„Warum bleibst du?“
Die Frage traf Elara härter, als sie erwartet hatte.
Hinter ihnen knackte das brennende Auto laut, während Sirenen die Straße in blinkendes rotes und blaues Licht tauchten.
Und trotzdem…
konnte sie nur an Adrian denken.
An die Art, wie er sie ansah.
Als würde ihre Antwort ihm tatsächlich etwas bedeuten.
Elara schluckte langsam.
„Ich weiß es nicht“, gab sie leise zu.
Etwas Gefährliches flackerte in Adrians Augen auf.
Keine Enttäuschung.
Hoffnung.
Klein.
Zerbrechlich.
Und irgendwie war genau das viel beängstigender.
Ethan räusperte sich unbeholfen. „So rührend dieser emotional instabile Moment auch ist — wir sollten vielleicht verschwinden, bevor noch eine Bombe auftaucht.“
Das holte alle zurück in die Realität.
Adrian nickte sofort einmal.
„Wir gehen jetzt.“
Die Sicherheitsleute umringten sie schnell, während sie auf den schwarzen SUV zugingen.
Doch bevor Elara einsteigen konnte —
durchzuckte Adrian plötzlich ein scharfer Schmerz.
Sein Körper zuckte leicht zusammen.
Elara erstarrte.
„Adrian?“
Er sagte nichts.
Zu schnell.
Zu ruhig.
Was bedeutete, dass etwas nicht stimmte.
Dann sah sie es.
Blut.
Dunkles Blut breitete sich langsam unter seinem schwarzen Hemd an seinen Rippen aus.
Ihr Gesicht verlor augenblicklich jede Farbe.
„Du bist verletzt.“
Ethan fluchte sofort.
„Das kommt von der Explosion“, sagte Adrian tonlos.
„Du blutest!“
„Es ist nichts Ernstes.“
„Das ist definitiv ernst!“
Adrian blickte kurz auf die Verletzung hinunter, fast genervt davon.
„Seit wann weißt du das?“, verlangte Elara zu wissen.
„Seit dem Auto.“
„Und du hast nichts gesagt?!“
„Es gab wichtigere Dinge.“
Elara starrte ihn an, als hätte er den Verstand verloren.
„Du hättest sterben können!“
Adrian hielt ihrem Blick ruhig stand.
„Aber das bin ich nicht.“
Diese Antwort machte sie irgendwie noch wütender.
„Steig ins Auto“, befahl er leise.
„Nein.“
Ethan blinzelte. „Oh, das ist neu.“
Elara verschränkte stur die Arme, trotz des Chaos um sie herum.
„Du gehst ins Krankenhaus.“
„Keine Krankenhäuser.“
„Wie bitte?“
„Dort würden Informationen durchsickern.“
„Du wurdest buchstäblich in die Luft gesprengt!“
„Versucht“, korrigierte Adrian.
Elara sah aus, als würde sie gleich schreien.
Und seltsamerweise…
erschien ein schwacher Anflug von Belustigung in Adrians Augen.
Er mochte das.
Die Erkenntnis schockierte sie.
Dieser furchteinflößende Mann mochte es tatsächlich, wenn sie mit ihm stritt.
Psychopath.
„Du bist unmöglich“, fauchte sie.
„Und du bist stur.“
„Du bist verletzt!“
„Du bist laut.“
Ethan blickte langsam zum Himmel hinauf. „Ich vermisse die Zeit, als ihr beide emotional unterdrückt wart.“
Sogar Victor sah inzwischen erschöpft aus.
„Elara“, sagte er vorsichtig, „er braucht wahrscheinlich sofort medizinische Hilfe.“
„Ach wirklich?!“
Adrian seufzte leise, als würden alle um ihn herum ihn persönlich belästigen.
Und dann —
schwankte sein Körper leicht.
Nur ganz leicht.
Aber Elara bemerkte es sofort.
Angst traf sie mitten in die Brust.
Ohne nachzudenken griff sie fest nach seinem Arm.
„Adrian.“
In dem Moment, als sie ihn berührte —
fiel sein Blick auf ihre Hand.
Und für einen seltsamen Augenblick…
verschwand alles andere wieder.
Die Sirenen.
Der Rauch.
Das Chaos.
Nur er, wie er sie ansah, als wäre sie das Einzige, was ihn noch auf den Beinen hielt.
Elaras Herz stolperte schmerzhaft.
„Du brauchst Behandlung“, flüsterte sie.
Adrian betrachtete sie schweigend.
Dann schließlich —
„In Ordnung.“
Erleichterung durchströmte sie sofort.
Ethan sah schockiert aus. „Das hat funktioniert?“
Adrian ignorierte ihn völlig.
Das Sicherheitsteam eskortierte alle schnell in den SUV.
Diesmal setzte Adrian sich neben Elara auf die Rückbank.
Und in dem Moment, als sich die Türen schlossen —
rutschte seine ruhige Maske leicht.
Nur ein wenig.
Sein Atem wurde schwerer.
Elara bemerkte es sofort.
„Du hast Schmerzen.“
„Ich hatte schon Schlimmeres.“
„Das ist überhaupt nicht beruhigend.“
Die Mundwinkel zuckten fast wieder bei ihm.
Fast.
Gott, warum wurde das langsam attraktiv?
Elara schob vorsichtig seine Hand von seiner Seite weg.
Die Menge an Blut darunter ließ ihren Magen verkrampfen.
„Oh mein Gott.“
„Es sieht schlimmer aus, als es ist.“
„Du bist so ein Lügner.“
Adrian beobachtete sie schweigend, während sie ihre Jacke gegen die Wunde presste.
Ihre Hände zitterten leicht.
Nicht mehr vor Angst.
Vor Sorge.
Und auch das bemerkte er.
Jedes kleinste Detail.
„Du sorgst dich um mich“, sagte er leise.
Elara blickte sofort auf.
Gefährlicher Fehler.
Denn Adrian sah sie bereits wieder mit diesem intensiven Blick an.
Dem Blick, der ihre Brust schmerzhaft eng werden ließ.
„Das ist nicht der richtige Moment für dein Ego“, murmelte sie schwach.
„Das war kein Scherz.“
Stille erfüllte das Auto.
Schwer.
Intim.
Dann hob Adrian langsam eine Hand —
und strich ein kleines Stück Glas aus ihrem Haar.
Die Berührung war unglaublich sanft.
Elara hörte auf zu atmen.
Adrians Blick verdunkelte sich leicht, während er sie ansah.
Und leise…
fast wie ein Geständnis
sagte er:
„Du bist geblieben.“