Kapitel Zwei
Sein Mund war so nah an meinem Hals, dass ich seinen kühlen Atem spüren konnte. Dieser Typ war ein Psycho und ich musste etwas tun.
Ich legte meine Hände auf seine Brust, um ihn wegzuschieben, aber sein Gewicht verschwand, und ich stolperte nach vorn.
»Was zum Teufel ist hier los?«, fragte eine heisere Stimme mit einem leichten Akzent, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Er hatte etwas Verlockendes an sich.
Ich schaffte es, mein Gleichgewicht zu halten und nicht auf die Nase zu fallen. Ich blickte zu meinem Retter auf … und meine Welt geriet ins Wanken.
Sanfte, blaue Augen musterten mich, während sich das Gesicht des Mannes vor Sorge verzog. Im Gegensatz zu dem Arschloch, das er am Nacken gepackt hatte, war die Haut dieses Mannes zwar hell, aber etwas sonnengebräunter als meine. Er war um einige Zentimeter größer als mein Angreifer und ich schätzte ihn auf über 1,80 Meter. Obwohl sein athletischer Körper unter Spannung stand, hatte er eine königliche Haltung, die durch sein weißes Hemd und den schwarzen Anzug noch betont wurde.
Er war umwerfend attraktiv und ich machte automatisch einen Schritt auf ihn zu, als ich eine seltsame Art Zerren verspürte.
»Bist du okay?«, fragte der Mann, während er meinen Hals untersuchte.
Hatte ich dort etwas? Das war das zweite Mal innerhalb von fünf Minuten, dass sich jemand darauf konzentrierte. Abwesend legte ich meine Hand auf die Stelle, an der der Penner versucht hatte, mich abzulecken.
Zumindest hoffte ich, dass er lediglich das versucht hatte.
Warte. Igitt. Vielleicht auch nicht.
Aber es wäre besser, als gebissen zu werden, oder? Ich könnte den Speichel einfach abwaschen, ohne Körperflüssigkeiten vermischt zu haben. Mein Magen rebellierte. Halt die Klappe, Ronnie! Konzentriere dich!
»Äh … jetzt schon.« O lieber Gott, erschieß mich. Er musste denken, dass ich ihn anmachte. »Nachdem du mir geholfen hast, den Spinner loszuwerden.« Ich riss meinen Blick von Sexy los und starrte den Widerling an.
Sexy knurrte den Kerl an, zog ihn näher zu sich heran und starrte ihn an. »Was hast du zu Miss …« Er hielt inne und schaute mich erwartungsvoll an.
Ich starrte auf seine harte Brust. Ich wette, es würde sich gut anfühlen, sie zu berühren …
»Willst du mir nicht deinen Namen sagen?«, fragte Sexy mit einem Hauch von Humor in seiner Stimme.
Je länger ich schwieg, desto schlimmer würde die ganze Situation werden. »Ronnie.« Ich zuckte zusammen. Ich klang wie ein kleines Mädchen und ich wollte nicht, dass er mich so wahrnahm. Ja, klar. Ich wusste, warum. »Ich meine Veronica, aber meine Freunde nennen mich Ronnie.«
Seine Augen funkelten vergnügt, bevor sie sich verhärteten, als er seinen Blick wieder auf den Widerling richtete. »Was hast du zu Miss Veronica zu sagen, Klyn?«
Mein Name hörte sich auf seiner Zunge viel zu gut an. Ich könnte ihn mir immer wieder anhören und würde nie müde werden, ihn zu hören.
Argh. Komm mal wieder runter, Ronnie.
»Klyn«, warnte Sexy.
Klyn war auch nicht viel besser als Widerling, also passte es.
»Es …« Klyn verstummte und er rümpfte die Nase. »Ich kann das nicht. Sie ist doch nur ein …«
Blitzschnell knallte Sexy das Arschloch gegen die Wand neben mir. Er legte seinen Unterarm auf Klyns Hals und senkte den Kopf, um ihm in die Augen zu sehen. »Wenn du hier lebend rauskommen willst, wirst du dich entschuldigen.«
»Prin…«, begann Klyn, aber Sexy drückte fester zu und die Worte des Mannes wurden von einem Stöhnen unterbrochen.
Wir mussten doch auffallen. Ich sah mich in dem abgedunkelten Raum um, an den sich meine Augen langsam gewöhnten. An der Bar saßen mehrere Paare, die sich leidenschaftlich küssten. Ein Mann hatte sogar seine Hand auf der Brust des Mädchens.
Schmuddelige, rote Sitznischen säumten den Raum, in denen mehrere Pärchen zusammensaßen. Selbst dort starrten sie entweder auf ihre Partner oder hatten ihre Hände an unangebrachten Stellen. Ein Typ hatte seinen Mund auf dem Hals eines Mädchens, während sie sich unter ihm wand, als befände sie sich in einer Art Rausch. Sie musste einen höllischen Knutschfleck davontragen.
Was war das für ein Ort und warum hing Annie hier herum?
Meine Hand umklammerte meinen Hals. Sie würden sie mir wegreißen müssen, solange ich hier drin war.
Das Verrückteste war, dass niemand auf den Tumult achtete, den wir verursachten. Eliza hatte recht gehabt – das hier war kein sicherer Ort. Alle waren auf Drogen oder so. Selbst der Barkeeper drehte sich nicht in unsere Richtung.
»Ich werde dich loslassen, aber wenn du etwas anderes als ›Es tut mir leid‹ sagst, bringe ich dich um«, knurrte Sexy und sein Unterkiefer zuckte. »Hast du das verstanden?«