Die Verhafthung

848 Words
„Was meinst du damit, dass die Polizei dort ist?“ Elara war bereits in Bewegung, noch bevor ihr Vater antworten konnte. Adrian beobachtete sie aufmerksam, während sie mit zitternden Händen ihre Tasche griff. „Dad, was ist passiert?“ Victors Stimme klang am anderen Ende der Leitung atemlos. „Sie beschuldigen uns des Finanzbetrugs.“ Elara blieb abrupt stehen. „Was?!“ Mrs. Connick stellte langsam ihre Teetasse ab. Ethan fluchte leise vor sich hin. Victor sprach hektisch weiter. „Jemand hat Dokumente an die Behörden weitergegeben. Sie durchsuchen gerade die Büros.“ Panik durchströmte Elaras Brust. „Das muss ein Irrtum sein.“ „Ich weiß“, sagte ihr Vater verzweifelt. „Aber sie behaupten, dass Geld von den Firmenkonten verschwunden ist.“ Elaras Gesicht verlor jede Farbe. Ihre Augen wanderten sofort zu Serenas leerem Platz von vorhin. Nein. Sicherlich nicht. „Dad… wo ist Serena?“ Stille. Diese Stille genügte. Oh Gott. „Sie ist heute Morgen verschwunden“, gab Victor schwach zu. „Ich erreiche sie nicht.“ Elara schloss die Augen. Unglaublich. Absolut unglaublich. Plötzlich streckte Adrian seine Hand nach ihr aus. „Geben Sie mir das Telefon.“ Sie zögerte nur eine Sekunde, bevor sie es ihm gab. „Victor“, sagte Adrian ruhig, „sprechen Sie nicht mit der Polizei ohne rechtlichen Beistand.“ „Sie wollen uns nach all dem immer noch helfen?“ Victor klang schockiert. „Ja.“ „Warum?“ Adrians Blick glitt kurz zu Elara. „Weil jetzt Ihre Tochter mit hineingezogen wurde.“ Die Worte sandten eine seltsame Wärme durch ihre Panik. Adrian beendete das Gespräch und gab ihr das Handy zurück. „Wir fahren los.“ Elara blinzelte. „Sie kommen auch mit?“ „Ja.“ „Das müssen Sie nicht.“ „Ich weiß.“ Irgendwie berührte sie das mehr, als wenn er diskutiert hätte. Zehn Minuten später raste Adrians schwarzes Auto durch die Straßen der Stadt, während Elara neben ihm in erstickender Stille saß. Ihre Gedanken drehten sich endlos. Betrug. Polizei. Verschwundenes Geld. Serenas Verschwinden. Alles brach viel zu schnell zusammen. „Sie glauben, dass sie es getan hat, oder?“ flüsterte Elara schließlich. Adrian antwortete nicht sofort. Was Antwort genug war. „Sie hat seit Jahren Schulden verborgen“, sagte er vorsichtig. „Das könnte größer sein als Glücksspiel.“ Elara starrte schmerzhaft aus dem Fenster. Ihr gesamtes Elternhaus war auf Lügen aufgebaut gewesen. Neben ihr bemerkte Adrian still das Zittern ihrer Hände. Ohne ein Wort— rückte er näher. Nur so weit, dass seine Schulter ihre berührte. Eine stille Erinnerung daran, dass sie nicht allein war. Elara bemerkte es. Und hasste es, wie beruhigend es sich anfühlte. Als sie vor Whitmore Holdings ankamen, war das Chaos bereits ausgebrochen. Polizeiwagen. Nachrichtenwagen. Reporter überall. Kamerablitze erhellten ununterbrochen den Eingang. In dem Moment, als Adrians Wagen erschien, stürzten die Reporter wie Wölfe nach vorne. „Sie sind da!“ „Mr. Connick, ist die Verlobung abgesagt?“ „Miss Whitmore, hat Ihre Familie Betrug begangen?“ „Wurden Firmengelder für Glücksspiel benutzt?“ Elara zuckte sichtbar zusammen. Dann legte sich plötzlich Adrians Hand über ihre. Fest. Warm. Ruhig. „Sehen Sie mich an“, sagte er leise. Sie tat es. Und für einen seltsamen Moment… verschwand das Chaos draußen. „Sie sagen nichts zu den Reportern“, fuhr Adrian ruhig fort. „Verstanden?“ Elara nickte langsam. „Gut.“ Die Autotür öffnete sich. Sofortiges Chaos. Fragen flogen aus allen Richtungen, während die Sicherheitskräfte versuchten, einen Weg durch die Menge freizumachen. Adrian stieg zuerst aus. Dann drehte er sich sofort wieder zu Elara um. Seine Hand streckte sich ihr entgegen. Wartend. Die Kameras explodierten beinahe bei diesem Anblick. Elara zögerte nur kurz, bevor sie ihre Hand in seine legte. Sofort schlossen sich Adrians Finger beschützend um ihre. Und gemeinsam— gingen sie direkt in den Sturm hinein. Im Gebäude war die Atmosphäre noch schlimmer. Mitarbeiter standen nervös flüsternd herum, während Beamte mit Kisten voller Dokumente durch die Lobby liefen. Victor Whitmore sah vollkommen zerstört aus. In dem Moment, als er Elara sah, überflutete Erleichterung sein Gesicht. Doch bevor jemand sprechen konnte— schnitt plötzlich eine scharfe Stimme durch den Raum. „Da ist sie.“ Alle drehten sich um. Eine große Frau in einem grauen Anzug trat mit einer Akte in der Hand nach vorne. Eine Ermittlerin. Ihr Gesichtsausdruck blieb unlesbar, während ihre Augen direkt auf Elara ruhten. „Miss Whitmore“, sagte sie ruhig, „wir müssen Ihnen einige Fragen bezüglich verschwundener Firmengelder stellen.“ Elaras Herz blieb beinahe stehen. „Ich weiß nichts über verschwundenes Geld.“ „Das werden wir nach der Befragung feststellen.“ Die Ermittlerin trat näher. Und dann— zum Schock aller— stellte Adrian Connick sich direkt vor Elara. Er schirmte sie vollständig ab. Seine dunklen Augen wurden eiskalt. „Sie sprechen zuerst mit ihrem Anwalt“, sagte er gefährlich leise. Die Ermittlerin musterte ihn aufmerksam. „Und wer genau sind Sie in dieser Angelegenheit?“ Stille. Dann antwortete Adrian ohne zu zögern. „Ihr Ehemann.“
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