Wow. Das war heftig. Aber so könnte man den ganzen Ort hier beschreiben.
Vielleicht war dies hier eine dieser Locations, wo alles auf ein ganz bestimmtes Happy End hinauslief.
Klyn nickte und Sexy lockerte seinen Griff.
»Es tut …«, sagte Klyn stirnrunzelnd und konzentrierte sich auf Sexy. »Es tut mir leid.«
»Meinst du mich?« Sexy grinste und legte seine freie Hand auf seine Brust. »Nun, danke. Aber jetzt möchte ich, dass du es zu ihr sagst.« Er hob eine Augenbraue und forderte das Arschloch auf, ihm zu widersprechen.
»Aber sie ist …«
»Mach mich nicht noch wütender!«, warnte Sexy und schubste Klyn so fest, dass sein Kopf gegen die purpurfarbene Wand schlug.
Ich verstand nicht, warum der Widerling sich nicht wehrte. Er wollte sich eindeutig nicht bei mir entschuldigen, aber er widersprach auch nicht. Er nahm seine Strafe einfach nur hin.
»Na schön.« Klyn rieb sich den Hinterkopf, während seine Zunge über seine Zähne strich. Er drehte sich zu mir um und grinste. »Es tut mir leid, Miss Veronica.« Die Worte waren voller Hohn, aber er hatte sie ausgesprochen, wenn auch widerwillig.
Darum ging es. Sexy erwartete Gehorsam, und das war seine Art, den Kerl in seine Schranken zu weisen. Aber Klyn hatte immer noch dieses raubtierhafte Glitzern in seinen Augen.
Ein Raubtier.
Das war die perfekte Art, ihn zu beschreiben.
»Wenn du dich noch einmal an ihr vergreifst, wird es Probleme geben. Du weißt es besser, als dich mit mir anzulegen.« Sexy ließ Klyn los, rührte sich aber nicht von der Stelle. Er rieb seine Hände aneinander und starrte sie an. »Das ist deine einzige Warnung. Hast du das verstanden?«
»Ja, ich hab’s verstanden«, spie Klyn. »Kann ich jetzt gehen?«
»Hol mir einen Drink!« Sexy nickte in Richtung Bar. »Ich bin gleich da.«
Klyn warf mir einen scharfen Blick zu und schlenderte davon.
Egal, was er gesagt hatte, ich wusste, dass das, was zwischen uns passiert war, noch nicht vorbei war.
»Geht es dir gut?«, fragte mich Sexy. »Das Ganze tut mir so leid.«
»Es ist nicht deine Schuld.« Ich zwang mich zu lachen, in der Hoffnung, die Situation zu entschärfen, aber es klang eher wie ein Krächzen. »Du bist ja nicht sein König oder so.« Obwohl er wie ein König aussah, was vielleicht der Grund für meine seltsame Bemerkung war.
Er fing an zu lächeln, als hätte ich einen Insiderwitz nicht mitbekommen. »Ich bin nicht sein König. Da hast du recht.«
»Siehst du.« Sein Lächeln raubte mir den Atem, aber ich stemmte mich dagegen. Noch nie hatte mich jemand so berührt. So musste sich Annie bei dem Trottel fühlen – was bedeutete, dass ich gehen musste.
Unverzüglich.
»Nun, danke«, sagte ich. Ich salutierte vor ihm und ging an ihm vorbei zur Bar.
Eine kühle, starke Hand packte mich am Arm. »Wo willst du hin?«
Okay, vielleicht war er doch nicht ganz so nett. Die Art von Kerl, die einem das Gefühl von Sicherheit gab, nur um dann diese Illusion zu zerstören, war die schlimmste Art von Arschloch. Das schien eher zu Annies Typ zu passen und machte Sexys Reize nicht ganz so verlockend.
»Entschuldige mich«, sagte ich und wollte, dass er wusste, dass das, was er tat, nicht cool war. Ich löste meinen Arm aus seiner Hand, schwang eine Hüfte und platzierte eine Hand darauf. »Es ist mir egal, ob du mir geholfen hast. Fass mich nicht noch einmal so an!«
Er stellte sich vor mich und versperrte mir den Weg.
»Dann zwing mich nicht dazu.« Er straffte die Schultern und wurde noch ein paar Zentimeter größer.
