Ein gefährlicher Deal

1354 Words
Kapitel 2 Ein gefährlicher Deal Der Stift fühlte sich schwer in Elenas Hand an. So schwer, als würde das kleine Stück Metall das Gewicht ihres ganzen Lebens tragen. Sie starrte auf die leere Linie am Ende des Vertrags. Dort, wo ihr Name stehen sollte. Ein Jahr. Nur ein Jahr. Dann wäre alles vorbei. Keine Schulden mehr. Keine Angst vor den Männern, die ihr seit Tagen folgten. Doch der Preis… Eine Ehe mit einem Mann, den sie kaum kannte. Elena hob langsam den Blick. Alexander Krieger saß wieder hinter seinem Schreibtisch und beobachtete sie mit dieser unerschütterlichen Ruhe, die sie gleichzeitig faszinierte und beunruhigte. Er drängte sie nicht. Er musste es nicht. Er wusste bereits, dass sie keine andere Wahl hatte. „Sie sehen aus, als würden Sie über Ihr Schicksal entscheiden“, sagte er schließlich. Seine Stimme war ruhig, fast amüsiert. Elena schnaubte leise. „Ist das nicht genau das, was hier passiert?“ Alexander neigte leicht den Kopf. „Vielleicht.“ Elena sah wieder auf das Papier. Der Vertrag war erschreckend detailliert. Ein Jahr Ehe. Öffentliche Auftritte zusammen. Gemeinsame Veranstaltungen. Diskretion. Und eine letzte Klausel, die ihr besonders auffiel. Keine emotionalen Ansprüche. Elena runzelte die Stirn. „Sie haben wirklich an alles gedacht.“ Alexander verschränkte die Hände. „Ich bin Geschäftsmann.“ „Und Ehen sind für Sie Geschäfte?“ Sein Blick wurde für einen Moment undurchdringlich. „Diese schon.“ Elena wusste nicht, warum, aber diese Antwort ließ ein unangenehmes Gefühl in ihrer Brust zurück. Sie sollte sich nicht darum kümmern. Das war nur ein Vertrag. Nicht mehr. Langsam setzte sie den Stift auf das Papier. Ihr Herz klopfte so laut, dass sie sicher war, Alexander müsste es hören. Mit einer schnellen Bewegung unterschrieb sie. Elena Voss. Der Moment fühlte sich seltsam endgültig an. Als hätte sie gerade eine Tür hinter sich geschlossen. Eine Tür, die sich vielleicht nie wieder öffnen würde. Alexander nahm den Vertrag ohne ein Wort. Er überprüfte die Unterschrift. Dann griff er ebenfalls nach einem Stift. Seine Bewegungen waren ruhig und präzise. Mit zwei schnellen Strichen unterschrieb auch er. Alexander Krieger. Er legte den Stift beiseite. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte er trocken. „Sie sind jetzt meine Frau.“ Die Worte ließen Elenas Magen einen kleinen Sprung machen. Meine Frau. Es klang so… endgültig. Alexander drückte einen Knopf auf seinem Schreibtisch. Die Tür öffnete sich fast sofort. Ein Mann Mitte vierzig trat ein. Er trug einen eleganten Anzug und hatte das selbstbewusste Auftreten eines Menschen, der seit Jahren für einen mächtigen Boss arbeitete. „Herr Krieger?“ „Herr Weber“, sagte Alexander ruhig. „Bereiten Sie alles vor.“ Der Mann nickte kurz. Sein Blick fiel auf Elena. Ein leicht überraschter Ausdruck huschte über sein Gesicht, doch er sagte nichts. „Natürlich.“ Als er wieder ging, wandte Elena sich zu Alexander. „Was genau bereitet er vor?“ Alexander stand auf. „Unser Leben.“ Elena blinzelte. „Das war ein Scherz, oder?“ „Nein.“ Er ging zur großen Fensterfront. Die Lichter der Stadt spiegelten sich in den Glasscheiben. „Die Presse wird in zwei Tagen erfahren, dass wir verheiratet sind.“ Elena verschluckte sich fast. „Die Presse?!“ Alexander drehte sich zu ihr um. „Glauben Sie wirklich, eine Ehe zwischen mir und einer unbekannten Frau würde unbemerkt bleiben?“ „Ich dachte… vielleicht eine private Hochzeit.“ Alexander zog eine Augenbraue hoch. „Ich bin Alexander Krieger.“ Als würde das alles erklären. Und vielleicht tat es das auch. Elena ließ sich wieder in den Stuhl sinken. Ihr Kopf begann zu schmerzen. Das alles ging viel zu schnell. „Sie sehen überfordert aus“, stellte Alexander fest. „Das liegt daran, dass ich gerade mein Leben verkauft habe.“ „Sie haben es gerettet.“ Diese Worte trafen sie unerwartet hart. Elena sagte nichts mehr. Alexander nahm sein Handy vom Tisch. „Ihre Schulden sind bereits bezahlt.