4. Kapitel

2100 Words
Nachdem ich bei den Anderen am Esstisch angekommen war, ging das grosse Reden und Pläneschmieden schon los. So wie es aussah, waren meine tollen Mentoren und Sephie so was davon überzeugt, dass dieses Jahr wieder ein Tribut aus Distrikt 6 die Spiele gewinnen wird. Ich hielt mich einfach aus dem Ganzen raus. Schliesslich hatte ich meine Strategie bereits.  Doch als sich meine Schwester meldete, war ich ganz Ohr:„Ich empfehle euch zwei weitere Verbündete zu haben. Sodass ihr eine grössere Chance habt, wenn ihr den Karrieros gegenüber tretet. Ihr wisst vielleicht noch, dass ich gerade wegen Verbündeten überlebt habe." „Ich bin deiner Meinung, Ashley. Auch ich konnte dank Verbündeten überleben", stimmte Alexis meiner Schwester zu.  „Das ist ja schön und gut, aber wen sollen wir den bitteschön als Verbündete annehmen?", stellte Hektor die berechtigte Frage.  „Ich werde Distrikt 4 fragen. Ich habe mich im letzten Jahr nämlich mit den beiden aus 4 verbündet. Wir haben uns super verstanden und auch auf der Tour der Sieger wurde ich in ihrem Distrikt noch geehrt", erklärte Ashley.  „Das könnte funktionieren. Ich bin dafür", sagte Hektor. Alle anderen nickten ebenfalls zustimmend. Also war dies bestimmte Sache. „Wir müssen uns noch überlegen, wie wir die beiden verkaufen!", rief Markus plötzlich aus.  „Also. Lasst mich mal kurz überlegen", meinte Alexis,„ Hektor kann nach seinen Erzählungen zu Folge sehr gut kämpfen. Ihn könnte man gut als Kampfmaschine dastehen lassen. Also ich meine jetzt nicht die herzlose Killermaschine, die alles tötet, was ihr in den Weg kommt. Nein, ich meine den witzigen und talentierten Boy, der bloss seine kleine Mittributin Lucy", sie zeigte auf mich,„beschützen will. Und Lucy können wir als kleines Sunnygirl darstellen. Das kleine unschuldige Mädchen aus Distrikt 6, das nur so von Lebensfreude erfüllt ist. Das eigentlich immer gute Laune hat und das auch gerne singt und tanzt. Sie kann zwar nicht wirklich kämpfen, aber trotzdem sieht sie bloss die guten Seiten an ihrer Situation." Kurz herrschte eine unangenehme Stille. Alle schienen zu überlegen.  Plötzlich meldete sich endlich der alte Alfredo: „Ich finde die Idee super! Ich frage mich nur, ob die Beiden das hinkriegen. Lucy als Sunnygirl? Ich weiss ja nicht. Ich habe sie hier noch kein einziges Mal richtig lachen sehen." „Hey! Das krieg ich schon hin, okay? Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber genau so war ich wirklich einmal. Und dann hat sich Ashley für mich freiwillig gemeldet", meldete ich mich zu Wort.   „Ich glaube auch, dass sie das schaffen wird. Und wenn sie Schwierigkeiten haben sollte, werde ich ihr helfen", sagte Hektor neben mir aufmuntern und drückte mich kurz an sich. „Woher kennt ihr zwei euch eigentlich so gut? Ich meine Hektor war nie bei uns und nach den Erzählungen seiner Eltern war er auch nie wirklich bei sich zu Hause. Und dann, wenn ich ihn zum ersten Mal sehe, ist er ganz plötzlich so vertraut mit meiner kleinen Schwester", fragte Ashley eher an mich gerichtet als an Hektor.  Ich sah kurz unsicher zu Hektor. Ich hatte im versprochen, dass ich es niemandem sagen würde. Dann kam mir die rettende Idee. Sie war nicht gerade meine beste aber immerhin.  „Ich weiss nicht, wieso dich das jetzt plötzlich so interessiert. Du hast dich ja das ganze letzte Jahr nicht um mich gesorgt!", schrie ich schon fast, schlug meine Hände auf den Tisch und stand auf,„Ich hätte dich gebraucht! Weisst du eigentlich, wie schlimm es ist seine eigene Schwester in der Arena zu sehen?! So viele Male warst du so kurz davor, vor unseren Augen zu sterben. In dem Jahr ist sehr viel passiert in meinem Leben, okay? Und du hast das nicht mitbekommen. Wieso eigentlich? Ich kann dir sagen wieso: Du warst nur mit dir selbst beschäftigt! Mum, Meggie und ich mussten dir zusehen und dafür sorgen, dass wir uns auch von diesem schrecklichen Erlebnis erholten." Voller Wut auf meine Schwester aber auch auf mich, weil ich ihr das gerade tatsächlich vor den Kopf geworfen hatte, verliess ich den Essenspavillion und stampfte in mein Zimmer. Dort schleuderte ich eine sehr teuer aussehende Vase an die Wand, so dass sie in 1'000 Stücke zerbrach. Dann lief ich wieder zur Tür, öffnete sie und schrie:„In meinem Zimmer hat jemand eine Vase kaputt gemacht! Würde das mal jemand sauber machen?!" Sofort kam ein Avoxmädchen mit einem Besen und einer Schaufel in der Hand hergerannt, um das Schlamassel sauber zu machen. Ich beachtete sie gar nicht und auch als sie das Zimmer wieder verliess, würdigte ich ihr keines Blickes. Nicht weil ich zu stolz war, ignorierte ich sie, sondern weil ich ihr keine Probleme machen wollte. Ich hatte nämlich einmal gehört, dass Avoxe riesen Ärger bekommen, wenn sie mit anderen sprachen, insbesondere mit Tribute.  