Wie so oft – vor allem, wenn ich es mit solch aufgeblasenen Idioten zu tun hatte – wünschte ich mir, größer zu sein – ich konnte lediglich 1,67 Meter aufweisen. Doch selbst, wenn ich mich auf die Zehenspitzen stellen würde, käme ich nur bis zu seinen Schultern. »Inwiefern sollte ich dich dazu zwingen?«
»Wenn du noch einmal an Klyn vorbeigehst, wird er sich nicht mehr zurückhalten können.« Seine Miene verfinsterte sich und er räusperte sich. »Dann muss ich mich wieder einmischen und die Sache wird eskalieren. Ein Mädchen wie du sollte nicht an einem Ort wie diesem sein.«
»Ein Mädchen wie ich?« Ich war mir nicht sicher, ob er mir ein Kompliment machen oder mich beleidigen wollte.
Er biss sich auf die Unterlippe, wobei ein wenig Unsicherheit durchschimmerte. Das war charmant. Verdammt noch mal. »Ja. Ein Mädchen, das nicht verzweifelt nach Aufmerksamkeit sucht.«
Er hatte recht. Das tat ich nicht. Eigentlich hasste ich es, im Mittelpunkt zu stehen. »Nun, das tue ich nicht.«
»Ach ja?« Er verschränkte die Arme. »Warum bist du dann hier?«
Ich wollte es ihm nicht sagen. Ich löste zwiespältige Gefühle in mir aus. In einem Moment kam er mir wie ein guter Kerl vor, im nächsten zweifelte ich an seinen Motiven. Aber er hatte mich vor dem Halslecker gerettet und ich war hierhergekommen, um Annie oder jemanden, der sie kannte, zu finden. Er war meine sicherste Option … oder vielleicht die dümmste. »Ich bin auf der Suche nach meiner Schwester.«
Seine Augen wurden schmal. »Warum rufst du sie nicht an?«
Wut kochte in mir hoch. »Oh, … Mann.« Ich schlug mir an die Stirn. »Du hast recht. Warum habe ich nicht daran gedacht?«
»Manchmal vergesse sogar ich diese Dinge.« Er zückte sein Handy und einen merkwürdigen Blick darauf. »Es ist irgendwie zu praktisch.«
Sarkasmus zu erkennen, schien nicht seine Stärke zu sein. Oder er machte sich über mich lustig. Wie auch immer, ich war über diese seltsame Begegnung hinweg. »Das habe ich schon versucht, du Idiot.«
»Oh, vielleicht ist sie ja in ihrem Hotelzimmer.« Er wedelte mit der Hand. »Ich sehe hier keine Single-Ladys.«
»Zitierst du etwa Beyoncé?« Der Typ war heiß, aber seltsam.
»Was ist eine Beyoncé?« Er schaute über seine Schulter. »Ist das der Name deiner Schwester?«
»Nein, das ist …« Ich hielt inne. Ich verschwendete meine Zeit, während Annie in dieser Bar sein und sich begrapschen lassen könnte. »Weißt du was? Das spielt keine Rolle. Sie heißt Annie und sie ist nicht in ihrem Zimmer, weil sie hergekommen ist, um ihren Freund zu besuchen.«
»Warte …« Er hob einen Finger, während sich sein Gesicht in eine Maske der Gleichgültigkeit verwandelte. »Du sagst, deine Schwester, die nicht hier wohnt, hat einen Freund, der hier wohnt?«
»Ja.« Er musste langsam sein. Alle Männer, die so sexy waren, besaßen eine Schwachstelle. Dummheit musste die seine sein. »Weißt du, man kann auch eine Beziehung führen, wenn man nicht am selben Ort wohnt. Das nennt man dann eine Fernbeziehung. Das verstehst du vielleicht nicht, denn wahrscheinlich stehen bei dir die Frauen Schlange, um in dein Bett zu kommen.« Bei dem Gedanken knurrte ich fast. Was zum Teufel war mit mir los? Normalerweise war ich gut darin, meinen Mund zu halten, etwas, das ich als Kind in diversen Pflegefamilien schnell gelernt hatte. Aber je länger ich hier bei ihm war, desto lockerer wurde meine Zunge. Und das Schlimmste war: Ich wollte eine dieser Frauen sein.
Nö. Ich würde von nun an einfach meine Beine zusammenpressen.
