Chapter 5

1086 Words
KAPITEL 5 Elliotts Perspektive Ich verließ das Zimmer vorsichtig und mied jeden Blickkontakt. Die Wachen hielten mich nicht auf — ich war jetzt Ella. Die große Halle lebte vor Lachen und Musik. Manche Jungs hatten sich in Ecken verkrochen und küssten Mädchen von der anderen Schule, als würden sie für einen schlechten Liebesfilm vorsprechen. „Hey," rief jemand. Einer der Jungs näherte sich mir, aber ich schenkte ihm kaum Aufmerksamkeit — ich hatte Ältesten Gideon im Visier. Er muss es bemerkt haben, denn im nächsten Moment trat er direkt in mein Blickfeld. Der unhöfliche Typ vom Tor? „Möchtest du tanzen?" fragte er und musterte meinen Körper mit Augen, die nach Weihwasser verlangten. Pst. Was für ein verrückter Typ. „Entschuldigen Sie bitte, ich habe bereits eine Verabredung," sagte ich höflich und schlüpfte an ihm vorbei, bevor seine Gehirnzellen mithalten konnten. Endlich entdeckte ich Ältesten Gideon, der sich durch die Menge bewegte. Ich folgte ihm, den Kopf gesenkt, glitt zwischen den Schülern hindurch wie ein Schatten. Er bog in einen schmalen Korridor ein und blickte zurück. Mein Puls sprang. Ich folgte ihm, vorsichtig darauf bedacht, meine Absätze nicht zu verraten. Der Lärm des Balls verblasste hinter mir. Dann schnitt eine Stimme durch die Stille. „Wo glaubst du, gehst du hin?" Ich erstarrte. „Die Party ist in der Halle. Kein Schüler anderer Schulen darf dort entlanggehen." Ich schloss die Augen, als Ältester Gideon aus dem Blickfeld verschwand. Perfekt. Absolut perfekt. Ich zwang mich zu einem Lächeln und drehte mich langsam um. Er lehnte an der Wand, die Arme verschränkt, die Augen fest auf mich gerichtet. Ich konnte sein Gesicht nicht klar erkennen, nur die Umrisse von jemandem, der es offensichtlich genoss, anderen auf die Nerven zu gehen. „Ich bin—" begann ich. „Verloren?" Sein Ton war ausdruckslos. „Du folgst Ältesten Gideon seit drei Minuten. Das sieht kaum zufällig aus." Ich presste die Lippen zusammen. „Ich war nur—" „Einem Ältesten bei einer königlichen Veranstaltung auf den Fersen?" Er schob sich von der Wand ab. „Interessantes Hobby." Ich versuchte, an ihm vorbeizukommen, aber er blockierte mich mit einem Arm. Seine Hand war nicht grob, aber seine Anwesenheit ließ die Luft schwerer wirken. „Zur Seite," zischte ich. Er hob eine Augenbraue. „Du solltest nicht alleine umherwandern. Besonders nicht so gekleidet." Sein Ton enthielt gerade genug Verachtung, um mich dazu zu bringen, ihn schlagen zu wollen. Wer war er? Und warum kümmerte es ihn? Ich versuchte erneut vorbeizuschlüpfen, aber er umfasste leicht mein Handgelenk. „Lass los." „Nicht, bevor du mir sagst, warum du ihm nachschleichst." Mein Temperament flammte auf. „Was geht dich das an?" „Weil ich hier Schüler bin," sagte er schlicht. „Also ja, es geht mich etwas an." Stimmen und Lachen wurden lauter. Eine Gruppe von Schülern bog um die Ecke. Großartig. Genau das, was ich brauchte — ein Publikum. Er schien es zur gleichen Zeit zu bemerken. „Sie werden uns sehen," murmelte er. „Dann geh zur Seite—" „Nur wenn du willst, dass sie denken, du schleichst dich mit mir herum." Er seufzte genervt und ergriff meine Hand. „Komm." „Was—?" „Tanzen," murmelte er und zog mich in die Mitte der herannahenden Menge, als wäre das alles ein Witz. Bevor