stufen des Anwesens vor ihnen aufragten, erlaubte Charise sich einen kurzen Blick auf die Stadt, die sie gerade gesehen hatte.
Dann blickte sie auf Pagans Schulter hinunter, an die sie gelehnt war.
Selbst in ihrer Erschöpfung lag eine seltsame Ruhe in diesem Augenblick.
Ein stiller Faden wob sich zwischen ihr und den drei Alphas.
Fein.
Aber lebendig.
Merricks Stimme durchbrach ihre Gedanken.
Klar.
Befehlend.
„Das ist jetzt dein Zuhause, Charise.“
Lyons Anwesenheit an ihrer Seite strahlte dieselbe stille Sicherheit aus.
Jeder Funke ihrer Wahrnehmung, jeder Puls des Bandes deutete auf die Stabilität hin, die sie ihr boten, selbst als sich ihr Magen vor Nervosität zusammenzog.
Pagans Lippen streiften erneut ihre Schläfe, als sie den Eingang erreichten.
„Fast geschafft, kleiner Sturm. Fast zu Hause“, murmelte er.
Seine goldenen Augen blitzten auf eine Weise, die sowohl Sicherheit als auch Feuer versprach.
Charises Herz schlug heftig.
Teilweise aus Ehrfurcht.
Teilweise aus Angst.
Teilweise aus ... Erleichterung.
Sie konnte das kleine Grinsen nicht verhindern, das an ihren Lippen zupfte.
„Großartig ... meine erste Stadtrundfahrt, und ich werde herumgetragen wie ein verdammtes Paket“, murmelte sie so leise, dass nur er es hören konnte.
„Mein“, antwortete Pagan erneut.
Charises Erröten wurde tiefer.
Doch sie schob ihn nicht weg.
Die Türen des Anwesens öffneten sich vor ihnen, und das Gewicht ihrer Anwesenheit – ihrer, seiner, Merricks und Lyons – legte sich still auf die Ruhe der inneren Stadt von Black Hallow.
Pagans Arme waren fest, aber vorsichtig um sie gelegt, während er sie durch die polierten Korridore des Lunaris-Anwesens trug.
Die Stille der Flure wurde nur vom leisen Echo ihrer Schritte und dem entfernten Murmeln der Bediensteten unterbrochen, die sich um den Rest des Konvois kümmerten.
In seinen Armen wirkte sie leicht.
Dennoch versteifte sich ihr Körper leicht aufgrund der verbliebenen Anspannung des Hinterhalts, als würde sie jeden Moment erwarten, dass er sie fallen ließ.
„Entspann dich“, murmelte er leise und strich ihr eine feuchte Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ich habe dich.“
Ihre Augen wanderten zu ihm hinauf.
Verschlafen blinzelte sie.
„... Weißt du, die meisten Menschen würden wenigstens vorher fragen.“
Pagans Lippen verzogen sich leicht zu einem wolfsartigen Lächeln.
„Das habe ich. Du hast nur nicht geantwortet.“
Der Duft von poliertem Holz und einem Hauch Lavendel aus dem Inneren des Anwesens erfüllte ihre Sinne und erdete sie.
Als sie die Tür zu dem Zimmer erreichten, das nun ihr gehörte, hielt Pagan kurz inne.
Er ließ sie den Raum mit halb geschlossenen Augen betrachten, bevor er die Tür aufstieß.
Der Raum dahinter war anders als alles, was sie je gekannt hatte.
Ein Bett dominierte den Raum.
Groß.
Unglaublich weich.
Mit Bergen aus Decken und Kissen.
Die Vorhänge waren schwer, aber warm und schirmten das Zimmer gegen die Kälte draußen ab.
Selbst die kleinsten Details – eine Vase mit frischen Blumen, ein sorgfältig zum Fenster ausgerichteter Stuhl, ein kleiner Tisch mit einer Lampe – wirkten für jemanden, der mit dem Nötigsten aufgewachsen war, beinahe absurd luxuriös.
Pagan trat ein, noch immer mit ihr in den Armen.
„Das ... das ist jetzt dein Zimmer. Diskutiere nicht darüber und versuche nicht dagegen anzukämpfen. Einfach ...“
Er setzte sie behutsam auf die Bettkante.
Seine Hände verloren nie den Kontakt zu ihr.
Er ließ sie die Beständigkeit seiner Gegenwart spüren.
„Ruh dich aus. Das hast du dir verdient.“
Charise blinzelte auf die Vielzahl von Decken.
Ein leises Lachen blieb ihr beinahe im Hals stecken.
„Das ist ... übertrieben. Und ich habe keine Ahnung, wo ich anfangen soll.“
„Du fängst damit an, nicht aus dem Bett zu fallen“, sagte Pagan mit tiefer, amüsierter Stimme und strich eine Haarsträhne von ihrer Wange.
Ihr Kiefer spannte sich an.
Ihre Lippen pressten sich zusammen.
Doch in ihren Augen flackerte Dankbarkeit auf, die sie nicht ganz verbergen konnte.
„... Ich brauche nicht, dass du mich so festhältst“, murmelte sie.
Ihre Stimme zitterte leicht trotz ihres sturen Tons.
Pagans goldgrüne Augen wurden weicher.
Seine Pupillen verengten sich vor Intensität und Hitze.
„Das glaubst du.“
Charises Schultern sanken ein wenig herab, als der Kampf aus ihr wich.
Die Anspannung des Konvois.
Des Hinterhalts.
Der Unsicherheit einer neuen Stadt.
All das schmolz unter dem Gewicht seiner Anwesenheit dahin.
Sie ließ zu, dass er sie näher an sich zog.