Ich schmiss mich auf das wunderschöne Himmelbett und starrte die Decke über mir an. Plötzlich klopfte es aber an der Tür. Mit einem kurzen „Herein!" gab ich der Person zu verstehen, dass sie eintreten könnte. Kurz darauf streckte Hektor den Kopf in mein Zimmer.  „Darf ich reinkommen?", fragte er. Ich nickte nur und rutschte etwas an den Rand des Bettes, damit Hektor sich neben mich legen konnte.  „Du hättest nicht so hart zu ihr sein dürfen. Sie hat sich schliesslich, seit wir in den Zug eingestiegen waren, sehr Mühe mit dir gegeben. Wer weiss, vielleicht ist ihr das alles, was du ihr vorgeworfen hast, schon klar. Jedenfalls geht es ihr jetzt wirklich mies. Und ausserdem, hättest du ihr schon sagen können, woher wir uns kennen." „Ja, das weiss ich. Ich wollte ihr das auch gar nicht alles an den Kopf werfen. Es ist nur, dass ich mich einfach total in Rage geredet habe. Und ausserdem habe ich dir versprochen, dass ich niemandem erzähle, dass wir uns vom Training kennen. Ich verstehe aber immer noch nicht, warum du das vor deiner Familie geheim halten willst", erklärte ich ihm und als ich im ins Gesicht sah und pure Anspannung erblickte, fügte ich noch schnell hinzu:„Ich will jetzt damit nicht sagen, dass ich das jetzt unbedingt wissen muss. Es ist ja schliesslich deine Entscheidung und ich respektiere das." Hektor entspannte sich sichtlich und drückte mir einen kleinen Kuss auf die Wange. „Danke Lucy! Du bist die Beste! Ich wünschte ich hätte eine Schwester wie du." „Ich weiss", sagte ich arrogant,„Und falls du es vergessen haben solltest, brauchst du keine solche Schwester, da du mich schon hast!" „Wie Recht du doch immer hast, kleine Fast-Schwester." Für einen kleinen Moment herrschte Stille, bis mir eine Frage auf der Zunge brannte, und ich somit die Stille brach:„Hat sich Jason von die verabschiedet?" In Hektors Augen rührte sich etwas, ich konnte aber nicht genau deuten, was es war.  „Ja er hat sich tatsächlich verabschiedet. Und ich habe so das leise Gefühl, dass du ihn dazu gebracht hast, es zu tun. Falls es so sein sollte, dann bin ich dir unendlich dankbar. Es hat sehr gut getan ihn wieder einmal zu umarmen. Und ihm wieder einmal nah zu sein." Ich lächelte. „Das freut mich aber für euch beide." Doch gleich darauf verkrampfte ich mich.  „Hey, was ist denn plötzlich los?", fragte Hektor, als er meine plötzliche Anspannung bemerkte.  „Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich ihn liebe", nuschelte ich.  „Wem? Jason? Aber Lucy! Ich bin mir sicher dass er das weiss, ohne dass du es ihm sagst. Das ist kein Weltuntergang und du kannst es schliesslich immer noch beim Interview sagen," tröstete mich Hektor und nahm mich kurz in den Arm.  „Lass uns die Wiederholung der Ernte ansehen, die jetzt begonnen hat. Dann kommst du vielleicht etwas auf andere Gedanken. Ich nickte und nahm mir die Fernbedienung. Tatsächlich hat die Wiederholung gerade begonnen wie es Hektor gesagt hatte.   Aus Distrikt 1 hatte sich eine blonde Schönheit freiwillig gemeldet namens Seraphina. Der Name passte jedenfalls zu ihr. Ich schätzte sie auf 17 oder 18 Jahre alt. Der Junge war etwa 18 Jahre alt, sah sehr muskulös aus und hörte auf den Namen Alex. Auch er hatte sich freiwillig gemeldet. Er könnte mir wahnsinnig gefährlich werden, wie Seraphie wahrscheinlich aus. Sie sah zwar nicht aus, als wäre sie eine Killermaschine aber der Schein konnte täuschen.  