ich protestieren konnte, begannen die Musiker eine langsame Melodie. Die Menge jubelte, klatschte und wiegte sich. Seine Hand glitt an meine Taille — fest, selbstsicher, zum Wahnsinnigwerden. Als wir ins Licht traten, schärfte sich sein Gesicht in meinem Blickfeld. Ich schnappte nach Luft. Völlig fassungslos. „Was? Siehst du einen Geist?" höhnte er. Ich schaute schnell weg. Der Alpha? Hier? Tanzt mit mir? Diese Welt hasst mich. Was zur Hölle sucht der Alpha von Crescent Moon hier?! Ich schrie innerlich. Sein Gesichtsausdruck war leer — kalt und unlesbar. „Das ist lächerlich," flüsterte ich. „Einverstanden," sagte er. „Aber es ist besser, als zu erklären, warum du in einem gesperrten Korridor herumgeschlichen bist." Der Boden glitzerte unter den Kronleuchtern. Wir sahen aus wie jedes andere Paar, das in der Musik versunken war. Aber für mich fühlte es sich an, als wäre ich in einem Rampenlicht gefangen, um das ich nicht gebeten hatte. Mein Herz schlug mit jedem Schritt, den er mich führte, lauter, seine Berührung zu präzise. „Du bist schlecht im Vortäuschen," murmelte er. „Ich habe nichts vorgetäuscht." „Du starrst mich an, während du tanzt. Das ist schlechtes Vortäuschen." Meine Lippen zuckten. „Vielleicht weil du mich hier hineingezogen hast." „Ich habe dich davor bewahrt, erwischt zu werden." „Indem du mich gedemütigt hast?" Seine Augen funkelten. „Hättest du es vorgezogen, dass sie dich dabei erwischen, einem Ältesten zu folgen?" Ich hasste es, dass er recht hatte. „Entspann dich," murmelte er, als ich stolperte. „Du bist steif." „Vielleicht weil ich zu einem Walzer erpresst werde." Ein Anflug eines Grinsens zog an seinem Mundwinkel. „Dann hör auf, dich zu sperren, und beweg dich einfach." Für einen Moment synchronisierten sich unsere Schritte. Zu reibungslos. Zu mühelos. Mein Magen zog sich bei der Art, wie er mich führte, zusammen — ärgerlich gut. Als das Lied endete, trat er sofort zurück. „Nächstes Mal," sagte er über seine Schulter, „folge Menschen nicht, wenn du nicht gut darin bist." Ich starrte seinem sich entfernenden Rücken mit genug Hitze hinterher, um die Halle niederzubrennen. Wenn dieser Bereich gesperrt war, was machte er hier? Und der Mondgöttin sei Dank hatte er mich nicht erkannt. Als ich mein Zimmer erreichte, brodelte Frustration unter meiner Haut. Ich riss die Nadeln aus meinem Haar und zog das Kleid aus. Seide sammelte sich um meine Füße. Er sagte, er sei Schüler hier? Besuchte der Alpha heimlich die Schule? Ich zog meine übliche Verkleidung an — lockeres Hemd, dunkle Hose. Der Spiegel zeigte den Jungen, den alle kannten. Das Mädchen aus dem Ballsaal verschwand wie ein Traum. Ich trat ins Badezimmer, spritzte kaltes Wasser in mein Gesicht und ließ einen langen Atemzug los. Als ich die Tür öffnete — Ich blieb abrupt stehen. Zwei Gestalten standen in meinem Zimmer. Damien. Und der Alpha? Damien grinste. „Hat lange genug gedauert." Der Alpha stand neben ihm, unlesbar wie immer. Seine Augen glitten über meine männliche Erscheinung — kein Verdacht. Der Mondgöttin sei Dank. Ich senkte das Handtuch. „Was macht ihr hier?" Damien schob sich vom Schreibtisch. „Dachte, ich stelle dir jemanden vor." Er zeigte beiläufig auf den Alpha. „Das ist Alexander Gray."
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