Beschuldigt

778 Words
Das gesamte Terminal verstummte. Elara starrte Serena vollkommen fassungslos an. „Was?“ Serena zeigte verzweifelt auf sie, ihre Augen voller Panik. „Sie wusste, wohin das Geld verschwunden ist!“ „Das ist eine Lüge!“ rief Elara sofort. Die Passagiere in der Nähe begannen zu tuscheln. Handys wurden gehoben. Die Leute begannen zu filmen. Natürlich taten sie das. Adrians Gesichtsausdruck wurde gefährlich kalt. „Seien Sie vorsichtig, Serena.“ Doch Serena wirkte inzwischen völlig instabil. „Nein!“ schrie sie. „Ich werde nicht allein dafür bezahlen!“ Victor sah vollkommen zerstört aus. „Wie konntest du das tun?“ flüsterte er. Serena fuhr scharf zu ihm herum. „Oh bitte, Victor! Tu jetzt nicht so unschuldig.“ „Ich habe dir vertraut!“ „Und ich hatte es satt, arm zu sein!“ Die Worte hallten brutal durch das Terminal. Elara wurde übel. Sicherheitskräfte näherten sich vorsichtig, während Flughafenmitarbeiter nervös beobachteten, wie die Szene eskalierte. Adrian trat erneut leicht vor Elara. Beschützend. Automatisch. „Sie hat damit nichts zu tun“, sagte er tonlos. Serena lachte hysterisch. „Sie glauben das nur, weil Sie von ihr besessen sind!“ In dem Moment, als die Worte ihren Mund verließen— brach Stille herein. Ethan blickte sofort weg. Victor erstarrte. Sogar Elara hörte auf zu atmen. Besessen? Langsam… sehr langsam… drehte Elara sich zu Adrian um. Sein Gesicht blieb unlesbar. Doch sein Kiefer spannte sich leicht an. Nur leicht. Zu leicht. Was irgendwie alles bestätigte. Serena zeigte anklagend auf ihn. „Glauben Sie, ich hätte das nicht bemerkt?“ fauchte sie bitter. „Sie beobachten sie seit Jahren!“ „Elara“, flüsterte Victor schockiert. Ihr Puls raste jetzt heftig. Jahren? Nein. Das ergab keinen Sinn. Bevor sie etwas sagen konnte, lachte Serena erneut. „Er hat eine ganze Firma gekauft, nur weil sie dort während des Studiums drei Monate gearbeitet hat!“ Elaras Augen weiteten sich. „Was?“ Adrians Schweigen wurde ohrenbetäubend. Serena wich langsam zurück und begriff zu spät, dass sie zu viel gesagt hatte. „Oh…“ Angst huschte über ihr Gesicht. Echte Angst. Denn Adrian sah sie jetzt an. Und dieser Ausdruck… dieser erschreckend ruhige Ausdruck… machte sogar die Sicherheitskräfte des Flughafens nervös. „Sie reden zu viel“, sagte Adrian leise. Serena schluckte schwer. Zum ersten Mal seit Beginn dieser Konfrontation— wirkte sie wirklich verängstigt vor ihm. Elaras Gedanken überschlugen sich. Er hat eine Firma gekauft? Wegen ihr? Nein. Unmöglich. Adrian würde doch nichts so Verrücktes tun. Oder? Plötzlich betraten Polizeibeamte das Terminal. „Serena Whitmore?“ Sofort geriet Serena in Panik. „Ich war nicht allein!“ schrie sie verzweifelt. „Das Geld ist wegen ihm verschwunden!“ Alle erstarrten. Der Beamte runzelte die Stirn. „Wegen wem?“ Langsam… zeigte Serena auf Adrian. Und lächelte zittrig. „Adrian Connick.“ Das gesamte Terminal explodierte im Chaos. Reporter stürmten sofort nach vorne. „Was meint sie damit?“ „Mr. Connick, waren Sie beteiligt?“ „Haben Sie Whitmore Holdings manipuliert?“ Victor sah entsetzt aus. Elaras Herz hämmerte schmerzhaft, als sie sich Adrian zuwandte. Doch Adrian blieb vollkommen ruhig. Zu ruhig. Der leitende Beamte trat vorsichtig näher. „Mr. Connick“, sagte er vorsichtig, „wir brauchen eine Aussage von Ihnen.“ Adrian richtete gelangweilt die Manschette seines Ärmels. Dann blickte er Serena direkt an. „Sie sind verzweifelt“, sagte er leise. Serenas Atmung wurde unregelmäßig. „Sagen Sie ihnen die Wahrheit!“ Adrians Augen verdunkelten sich leicht. „Die Wahrheit?“ Etwas Gefährliches trat in seine Stimme. „Die Wahrheit ist, dass Sie Ihren Ehemann jahrelang bestohlen haben.“ Serena zuckte zusammen. „Die Wahrheit ist, dass Sie Unterschriften gefälscht haben.“ Noch ein Zusammenzucken. „Und die Wahrheit ist…“ Langsam trat Adrian näher. „Sie versuchen, alle mit sich hinunterzuziehen, weil Sie panische Angst davor haben zu verlieren.“ Serenas Gesicht wurde blass. Denn jedes einzelne Wort war wahr. Die Beamten wechselten sofort Blicke. Doch Elara bemerkte davon kaum noch etwas. Denn ein Gedanke wiederholte sich immer wieder in ihrem Kopf. Sie beobachten sie seit Jahren. Langsam blickte sie wieder zu Adrian auf. Und diesmal… sah sie keinen Fremden mehr an. Sie sah einen Mann an, der eine ganze Vergangenheit vor ihr verborgen hatte. Einen gefährlichen Mann. Einen mächtigen Mann. Und möglicherweise— einen Mann, der sie schon viel länger liebte, als sie jemals geahnt hatte. Dann wandte Adrian sich plötzlich zu ihr um. Ihre Blicke trafen sich. Und leise… fast sanft… sprach er die Worte aus, die alles veränderten. „Ich würde Ihnen niemals wehtun, Elara.“ Doch irgendwie… machte ihr dieses Versprechen mehr Angst als die Anschuldigungen.
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD