Kapitel 18

1565 Words
ALISAS SICHT Das Klopfen kam genau um 7:42 Uhr – scharf, offiziell und viel zu früh für einen Samstag. Ich lag noch mit Kael im riesigen Bett verwickelt, sein Arm lag wie ein totes Gewicht über meiner Taille, und sein morgendlicher Ständer drückte heiß und unnachgiebig gegen meinen Arsch. Die Bindung summte niedrig und träge zwischen uns, goldene Fäden pulsierend wie ein gemeinsamer Herzschlag. Sein Atem kitzelte meinen Nacken, genau dort, wo die Besitzmarke saß – warm und besitzergreifend. Noch ein Klopfen. Lauter. Kael rührte sich, ein tiefes Knurren vibrierte in seiner Brust. „Wer zum Teufel wagt es—“ Ich setzte mich auf, das Laken rutschte zu meinen Hüften hinunter, und schlich in nichts als seinem übergroßen Hemd zur Tür. Als ich öffnete, standen zwei uniformierte Rudel-Vollstrecker da, ihre Gesichter sorgfältig neutral. Hinter ihnen roch der Flur nach Angst und Verzweiflung. „Mr. und Mrs. Draven?“ sagte einer von ihnen mit knapper Stimme. „Sie wurden zugestellt.“ Er drückte mir einen dicken Umschlag in die Hand. Ich warf einen Blick darauf – *Gericht des Hohen Rudelrats. Notfallsitzung. Alisa Draven & Kael Draven gegen Viktor Kane & Jeff Moretti.* Die Worte verschwammen für einen halben Moment, bevor die Bindung heiß und hell aufflammte und meinen Fokus wieder scharf machte. Kael war bereits an meiner Seite, oberkörperfrei und ohne Entschuldigung, ein Arm glitt um meine Schultern, als könne er mich vor der ganzen Welt schützen. „Zustellen“, sagte er flach. „Und sagt eurem Rudel, dass wir uns nicht länger verstecken.“ Die Vollstrecker tauschten einen Blick und verschwanden, ohne ein weiteres Wort. Ich drehte mich zu Kael um, das Herz hämmerte. „Sie erzwingen ein Treffen. Live. Vor dem gesamten Rat.“ Sein Kiefer spannte sich. Das Bernstein in seinen Augen flackerte – beschützend, wütend und etwas Dunkleres. Lust. Die Bindung sang davon, d**k und elektrisch. „Gut. Lass sie kommen. Ich habe darauf gewartet.“ Aber als er versuchte, mich zurück ins Schlafzimmer zu ziehen, bewegte ich mich nicht. Stattdessen warf ich den Umschlag auf die Marmor-Arbeitsplatte und hob das Kinn. „Nein. Wir rennen nicht hier rein, um uns zu verstecken. Nicht heute. Nicht, wenn ich deinen Ring am Finger trage und dein Knoten noch in mir steckt.“ Kaels Augen verdunkelten sich zum reinen Raubtier. Er überbrückte die Distanz in zwei Schritten, drängte mich gegen die Theke, die harte Linie seines Schwanzes verdickte sich bereits gegen meinen Bauch. „Du wirst mein Tod sein, Frau. Weißt du das?“ Ich grinste, boshaft und frei, und rollte meine Hüften, damit er genau spürte, wie nass die Bindung mich bereits gemacht hatte. „Dann stirb glücklich.“ Er knurrte, seine Fangzähne streiften meinen Hals – nicht beißend, nur kostend –, bevor er mich herumdrehte, über die Theke beugte und mein Hemd hochschob. Kein Vorspiel. Nur ein brutaler Stoß, der ihn bis zum Anschlag in mich trieb. Ich schrie auf, die Handflächen klatschten auf den Marmor, und er fickte mich tief und hart, die Theke knarrte unter uns. „Fuck, Alisa“, knurrte er, eine Hand in mein Haar gekrallt, die andere an meiner Hüfte. „Du bist schon tropfnass. Meine perfekte Frau. Meine Gefährtin. Du nimmst mich so gut.