5. Kapitel

2462 Words
Am nächsten Morgen wurde ich von einer viel zu gut gelaunten Sephie geweckt. Sie kam ohne zu klopfen in mein Zimmer gestürmt.  „Aufstehen Schätzchen! Heute ist ein grosser Tag. Wir werden schon ganz bald im Kapitol ankommen!", trällerte meine Betreuerin mit ihrem schrecklichen Kapitolsakzent.  Mürrisch zog ich mir die Decke über den Kopf, worauf Sephie sie mir ganz wegnahm.  „Kommst du jetzt freiwillig oder soll ich ein Gals Wasser holen?", fragte sie mich drohend, dich ich konnte sie keines Wegs ernst nehmen.  Fluchend gab ich jedoch nach und stieg aus meinem gemütlichen Bett. Ich schlenderte langsam ins Badezimmer, um mich zu duschen. Glücklicherweise drückte ich schon von Anfang an den richtigen Knopf und so ersparte ich mir einige Unannehmlichkeiten mit den anderen. In meinem Zimmer zog ich mir ein grünes luftiges Shirt und eine schwarze Leggings an. Dann ging ich in den Essenspavillion zu den anderen, die mich schon erwarteten.  „Ist unsere kleine Prinzessin auch schon wach?", zwinkerte mir Hektor zu. Auf diese Aussage boxte ich ihn in den Arm. „Aua!", lachte er,„Dafür, dass du nicht kämpfen kannst, kannst du ziemlich zuschlagen." Ich setzte mich hin, nahm mir, seine Aussage ignorierend, ein Brötchen mit Erdbeermarmelade und stopfte es mir genüsslich in den Mund. „Also gut ihr zwei. Wir kommen jetzt dann gleich im Kapitol an und ihr sollt daran denken, dass du, Lucy, das Sunnygirl spielst und du, Hektor, bist ihr Beschützer und super Kämpfer. Wenn ihr also aus dem Zug steigt, ist es wichtig, dass ihr lächelt und den Leuten zuwinkt. Dann könnten wir auch noch machen, das du, Lucy, vor Hektor gehst und er dicht hinter dir", erklärte uns Alexis noch einmal. Wir anderen nickten nur zustimmend, bis ich aufsprang, zum Fenster rannte und ungläubig fragte:„Ist es das? Ist das, das Kapitol?" Ich drehte mich mit grossen Augen zu den anderen um und meine Schwester nickte mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen. Hektor gesellte sich zu mir und kam aus dem Staunen kaum raus. Genau wie ich auch nicht. Plötzlich fuhren wir durch einen Tunnel und wenig später kamen wir in einem Bahnhof oder so an. Jedenfalls standen da bereits viele Leute, die wirklich seltsam gekleidet waren. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen! Sie jubelten und klatschten uns zu und wir lächelten brav und winkten den Leuten aus dem Kapitol zu. Ich verteilte sogar ein paar kleine Luftküsse. Die Menge schien begeistert zu sein ab dieser kleinen Geste und mir persönlich gefiel es auch. Hektor lief die ganze Zeit direkt hinter mir und ich glaubte, dass jetzt für die Meisten klar sein muss, dass er mich um jeden Preis beschützen wird.  Unsere ganze Truppe lief einen langen g**g entlang. Die Wände waren alle weiss gestrichen und der Boden war grau. Ungefähr alle zehn Meter war eine kleine ebenfalls graue Tür. Im Grossen und Ganzen sah es nicht gerade einladend aus.  Als wir fast zu hinderst des Ganges ankamen, öffnete Sephie eine etwas grössere Tür. Man sah 24 kleine "Räumchen", die mit Plastikplanen abgetrennt waren. Immer an zwei von denen war eine Zahl von 1 bis 12 angebracht. Da wurden die Tribute ziemlich wahrscheinlich für die Parade fertig gemacht. Auf jeden Fall, waren wir nicht die letzten. Die Tribute von 1 bis 5 wurden bereits behandelt. Sephie schubste mich ins erste "Räumchen", welches die Zahl 6 hatte. Gleichzeitig kamen eine ziemlich schrägaussehende Frau und ein noch fast schräger aussehender Mann zu mir und stellten sich mir vor:„ Hallo, ich bin Lydia und das", sie zeigte auf den Mann,„ist Don. Wir sind für diese Spiele dein Vorbereitungsteam und wenn du sie gewinnen würdest, wovon wir nicht unbedingt ausgehen, wären wir auch auf der Tour der Sieger dein Vorbereitungsteam."  