Ich sah wie die Kugel in Zeitlupe auf mich zukam. Ich seufzte. Ich hatte so eine Ahnung was der Grund dafür war. Und ich hatte Recht! "Was machst du hier Lucifer?" Ich drehte mich um und sah zu Michael, meinen zweitältesten Bruder. Michael hatte von Vater die Macht über die Zeit der Sterblichen bekommen. Und er hatte keine Skrupel seine Fähigkeit einzusetzen, wann immer er wollte. "Da musst du noch Fragen? Ich mach Urlaub!" "Du weißt das Vater dich nicht ohne Grund in die Hölle geschickt hat! Er wird nicht erfreut sein das du auf der Erde bist!" "Und du weißt das mir Vaters Meinung scheiß egal ist, und deine übrigens auch! Also geh mir aus dem Weg!" "Früher oder später wirst du wieder unten landen! Tu dir selbst einen Gefallen und geh freiwillig, bevor er Gabriel schickt!" Ich grinste selbstgefällig. Natürlich! Der große Bruder, von dem alle Angst haben, naja fast alle! "Bruder, ich gehe nie wieder zurück, und auch Gabriel kann nichts daran ändern!" Michael seufzte und schüttelte den Kopf. "Lucifer, du weißt das ich schon immer derjenige von unseren Brüdern war der dich am wenigsten verachtet hat!" "Tatsächlich...!" "Ja! Ich biete dir die Gelegenheit deinen Fehler wieder zu revidieren und zurückzukehren. Nimm deine Dämonen und verschwinde!" Ich lachte nur verächtlich. "Du bist erbärmlich Bruder! Du spielst dich immer als der große Vernünftige auf, wirst aber immer von Gabriel übertroffen. Du weißt das dich niemand ernst nimmt, und ich am wenigsten! Du bist ein Nichts!" "Ich bin ein Erzengel!" "Na und? Wie oft hört man schon von Michael dem Erzengel?" Michael schwieg resigniert, während ich triumphierend lächle. "Du weißt das du keine Chance gegen mich hast! Ich bin der letzte Sohn Gottes, ich bin der gefallene Erzengel! Du kannst nichts gegen mich ausrichten, leb damit!" "Ich hatte gehofft du wärst kooperativer. Dann leb mit den Konsequenzen!" Ich schnaubte bloß verächtlich. Michael seufzte, bevor er mit den Fingern schnipste und verschwand. Plötzlich spürte ich einen kurzen Schmerz im Rücken. Irritiert drehte ich mich um wo nach wie vor der erbärmliche Mensch mit ausgestreckter Pistole vor mir stand. Den hatte ich völlig vergessen. Langsam ließ er die Waffe sinken. Ich drehte mich um mich selbst und versuchte die blöde Kugel aus meinem Rücken zu entfernen. Nach der dritten Umdrehung gab ich es auf und drehte mich mit finsterer Miene zu dem nach wie vor verwirrten Mann um. "Wissen sie wie sündhaft teuer dieser Anzug war? Ich meine nicht für mich, ich habe ihn... geschenkt bekommen... aber es geht ums Prinzip!" "Sie leben noch? Wie ist das möglich?" Ich war kurz davor ihm die Wahrheit zu sagen, um zuzusehen wie er ins Irrenhaus verfrachtet wird weil er behauptet dass der Teufel höchstpersönlich als Nachtwächter im Museum arbeitet, doch ich entschied mich dagegen. Doch um mir eine raffinierte Lüge auszudenken, hatte ich gerade nicht die Lust. Also entschied ich mich für einen Zwischenweg. "Solche sterblichen Waffen funktionieren bei mir nicht! Dafür bräuchtest du himmlisch geschmiedete, und die findet man heutzutage nirgends mehr." "Was?" Der Mann starrte mich perplex an. Dann seufzte er. "Natürlich! Sie haben eine schusssichere Weste! Nun, das passt mir nicht wirklich in den Plan, außerdem habe ich einen strengen Zeitplan, also, wenn Sie so freundlich wären und zur Seite gehen!" Mit diesen Worten richtete er wieder die Waffe auf mich, diesmal genau auf meinem Kopf. Ich seufzte genervt. Warum konnten diese dummen Wesen nichts auf sich beruhen lassen. "Leg endlich diese verdammte Waffe weg, das bringt doch nichts!" "Zur Hölle mit Ihnen!" "Von da komm ich gerade, so schnell geh ich nicht wieder zurück!" "Ihre Scherze retten Sie auch nicht! Ich muss Sie erschießen ansonsten könnten Sie die Polizei rufen und glauben Sie mir, nochmals geh ich nicht in den verdammten Knast." "Kann ich gut verstehen!" "Ach, Sie waren schon mal im Knast?" "Nun ja... könnten man so sagen, dasselbe Prinzip hatte es." Der Mann ließ die Waffe sinken und starrte mich fassungslos an. "Wie kommt es das Sie so ruhig bleiben, wenn ich drohe Sie zu erschießen? Ich habe bereits einmal auf Sie geschossen!" "Und das hat ja prächtig funktioniert." "Wer sind Sie?" "Lucifer. Lucifer Tenebris! Und Sie?" "Das ist jetzt ein Scherz, oder?" "Ich mache keine Scherze Mr. Lewris!" Der Mann starrte mich verdattert an. "Woher kennen Sie meinen Namen?" "Ich kann Gedanken lesen!" "Ich meine es ernst!" "Ich auch!" John Lewris, 35, kommt aus Paris. Interessant ein Franzose! Motiv für diesen Raub: Langeweile und Liebe zum Geld. Und aus einem unerfindlichen Grund machte ihn das sympathisch. Ehe ich ihn darauf ansprechen konnte, stürmte eine Horde Menschen in den Raum. "Keine Bewegung! Legen sie Waffe auf den Boden und heben Sie die Hände!" John Lewris fluchte leise, doch die Waffe legte er nicht weg. Ich sah vor mir wie es ausging. Mindestens drei Personen in diesem Raum würden getötet werden. Und dieser Lewris wäre einer davon. Das wäre der Moment, wo ich mich raushalten sollte, um die göttliche Ordnung nicht zu zerstören. Aber da ich wusste, dass Vater es aufregen würde, tat ich das Gegenteil. "Meine Herren bitte! Was soll das Theater?" "Der stumme Alarm ist losgegangen!" Ich sah aus dem Augenwinkel wie Lewris zusammenzuckte. War das sein Ernst? Er bricht hier ein und hat sich vorher nicht über die Alarmanlage informiert? Amateur! Nicht einmal richtig einbrechen können diese erbärmlichen Wesen heutzutage noch. "Der stumme Alarm ist losgegangen? Interessant, denn eigentlich ist niemand eingebrochen!" Die Polizisten und Lewris sahen mich verdattert an. Ich musste ein Grinsen unterdrücken und setzte eine ernste Miene auf. "Wissen Sie, ich habe gerade mit meinem... Partner hier geübt, wie man einen bewaffneten Mann entwaffnet. Man kann nie sicher sein, wann man so was braucht!"
Lewris räusperte sich und nickte. "Ganz genau! So war es. Warum der Alarm losgegangen ist, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht ist ein Vogel gegen die Scheibe geflogen oder Kinder haben aus Versehen einen Stein gegen die Scheibe geworfen." Der Polizist sah stirnrunzelnd zu uns. "Wenn ich bitte ihre Museen Ausweise sehen könnte!" "Sie brauchen unsere Ausweise nicht!", meinte ich, während ich ihm tief in dir Augen sah. "Natürlich nicht, schönen Abend noch die Herren!"