Der Mundwinkel zuckte gegen ihren Willen nach oben. „Gut. Denn ich hatte nicht vor, es zu erklären.“
Er stieß ein leises Lachen aus und schüttelte den Kopf, als sie an ihm vorbeischlüpfte und ihre Schulter dabei seine Brust streifte.
„Wohin gehst du?“
„Auf Erkundungstour“, rief sie über die Schulter, während ein Grinsen aufblitzte und sie die nächste Treppe hinunterstieg. „Versuch, mich nicht zu sehr zu vermissen, Alpha Pagan.“
Er drehte sich um und sah ihr nach, wie sie über den Innenhof ging, während das Sonnenlicht den Rand ihrer Jacke und das Schwingen ihrer Haare einfing.
Sein Kiefer arbeitete einmal, während er gegen das drohende Lächeln ankämpfte.
Du steckst in Schwierigkeiten, brummte sein Wolf amüsiert.
„Ja“, sagte Pagan leise und folgte ihr mit den Augen, bis sie im entfernten Korridor verschwand. „Ich glaube, das weiß ich.“
Die Luft draußen war klar und trug den schwach harzigen, süßen Duft von Kiefern und Rauch aus den Schmieden mit sich. Charises Stiefel scharrten leicht über den Kopfsteinpflasterweg, als sie vom Trainingsgelände hinunter ins Herz des Anwesens ging.
Überall, wo sie auftauchte, unterbrachen Wölfe ihre Tätigkeiten, um sie anzusehen. Manche senkten leicht den Kopf, andere murmelten Luna unter ihrem Atem – ehrfürchtig, aber vorsichtig. Sie hatte sich noch immer nicht an dieses Wort gewöhnt. Sein Gewicht lag nach wie vor unbequem auf ihren Schultern.
Ihre Wölfin sonnte sich darin, stolz und selbstgefällig.
Jetzt sehen sie uns, murmelte sie in Charises Hinterkopf. Sie erkennen, was wir sind.
Charise verdrehte innerlich die Augen.
Sie erkennen die Bindung, korrigierte sie. Nicht mich.
Und dennoch spürte sie es – die langsame Akzeptanz, den Respekt, durchzogen von Neugier.
Das Lunaris-Rudel war ganz anders als Wintercrest.
Ja, es gab hier Stärke. Aber nicht diese grausame, zur Schau gestellte Dominanz, mit der sie aufgewachsen war. Diese Wölfe waren loyal, weil sie geschätzt wurden, nicht weil man sie in Gehorsam gebrochen hatte.
Ihr Weg führte sie zwischen einer Gruppe von Steingebäuden hindurch, bis ihr der Geruch von Desinfektionsmitteln und Kräutern in die Nase stieg.
Die Klinik.
Sie war größer als alles, worin sie jemals gearbeitet hatte – zwei Stockwerke, breite, offene Fenster, Stimmen, die stetig und zielgerichtet hindurchdrangen. Ihre Finger strichen über den Türrahmen, als sie eintrat.
Der Anblick ließ sie wie angewurzelt stehen.
Reihen von Feldbetten säumten die gegenüberliegende Wand, auf denen Krieger ruhten oder von Heilern versorgt wurden. Die Luft war schwer vom Geruch nach Umschlägen und Rauch, während ein schwaches Summen von Magie den Raum erfüllte.
Einige Gesichter erkannte sie wieder – Wölfe aus dem Hinterhalt, aus jener Nacht, in der die Welt in Silber und Feuer geblutet hatte.
Ihre Brust zog sich zusammen.
Das ist meinetwegen, dachte sie. Weil sie meinetwegen gekommen sind.
Ihre Wölfin wurde still, die Ohren angelegt, die Rute eingezogen.
Die gemeinsame Schuld saß tief – eine Erinnerung, die keine von ihnen entwirren konnte.
Und dann sah sie ihn.
Lyon stand nahe der Mitte des Raumes, die Ärmel bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt, während seine Hände schwach im Licht des Mondes glühten. Das sanfte Strahlen seiner Kraft floss über die Seite eines verwundeten Soldaten, versiegelte aufgerissene Haut und ließ Muskeln unter seiner Berührung wieder zusammenwachsen.
Sein Ausdruck war ruhig, die Lippen leicht geöffnet, während er mit leiser, gleichmäßiger Stimme zu seinem Patienten sprach.
Er war anders als Pagan – nicht nur Feuer, Muskeln und Befehlsgewalt.
Seine Stärke war leiser. Kontrollierter.
Aber dennoch war es Stärke.
Sie konnte sie in der Anspannung seiner Unterarme sehen, darin, wie sein Hemd über die Breite seiner Schultern spannte, in der markanten Linie seines Kiefers, während er sich konzentrierte.
Sein blondes Haar fiel in lockeren Strähnen über seine Stirn und fing jedes Mal das Licht ein, wenn er sich bewegte.
Die Kraft, die von ihm ausging, war nicht scharf oder brennend.
Sie war wie Mondlicht auf Wasser – kühl, endlos, beständig.
Ihre Wölfin schnurrte leise und neugierig.
Er summt, wenn er heilt, bemerkte sie. Es beruhigt sie ... und uns.
Charises Atem stockte, als ihr bewusst wurde, wie lange sie bereits dastand.
Ihn beobachtete.
Dieses stille Ziehen durch die Bindung spürte.
Sie machte einen kleinen Schritt rückwärts, bereit zu gehen, bevor er sie bemerkte –
„Hallo.“
Die kleine Stimme hielt sie auf.
Charise drehte sich um.
Ein kleines Mädchen mit einer wilden Lockenmähne stand neben ihr und hielt ein zerknittertes Blatt Papier sowie eine Handvoll Wachsmalstifte fest. Sie konnte nicht älter als sechs Jahre sein.
„Du bist hübsch“, sagte der Welpe schüchtern.
Dann fügte sie, als hätte sie sich gerade an etwas Wichtiges erinnert, hinzu:
„Malst du mit mir?“
Für einen Moment vergaß Charise, wie man atmete.
Noch nie hatte jemand sie um etwas so ... Einfaches gebeten.
Ihre Kehle wurde eng, doch sie zwang sich zu einem Lächeln.
„Mit dir malen, hm?“
Das Mädchen nickte ernst und hielt ihr einen Wachsmalstift entgegen – violett, die Papierhülle halb abgerissen.
Charise ging neben ihr in die Hocke, das Leder ihrer Jacke knisterte leise.
„In Ordnung“, sagte sie leise. „Aber ich warne dich, ich bin schrecklich darin, innerhalb der Linien zu bleiben.“
Das Mädchen kicherte und ließ sich im Schneidersitz auf den Boden plumpsen. Sie breitete das Blatt zwischen ihnen aus.
Gemeinsam begannen sie, eine grobe Zeichnung auszumalen – einen Wolf mit Flügeln, darüber Sterne, die Art von Bild, die nur die Fantasie eines Kindes erschaffen konnte.