„Du bist geblieben.“
Die Worte lagen schwer zwischen ihnen im dunklen SUV.
Elaras Atem stockte leicht.
Adrian sah sie noch immer an.
Nicht kalt.
Nicht wie der gnadenlose Milliardär, vor dem alle Angst hatten.
Sondern wie ein Mann, der kaum glauben konnte, dass sie wirklich noch da war.
Es zog schmerzhaft in ihrer Brust, auf eine Weise, die sie nicht verstand.
„Du warst verletzt“, flüsterte sie.
„Das ist nicht der Grund.“
Die ruhige Gewissheit in seiner Stimme ließ ihren Puls schneller schlagen.
Bevor sie antworten konnte, verlangsamte der SUV plötzlich.
Ethan warf einen Blick vom Vordersitz nach hinten.
„Wir sind da.“
Elara sah hinaus durch die getönten Scheiben.
Ein riesiges privates Anwesen lag verborgen hinter Eisengittern und hohen Bäumen weit außerhalb der Stadt.
Der Ort wirkte weniger wie ein Zuhause und mehr wie eine Festung.
„Wo sind wir?“
„Eine meiner privaten Immobilien“, antwortete Adrian ruhig.
„Wie viele private Immobilien hast du?“
„Ja.“
Ethan stieß ein lautes Schnauben aus.
Sogar Elara musste fast lächeln.
Das Tor öffnete sich sofort, und der SUV fuhr hinein.
Bewaffnete Wachen standen am Eingang.
Sicherheitskameras deckten nahezu jede Ecke ab.
Elara registrierte alles.
Und begriff plötzlich etwas Erschreckendes.
Adrian glaubte wirklich, dass heute Nacht jemand versuchen könnte, ihn wieder zu töten.
Der SUV hielt nahe dem Eingang.
Im Moment, als Adrian ausstieg —
schwankte sein Körper erneut leicht.
Elara packte sofort seinen Arm.
„Vorsicht.“
Adrian sah auf ihre Hand, die ihn hielt.
Etwas Unlesbares flackerte über sein Gesicht.
Dann ließ er sich ruhig von ihr ins Haus führen.
Allein das schockierte Ethan.
Denn Adrian Connick stützte sich nie auf jemanden.
Nie.
Drinnen wartete bereits medizinisches Personal.
Ein Arzt trat schnell näher. „Mr. Connick—“
„Mir geht es gut.“
„Sie bluten durch Ihr Hemd.“
„Unbedeutende Unannehmlichkeit.“
Der Arzt wirkte bereits erschöpft. „Bitte setzen Sie sich.“
Adrian gehorchte schließlich sichtbar genervt.
Elara blieb dicht bei ihm, während das Team vorsichtig sein blutdurchtränktes Hemd entfernte.
Und in dem Moment, als sie es taten—
erstarrte sie.
Narben.
So viele Narben.
Alte Messerwunden.
Schussverletzungen.
Verblasste Verletzungen, die seinen Oberkörper überzogen.
Ihr Herz sackte schmerzhaft ab.
Was für ein Leben hatte dieser Mann geführt?
Der Arzt seufzte. „Die Splitter haben knapp keine lebenswichtigen Stellen getroffen.“
„Gut.“
„Wir müssen sie trotzdem entfernen.“
Adrian lehnte sich ruhig zurück, als ginge es um das Wetter.
Während Elara allein beim Anblick der Wunde schlecht wurde.
„Du solltest draußen warten“, sagte Adrian leise zu ihr.
„Nein.“
Seine Augenbrauen hoben sich leicht.
„Nein?“
„Du bist nach der Explosion bei mir geblieben“, sagte sie stur. „Ich bleibe auch.“
Etwas in seinem Ausdruck wurde wieder weicher.
Klein.
Kurz.
Aber echt.
Der Arzt begann vorsichtig die Wunde zu reinigen.
Adrian reagierte kein einziges Mal.
Nicht einmal, als wieder Blut erschien.
Elara runzelte die Stirn.
„Tut das nicht weh?“
„Doch.“
„Du siehst nicht so aus, als würde es dir wehtun.“
„Ich habe gelernt, es nicht zu zeigen.“
Die einfache Antwort brach etwas in ihrer Brust.
Denn plötzlich stellte sie sich einen jüngeren Adrian vor—
einsam.
gemobbt.
gezwungen, hart zu werden, um zu überleben.
Und irgendwie…
tat schon dieser Gedanke weh.
Der Arzt trat schließlich zurück. „Sie werden leben.“
„Schade“, murmelte Ethan.
Adrian ignorierte ihn.
Dann klingelte plötzlich sein Handy.
Die Atmosphäre änderte sich sofort, als Ethan auf den Bildschirm sah.
„Adrian.“
Etwas in seinem Ton ließ alle sofort anspannen.
„Was?“
Ethan schluckte hart.
„Der Vorstand.“
Adrian hielt die Hand nach dem Telefon aus.
Doch in dem Moment, als er abnahm—
dröhnte eine Stimme so laut aus dem Lautsprecher, dass alle sie hören konnten.
„Du hast den Verstand verloren!“
Elara zuckte leicht zusammen.
Eine ältere männliche Stimme fuhr wütend fort:
„Es gab heute Nacht eine Explosion, Adrian! Reporter überall! Investoren geraten in Panik!“
Adrians Gesicht blieb kalt.
„Kommen Sie zum Punkt.“
„Der Vorstand fordert eine Notabstimmung morgen früh.“
Stille.
Dann—
„Sie wollen dich als CEO absetzen.“
Elaras Augen weiteten sich sofort.
Was?
Sogar Ethan fluchte leise.
Die Stimme fuhr wütend fort:
„Diese Ehe, die Skandale, die Polizeiermittlungen— du wirst zur Belastung.“
Adrians Gesicht wurde wieder undurchschaubar.
Gefährlich undurchschaubar.
„Und wenn ich mich weigere?“, fragte er leise.
Die Antwort kam sofort.
„Dann zerstören wir dich, bevor du die Firma zerstörst.“
Die Verbindung brach ab.
Völlige Stille erfüllte den Raum.
Elara sah langsam zu Adrian.
Wartend.
Auf Wut.
Frustration.
Irgendetwas.
Stattdessen…
lächelte Adrian.
Ein langsames, furchteinflößendes Lächeln.
Und irgendwie…
machte das alle im Raum mehr Angst als die Bombe.