Die Frage blieb schwer zwischen ihnen hängen.
Wer sind Sie?
Adrian sah Elara schweigend an.
Für einen kurzen Moment flackerte etwas Unlesbares hinter seinen dunklen Augen auf.
Schmerz.
Einsamkeit.
Vielleicht sogar Reue.
Doch dann kehrte die kalte Maske sofort zurück.
„Ein Geschäftsmann“, antwortete er ruhig.
Elara hätte beinahe gelacht.
Das war die größte Lüge, die sie heute gehört hatte.
Normale Geschäftsleute versetzten nicht ganze Räume mit einem einzigen Satz in Angst.
Normale Geschäftsleute brachten Reporter nicht beinahe zum Weinen.
Und normale Geschäftsleute beschützten Frauen, die sie kaum kannten, definitiv nicht so, als hinge ihr Leben davon ab.
„Sie haben gedroht, ihn zu zerstören“, flüsterte sie.
„Er hat zuerst Sie bedroht.“
Die einfache Antwort überraschte sie.
Als würde das allein alles rechtfertigen.
Vielleicht tat es das für Adrian tatsächlich.
Plötzlich kam Ethan zurück, das Handy fest in der Hand.
Sein Gesichtsausdruck wirkte düster.
„Adrian.“
„Was?“
„Wir haben Serena gefunden.“
Victor sprang sofort auf. „Wo ist sie?!“
Ethan zögerte.
Dann antwortete er vorsichtig:
„Am Flughafen.“
Alle erstarrten.
Elaras Magen sackte augenblicklich ab.
„Sie versucht, das Land zu verlassen?“
Ethan nickte langsam.
„Und sie ist nicht allein.“
Ein schreckliches Gefühl breitete sich im Raum aus.
Adrians Augen verengten sich gefährlich.
„Wer ist bei ihr?“
Ethan blickte kurz zu Victor, bevor er antwortete.
„Ein Anwalt.“
Victors Gesicht verlor vollständig die Farbe.
„Nein…“
Aber Adrian verstand bereits.
„Sie hat das von Anfang an geplant.“
Elara wurde übel.
Während ihr Vater in Panik geriet.
Während die Polizei gegen die Firma ermittelte.
Während Reporter ihre Familie öffentlich zerstörten—
lief Serena davon.
Adrian griff sofort nach seinen Autoschlüsseln.
„Wir fahren.“
Victor sah schockiert aus. „Sie wollen ihr hinterher?“
„Ja.“
„Sie könnte bereits weg sein!“
Adrians Gesichtsausdruck blieb erschreckend ruhig.
„Sie wird nicht weit kommen.“
Die Sicherheit in seiner Stimme jagte jedem in der Lobby einen Schauer über den Rücken.
Zwanzig Minuten später raste Adrians schwarzes Auto durch den Verkehr Richtung Privatflughafen außerhalb der Stadt.
Im Wagen erstickte die Stille beinahe alle.
Victor sah neben Ethan völlig zerstört aus.
Elara saß schweigend am Fenster, während ihre Gedanken sich endlos drehten.
Nichts fühlte sich mehr real an.
Ihre Familie brach zusammen.
Die Polizei war eingeschaltet.
Und irgendwie war Adrian Connick das Einzige geworden, das mitten in diesem Chaos stabil blieb.
Diese Erkenntnis machte ihr Angst.
Neben ihr bemerkte Adrian, wie still sie geworden war.
„Sie denken zu viel nach.“
Elara warf ihm einen erschöpften Blick zu. „Mein Leben fällt gerade buchstäblich auseinander.“
„Man kann es wieder aufbauen.“
„Sie sagen das, als wäre es einfach.“
„Für mich ist es das.“
Die Antwort hätte arrogant klingen sollen.
Stattdessen klang sie ehrlich.
Und irgendwie war das schlimmer.
Elara betrachtete schweigend sein Profil.
Perfekte Haltung.
Ruhiger Gesichtsausdruck.
Kalte Beherrschung.
Und trotzdem…
fühlte sich etwas an Adrian immer zurückgehalten an.
Als würde er sich ständig davon abhalten, etwas viel Dunkleres zu werden.
„Warum helfen Sie mir?“ fragte sie plötzlich.
Adrian sah sie an.
Eine lange Stille verging.
Dann—
„Weil mir niemand geholfen hat.“
Das leise Geständnis traf sie völlig unerwartet.
Bevor sie fragen konnte, was er meinte—
hielt das Auto plötzlich an.
„Wir sind da“, verkündete Ethan düster.
Alle stiegen schnell aus.
Der Privatflughafen summte vor Bewegung und Lärm.
Luxusjets.
Sicherheitskräfte.
Passagiere, die überall hastig herumliefen.
Dann zeigte Victor plötzlich nach vorne.
„Dort!“
Auf der anderen Seite des Terminals stand Serena Whitmore mit einer übergroßen Sonnenbrille und einem teuren weißen Mantel.
Und neben ihr—
ein jüngerer Mann, den Elara noch nie gesehen hatte.
Serenas Gesichtsausdruck veränderte sich sofort, als sie sie entdeckte.
Panik.
Reine Panik.
„Sie rennt weg“, murmelte Ethan.
Serena drehte sich abrupt um und eilte Richtung Boardingbereich.
„Halten Sie sie auf“, befahl Adrian kalt.
Die Sicherheitskräfte bewegten sich sofort.
Menschen begannen zu schreien.
Passagiere drehten sich neugierig um.
Und dann—
schrie Serena plötzlich.
„Sie wusste Bescheid!“
Alles erstarrte.
Elara fror ein.
Serena zeigte mit zitternden Händen direkt auf sie.
„Elara wusste von dem Geld!“