Sebastians Hand lag immer noch an meinem Kiefer, sein Daumen strich in langsamen, trägen Kreisen über meinen Wangenknochen, und ich konnte verdammt noch mal nicht atmen.
Er starrte auf meinen Mund.
„Sag mir Nein“, sagte er noch einmal, diesmal leiser.
Ich tat es nicht.
Dann küsste er mich.
Seine Lippen waren zuerst weich, und ich spürte die Wärme. Dann neigte er den Kopf, und plötzlich veränderte sich alles. Seine Unterlippe fing meine ein und zog leicht daran, und mein Mund öffnete sich einfach, und dann war seine Zunge da. Berührte meine nur ganz kurz.
Meine Zehen krümmten sich in meinen Schuhen.
Ich machte ein Geräusch.
Ich wollte es nicht.
Seine Hand glitt in meinen Nacken, seine Finger in mein Haar, und er zog mich näher an sich. Seine andere Hand presste sich gegen mein Shirt, glitt dann zu meinem unteren Rücken und zog mich gegen ihn. Meine Hüften stießen gegen seine, und ich spürte durch seine Hose, wie erregt er war, spürte es an meinem Oberschenkel, an meinem Bauch, und ich machte dieses Geräusch noch einmal.
Lauter.
Er biss sanft in meine Unterlippe.
Dann zog er daran.
Dann fuhr er mit seiner Zunge darüber.
„Sebastian“, sagte ich.
Sein Name kam zitternd über meine Lippen.
Er zog sich zurück und sah mich an. Seine Augen waren dunkel. Seine Lippen feucht. Seine Brust hob und senkte sich schnell. Eine Strähne seines Haares war ihm über die Stirn gefallen.
„Du hast keine Ahnung, wie lange ich das schon tun wollte“, sagte er.
„Wie lange?“
Er antwortete nicht.
Er küsste mich einfach wieder.
Seine Hand presste sich auf meinen unteren Rücken und bog mich ihm entgegen, während sein Oberschenkel zwischen meine Beine glitt. Ich bewegte mich gegen ihn, weil ich nicht aufhören konnte, weil mein Körper sich einfach von selbst bewegte, und ich spürte, wie er gegen meinen Mund lächelte.
„Verzweifelt“, sagte er.
„Halt verdammt noch mal die Klappe“, sagte ich. „Du bist derjenige, der—“
Er küsste mich wieder.
Seine Hand glitt unter mein Shirt. Seine Finger waren kalt auf meinem Bauch, und ich zuckte zusammen. Dann bewegten sie sich zu meinen Rippen, zu den blauen Flecken, die immer noch da waren, und er berührte sie so sanft.
„Wer hat dir das angetan?“
„Spielt keine Rolle.“
„Zum Teufel, natürlich spielt das eine Rolle. Wer?“
„Ich habe gesagt, es spielt keine Rolle, okay? Lass es einfach.“
Er drängte nicht weiter.
Stattdessen senkte er seinen Mund zu meinem Schlüsselbein und küsste entlang des Randes meines Shirts. Seine Lippen waren weich und warm, und ich spürte jeden einzelnen Kuss. Er saugte an der Stelle, an der mein Hals in meine Schulter überging, und ich stöhnte.
Er legte seine Hand über meinen Mund.
„Leise“, sagte er gegen meine Haut.
Aber ich konnte spüren, dass er lächelte.
Bastard.
Ich biss ihm in die Handfläche.
Nicht fest.
„Hast du mich gerade gebissen?“
„Du hast mir gesagt, ich soll leise sein.“
„Du bist so ein kleiner Mistkerl.“
„Und trotzdem bist du noch hier.“
Seine andere Hand öffnete meinen Gürtel.
Ein Zug nach dem anderen.
Dann meinen Knopf.
Dann meinen Reißverschluss.
Das Geräusch war unglaublich laut.
Ich zitterte.
Er schob meine Jeans über meine Hüften hinunter, und dann war seine Hand in meiner Boxershorts, und ich vergaß, wie man atmet. Seine Finger schlossen sich um mich, und sie waren so warm. Zuerst bewegte er sich nicht, hielt mich einfach nur fest. Sein Daumen ruhte an der Spitze, und ich konnte dort meinen Herzschlag spüren.
„Sieh mich an“, sagte er.
„Ich sehe dich an.“
„Nein. Sieh mich wirklich an.“
Ich öffnete die Augen.
Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass ich sie geschlossen hatte.
Sein Daumen strich über die Spitze, und ich zuckte in seine Hand. Er blieb langsam.
Beobachtete mich einfach.
„Du bist so hart“, sagte er.
