Kapitel 9-2

448 Words
Wir gelangen in einer rekordverdächtigen Zeit zum Krankenhaus, aber schon lange bevor Esguerra das Wartezimmer betritt, weiß ich, dass das Baby nicht überlebt hat. Im Auto war zu viel Blut. »Es tut mir leid«, sage ich, als ich den erschütterten Gesichtsausdruck meines Chefs sehe. »Wie geht es Nora?« »Sie haben die Blutung gestoppt.« Esguerras Stimme ist rau. »Sie will nach Hause gehen, also werden wir das tun. Rosa werden wir auch mitnehmen.« Ich nicke. Ich habe im Krankenhaus gesagt, ich sei Rosas Freund, damit sie mich über ihren Zustand auf dem Laufenden halten. Wie ich erwartet hatte, hat sich das Mädchen geweigert, mit der Polizei zu reden, und da keine seiner Verletzungen lebensbedrohlich ist, muss es nicht über Nacht hierbleiben. »In Ordnung«, erwidere ich. »Sie kümmern sich um Ihre Frau, und ich gehe Rosa holen.« Esguerra geht zu Nora zurück, und ich kontaktiere die Reinigungsmannschaft, um ihr Anweisungen zu geben, was sie mit dem Kerl zu tun hat, den sie im Club gefunden hat. Von dem, was ich aus Rosas hysterischen Erklärungen verstehen konnte, ist das Dienstmädchen in einem Hinterzimmer des Clubs von den beiden Männern vergewaltigt worden, mit denen sie zuvor getanzt hatte. Nora kam ihr zu Hilfe und hat dabei einen dritten Mann bewusstlos geschlagen, der den Raum bewacht hatte. Esguerra ist gerade noch rechtzeitig gekommen und hat einen der Täter getötet, aber der andere hatte Rosa bereits nach draußen geschleppt und hätte sich im Auto weiter an ihr vergangen, wenn Esguerra sie nicht gerettet hätte. Das war derjenige, der mit dem weißen Geländewagen geflüchtet ist – dem Geländewagen, dessen Nummernschild ich gerade überprüfen lasse. Sobald wir die Identität des Fahrers herausfinden, wird er so gut wie tot sein. Ich stecke das Telefon weg, um Rosa zu holen. Als ich ihr Zimmer betrete, finde ich sie in einem Schwesternkittel auf ihrem Bett; das Personal muss ihn ihr als Ersatz für ihr zerrissenes Kleid gegeben haben. Sie hat ihre Knie an die Brust gezogen, und ihr Gesicht ist blass und mit blauen Flecken übersät. Ein Bild von Yulia blitzt erneut in meinem Kopf auf, und ich muss tief einatmen, um einen Wutausbruch zu verhindern. Mit langsamen und vorsichtigen Bewegungen nähere ich mich ihrem Bett. »Es tut mir leid«, sage ich leise und umfasse Rosas Ellenbogen, um ihr auf die Beine zu helfen. »Wirklich. Kannst du gehen, oder möchtest du, dass ich dich trage?« »Ich kann gehen.« Ihre ängstliche Stimme ist dünn und hoch, und ich lasse meine Hand fallen, als ich verstehe, dass meine Berührung sie nervös macht. »Es geht mir gut.« Das ist offensichtlich gelogen, aber ich sage nichts dazu. Ich gehe einfach langsamer, um mich ihrer Geschwindigkeit anzupassen, und führe sie nach draußen zum Auto.
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