“ Die Bindung explodierte. Lust krachte in scharfen Wellen durch mich. Ich kam hart um ihn herum, meine Wände zuckten, stöhnte seinen Namen wie ein Gebet. Er folgte sofort, der Knoten schwoll an und verriegelte uns, während er heiß und tief in mich spritzte, die Hüften zuckten, als er meinen Titel knurrte. „Meine Frau. Mein Alles.“ Wir blieben verriegelt, keuchend, während der Knoten langsam abschwoll. Er zog behutsam heraus, drehte mich um und küsste mich langsam und sanft – tief, besitzergreifend, voller Versprechen. „Heute stellen wir uns ihnen gemeinsam“, sagte er gegen meine Lippen. „Kein Verstecken mehr. Keine Käfige mehr. Du und ich. Vor der Kamera. Vor dem Rudel.“ Ich nickte, das Herz zum ersten Mal an diesem Morgen ruhig. „Gemeinsam.“ Wir zogen uns schweigend an – ich in einen schlichten schwarzen Hosenanzug, der meine kleine Figur mächtig aussehen ließ, er in einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Anzug, der Geld und Bedrohung schrie. Seine Hand verließ nie meinen unteren Rücken, während wir in den Aufzug gingen. Die Bindung summte jetzt mit Zweck, nicht nur Hitze. Die Ratskammer war dasselbe Stein-und-Glas-Ungetüm von vor Wochen, aber heute fühlte sie sich kleiner an. Alle hochrangigen Alphas waren da – manche misstrauisch, manche wütend, manche offen unterstützend. Viktor saß am Kopfende, das Gesicht eingefallen und blass. Jeff ging am anderen Ende auf und ab, blass und schwitzend, seine Mutter klammerte sich an seinen Arm wie an einen Rettungsanker. Auch meine eigene Mutter war hereingezerrt worden, die Augen gerötet und schuldbewusst. Die Richterin – eine neutrale Beta-Frau, die aussah, als hätte sie jedes erdenkliche Chaos gesehen – eröffnete die Sitzung. „Alisa Draven und Kael Draven haben eine formelle Gegenklage eingereicht. Die Anschuldigungen wegen Blutschuld, Scheinehe und unzulässiger Einflussnahme werden öffentlich behandelt. Sie dürfen beginnen.“ Kael trat zuerst vor, seine Stimme durchschnitt den Raum wie eine Klinge. „Die Ehe war nie real. Jeff Moretti ist schwul. Er hat Alisas Namen und ihren Omega-Status genutzt, um Rudelallianzen aufrechtzuerhalten. Fünf Jahre emotionale Vernachlässigung, finanzielle Nötigung und öffentliche Untreue sind vollständig dokumentiert. Das Restaurant, das sie mit eigenen Händen aufgebaut hat, gehört ihr. Volle Eigentümerschaft. Und die Blutschuld? Ich habe den Krieg beendet, den mein Vater begonnen hat. Ich habe die Verantwortung für jeden Tod übernommen. Das Rudel, das mir schuldet, kann diese Schuld vollständig begleichen – oder heute den Rückzug antreten.“ Viktor versuchte zu unterbrechen. „Draven—“ „Nein“, schnitt Kael ihn ab. „Du hast meine Frau bedroht. Du hast meine vergangenen Verbrechen durchsickern lassen. Du hast meine Gefährtin als Druckmittel benutzt. Setz dich hin und hör zu, oder ich sorge dafür, dass jeder Wolf in diesem Saal genau weiß, warum du Angst hast.“ Der Raum erstarrte in absoluter Stille. Kael drehte sich zu mir um, die Hand ausgestreckt. „Jetzt bist du an der Reihe, Frau.