Ich schaute Lydia perplex an. Wie schön, dass die so ein Vertrauen in mich haben. Aber die werden sehen! Denen werd ichs zeigen!  Lydia schob mich zu einem Tisch und Don befahl mir mich zu entkleiden und das tat ich auch. Und dann wurde ich behandelt. Sie zupften und rupften an mir herum bis zum geht nicht mehr. Das schlimmste aber war das Haare zupfen. Bei den Augenbrauen und an den Beinen. Ich musste mir jedes Mal, wenn die mir den Wachsstreifen, oder was das war, abzogen, einen Aufschrei unterdrücken. Als ich das Gefühl hatte, dass sie jetzt nicht mehr viel machen konnten, spritzen sie mich noch einmal mit dem Schlauch ab und schoben mich dieses Mal in einen richtigen kleinen Raum herein. Ohne ein weiteres Wort von ihnen, verliessen sie ihn wieder und ich war alleine. Wenige Minuten später kam ein Mann zu mir rein und sah mich kurz an. „Hallo. Ich bin Mika. Von heute an dein Stylist. Es tut mir aufrichtig Leid, was alles in deiner Familie passiert ist. Aber wenn es dich trösten sollte, die meisten Leute aus dem Kapitol sind begeistert von dir und deiner Geschichte. Das könnte eine menge Sponsoren für dich bedeuten, wenn du dich richtig verhältst", er streckte mir seine Hand hin und ich drückte sie kurz. „Bereit für deinen grossen Auftritt?", fragte mich mein Stylist. Am liebsten würde ich laut 'Nein!' schreien, doch ich nickte.  „Okay, dann lass uns dich mal einkleiden."   Nach etwa 30 Minuten war Mika fertig und ich betrachtete mich im Spiegel. Ich sah lächerlich aus! Ich hatte einen Art enganliegender grüner Overall an mit einem schwarzen Gürtel um meine Taille. Meine Haare waren nur etwas gelockt und weiter nichts.  „Ähem... Mika?", fragte ich unsicher.  „Ja?", fragte er zurück. Er schien von seiner Arbeit mehr als überzeugt.  „Was genau stelle ich dar?" Mika schaute mich entsetzt und leicht beleidigt an. Anscheinend sollte es klar sein, aber ich verstand es jedenfalls nicht.  „Also du kommst aus Distrikt 6. Dieser Distrikt ist für die Transportfahrzeuge zuständig. Und du siehst aus wie die Leute, die diese Fahrzeuge bauen!", erklärte mir Mika schnell.  „Nun ja, ganz genau so sehen die aber nicht aus, nein", belehrte ich ihn.  „Ist doch egal! Die Leute aus dem Kapitol stellen sich euch einfach so vor, Punkt!" Jetzt habe ich ihn sichtlich etwas wütend gemacht, aber egal. Er war der Stylist und wusste, was zu tun war, deshalb hielt ich meinen Mund. Mika hielt mir ein Paar High Heels entgegen. „Die sind hübsch", kommentierte ich sie. Er sah mich mit hochgezogener Augenbraue an und streckte mir die Schuhe immer noch hin.  „Wie jetzt? Ich soll die Dinger anziehen?!", rief ich entgeistert.  „Ja natürlich, was solltest du deiner Meinung nach sonst damit machen? Sie in die Luft werfen? Sie herumtragen?" „Aber, die haben mindestens einen 20 Zentimeter-Absatz! Wenn du nicht willst, dass ich heute den Boden küsse, gibst du mir lieber andere Schuhe." „Keine Sorge kleine, das sind bloss 16 Zentimeter. Und ausserdem musst du damit nicht gehen, sondern stehen! Was sagst du, kriegst du das hin?" „J-ja, ich denke schon. Aber.."  „Genial! Ich wusste, dass du hart im nehmen bist. Also zieh sie an und dann gehts los!", unterbrach mich mein Stylist. Ich gab mich geschlagen, und nahm diese Monster-Schuhe entgegen. Als ich sie anhatte versuchte ich zur Tür des Raumes zu gelangen, wo bereits Mika ungeduldig auf mich wartete. Als ich es wie durch ein Wunder zur Tür herausgeschafft hatte, trafen wir direkt auf Hektor und seine Stylistin. Ich sah ihn an und prustete sofort los. Er sah noch schlimmer aus als ich! Auch er trug einen schwarzen Overall, aber ihm stand das Teil überhaupt nicht!  „Jaja ich weiss, dass ich bescheuert aussehe, aber du bist nicht besser! Ich wette mit dir, dass du heute noch den Boden küssen wirst", entgegnete er auf mein Gelächter mit dem Blick auf meinen 16-Zentimeter-Absatz-Schuhen. „So jetzt fertig! Ihr müsst zu eurer Kutsche!", mischte sich nun auch Sephie mit ein.  Hektor und Sephie setzten sich in Bewegung und auch ich lief ihnen langsam und vorsichtig hinterher, um mit ohne gebrochenen Knöchel bei der Kutsche anzukommen. Alle Tribute standen bereits bereit und sahen mich belustig und als wäre ich ihr Frühstück an. Ich jedoch liess mir nichts anmerken. Es wäre wahrscheinlich auch nicht besonders gut verlaufen, wenn ich versucht hätte ihnen etwas an den Kopf zu werfen. Schliesslich war ich zu konzentriert damit meine Füsse zu kontrollieren. Als ich endlich bei unserer verdammten Kutsche ankam, stand Hektor bereits mit einem amüsierten Lächeln drauf und streckte mir seine Hand entgegen, um mir hoch zu helfen.  „Ich bin hier die grösste Lachnummer!", zischte ich ihm leicht genervt zu, anstelle mich zu bedanken.  Von seiner Seite kam nur ein dämliches Lachen. „Ach was", entgegnete er lachend,„Die finden dich doch nur niedlich! Ich meine, du sahst schon süss aus, als du wie ein Storch über den Platz geschritten bist. Ach quatsch! Geschritten ist gar kein Ausdruck, wohl eher gestochert! Haha" „Halt doch deine Klappe, wenn nur Scheisse rauskommt!", giftete ich, sogar ein kleinwenig schmunzelnd, zurück. Noch bevor Hektor etwas hätte erwidern können, setzte sich unsere Kutsche in Bewegung. Die Parade ging los. Jetzt hiess es schön lächeln und winken. Ich hielt mich am Rand des Wagens fest, um nicht runterzufallen und begann Luftküsschen zu verteilen.  „Da sehen wir sie! Unsere mutigen Tribute der 73. Hungerspiele! HAHAHA! Distrikt 1 schön glamourös wie jedes Jahr. Und schaut euch die Kostüme aus Distrikt 2 an! Umwerfend!", begann Ceasar Flickerman begeistert seine Rede. Ich hörte im gar nicht richtig zu, zu beschäftigt war ich zu lächeln, zu winken, Luftküsse zu verteilen, glücklich auszusehen, obwohl ich heulen könnte. Doch als mein Name viel, wurde ich wieder aufmerksam.  „Und die Jüngste im Bunde sieht auch süss aus! Unsere kleine Lucy! Ihr Kostüm und das von ihrem Beschützer sehen aus, als würden sie Billiette-Kontrolle machen. Passt ja auf, dass sie euch nicht erwischen, wenn ihr euch entscheiden solltet einmal schwarz zu fahren! HAHAHA" 'Wie bescheuert sind die eigentlich?! Die denken wirklich, dass wir in Distrikt 6 so rumrennen!', dachte ich mir, lächelte aber schön brav weiter.  Ich liess meinen Blick über die Menge schweifen, die total aus dem Häuschen zu sein schien. 'Wie kann man bei so einem Quatsch so begeistert sein?! Wir können gerne Plätze tauschen, mal sehen ob ihr dann immer noch so gut drauf seid!' Nach einer fast endlosen Fahrt hielt unsere Kutsche endlich vor einem riesigen Podium an, wo der Präsident persönlich uns erwartete, um mit seiner öden Rede zu beginnen. Ich verspürte keine grosse l**t ihm zuzuhören, also Schaltete ich einfach auf Durchzug und betrachtete meine Schuhe, als wären sie plötzlich das interessanteste der Welt. Ich erschrak richtig, als unsere Kutsche sich wieder in Bewegung setzte und Hektor musste mich festhalten, damit ich nicht vom Wagen fiel.  Keine halbe Minute später waren wir auch schon wieder weg von all den Leuten und ich wollte nur so schnell wie irgend möglich ins Bett.  