Er blinzelte. »Da magst du recht haben, aber ich muss zugeben, dass noch nie eine Frau meine Aufmerksamkeit so sehr erregt hat wie du.«
Jep, ein Player. Das bestätigte meine Vermutung. Aber mein Magen flatterte immer noch. »Äh … danke.« Ich zwang meine Aufmerksamkeit von meinem unregelmäßigen Puls weg und konzentrierte mich auf meine beste Freundin. »Aber im Ernst … Hast du sie gesehen? Sie hat langes, dunkelbraunes Haar, hellbraune Augen und ein freundliches Lächeln. Sie lacht viel – sie bringt einen Raum zum Leuchten, einfach, indem sie ihn betritt.«
Bei Eliza hatte ich mich sicher gefühlt, aber Annie hatte mein eiskaltes Herz zum Schmelzen gebracht. Obwohl sie eine Waise war, hatte sie mehr Glück im System gehabt und war bereits als Baby zu Eliza gekommen. Sie strahlte Freundlichkeit aus und arbeitete hart, um sich ein besseres Leben zu schaffen und anderen zu helfen, wo immer sie konnte. Deshalb hatte ich mit Freuden auf meine eigene Ausbildung verzichtet, um ihre zu unterstützen. Ich wusste, dass sie die Welt zum Besseren verändern würde – etwas, das ich nie erreichen würde. Mein Ziel war es, Annie zum Erfolg zu verhelfen und mich um Eliza zu kümmern.
»Warte.« Seine Mundwinkel bewegten sich nach unten. »Geht es hier um deine Schwester oder deine Geliebte?«
»Touché.« Ich lachte unerwartet. Die Kombination aus der Frage und seinem enttäuschten Gesicht überrumpelte mich. »Nein, sie ist meine Schwester und meine beste Freundin. Vergiss nicht, sie ist hier, um ihren Freund zu besuchen.«
»Ich sage dir eins.« Er legte mir eine Hand auf den Rücken und führte mich zur Tür. »Ich bin seit achtzehn Uhr hier und in der gesamten Zeit war niemand hier, auf den diese Beschreibung gepasst hätte.«
»Das klingt nicht besonders ermutigend.« Ich hatte gehofft, lediglich in die Bar marschieren zu müssen, um sie am Ohr zu packen und nach draußen zu zerren. So geschah es in den Filmen, wenn sich jemand kindisch benahm, also war es nur logisch, dass ich sie auch so behandelte. »Okay, hast du Ideen, wo sie sein könnte?«
»Weißt du was?« Er öffnete die Tür. »Ich wette, sie ist auf dem Weg nach Hause, so wie du es auch sein solltest.«
Der Wind pfiff an uns vorbei und ich sabberte fast, als ich den Duft von Sirup wahrnahm. Hmm … vielleicht gab es hier in der Nähe ein Frühstücksrestaurant. Frühstück war Annies Lieblingsmahlzeit, besonders wenn sie ein paar Drinks intus hatte. Ich schnupperte und folgte meiner Nase.
»Äh … stinke ich etwa?« Sexy presste die Lippen zusammen, als würde er versuchen, nicht zu lächeln, aber er strahlte definitiv Heiterkeit aus.
Warum sollte er … Oh, es war seine Brust, an der ich gerade schnüffelte. Er war es, der nach Frühstück roch. Was für ein Typ benutzte Parfüm, das nach Sirup duftete? Ich könnte ihn die ganze Nacht lang einatmen, an ihm knabbern … Ronnie, reiß dich zusammen! »Sorry, ich dachte, ich rieche Frühstück. Ich wollte nicht an dir schnüffeln.«
»Wenn du von mir naschen willst, lässt sich das einrichten«, sagte er heiser und strich mir über die Wange. »Ich wäre ein williger Teilnehmer.«
Der Gedanke, ihn nackt zu sehen, flammte in meinem Kopf auf und mein Gesicht glühte. Ich musste unbedingt wieder klar denken. »Nein, so habe ich das nicht gemeint, aber … danke.« Meine Stimme hob sich am Ende, als würde ich eine Frage stellen.
Der Humor verschwand aus seinem Gesicht und sein Körper verkrampfte sich. »Du musst gehen. Jetzt.«
»Was?« Seine veränderte Haltung bereitete mir ein Schleudertrauma. »Gut, aber hast du eine Idee, wo ich meine Schwester finden könnte?« Ich musste mich daran erinnern, dass ich wegen Annie gekommen war und nicht, um meine Zeit mit einem Mann zu verschwenden.
»Alex«, sagte eine Frau hinter uns mit sinnlicher Stimme. »Was machst du hier draußen mit ihr?«
Das war also der Grund für seine Aufregung. Er musste gewusst haben, dass seine Verabredung kurz bevorstand.
Oh, da würde ich mitspielen. Ich wollte, dass er sich unwohl fühlte. Schließlich hatte ich ja nichts falsch gemacht.