“ Ich trat vor, die Stimme ruhig und klar, die Bindung ließ jedes Wort mit Macht klingen. „Ich bin damit aufgewachsen, zu glauben, Omegas sollten für jede Aufmerksamkeit dankbar sein. Ich wurde in eine Ehe verkauft, die ich nie wollte. Mein Ehemann hat mich mit einem anderen Mann betrogen und mich dumm genannt, weil ich Abendessen gekocht habe. Meine Mutter hat den Ruf der Familie über mein Glück gestellt und mir gesagt, ich solle es ‚richten‘. Gestern, im Live-Stream, habe ich für jede Omega aufgestanden, der je gesagt wurde, sie habe keine Wahl. Ich habe mich selbst gewählt. Und ich habe ihn gewählt.“ Ich sah Kael direkt an. „Er hat nicht gewartet, bis ich bereit war. Er hat für mich gekämpft, als ich zerbrochen war. Er hat mir Klauen gegeben. Er hat mir einen Ring gegeben. Er hat mir die Ewigkeit gegeben. Die Bindung besitzt mich nicht – sie vervollständigt mich. Und ich wähle ihn jeden einzelnen Tag. Kein Rennen mehr. Keine Angst mehr.“ Der Raum brach aus. Manche Alphas jubelten. Andere fluchten. Viktor schlug mit der Faust auf den Tisch. „Ihr denkt, ihr könnt einfach hier reinspazieren und—“ Kael bewegte sich, bevor jemand den Satz beenden konnte. In zwei Schritten hatte er Viktor am Hals gepackt und vom Boden hochgehoben, die Füße baumelten. „Ich kann. Weil sie mir gehört. Und sie ist stärker als ihr alle zusammen.“ Der Hammer der Richterin krachte wie Donner. „Ruhe! Diese Sitzung ist geschlossen. Alle Anschuldigungen sind abgewiesen. Die Dravens haben ihre Gegenklage gewonnen. Die Blutschuld ist beglichen. Viktor Kane, Sie treten zurück. Sofort.“ Viktors Gesicht verzerrte sich vor Wut, aber er hatte keine Wahl. Er löste sich aus Kaels Griff und wich zurück, verließ den Saal schweigend. Jeff versuchte zu fliehen. Kaels Stimme stoppte ihn kalt. „Setz dich.“ Der jüngere Alpha erstarrte. Kael drehte sich zu ihm um, die Augen flach. „Du bist erledigt. Deine Familie wird dich enterben. Dein Geschäft wird zerfallen. Und der Rudelrat weiß jetzt genau, was du bist. Ein Alpha, der eine Omega als Schild benutzt hat. Ein Betrüger. Ein Feigling.“ Jeffs Gesicht brach zusammen. Meine Mutter begann zu schluchzen. Kael wartete nicht auf mehr. Er zog mich eng an sich, den Arm um meine Schultern, und sprach ein letztes Mal zum Raum. „Wir verlangen nicht mehr. Wir verlangen nur das Recht zu leben. Frei. Zusammen. Als Gefährten. Als Partner. Als Ehemann und Ehefrau.“ Er küsste mich genau dort vor ihnen – langsam, tief, besitzergreifend – und die Bindung flammte so hell auf, dass der ganze Saal davon zu leuchten schien. Als wir hinausgingen, war der Flur leer. Viktor und Jeff waren verschwunden. Meine Mutter blieb zurück, stand allein da, Tränen liefen über ihr Gesicht. Ich blieb stehen. Drehte mich um. Sah ihr direkt in die Augen. „Wähle“, sagte ich leise. „Mich. Oder sie. Aber beides bekommst du nicht mehr.“ Sie öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Sagte nichts. Ich ging an ihr vorbei, ohne ein weiteres Wort. Kaels Hand fand die meine, als wir in den Aufzug stiegen. Die Bindung sang sanft und gewiss. Draußen begannen die Lichter der Stadt gerade zu flackern. Drinnen waren wir endlich, wirklich, zu Hause. . Nur wir. Für immer.
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