ANN
Rian nimmt meine Hand, als wir aus dem Taxi steigen. Ich kriege das breite Grinsen kaum aus dem Gesicht. Ich bin auf einem Date. Einem echten, leibhaftigen Date. Mit einem Gott. Er hat mich zwar noch nicht gefragt, ob ich im Club gekündigt habe, aber ich werde es tun. Ohne Frage.
Wir betreten das Restaurant.
„Hallo, Reservierung auf den Namen Kronfeld“, sagt er. Ich stehe daneben und halte seine Hand wie ein echtes Groupie. Ich blicke mich um und erwarte fast, dass jeder uns ansieht… vor allem mich, weil ich an seiner Seite bin.
Schaut euch an, wie umwerfend er ist, Leute.
Ich bin wirklich verknallt. Ich habe den ganzen Tag nur debil gelächelt und Löcher in die Luft gestarrt. Der Kellner führt uns durch das Lokal zu einem Zweiertisch im hinteren Bereich. Alles ist in Kerzenlicht getaucht, stimmungsvoll und romantisch. Wir setzen uns, und der Kellner schenkt uns beiden Wasser ein.
„Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen?“
Ich öffne die Karte. „Was ist denn zu empfehlen?“
„Die Cocktails sind hervorragend.“
„Okay.“ Ich klappe die Karte zu. „Ich nehme eine Margarita.“
Rian blickt mit einem Lächeln auf und schließt ebenfalls seine Karte. „Machen Sie zwei daraus.“
Der Kellner lässt uns allein, und wir starren uns an. Er stützt den Kopf auf seine Hand. „Was hat dich eigentlich aus der Schweiz nach Berlin geführt?“
Ich zucke mit den Schultern. Ich will nicht über meine Scheidung sprechen. Das ist ein Makel, den ich nicht teilen möchte. Das Scheitern meiner Ehe lässt mich wie eine Versagerin fühlen.
„Ich hatte eine schlimme Trennung hinter mir und wollte einen Neuanfang.“
„Wer bei klarem Verstand würde dich jemals gehen lassen?“
Er hat mich nicht gehen lassen – er hat einfach mit jeder anderen geschlafen, bis mir keine andere Wahl blieb, als zu gehen.
Ich zucke erneut die Achseln. „Manche Dinge sollen einfach nicht sein.“
Durch meine kleine Google-Recherche weiß ich, dass Rian auch schon mal verheiratet war, aber ich will ihn nicht darauf ansprechen, bis er es von sich aus erzählt.
„Ich habe Internationales Recht studiert und bekam dieses Stipendium angeboten. Die Chance war zu gut, um sie verstreichen zu lassen.“
„Hier sind Ihre zwei Margaritas.“ Der Kellner stellt unsere Drinks ab.
„Danke.“ Ich nehme sofort mein Glas und nehme einen Schluck. „Oh, mjam. Gute Wahl.“
Rian nippt an seinem Drink und nickt anerkennend. „Und deshalb wohnst du im Studentenwohnheim?“
Ich nicke. „Hm-hm, und es ist so schrecklich. Die Studenten feiern Tag und Nacht. Überall Drogen und Orgien. Ich fühle mich daneben wie hundert Jahre alt.“
Er lacht leise. „Ich muss zugeben, meine Studienzeit war auch ziemlich wild.“
„Und die Mieten in Berlin sind so extrem teuer. Deshalb habe ich den Job im Club angenommen.“
Er lehnt sich zurück, und ich merke sofort, dass er nicht einmal gerne darüber spricht.
„Ich wollte sowieso nur vier Schichten machen“, füge ich hinzu. „Ich habe mir die Miete für ein Jahr ausgerechnet, und Zara hat mir versprochen, dass ich mit niemandem s*x haben muss.“
Seine Augen fixieren meine. „Aber du hast es getan.“
„Du warst anders.“
„Inwiefern?“
„Ich habe dich aus der Ferne beobachtet. Noch bevor wir uns trafen, habe ich gesehen, wie du einem Mann, der auf der Straße bettelte, Geld gegeben hast. Da wusste ich, dass du gütig bist.“
Er zieht die Stirn in Falten.
