Maddox Lauriers eleganter weißer Rolls-Royce fuhr durch die gewaltigen Tore eines weitläufigen Anwesens in Beverly Hills. Er hielt vor einer Villa, die einem französischen Schloss glich. Paul Reed stieg aus und öffnete die Tür. „Wir sind da, Ms. Hansley. Bitte folgen Sie mir.“
Iris stieg wie in Trance aus dem Wagen. Das Anwesen und die Villa waren ein überwältigender Anblick. Arbeitete ihre Mutter hier? Würden sie sie erkennen? Ein Gefühl der Angst beschlich sie. Sie hätte nicht hierherkommen sollen, ins Feindesland. Unzählige Fragen schossen ihr durch den Kopf, doch sie brachte kein Wort heraus. Eine seltsame Furcht schnürte ihr die Kehle zu.
Paul Reed führte sie die Marmortreppe hinauf zu einer kunstvoll verzierten Teakholztür. Er schloss sie auf und geleitete sie in das luxuriöse Foyer. Großflächige Gemälde schmückten die Wände, doch Iris’ Blick suchte nach den Mitgliedern der Familie Laurier. Sie wusste, wie sie reagieren würden, wenn sie sie sähen. Schließlich ähnelte Iris ihrer Mutter verblüffend. Selbst ein Laie würde sie erkennen. Wie konnte es dann sein, dass Maddox Laurier sie nicht erkannte?
„Bitte warten Sie im Salon. Mr. Laurier wird in fünf Minuten zu Ihnen kommen.“
Iris geriet in Panik und schüttelte den Kopf. „Mr. Reed, ich warte hier auf ihn, bitte. Ich möchte seine Familie nicht stören.“
Mr. Reed warf ihr einen seltsamen Blick zu. „Mr. Laurier wohnt hier allein. Sie können also im Salon warten. Es gibt niemanden, den Sie stören könnten.“ Er führte sie in den Salon und ging hinein, um seinen Arbeitgeber zu holen.
Iris starrte auf das teure Designersofa und ihre abgetragenen Kleider. Sollte sie stehen bleiben und auf den Hausherrn warten? Schließlich war sie hier nur ein Dienstmädchen. Doch dann kam ihr eine Idee: Würde er den Vertrag kündigen und sie hinauswerfen, wenn sie gegen die Hausregeln verstieß?
Sie ließ sich auf das plüschige Sofa fallen, und ein Gefühl der Zufriedenheit durchströmte sie. Sie war sich sicher, dass ihr Stunt den schwer fassbaren Playboy Maddox Laurier zur Weißglut bringen würde.
Schritte hallten durch das stille Haus. Iris’ große Augen fixierten die Tür, als Maddox eintrat – bekleidet mit einer Designer-Jogginghose und einem ebenso teuren T-Shirt. Der Duft seines Aftershaves benebelte sie, und sie vergaß ihren Groll gegen ihn.
Überraschenderweise lächelte er. „Iris, richtig? Warum bist du einfach verschwunden?“
Iris räusperte sich und stand nervös auf. Warum war er nicht wütend? „Ich war müde, Mr. Laurier. Sie hatten mich nicht über meine Arbeitszeiten informiert.“
Er nickte und deutete auf das Sofa. „Verstehe. Bitte setzen Sie sich.“
Verwirrt von seinem Verhalten, setzte sie sich. „Ähm, was wäre mein Aufgabenbereich?“
Er beugte sich leicht vor, sein Blick fiel auf ihre Lippen. Oder bildete sie es sich nur ein? „Alles.“
„Tut mir leid, ich bin nicht in allem gut.“ Sie befeuchtete nervös ihre Lippen.
Er kam noch näher. „Ich bin ein ausgezeichneter Lehrer.“
Iris blinzelte und versuchte, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Besprachen sie wirklich die Arbeit, oder etwas anderes? Alles, was er sagte, klang zweideutig. „Ich bin eine miserable Lernerin.“ Sie konnte sich dem Zauber seiner hypnotisierenden olivgrünen Augen nicht entziehen. Er war zu nah, fast in ihrer persönlichen Sphäre. Es kostete sie all ihre Kraft, sich nicht an ihn zu lehnen.
Wie konnte sie nur so auf ihren Feind reagieren? Es schien, als hätte er sie verzaubert und Gefühle geweckt, die sie nie zuvor empfunden hatte.
Seine Lippen zuckten, während seine Augen vor Belustigung funkelten. „Oh, das werden Sie schon noch lernen. Wann können Sie denn einziehen?“
Iris’ Mund stand offen. „Ich kann nicht einziehen, Mr. Laurier.“
Er runzelte die Stirn und musterte sie misstrauisch. „Warum? Beziehungsprobleme?“ Seine Stimme klang genervt.
