Kapitel 3
Unter den Kameras
Die Blitze der Kameras waren blendend.
Elena hob instinktiv eine Hand vor ihr Gesicht, doch das half kaum. Die Reporter drängten sich gegen das eiserne Tor des Anwesens, ihre Stimmen überschlugen sich.
„Herr Krieger!“
„Ist das Ihre neue Frau?“
„Wann haben Sie geheiratet?“
„Ist das eine geheime Hochzeit gewesen?“
Elena spürte, wie Panik in ihrer Brust aufstieg.
Das konnte nicht ihr Leben sein.
Noch vor einer Stunde war sie einfach nur Elena Voss gewesen – eine Studentin mit Schulden und Sorgen.
Und jetzt…
Jetzt stand sie vor einem Meer aus Kameras als Ehefrau eines Milliardärs.
Alexander schien das Chaos dagegen kaum zu bemerken.
Sein Arm lag immer noch fest um ihre Taille, als wäre es das Natürlichste der Welt.
„Bleiben Sie ruhig“, murmelte er leise.
Seine Stimme war so ruhig, dass sie sich unwillkürlich etwas entspannte.
„Die werden nicht reinkommen.“
Elena sah zu ihm auf.
„Das hoffe ich.“
In diesem Moment öffnete sich das große Tor automatisch.
Zwei Sicherheitsmänner traten heraus und stellten sich zwischen die Reporter und die Einfahrt.
Alexander begann, Elena zum Haus zu führen.
Die Kameras klickten ununterbrochen.
„Herr Krieger!“
„Wer ist sie?!“
„Sagen Sie uns ihren Namen!“
Elena spürte, wie sich ihre Finger unbewusst in den Stoff seines Anzugs krallten.
Alexander blieb plötzlich stehen.
Die Reporter wurden sofort stiller.
Langsam drehte er sich zu ihnen um.
Seine Präsenz allein reichte aus, um die Menge für einen Moment zum Schweigen zu bringen.
„Meine Damen und Herren“, sagte er ruhig.
Seine Stimme war nicht laut – aber sie hatte eine Autorität, die sofort Aufmerksamkeit verlangte.
„Ich werde morgen eine offizielle Erklärung abgeben.“
Ein Reporter rief sofort:
„Heißt das, Sie sind wirklich verheiratet?“
Alexander sah kurz zu Elena.
Dann wieder zur Menge.
„Ja.“
Ein kollektives Raunen ging durch die Reporter.
Die Kameras blitzten noch stärker.
„Und diese Frau…“, fuhr Alexander fort.
Sein Arm zog Elena ein kleines Stück näher.
„…ist meine Ehefrau.“
Elena spürte, wie ihr Herz heftig gegen ihre Rippen schlug.
„Ihr Name ist Elena Krieger.“
Die Worte trafen sie unerwartet.
Elena Krieger.
Es klang fremd.
Fast unwirklich.
Doch bevor die Reporter weitere Fragen stellen konnten, führte Alexander sie weiter zum Haus.
Die große Eingangstür öffnete sich automatisch.
Und endlich verstummten die Stimmen hinter ihnen.
Sobald die Tür sich schloss, ließ Elena einen langen Atemzug entweichen.
„Das war… verrückt.“
Alexander zog langsam seine Hand von ihrer Taille zurück.
„Sie werden sich daran gewöhnen.“
Elena drehte sich sofort zu ihm.
„Daran gewöhnen?!“
Ihre Stimme hallte leicht durch die riesige Eingangshalle.
„Da draußen stehen zwanzig Reporter!“
Alexander zog ruhig seine Uhr zurecht.
„Fünfundzwanzig.“
Elena starrte ihn fassungslos an.
„Sie haben sie gezählt?“
„Natürlich.“
Er ging an ihr vorbei, als wäre nichts passiert.
Elena folgte ihm durch die Halle.
Das Innere des Hauses war genauso beeindruckend wie von außen.
Hohe Decken.
Große Fenster.
Moderne Kunstwerke an den Wänden.
Es wirkte eher wie eine Luxusvilla aus einem Architekturmagazin als wie ein Zuhause.
„Sie können Ihr Zimmer morgen einrichten lassen“, sagte Alexander plötzlich.
Elena blieb stehen.
„Mein Zimmer?“
Er sah sie kurz an.
„Ja.“
„Sie meinen… unser Zimmer.“
Alexander hielt inne.
Für einen kurzen Moment lag etwas Unlesbares in seinen Augen.
Dann sagte er ruhig:
„Nein.“
Elena blinzelte.