„Ach was, Sherlock. Du hast mich seit— f**k— du hast mich seit ungefähr—“
„Halt die Klappe.“
„Bring mich dazu.“
Er küsste mich.
Das funktionierte.
Seine Hand bewegte sich.
Seine Zunge war in meinem Mund.
Die Welt bestand nur noch daraus.
Seinem Atem.
Seinem Geschmack.
Und dem Gefühl seiner Hand, die sich bei jeder Bewegung um mich drehte.
Der Druck baute sich tief in meinem Bauch auf, fest und intensiv, und ich konnte nicht mehr denken.
„Ich habe darüber nachgedacht“, sagte er gegen meine Lippen. „Wie du klingen würdest. Wie du aussehen würdest, wenn du völlig auseinanderbrichst.“
„Du hast an mich gedacht?“
„Tu nicht so überrascht.“
„Ich bin nicht überrascht, ich— Scheiße— ich dachte nur nicht, dass du—“
„Das ist es“, sagte er. „Lass los.“
„Aber ich—“
„Komm einfach, Jae.“
Und ich tat es.
Es war so heftig, dass meine Sicht weiß wurde und mein ganzer Körper zuckte. Ich biss ihm in die Schulter, damit ich nicht schrie. Seine Hand bewegte sich weiter, bis ich gegen sein Handgelenk drückte.
„Stopp, stopp, okay, ich kann nicht—“
Er zog seine Hand zurück und wischte sie an seinem eigenen Shirt ab.
Er blinzelte nicht einmal.
Ich sackte gegen ihn, meine Stirn auf seiner Schulter, und atmete, als wäre ich gerade eine Meile gerannt. Meine Beine fühlten sich an, als würden sie jeden Moment nachgeben.
Und dann fing mein Gehirn wieder an zu funktionieren.
Was zum Teufel war gerade passiert?
Ich hatte meinen Stiefbruder in einem Hausmeisterschrank an mir rumfummeln lassen.
Nein, das stimmte nicht.
Ich hatte es nicht einfach nur zugelassen.
Ich hatte es gewollt.
Ich hatte mich an ihm gerieben wie ein läufiger Hund. Ich hatte ihn gebissen. Ich hatte ihm gesagt, er solle mich zum Schweigen bringen.
Was stimmt nicht mit mir?
Er sollte der reiche Arsch sein, der mich ignoriert.
Er sollte der Typ sein, dessen bester Freund mit meiner Freundin geschlafen hatte.
Er sollte mich nicht so fühlen lassen.
Als wäre ich nicht unsichtbar.
Als würde ich etwas bedeuten.
Als wäre ich jemand, den es wert ist, anzusehen.
Dann wurde seine Stimme kalt.
„Ich habe es so gemeint, wie ich es gesagt habe. Das hier hat nichts bedeutet. Ich wollte nur wissen, wie es ist.“
Ich sah zu ihm auf.
Sein Gesicht war ausdruckslos. Die Röte war verschwunden. Er sah aus, als hätte er gerade eine Matheaufgabe gelöst.
Und etwas in meiner Brust zerbrach.
Denn für einen Moment hatte ich gedacht, dass er mich vielleicht wirklich wollte.
Dass ich vielleicht nicht nur irgendein Experiment für ihn war.
Aber nein.
Natürlich nicht.
Warum sollte mich irgendjemand wollen?
Ich bin der mittellose Typ mit der aufgeplatzten Lippe, dem abgelaufenen Joghurt und der Freundin, die über mich gelacht hat.
„Bullshit“, sagte ich.
„Wie bitte?“
„Du hast mich schon verstanden. Das ist Bullshit.“
„Das ist nicht—“
„Du redest Scheiße, Sebastian.“
Er sagte nichts.
Er stand einfach auf, strich sein Shirt glatt und ging hinaus.
Ich sah ihm nach und saß dann einfach auf dem Boden dieses Schranks, mit meiner Jeans um die Oberschenkel und meinem Schwanz noch draußen wie ein kompletter Idiot.
Ich zog meine Hose hoch.
Meine Hände zitterten.
Beim ersten Versuch bekam ich nicht einmal meinen Gürtel richtig zu.
Ich musste es zweimal versuchen.
Scheiße.
Scheiße.
Scheiße.
Was hatte ich gerade getan?
Was hatte ich ihn mit mir tun lassen?
Und was machte mich das überhaupt?
Ich wusste es nicht.
Ich wusste gar nichts mehr.
♡♡♡
Eine Stunde später vibrierte mein Handy.
Sebastian: Hinter dem Fitnessstudio. Jetzt.
Ich schrieb zurück:
Ich: Warum?
Sebastian: Komm einfach.