Die Weichheit der Decken und sein fester Halt gaben ihr Halt auf eine Weise, von der sie nicht gewusst hatte, dass sie sie brauchte.
„Ich ... in Ordnung“, flüsterte sie kaum hörbar.
„... Nur für einen Moment.“
Pagan lehnte sich mit ihr in den Armen zurück auf die Matratze und zog sich in einer fließenden Bewegung das Hemd aus.
Seine Brust lag gegen ihren Rücken.
Ein Schild aus Wärme und Kraft.
Der Puls seines Wolfs regte sich schwach unter ihrer Haut.
Charise schmiegte sich in die Beuge seines Halses.
Sie atmete seinen Duft ein.
Und ließ die Spannung endlich aus ihren Muskeln weichen.
Der Wolf in ihr bebte leicht, als er Schutz und das Band spürte.
Doch der menschliche Teil von ihr – erschöpft, gezeichnet und vorsichtig – ließ los und entspannte sich vollständig an ihn gelehnt.
„Ruh dich aus“, murmelte er erneut.
Seine Lippen streiften die Muschel ihres Ohrs.
Ihre Lippen verzogen sich zum schwächsten aller Grinsen.
Gerade genug, um einen Hauch ihres alten Humors zu verraten.
„Ich bin kein Kind“, sagte sie leise.
„Nein“, gab Pagan zu.
Seine Stimme war rau, aber warm.
„Du bist kein Kind. Aber im Moment ... darfst du mich dich tragen lassen. Nur weil du erschöpft bist.“
Sie legte eine Hand leicht auf seine Brust.
Ihre Fingerspitzen zeichneten die Konturen seiner Muskeln nach.
Und gaben ihr noch mehr Halt.
Die Stille des Raumes.
Die Decken.
Sein sanfter Duft.
Das unausgesprochene Versprechen in seiner Umarmung.
All das legte sich um sie.
Charise erlaubte sich, in diesen Moment hineinzusinken.
Ihre Sturheit wurde weicher.
Körper und Geist fanden Halt im beständigen Rhythmus des Wolfs neben ihr.
Des Beschützers, der sich weigerte, sie der Welt allein gegenübertreten zu lassen.
Draußen vor der Tür drangen die entfernten Geräusche von Merrick und Lyon herein, die den Konvoi und die verbliebenen Rudelmitglieder koordinierten.
Doch im Zimmer gab es nur Wärme.
Sicherheit.
Und die ersten unausgesprochenen Fäden des Vertrauens, die begannen, sie miteinander zu verbinden.
Merrick stand in der Haupthalle.
Seine Schultern waren angespannt.
Er beobachtete, wie die letzten Verwundeten zu ihren Unterkünften gebracht wurden.
Im Vergleich zum Chaos an der Grenze war das Anwesen ruhig.
Doch die Last der Verantwortung lag schwer auf ihm.
Lyon trat näher.
Seine dunklen Augen trafen Merricks Blick.
Scharf.
Aber müde.
„Du kannst nicht alles allein machen“, sagte er leise.
Sein Ton war bestimmt, aber nicht unfreundlich.
„Du magst älter sein, aber selbst du musst dich ausruhen, Merrick. Heute hast du mehr getragen als jeder andere.“
Merrick ließ ein trockenes Lachen hören.
Die Spannung in seinen Schultern wich jedoch nicht.
„Ich brauche keine Erinnerungen vom Jüngsten.“
Lyon schüttelte den Kopf.
Seine Lippen zuckten.
„Vielleicht nicht. Aber ich gebe sie trotzdem.“
Er blickte zur Treppe.
„Pagan muss für die Besprechung nach unten kommen. Soll ich ihn holen?“
Merricks Blick wurde für einen Moment weicher.
„Ja. Weck sie nicht auf.“
Lyons Lippen pressten sich kurz zusammen.
„Das wird Pagan nicht besonders gefallen.“
Merrick schmunzelte schwach.
Ein kurzer Anflug von Humor in seinem sonst so kontrollierten Auftreten.
„Seit wann hat er jemals gerne Befehle befolgt?“
Lyon schüttelte den Kopf und ging zur Treppe.
Sorgfältig darauf bedacht, leise aufzutreten.
Als er Charises Zimmer erreichte, spähte er hinein.
Sie war noch immer an Pagans Brust gekuschelt.
Die Decken umhüllten ihre zerbrechliche Gestalt wie ein Kokon.
Pagans Hand ruhte leicht in ihrem Haar.
Seine Finger strichen eine Strähne aus ihrem Gesicht.
In seinen goldgrünen Augen lag noch immer Spannung.
Doch die wilde Schärfe seines Wolfs wurde bei Lyons Anblick etwas weicher.
Lyon neigte den Kopf in seine Richtung und sandte den Gedanken über ihr Band:
Merrick will dich bei der Besprechung haben. Unten wirst du gebraucht.
Pagans Kiefer spannte sich an.
Ein tiefes Knurren vibrierte in seiner Brust.
Ich lasse sie nicht in diesem Zustand allein.
Du wirst nicht weit weg sein, antwortete Lyon sanft.
Sie ist in Sicherheit. Und ich werde hier sein.
Pagan atmete aus und rückte etwas zur Seite, um Lyon Platz zu machen, ohne Charises Ruhe zu stören.
Eine seltene Sanftheit lag zwischen ihnen, als Charise sich bewegte und mit einem schläfrigen Seufzer eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht strich.
Instinktiv beugte Pagan sich hinunter.
Seine Lippen streiften ihre Schläfe in einer stillen, beschützenden Geste.
Dann zog er murmelnd sein Hemd an und nickte Lyon zu.