“ Elena starrte ihn an. „Was?“ „Vor zehn Minuten.“ „Aber ich habe doch gerade erst—“ „Ich halte meine Versprechen.“ Ihr Herz machte einen kleinen Sprung. „Die Männer, die Ihnen gefolgt sind…“ Alexander sah kurz auf sein Telefon. „…werden Sie nicht mehr belästigen.“ Elena wusste nicht, ob sie erleichtert oder noch nervöser sein sollte. „Woher wissen Sie überhaupt so viel über mich?“ Alexander legte das Handy weg. „Ich recherchiere, bevor ich Entscheidungen treffe.“ „Also haben Sie mich… überprüft?“ „Gründlich.“ Elena verschränkte die Arme. „Das ist unheimlich.“ „Das ist klug.“ Bevor sie antworten konnte, klopfte es erneut. Herr Weber kam zurück. „Herr Krieger, das Auto steht bereit.“ Alexander nickte. Dann wandte er sich an Elena. „Wir gehen.“ „Wohin?“ „Nach Hause.“ Elena stand langsam auf. „Mein Zuhause ist auf der anderen Seite der Stadt.“ Alexander schüttelte leicht den Kopf. „Nicht mehr.“ Ein seltsames Gefühl breitete sich in ihrem Bauch aus. „Ich ziehe… bei Ihnen ein?“ „Natürlich.“ Er sah sie an, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. „Wir sind verheiratet.“ Elena wollte protestieren. Doch sie wusste, dass es keinen Sinn hatte. Sie folgte ihm aus dem Büro. Der Flur wirkte plötzlich länger als zuvor. Im Aufzug herrschte Stille. Alexander stand neben ihr, ruhig wie immer. Elena hingegen hatte das Gefühl, dass ihr ganzes Leben gerade neu geschrieben wurde. Als sie das Gebäude verließen, wartete eine lange schwarze Limousine vor dem Eingang. Der Fahrer öffnete sofort die Tür. Elena stieg ein. Das Innere des Autos war größer als ihr ganzes Wohnzimmer. Alexander setzte sich ihr gegenüber. Die Tür schloss sich. Das Auto setzte sich langsam in Bewegung. Für einige Minuten sagte niemand etwas. Dann konnte Elena ihre Neugier nicht mehr zurückhalten. „Warum ich?“ Alexander sah aus dem Fenster. „Ich habe meine Gründe.“ „Das ist keine Antwort.“ Er schwieg. Elena seufzte. „Sie haben mein Leben untersucht, meine Schulden bezahlt und mich geheiratet.“ Sie beugte sich leicht vor. „Ich habe ein Recht zu wissen, warum.“ Alexander drehte langsam den Kopf. Seine grauen Augen trafen ihre. „Weil Sie perfekt sind.“ Elena blinzelte überrascht. „Perfekt?“ „Sie haben keine Verbindungen zur High Society. Keine Skandale. Keine komplizierte Vergangenheit.“ Sein Blick blieb ruhig. „Und Sie brauchen mich.“ Die Worte trafen sie wie ein Schlag. „Das klingt ziemlich kalt.“ Alexander zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Es ist die Wahrheit.“ Elena lehnte sich zurück. Vielleicht hatte sie wirklich gerade ihr Leben an den kältesten Mann der Welt gebunden. Das Auto hielt schließlich vor einem riesigen Anwesen. Elena starrte aus dem Fenster. Das Gebäude sah eher aus wie ein modernes Schloss. Glas. Stein. Licht. „Das ist Ihr Haus?“ „Unser Haus.“ Das Wort ließ ihr Herz wieder schneller schlagen. Der Fahrer öffnete die Tür. Elena stieg langsam aus. Der Wind war kühl, und irgendwo in der Ferne hörte sie das leise Rauschen der Stadt. Alexander trat neben sie. „Willkommen zu Hause, Elena.“ Sie wollte gerade antworten— Als plötzlich ein grelles Licht aufblitzte. Dann noch eines. Und noch eines. Elena erstarrte. Kameras. Mindestens ein Dutzend Reporter stürmten auf das Tor zu. „Herr Krieger!“ „Wer ist die Frau?!“ „Sind Sie wirklich verheiratet?!“ Elena spürte, wie Panik in ihr aufstieg. Sie wandte sich zu Alexander. „Sie haben gesagt, die Presse erfährt es erst in zwei Tagen!“ Alexander sah die Reporter ruhig an. Sein Gesicht blieb vollkommen ausdruckslos. Dann legte er plötzlich einen Arm um ihre Taille. Zog sie näher zu sich. So nah, dass ihr Herz fast aus der Brust sprang. Er beugte sich leicht zu ihr. Und flüsterte leise in ihr Ohr: „Willkommen in meinem Leben, Mrs. Krieger.“ Die Kameras blitzten erneut. Und Elena wusste in diesem Moment, dass ihr neues Leben gerade erst begonnen hatte. Ein Leben, aus dem es kein Zurück mehr gab. --- Ende von Kapitel 2
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