Aus Distrikt 2 meldeten sich auch beide freiwillig. Das Mädchen hiess Dana, war eine hübsche Brünette und sah ziemlich böse aus. Der Junge hiess Tyler, war ebenfalls brünett und sah wie der Junge aus 1 sehr muskulös und gefährlich aus. Ich schätzte beide auf 18 Jahre. Typisch Karrieros meldeten sich jedes Jahr allesamt freiwillig.  Die beiden aus 3 sahen nicht besonders gefährlich aus. Das Mädchen ist etwa 16 und der Junge 17.  Distrikt 4 war interessant. Das Mädchen schätzte ich 15 Jahre alt, war blond und sie hiess Deborah. Der Junge war ebenfalls blond, ungefähr 18 Jahre alt und hiess Lucas. Beide schienen sehr vertraut miteinander, so wie ich und Hektor auch. Wenn meine Schwester es schaffte ihre Mentoren zu überzeugen, dass wir Verbündete werden, war ich auf jeden Fall zufrieden. Die beiden waren mir nämlich mehr als sympathisch.  Aus Distrikt 5 sah ich auch keine grosse Gefahr für mich. Der Junge schätzte ich auf 15 und das Mädchen auf 17 Jahre alt, aber beide sahen ziemlich schwach und verängstigt aus.  Dann kamen wir. Ich sah wirklich sehr schwach aus, vor allem, als ich auf der Bühne zusammenbrach, als Jasons Name aufgerufen wurde. Damit war ich mehr als nur zufrieden. So ging meine Strategie nämlich perfekt auf.  Hektor hingegen sah stark und beängstigend aus und als er mich in den Arm nahm, sah er auch sehr beschützend aus und man hatte fast das Gefühl, dass er mit dieser Geste sagen wollte, dass er mich beschützen würde und denjenigen, der mich auch nur anschauen sollte, ohne grosse Umschweife töten würde. Die restlichen Tribute interessierten mich nicht wirklich und ich passte auch nicht mehr richtig auf. Ich weiss nur noch, dass das Mädchen und der Junge aus 11 noch eine Bedrohung darstellen könnte, da beiden ziemlich stämmig und stark aussahen.  Was ich aber ganz sicher weiss ist, dass ich mit einem Abstand von zwei Jahren die jüngste in diesem Jahr war. Das wird sehr schwierig für mich aber auch diese Tatsache passte gut in meinen Plan. „Ich habe da noch eine Frage an dich, Lucy." „Schiess los", antwortete ich Hektor, als er seine Frage nicht stellte. „Warum hast du den anderen gesagt, dass du nicht kämpfen kannst? Du bist die beste Kämpferin, die ich überhaupt kenne!"  „Das gehört alles zu meiner Strategie, Hektor."  „Und die wäre?"  „Das erfährst du im Kapitol." Mit dieser Antwort schien mein Fast-Bruder nicht ganz zufrieden zu sein, sagte aber nichts mehr.   Ich merkte, wie ich langsam aber sicher müde wurde und gähnte einmal herzhaft.  „Du solltest jetzt schlafen gehen, Kleine. Morgen wird ein grosser Tag und du musst fit sein, um das Sunnygirl zu spielen." „Ja das mache ich und du weisst ja gar nicht wie sehr ich mich auf diese Rolle freue", grinste ich Hektor an.  Mit einem Schmunzeln stand er von meinem schönen Himmelbett auf und lief zur Tür. „Gute Nacht", wünschte er mir noch, bevor er mein Zimmer verliess.  Gerade als ich den Fernseher ausmachen wollte, erkannte ich Caesar Flickerman und Claudius Templesmith, die beiden Kommentatoren der Spiele.  „Dieses Jahr haben wir eigentlich nur ältere Tribute zwischen 15 und 18 Jahre. Aber aus Distrikt 6 haben wir ein kleines 13-jähriges Mädchen, das sich doch tatsächlich für ihre kleine Schwester freiwillig gemeldet hat! Unglaublich!", erzählte Claudius erfreut.  „Aber ich glaube, dass ganz Panem sich fragt, was es mit dem Jungen auf sich hat, der zuerst gezogen wurde. Lucy, das ist übrigens das Mädchen, war sichtlich am Boden zerstört. Aber ich denke, das erfahren wir beim Interview", erzählte Ceaser weiter.  Ich hatte genug von denen. Fürs Erste. Also schaltete ich den Fernseher endgültig aus. Ich schlenderte wieder ins Badezimmer, um mich Bettfertig zu machen.  Als ich fertig war, ging ich zurück ins Zimmer und legte mich ins kuschlige weiche Bett.  Ich lag noch eine Zeit lang wach und dachte über einige Dinge nach: Wie wird die Arena aussehen? Werde ich tatsächlich Verbündete in der Arena haben? Wie werde ich mich beim Interview verhalten? Wie werde ich mich bei der Parade verhalten? Wie werde ich bei den Zuschauern ankommen? Wird meine Strategie aufgehen? Werde ich sterben oder leben? Was kommt im Kapitol auf mich zu?   In meinen ganzen Grübeleien grenzte es an ein Wunder, dass ich doch noch in einen ruhigen traumlosen Schlaf fiel.
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