Die Kutsche hielt an und ich sprang runter. Natürlich ohne daran zu denken, dass ich noch die 16cm Killerschuhe an hatte. Noch im Fallen bemerkte ich meinen Fehler, den ich eine Millisekunde vorher begannen hatte und stiess einen spitzen Schrei aus. Kaum waren meine Füsse auf dem Boden angekommen, fiel ich noch weiter und küsste tatsächlich noch diesen verdammten Boden! Durch meinen Schrei mussten jetzt alle Anwesenden mitbekommen haben, was passiert war und als ich aufschaute, bestätigte sich dieses Gefühl. Vor allem die Karrieros mussten sich sichtlich zusammenreissen, um nicht in schallendes Gelächter aus zu brechen. Schamesröte stieg mir ins Gesicht. 'So was Peinliches kann aber auch nur mir passieren!' Jedenfalls Hektor versuchte gar nicht erst sich zusammenzureissen. Während er auf mich zu kam, um mir zu helfen, lachte er mich einfach aus! „Ich wusste, dass das heute noch passieren würde! Und ich habs dir gesagt. Du kleiner Schusselkopf du", lachte er, mich wieder auf die Füsse setzend.  „Jaja, war mir auch von Anfang an klar. Ich wollte nur so schnell wie möglich von dieser Kutsche runter und da hab ich nicht mehr daran gedacht, dass ich noch diese ollen Monsterschuhe an den Füssen hatte", erklärte ich ihm meine Lage, immer noch rot wie eine Tomate.  Da kam plötzlich eine besorgte Sephie um die Ecke gerannt,„Ach du liebe Güte! Alles in Ordnung bei dir, Schätzchen? Hast du dir weh getan?" „Keine Sorge mir gehts gut!", erwiderte ich so kurz wie möglich. Mir war das Ganze immer noch unendlich peinlich und die Tatsache, dass die Tribute zum Teil immer noch in meine Richtung sahen, machte das Ganze auch nicht besser.  Jetzt kamen auch meine tollen Mentoren, eingeschlossen meine Schwester, von der anderen Seite zu uns. Auch sie schienen sich keine besonders grosse Mühe zu geben, sich das Lachen zu verkneifen.  „Lacht ihr nur!", zickte ich sie an,„Das ist verdammt noch mal gar nicht so leicht in den Dingern zu gehen, geschweige denn damit von einer Kutsche zu springen! Ich will jetzt einfach nur hier weg. Gehen wir?" Wild nickend schob Sephie uns alle in Richtung der Aufzüge. Als wir endlich im 6. Stockwerk ankamen, stockte mir der Atem: Das Appartement sah 'Wow!' aus! Alles war verdammt luxuriös aber das einzige, was mich störte, waren die Avoxe die so ziemlich an jeder Ecke standen mit einem komischen Helm auf dem Kopf, der nicht gerade angenehm aussah.  „Ich schlage vor, ihr zwei hübschen geht auf eure Zimmer und duscht euch erstmal. Danach essen wir zu Abend", sagte Sephie und schob uns den g**g herunter.  Als ich in meinem neuen Zimmer ankam, schälte ich mich aus dem grauenhaften Kostüm und ging ins Badezimmer um mich zu duschen. Zum Glück hatte die Dusche hier das selbe Prinzip wie im Zug und so wusste ich bereits welche Knöpfe nötig waren, um eine von mir gewünschte Dusche zu bekommen.   Als ich fertig war, nahm ich mir ein Lockeres schwarzes Top und eine braune Trainerhose aus dem riesigen Schrank. Ich war erstaunt, dass bereits alles in meiner Grösse bereit lag und haargenau passte, machte mir aber keine grösseren Gedanken darüber. Da es bereits Abend war und Sephie schon zwei Mal an der Tür klopfte und sagte, dass wir essen konnten, ging ich zu den anderen an den Esstisch. Ich setzte mich zu ihnen und begann langsam zu essen.  „Also ihr zwei. Morgen ist euer 1. Trainingstag. Ich habe mit einem gewissen Finnick Odair, einer der Mentoren aus Distrikt 4, wegen euren Verbündeten gesprochen. Er sagte, dass müssten die beiden Tribute selber entscheiden, ob sie sich mit euch verbünden wollen, aber er sagte, dass er mit ihnen noch heute Abend darüber reden würde. Geht morgen einfach einmal zu ihnen und sprecht sie darauf an", meinte Ashley, nachdem ich zwei Bissen gegessen hatte. 'Morgen gehts also los. Ich werde mir zusammen mit Hektor Verbündete suchen. Ich hoffe wir können sie überzeugen, denn auf andere habe ich echt keine Lust.'
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