„Nein?“
„Wir teilen kein Schlafzimmer.“
Ein seltsames Gefühl mischte sich mit ihrer Erleichterung.
„Oh.“
Alexander ging weiter.
„Unsere Ehe ist ein Vertrag.“
Er blieb vor einer großen Treppe stehen.
„Nicht mehr.“
Elena wusste nicht, warum, aber ein Teil von ihr fühlte sich plötzlich ein wenig… enttäuscht.
Was absurd war.
Sie wollte diese Ehe doch gar nicht wirklich.
Oder?
„Ihr Zimmer ist dort oben“, sagte Alexander.
„Das zweite links.“
Elena sah die Treppe hinauf.
Dann wieder zu ihm.
„Und Ihres?“
„Das Ende des Flurs.“
Sie nickte langsam.
Für einen Moment standen sie einfach nur da.
Dann sagte Elena vorsichtig:
„Danke.“
Alexander zog leicht eine Augenbraue hoch.
„Wofür?“
„Für… alles.“
Sie machte eine kleine Geste.
„Die Schulden. Das Haus. Die Hilfe.“
Alexander betrachtete sie schweigend.
Sein Blick war so intensiv, dass sie sich unwillkürlich etwas unwohl fühlte.
„Bedanken Sie sich nicht zu früh.“
Elena runzelte die Stirn.
„Was soll das heißen?“
Alexander antwortete nicht sofort.
Er ging langsam auf sie zu.
Als er vor ihr stehen blieb, war sie sich plötzlich wieder bewusst, wie groß er war.
Und wie nah.
„Dieses Leben“, sagte er ruhig, „ist nicht einfach.“
Elena hob das Kinn.
„Mein altes Leben war auch nicht einfach.“
Ein kurzer Moment der Stille entstand zwischen ihnen.
Dann nickte Alexander leicht.
„Fair.“
Gerade wollte Elena etwas sagen—
Als plötzlich ein Telefon klingelte.
Alexander zog sein Handy aus der Tasche.
Sein Gesicht veränderte sich kaum, als er auf das Display sah.
Doch etwas in seinen Augen wurde plötzlich… kälter.
Er nahm den Anruf an.
„Ja.“
Elena wollte sich diskret entfernen, doch seine nächsten Worte ließen sie erstarren.
„Ich dachte, wir hätten das geklärt.“
Seine Stimme war plötzlich deutlich schärfer.
Stille.
Dann sagte er:
„Wenn Viktor Stein glaubt, er kann meine Frau bedrohen…“
Elena spürte, wie ihr Herz stehen blieb.
Viktor Stein.
Der Name jagte ihr sofort einen kalten Schauer über den Rücken.
Alexander hörte weiter zu.
Sein Gesicht blieb ausdruckslos.
Doch seine Augen wurden gefährlich.
„Dann hat er gerade den größten Fehler seines Lebens gemacht.“
Er beendete den Anruf.
Langsam sah er zu Elena.
Sie wusste sofort, dass etwas nicht stimmte.
„Was ist passiert?“
Alexander steckte sein Handy weg.
„Nichts, womit Sie sich beschäftigen müssen.“
Elena verschränkte die Arme.
„Sie haben gerade den Namen des Mannes erwähnt, der mich seit Tagen jagt.“
Alexander musterte sie einen Moment.
Dann sagte er ruhig:
„Viktor Stein weiß jetzt, dass Sie meine Frau sind.“
Elena spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog.
„Und?“
Alexander sah sie direkt an.
Seine grauen Augen wirkten plötzlich eisig.
„Und Männer wie Viktor Stein…“
Er machte eine kurze Pause.
„…mögen es nicht, wenn ihnen jemand ihre Beute wegnimmt.“
Elena schluckte.
„Das klingt nicht beruhigend.“
Alexander trat näher.
Seine Stimme wurde leiser.
Gefährlicher.
„Sie wollten Schutz.“
Sein Blick hielt ihren fest.
„Jetzt haben Sie ihn.“
Für einen Moment sagte keiner von ihnen etwas.
Dann fügte Alexander ruhig hinzu:
„Aber das bedeutet auch…“
Seine Worte ließen Elena den Atem anhalten.
„…dass Sie jetzt Teil meiner Welt sind.“
Eine Welt aus Macht.
Geld.
Und gefährlichen Feinden.
Elena sah ihn an.
Und zum ersten Mal fragte sie sich ernsthaft, ob sie gerade nicht nur eine Ehe unterschrieben hatte…
sondern auch einen Krieg.
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Ende von Kapitel 3