Plötzlich wurde er weich und legte eine Hand auf meine Wange. „Aber du bist mein, Dove. Und kein Mann berührt, was mir gehört.“ Eine Träne rann über mein Gesicht. „Du schützt mich nicht“, flüsterte ich. „Du fängst mich ein.“
Er lehnte sich näher. Ich spürte seinen Atem an meinem Mund. Mein Körper verriet mich — ich neigte mich vor, verzweifelt, wütend, ertrinkend. „Vergiss die Hochzeit“, murmelte er. „Heute Nacht… bin ich bei dir.“
Ich schloss die Augen. Doch seine Worte waren jetzt Gift.
„Nein“, sagte ich und trat wieder zurück. „Nicht heute Nacht.“ Seine Nüstern weiteten sich. So selten, ihn die Kontrolle verlieren zu sehen.
„Sei nicht töricht“, knurrte er. „Du wirst nicht von mir weggehen.“ Ich richtete meine Wirbelsäule, obwohl ich zusammenbrechen wollte.
„Sieh mich an.“
Ich griff nach einem weiteren Hemd, drehte mic
h um und zwang meine Hände, nicht zu zittern. Matthias starrte mich lange an, unregelmäßig atmend, die Augen brennend. Ein Sturm hinter einer Wand. Tödlich, wenn er ausbrach.
„Du machst einen Fehler“, sagte er, leise, aber furchterregend. Vielleicht tat ich es. Oder vielleicht war dies das erste, was ich jemals richtig gemacht hatte. Er trat zur Tür. Doch er hielt inne und sagte noch etwas — die Worte, die mich verfolgen würden:
„Wenn du herausfindest, wie andere Alphas sind… wirst du zu mir zurückkriechen. Und ich werde mich daran erinnern.“
Die Tür schlug zu.
Die Wäscherei bebte vor Wucht.
Meine Beine gaben nach, und ich setzte mich auf den nassen Boden, das Wasser drang durch mein Kleid. Endlich flossen die Tränen, laut und chaotisch, solche, die nach Enden schmeckten. Ich presste mein Gesicht in meine Hände. Warum durfte er entscheiden, was ich verdiente?
Warum durfte er sein Glück — und meins — wählen?
Ich wollte mehr.
Mehr als Lügen im Dunkeln.
Mehr als Liebe, die ihr Gesicht verbarg. Eine sanfte Stimme unterbrach meinen Strudel.
„Dove?“ Ich zuckte zusammen und blickte auf. Es war Eden, meine kleine Schwester, ihre Augen weit und aufgeregt. „Du hast mich erschreckt“, murmelte ich und wischte mir schnell über das Gesicht Sie hockte sich neben mich. „Was ist passiert? Du siehst aus wie—“
„Ich bin okay“, log ich, die Stimme kratzig. „Die Arbeit war heute hart.“ Sie glaubte
mir nicht — aber drängte auch nicht. Stattdessen lächelte sie, hell und voller Leben. „Wir gehen heute Abend raus.“ ich blinzelte. „Was?“
„In die Stadt!“ Sie griff nach meinen Händen. „Der Zug fährt in drei Stunden. Varians Party beginnt. Die, die Matthias hasst. Die, von der jeder träumt, dort hinzugehen.“ Mein Magen zog sich zusammen. „Varian? Alpha Varian?“
Eden nickte eifrig. „Ja. Der mächtigste und gefürchtetste Alpha, der lebt. Und wir gehen.“
„Ich kann nicht“, sagte ich sofort. „Matthias—"
„Matthias kontrolliert uns nicht“, unterbrach sie. „Du verdienst eine Nacht, in der du lebendig bist.
Lebendig… Ich sah auf die Wäsche. Auf meine roten Finger. Auf mein durchnässtes Kleid. Auf das Leben, das alle für ausreichend hielten. „Ich gehöre dort nicht hin“, flüsterte ich Eden lächelte, als wüsste sie etwas, das ich nicht wusste.
„Und hier gehörst du auch nicht hin.“
Die Worte trafen tief.
Sie half mir auf die Füße. „Komm schon. Lass uns fertig machen. Tu einmal in deinem Leben etwas für dich selbst.“ Mein Verstand schrie nein. Aber mein Herz… hatte bereits ja gesagt. Ich nickte langsam. „Okay.“ EEden quietschte vor Freude und umarmte mich fest. Ich klammerte mich zurück, atmete zitternd.
Eine Nacht.
Ich könnte eine Nacht Freiheit überleben. Als sie mich Richtung Ausgang zog, warf ich einen Blick zurück zur Tür, durch die Matthias gestürmt war. Seine Warnung hallte in meinen Knochen nach. *Du wirst zu mir zurückkriechen.* Vielleicht hatte er Recht.
Oder vielleicht… hatte er mich nur in die Arme eines gefährlicheren Alphas getrieben.
Die Zugpfeife heulte in der Ferne. Und etwas Kaltes, Wildes und Neues flüsterte in mir:
*Lauf.*