Nachts im Museum

636 Words
"Also Mr. Tenebris! Haben sie bereits Erfahrung als Nachtwächter?" "Ich hatte früher einen Fulltime-Job als.... Wächter!" "Und wo haben sie bereits gearbeitet?" "Nun, hier und da!" "Haben sie gekündigt oder wurden sie gefeuert?" "Gekündigt!" "Warum das?" "Nun ja... es war immer die Hölle los, ich bevorzuge es etwas ruhiger!" "Nun, da sind sie hier bei uns richtig! Seit fünf Jahren gab es schon keine Einbrüche mehr hier bei uns! Das heißt jedoch nicht, dass dieser Job nicht wichtig ist! Wir haben hier einige wertvolle Gemälde!" "Ich verspreche Ihnen sie werden keinen besseren für diesen Job finden!" Der Museumsleiter sah mich prüfend an. Dann blätterte er eine Weile in seinen Unterlagen herum. Ich lehnte mich zurück und trommelte ungeduldig mit meinen Fingern auf der Lehne herum, während ich überlegte, was ich diesem erbärmlichen Wicht alles antun werden, sollte er es wagen mich abzuweisen. Ich stellte mir ein schönes kleines Feuer vor, das sich langsam ausbreitete und ihn unter Höllenqualen verbrennen lassen würde. "Mr. Tenebris!" Ich setzte ein professionelles Lächeln auf und sah erwartungsvoll zu ihm. Er räusperte sich und erhob sich aus seinem Stuhl. Ich folgte seinem Beispiel und stand ebenfalls auf. Er sah mich einen Moment an, bevor er mir die Hand entgegenstreckte. "Herzlichen Glückwunsch, Mr. Tenebris. Willkommen im Team!" Ich grinste triumphierend und schüttelte die entgegengestreckte Hand. "Sie hätten keine bessere Wahl treffen können!"   "Der Job erinnert mich ehrlich gesagt etwas an meinen alten Job. Nicht sonderlich viel zu tun, sondern nur herumsitzen, nichts tun, dir würde das Gefallen, glaub mir!" "Lucifer, versprich mit nur eins, mach keinen Unsinn, wenn dir langweilig ist." "Ach Dolor, das würde mir niemals einfallen!" Dolor seufzte, bevor er auflegte. Ich starrte perplex auf den Hörer des Museumstelefon. Hatte er alles Ernstes aufgelegt, ohne mich zu fragen? Langsam glaubte ich das er viel zu viele Privilegien hat, dafür das er nur ein Dämon ist. Er steht auf jedenfalls weit über den Menschen und möglicherweise auch über den Engel, auch wenn diese arroganten Kleider tragenden, selbstverliebten, sich selbst überschätzenden Egoisten was anderes behaupten. Aber er steht auf gar keinen Fall über mir! Weswegen ich es nicht durchgehen lassen kann das er so mit mir spricht, vor allem nicht da er Recht hat. Was mich am meisten stört. Mir war langweilig! Langweilig genug, um schon darüber nachgedacht zu haben das Museum abzufackeln, oder vielleicht sollte ich es stattdessen ausrauben, diese Gemälde, die anscheinend so viel wert sind verkaufen und nach Vegas fahren, vielleicht wär es dort interessanter. Ich stand auf und schlenderte durch die Gänge, wo ein kitschiges Gemälde nach dem anderen hing. Was die Menschen an dieser Kunst so besonders fanden konnte ich nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil, ich konnte in diesen bunten Flecken einfach keinen Wert erkennen.  Jedes Kleinkind könnte das besser. Da hörte ich ein klirren wie zersplitterndes Glas. Ich wand mich von der unheimlich grinsenden Frau am Gemälde weg, die ich gerade angestarrt hatte und sah mich suchend um. Da sah ich eine schwarz gekleidete Gestalt um die Ecke schleichen. Als sie mich sah richtete sie sich auf, zog eine Waffe und zielte auf mich. Ich erkannte einen jungen Mann, in etwa demselben Alter wie mein derzeitiger Körper, mit braunen Haaren, kalten blauen Augen und ein angesetztes, selbstsicheres, hämisches Grinsen. Er war mir sofort sympathisch, sofern man so einen erbärmlichen Sterblichen sympathisch finden kann. "Keine Bewegung oder ich schieße!" Ich zog eine Augenbraue hoch, bevor ich ein hämisches Grinsen aufsetzte und die Arme verschränkte. "Bitte, nur zu!" Das selbstgefällige Grinsen des Menschen verblasste. Ich grinste und ging einen Schritt auf ihn zu. "Was ist? Hast du nicht gesagt du schießt, wenn ich mich bewege?" "Bleiben Sie, wo Sie sind!", warnte mich der Mensch. Ich lachte nur und machte noch einen Schritt nach vorne. Plötzlich verdunkelte sich der Blick des Menschen, seine Augen wurden kalt und er drückte ab.
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