Kapitel 9-1

497 Words
9 Lucas Sobald ich Esguerras Nachricht gelesen habe, gebe ich den Wächtern über Funk Bescheid und befehle der Hälfte von ihnen, sich zum Club zu begeben. Keinem von ihnen ist etwas Verdächtiges aufgefallen, was bedeutet, dass die Bedrohung, um was es sich auch immer dabei handeln mag, seinen Ausgangspunkt im Club hatte, nicht außerhalb, wie wir erwartet hatten. Ich will gerade in den Club laufen, als ich eine neue Nachricht von Esguerra bekomme: Rosa zurückgeholt. Folgt dem weißen Geländewagen. Ich gebe die Anweisung sofort an die Wächter weiter, und in diesem Moment erreicht mich eine weitere Nachricht. Komm mit dem Auto zum Hinterausgang. Ich lasse den Wagen an und fahre schnell ums Karree, wobei ich fast einige Fußgänger überfahre. Die Straße auf der Rückseite des Clubs ist dunkel und stinkt nach Abfall und Urin, aber ich nehme meine Umgebung kaum wahr. Ich steige aus dem Auto und warte mit meiner Hand an der Waffe an meiner Seite. Einige Sekunden später geben mir die Männer über Funk Bescheid, dass sie den weißen Geländewagen gefunden haben und ihm bereits folgen. Ich will ihnen gerade weitere Anweisungen geben, als sich die Tür des Clubs öffnet und Nora herauskommt, die ihre Arme um Rosa gelegt hat. Esguerra folgt ihnen, und sein Gesicht ist wutverzerrt. Als das Licht des Autos sie trifft, verstehe ich auch, warum. Beide Frauen zittern, und ihre Gesichter sind blass und tränenüberströmt. Aber es ist Rosas Zustand, der meinen Blutdruck astronomische Höhen annehmen lässt. Ihr gelbes Kleid ist zerrissen und blutverschmiert, und eine Hälfte ihres Gesichts ist fratzenhaft angeschwollen. Das Mädchen ist brutal vergewaltigt worden, genauso wie Yulia vor sieben Jahren. Ich sehe rot. Ich weiß, dass meine Reaktion übertrieben ist – Rosa ist fast eine Fremde für mich – aber ich kann nichts dagegen tun. Die Bilder in meinem Kopf sind die einer zarten Fünfzehnjährigen, deren schlanker Körper stark verletzt und blutig ist. Ich kann die Scham und die Verstörung auf Rosas Gesicht sehen, und das Wissen, dass Yulia genau das Gleiche durchgemacht hat, lässt mich vor Wut kochen. »Diese Arschlöcher.« Meine Stimme ist rau vor Erregung, als ich um das Auto herumgehe, um die Tür zu öffnen. »Diese verdammten Arschlöcher. Sie werden sterben.« »Ja, das werden sie«, sagt Esguerra grimmig, aber ich höre ihm nicht zu. Ich greife nach Rosa und ziehe sie vorsichtig von Nora weg. Esguerras Frau scheint weniger schlimm verletzt zu sein, aber sieht ganz deutlich mitgenommen aus. Rosa schluchzt, als ich ihr ins Auto helfe, und ich gebe mein Bestes, möglichst sanft mit ihr umzugehen, um sie zu trösten, so wie ich es vor all diesen Jahren nicht bei Yulia tun konnte. Als ich sie festschnalle, höre ich, wie Esguerra mit einer eigenartig angespannten Stimme Noras Namen ausspricht, und als ich mich umdrehe, sehe ich, dass Nora neben dem Auto in sich zusammensackt. Das Baby, wird mir sofort klar, als ich mich an ihre Schwangerschaft erinnere, aber Esguerra setzt sie bereits ins Auto und schreit mir zu, sofort zum Krankenhaus zu fahren.
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