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ANN Benedikt bezahlt das Taxi, während ich aus dem Rücksitz steige. Es ist Samstagabend, und wir sind im Berliner Kunstmuseum. Eine Auktion mit Sportmemorabilien zugunsten der Kinderonkologie. Benedikt und ein paar andere Sportstars geben Autogramme. Ich bin wegen meiner Belohnung hier. Dem Dinner danach. Chadwick’s. Das himmlischste Restaurant aller Zeiten. Wir gehen durch das Foyer, und im Spiegel fange ich mein eigenes Spiegelbild auf. Ich liebe dieses kaffeefarbene Kleid mit den schmalen Trägern. Es sitzt genau richtig. An allen richtigen Stellen. Händchenhaltend steigen wir in den Aufzug und drehen uns zu den Türen. „Was wirst du essen?“, frage ich, als sich die Türen schließen und wir nach oben fahren. Vierter Stock. Dort findet die Auktion statt. Benedikt hebt eine Augenbraue. „Dich.“ „Abgesehen von meiner Vagina.“ Ich grinse. „Deinen Arsch.“ Ich lache, und er legt den Arm um mich und zieht meinen Kopf spielerisch in einen Schwitzkasten. Die Türen öffnen sich im ersten Stock. Ein Mann steht draußen und telefoniert. Er blickt hoch, will gerade eintreten, und bleibt mitten in der Bewegung stehen. Mein Blick verhakt sich in seinem. Rian Kronfeld. Seine Stirn legt sich in Falten, und er erstarrt. Wir starren uns an, und mir schnürt sich die Kehle zu. Ich habe so lange nicht mehr an ihn gedacht, und doch reicht dieser eine Moment, um den Stich seines Verrats zurückzubringen. Als wäre es erst vor einer Stunde passiert. Ich höre meinen eigenen Herzschlag. Laut. Hart. Direkt in meinen Ohren. Er hat sich nicht verändert. Rian bewegt sich nicht, während er mich anstarrt, das Handy noch am Ohr, und dann schließen sich die Aufzugtüren. Er ist nicht eingestiegen. Ich senke den Kopf, als eine Welle aus Emotionen über mich hinwegrollt. „Der Typ sah aus, als hätte er einen Geist gesehen“, sagt Benedikt. Ich runzle die Stirn. „Was?“ „Der MP. Minister im Parlament.“ „Der was?“ Wovon redet er? „Der Kerl eben am Telefon. Du kennst den doch, oder? Der ist gerade überall in den Nachrichten.“ Ich sehe Benedikt an. Ich wusste, dass Rian in die Politik gegangen war. Sein Name war mir über die Jahre immer mal wieder begegnet. Aber ich verfolge nicht alles in Deutschland. Ich schaue immer noch die Schweizer Nachrichten. Verdammt. „Vianne, das war Rian Kronfeld.“ Ich weiß, wer es war. Mein Herz rast. „Er wurde gerade zum stellvertretenden Bundeskanzler ernannt.“ „Wann?“ Ich runzle die Stirn. Wie kann ich das nicht wissen? „Vor drei Tagen oder so.“ Ich starre Benedikt mit weit aufgerissenen Augen an. Das kann nicht sein.
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