„Und ich habe den Mädchen auf der Arbeit von diesem umwerfenden Mann erzählt, den ich auf der Straße gesehen hatte. Und dann hat das Schicksal dich direkt zu meiner Tür geführt.“ Ich nehme seine Hand über den Tisch hinweg und küsse seine Fingerspitzen. „Manche Dinge sind einfach Bestimmung.“
Er zieht seine Hand aus meinem Griff und bricht den Moment. „Was du also sagst, ist, dass du eine Stalkerin bist?“
Ich lächle. „Vielleicht.“
„Und du hast versucht, mich mit vergiftetem Kaffee umzubringen.“
Ich kicherte. „Definitiv.“
„Und dann hast du mir im Club den Verstand geraubt.“
Ich lache laut auf. „Ja, das auch.“
„Und jetzt hast du mich zu deinem ‚Vianne-Narren‘ gemacht.“
Ich halte mein Glas an seines. „Das goldene Trio.“
„Das waren vier Dinge.“ Er lacht leise und nippt an seinem Drink, während er mich ansieht. Er wird still und nach einer Minute sagt er: „Du wirst nie wieder in diesen Club zurückgehen.“
„Das will ich auch gar nicht. Ich will sehen, wohin das mit uns führt.“
Sein Blick verweilt auf meinem Gesicht, und eine kleine Falte bildet sich auf seiner Stirn. Ich merke, dass ich gerade ein bisschen zu ernst geworden bin und das Thema wechseln muss.
„Du bist also Architekt“, sage ich.
„Ich mag, wie du das gemacht hast.“
„Du magst diesen beiläufigen Themenwechsel, was?“
„Sehr gut gemacht.“ Er nickt. „Ja, ich bin Architekt.“
„Was entwirfst du so?“
„Wolkenkratzer.“
„Wolkenkratzer? Heiliger Strohsack, das ist ja Wahnsinn. Du musst wahnsinnig schlau sein.“
„Das ist Ansichtssache.“
„Aber in Berlin gibt es doch gar nicht so viele Wolkenkratzer.“
„Mein Markt liegt hauptsächlich in den USA und in Dubai.“
„Ah, du reist also viel.“
„Normalerweise vier oder fünf Monate im Jahr.“
Ich stelle mir vor, wie ich dieses Jetset-Leben mit ihm teile… wie ich überhaupt alles mit ihm teile.
Hör auf damit.
Ich bin schon wieder viel zu weit voraus. Ich muss verdammt noch mal einen Gang zurückschalten.
Wir liegen in der Dunkelheit; Rian hält mich fest von hinten umschlungen, sein Körper noch immer tief in meinem. So sind wir auch letzte Nacht eingeschlafen.
Drei wundervolle Nächte habe ich nun schon in Rian Kronfelds Armen verbracht. Wir sind noch immer im Hotel, und ich möchte nicht, dass das hier jemals endet. Alles ist perfekt, so wie es ist. Seine vollen Lippen küssen mein Gesicht, während unsere gemeinsamen Körperflüssigkeiten zwischen uns kleben.
Er ist alles, von dem ich nie wusste, dass ich es brauche. Ich verfalle ihm. Und zwar gewaltig.
„Seb“, flüstere ich.
„Ja, Baby.“ Er hält mich fest umschlungen, und seine Lippen gleiten zu meiner Schulter, während er mich mit zärtlichen Küssen übersät.
„Was passiert hier gerade mit uns?“
„Ich weiß es nicht.“ Ich spüre, wie sich seine Lippen zu einem Lächeln kräuseln, als er mich erneut küsst. „Aber ich mag es wirklich sehr.“
„Ich auch.“ Ich lächle, als er mich noch enger an sich zieht. „Ich auch.“