„Nein. Meine minderjährigen Geschwister sind im letzten Schuljahr. Ich kann sie nicht allein lassen. Deshalb kann ich die Stelle nicht annehmen, wenn ich dafür hier einziehen müsste.“
Ein Nerv spannte sich in seinem Kiefer an. „Ich bin sicher, Ihre Eltern können sich um sie kümmern.“
Iris stand abrupt auf, bereit zu gehen. „Ich wäre nicht hier, um als Ihre persönliche Zofe zu arbeiten, wenn meine Eltern noch leben würden.“
Sein Gesichtsausdruck wurde milder, doch sein Blick blieb unnachgiebig. „Hmm. Sie sollten wie alle Neunzehnjährigen studieren.“
Iris fühlte sich beleidigt. Hielt er sie etwa für eine Teenagerin? „Nur zur Info: Ich bin zwanzig.“
Er lächelte und nickte. „Das macht nichts. Sie sind zu jung für die Arbeit, die ich Ihnen anbieten möchte.“
Iris kochte vor Wut. „Dann können Sie den Vertrag kündigen. Ich würde gerne gehen. Wenn es nur um die Arbeit als Haushälterin geht, kann ich das machen, aber nicht mehr.“
Er schüttelte den Kopf. „Es ist alles – Hausarbeit und mehr.“
Iris hätte sich vor Frust am liebsten die Haare gerauft. „Mehr? Ich werde Ihr Bett nicht vorwärmen, Mr. Laurier. Ich werde nur die Bettwäsche wechseln und putzen.“
Sein Blick wurde finster. „Das wird Ihnen nicht reichen, Iris. Ich werde Sie großzügig bezahlen – nicht nur fürs Putzen und Kochen.“
Er wirkte gefährlich mächtig, wie jemand, der immer bekommt, was er will.
„Wenn Sie körperliche Nähe suchen, warum stellen Sie dann nicht jemanden mit Erfahrung ein?“ Iris wollte gerade gehen, als er aufstand und ihre Hand ergriff.
„Heißt das, Sie sind mit zwanzig noch Jungfrau?“ Er wirkte wie vom Donner gerührt, als wäre es tatsächlich eine Leistung, mit zwanzig noch Jungfrau zu sein.
Iris riss ihre Hand los. „Na und? Und was hat das mit meiner Arbeit zu tun?“ Sie öffnete den Mund, um zu protestieren, doch es kam nur ein Seufzer heraus. War sie darauf vorbereitet?
Die Antwort war unmissverständlich.
Nein.
Er blieb nur wenige Zentimeter vor ihr stehen und starrte sie mit einer Intensität an, die ihr Herz rasen ließ. Er wirkte älter, vielleicht Ende zwanzig, und viel erfahrener. Warum hatte er dann ausgerechnet sie als Dienstmädchen für alles ausgewählt? Was umfasste „alles“?
Lag sie in einer Falle? Würde er sie ausnutzen, so wie sein Onkel ihre Mutter missbraucht hatte?
„Das werden Sie schon sehen.“ Er hob die Hand und strich ihr sanft über die Wange.
Iris wich zurück. All ihren Mut zusammennehmend, begegnete sie seinem unerschütterlichen Blick. „Werden Sie Gewalt gegen mich anwenden?“
Er schüttelte den Kopf, hielt aber ihren Blick fest. Sie konnte den seltsamen Ausdruck in seinen Augen nicht deuten. „Ich wende niemals Gewalt an, Iris. Sie werden sich mir freiwillig ergeben.“
Sie wich noch einen Schritt zurück. „Nein, das werde ich nicht. Es stimmt, ich brauche diesen Job, um meine Geschwister zu unterstützen. Aber ich bin noch nicht bereit für alles, Mr. Laurier. Wenn Sie nur eine Haushälterin brauchen, kann ich sofort anfangen.“
„Verstehe. Sie können jetzt anfangen. Aber wann können Sie hier einziehen?“ Seine Reaktion verwirrte Iris.
Es fiel ihr schwer zu verstehen, was er vorhatte. Würde er sie einfach als seine Haushälterin arbeiten lassen?
„Erst wenn die Zwillinge achtzehn sind. Ihr Geburtstag ist nächsten Monat, und dann ist auch noch ihre Schulabschlussfeier.“ Iris stand unbeholfen da und wartete auf seine Anweisungen. Warum musste sie hier einziehen? „Keine Sorge, Mr. Laurier, ich werde pünktlich sein.“
Er runzelte die Stirn, wirbelte herum und ging. „Gut, Ihre Arbeitszeit ist von 8 bis 20 Uhr. Sie können jetzt anfangen und für vier Personen kochen. Die Küche ist dort drüben, und ich bin allergisch gegen Meeresfrüchte.“ Er deutete nach rechts und verschwand abrupt, als ob der Teufel ihn verfolgte.
„Ja, Mr. Laurier.“ Doch er war bereits weg, während Iris fassungslos dastand.
Warum hatte er sie gebeten, für vier Personen zu kochen? Wohnte er nicht allein hier? Vielleicht erwartete er Gäste. Sie musste nun ganz allein in der Höhle des Feindes herausfinden, was los war. Hatte sie richtig gehandelt, indem sie hierhergekommen war?
Was, wenn sie sich in derselben Lage wie ihre Mutter wiederfand?
Seltsamerweise kümmerte sich Maddox Laurier kein einziges Mal um sie. Sie hatte gekocht und das Erdgeschoss geputzt. Sollte sie auch die anderen Stockwerke reinigen? Das würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Sie stand am Fuß der riesigen Treppe, immer noch hin- und hergerissen. Wo war Maddox Laurier? Sollte sie ihn vor ihrer Abreise informieren?
Sie ging nach oben, ihr Herz klopfte vor Aufregung. Sie öffnete ein paar Türen und fand Gästezimmer vor, die aussahen wie in einem Fünf-Sterne-Hotel. Oben an der Treppe befand sich eine Lounge mit Bar, Ledersofas, Billardtischen und einem Pokertisch. Doch ihr Blick fiel auf eine dunkle Holztür am anderen Ende.
Iris ging auf die Tür zu und blieb einen Moment stehen. Irgendetwas zog sie magisch an. Schon draußen konnte sie seinen Duft von Rasierwasser wahrnehmen.
Es musste Maddox Lauriers Schlafzimmer sein. Sollte sie sich in dieses vermeintliche Verlies begeben?