Kapitel 5: Die Schatten der Vergangenheit

1039 Words
Kapitel 5: Die Schatten der Vergangenheit Der Gang war eng, fast erstickend, die Luft frisch und schwer wie eine dicke Decke. Das einzige Geräusch war das Echo unserer Schritte auf den kalten Steinen und das leise Klirren von Freyas Rüstung, die ein paar Meter hinter mir folgte. Ein seltsames Gefühl schnürte mir die Brust zu, wie eine Vorahnung, dass wir, trotz Freyas Versprechen, direkt in eine Falle schritten. Aber ich musste weitermachen. Wenn sie recht hatte, führte dieser Gang zu Informationen, die wir nutzen konnten, um Alistairs Wahnsinn zu stoppen. Wir traten in einen kleinen Raum ein, der kaum von flackernden Fackeln erleuchtet war. Die Kulisse war düster, geprägt von geheimnisvollen Symbolen, die in die Wände eingraviert waren. Freya näherte sich einem Stein, auf dem alte Runen eingraviert waren, und ich sah sie einen Moment zögern, als ob eine andere Welt zwischen ihr und dieser Aufgabe stand. „Was ist das?“ fragte ich, meine Stimme tief und voller Misstrauen. Sie blickte zu mir auf, ein Ausdruck von Entschlossenheit und Unsicherheit in ihren Augen. „Es ist ein altes Artefakt, Jason. Ein magisches Schloss. Es schützt den Eingang zu dem Ort, an dem Alistair seine Pläne versteckt. Ich kann es öffnen, aber du musst mir noch einmal vertrauen.“ Ich schwieg einen Moment, mein Blick auf der verschlossenen Tür. Der Gedanke, Freya zu vertrauen, nach allem, was passiert war, war eine Prüfung. Aber ich wusste, dass ich ohne sie wenig Chancen hatte, die Geheimnisse Alistairs zu lüften. Vielleicht wäre ich ohne sie sogar schon tot. „Mach es,“ sagte ich schließlich, obwohl mein Herz wild pochte. Sie nickte und beugte sich über den Stein, legte ihre Hand darauf. Während sie alte Worte murmelte, entwich ein sanftes Licht, das den Raum in einen ätherischen Schein tauchte. Die Symbole begannen zu leuchten, und dann schob sich der Stein langsam unter ihren Fingern zurück und enthüllte eine versteckte Tür dahinter. Ich zitterte. Der Raum jenseits dieser Tür musste Geheimnisse enthalten, die selbst Alistair als zu wertvoll erachtet hatte, um sie zu teilen. Freya drehte sich ein letztes Mal zu mir um. „Wir müssen uns beeilen,“ sagte sie, ihre Stimme von Ernst gepackt. „Alistair weiß, dass jemand versucht, ihn zu stoppen. Wenn wir rechtzeitig ankommen, können wir das, was er vorbereitet hat, zerstören.“ „Und wenn du mich angelogen hast?“ antwortete ich, meine Augen brannten vor Misstrauen. Sie machte eine Pause, bevor sie antwortete, ihre Augen auf die nun geöffnete Tür gerichtet. „Wenn ich dich angelogen hätte, wärst du bereits tot. Vertrau mir.“ Ich starrte sie einen Moment an, ein Gemisch aus Wut und Zweifel immer noch in meinem Kopf, aber ich wusste, dass ich keine Wahl hatte. Wenn ich beenden wollte, was ich begonnen hatte, gab es nur einen Weg. Wir traten in den Raum ein. Die Wände waren mit alten Karten, Pergamenten und magischen Artefakten bedeckt. Ein großer Tisch war mit Dokumenten bedeckt, einige am Rand verbrannt, als wären sie hastig zurückgelassen worden. Alistair musste bereits in seinen Machenschaften unterbrochen worden sein. Mit klopfendem Herzen näherte ich mich dem Tisch und durchsuchte die Papiere. Zeichnungen, Pläne, unbekannte Symbole… Eine Karte der Region, markiert mit zahlreichen roten Punkten. „Sieh mal,“ murmelte Freya, während sie näher trat und mit ihren Fingern eine der Karten streifte. „Diese Markierungen… das sind strategische Orte. Alistair plant, die Kontrolle über alle Gebiete zu erlangen, wo der Krieg ausbrechen könnte.“ Ich nahm ein Dokument und faltete es langsam auf. Es war nicht einfach eine Karte. Es war eine Liste von Allianzen und Verrätereien, Namen, die am Ende jeder Seite standen, mit brennenden Anmerkungen, die von totalem Krieg sprachen. Die Situation schien viel ernster zu sein, als wir uns vorgestellt hatten. Alistair wollte nicht nur erobern, er wollte vernichten. Jeder Name auf dieser Liste stellte einen Reibungspunkt dar, eine potenzielle Frontlinie. „Er will einen totalen Krieg auslösen,“ sagte ich, die Worte kaum hörbar. „Er will, dass wir uns gegenseitig umbringen.“ „Ja,“ antwortete Freya, ihre Stimme wurde düster. „Und er wird jedes Mittel nutzen, um dies zu erreichen. Er hat Verbündete überall, sogar unter den Werwölfen. Leute, die ihm helfen, ohne zu wissen, in was sie sich einlassen.“ Mein Blick fiel auf die Karte und die Dokumente, und ich begriff. Alistair kämpfte nicht nur gegen mich oder Freya. Er manipulierte beide Völker, spielte mit ihren Schwächen, säte Zwietracht in jedem Lager. Wenn wir nicht schnell handelten, würde er den Krieg auslösen, den er von Anfang an wollte. „Wir müssen ihn aufhalten, Freya,“ sagte ich, meine Stimme jetzt fest. „Wir müssen ihn stoppen, bevor er sein Ziel erreicht.“ Sie nickte, ihr Gesicht von Angst gezeichnet. „Aber wie? Er hat bereits Notfallpläne, Mittel, um zu verschwinden, wenn nötig. Selbst wenn wir das, was er hier hat, zerstören, bleibt er eine Bedrohung.“ Ich nahm mir einen Moment, um ihre Worte zu verarbeiten. Wir waren weit davon entfernt, gewonnen zu haben, aber wir hatten gerade etwas Wichtiges entdeckt. Wir wussten endlich, wer der wahre Feind war. Es war nicht nur ein Machtkampf, sondern ein Kampf um die Seele beider Völker. „Wir müssen ihn dort treffen, wo es weh tut,“ sagte ich, meine Augen auf die Karte gerichtet. „Wenn wir seine Allianzen zerstören, wenn wir seine Unterstützer destabilisieren, können wir ihn schwächen. Er wird nicht mehr unbesiegbar sein.“ Freya schien einen Moment nachzudenken, bevor sie antwortete. „Das wird mehr erfordern als das, Jason. Wenn wir frontal angreifen, wird er es wissen. Wir müssen ihn dort erreichen, wo er es nicht erwartet.“ Ich sah mich um, konzentrierte mich auf die Karte und die Dokumente. Vielleicht gab es noch etwas zu entdecken, einen Weg, seine Verteidigungen zu umgehen. Eine Chance, ihn zu erreichen, bevor er zu stark wurde, um gestoppt zu werden. „Wir müssen einen anderen Weg finden,“ sagte ich. „Einen Weg, ihn dort zu treffen, wo er verletzlich ist.“ Freya legte eine Hand auf meine Schulter, ihr Blick entschlossen. „Dann finden wir ihn. Gemeinsam.“ Der Weg zum Frieden schien voller Hindernisse zu sein, aber zum ersten Mal seit langem schien die Idee einer Zukunft jenseits der Rache möglich.
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