Kapitel 6 „Du verlässt mich nicht!" Seite 1

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Amy fühlte sich wohl und ging jeden Morgen ihrer Arbeit mit Freude nach. Sie arbeitete gern im Café und genoss den Kontakt zu Menschen. Heute war es sehr voll und sie hatte jede Menge zu tun. Sie war froh als es endlich ruhiger wurde und ging kurz vor die Tür um etwas frische Luft zu schnappen. Es war sehr viel Verkehr auf der Straße. Sie beobachtete gern die Straßen und die Menschen, wenn sie die Zeit fand. Es war ihre Art, einfach mal durchzuatmen, einen klaren Kopf zu bekommen, denn obwohl sie ihre Arbeit liebte, war sie doch sehr stressig. Als Amy wieder ins Café ging, fuhr Joshuas Mitarbeiter in einem schwarzen Auto vorbei. Er erkannte sie sofort und fuhr langsamer, nur um sicher zu stellen, dass er sie nicht verwechselte. Er parkte seinen Wagen etwas weiter weg auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Joshua", sagte, er als er ihn über das Handy anrief, „ich habe sie gefunden!" „Sehr gut! Beobachte sie noch eine Weile, ich will wissen, mit wem sie Umgang hat! Aber lasse dich nicht erwischen." Damit beendete er das Gespräch. Der Fahrer blieb bis zu ihrem Feierabend auf dem Parkplatz und ließ sie nicht aus den Augen. Amy schloss am Abend das Café ab und freute sich, endlich nach Hause zu können. Die Wohnung war zu Fuß erreichbar, doch musste sie durch ein paar dunkle Gassen. Normalerweise holte sie Michael ab, wenn sie so lange bleiben musste, doch heute hatte er viel zu tun. Ihr war etwas unwohl bei dem Gedanken, dass sie nun alleine durch die Gassen gehen musste, aber sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Auch hatte Michael ihr ein Discman besorgt, somit konnte sie sich gut ablenken. Sie steckte die Kopfhörer ins Ohr und hörte etwas Musik, so konnte sie an etwas anderes denken als an die Dunkelheit, die ihr etwas Angst machte. Plötzlich spürte sie etwas hinter sich. Amy wurde mulmig zumute. Sie beschleunigte ihr Tempo, aber sie wollte sich auch nicht umschauen, denn dann würde sie denjenigen zeigen, dass sie Angst hatte. Sie überlegte kurz ob sie Michael, mit ihrem Handy, anrufen sollte um ihn zu bitten sie abzuholen, aber dann schlug sie sich das wieder aus dem Kopf. Das musste sie doch allein schaffen. Plötzlich erschrak sie - von hinten kam eine Hand und drückte ihr ein Tuch auf ihr Gesicht. Sie versuchte sich umzudrehen um sich zu wehren, doch hielt er sie so fest, dass es ihr unmöglich war. Sie wurde panisch und atmete immer wieder diese Substanz ein, sie konnte sich nicht helfen und fiel bewusstlos zu Boden. Als sie wieder wach wurde, lag sie auf einem Bett in einem Zimmer. Sie fühlte sich noch immer etwas benommen und konnte nicht genau sehen wo sie war. Es dauerte eine Weile, doch dann bemerkte sie etwas. Sie kannte diesen Ort! „Nein, bitte nicht!", flüsterte sie, als sie wieder klar denken konnte. Dieses Zimmer, dieses Bett - das war ihr Zimmer. Sie war zurück auf das Anwesen gebracht worden! Sie wollte diesen Ort niemals wiedersehen und ihr Leben neu aufbauen, doch nun holte sie ihre Vergangenheit ein. Sie wollte nicht hier sein, sie wollte hier weg. Panisch versuchte sie aufzustehen, doch etwas stimmte nicht. Sie war am Handgelenk mit einem Strick an einem Haken am Bett fest angekettet worden. Sie rüttelte daran, doch es war zu fest. „Hilfe! Bitte hilf mir!", schrie sie und brach in Tränen aus. Warum hatte man sie wieder zurückgebracht? Warum konnte Joshua sie nicht einfach gehen lassen? Hilflos und verzweifelt versuchte sie immer wieder, sich los zu reißen doch gab es nichts, dass sie an ihrer Situation ändern konnte, es ließ sich nicht abreißen. Plötzlich öffnete jemand die Zimmertür. Joshua. „Hallo, meine Liebste, hattest du Spaß?" Da war es wieder. Dieser Unterton in seiner Stimme, den sie so gut kannte. Dieser beängstigende Unterton, den er immer hatte kurz bevor er wieder wütend wurde. „Du hast dir ja etwas Schönes Aufgebaut, nicht wahr? Eine Arbeit und diese Gruppe mit der du so oft ausgehst. Denkst du wirklich, dass das deine Freunde sind? Und dieser Mann von der Geburtstagsfeier, wie heißt er noch einmal - Michael - war auch dabei. Bist du jetzt eine Hure, Amy?" „Nein, Joshua! Bitte lass mich gehen!„ flehte sie ihn mit zittriger Stimme an. Er lachte, sah sie an und schlug ihr ins Gesicht. „Ich habe dir gesagt, dass du mir gehörst und das ich dich überall finden werde, Amy. Versuche nie wieder mich zu verlassen!", sagte er mit lauter und bestimmter Stimme und verließ den Raum. „Joshua, Joshua! Mach mich hier los!", rief sie ihm nach. Es kam ihr vor wie eine Ewigkeit bis er wiederkam. Er holte den Schlüssel aus seiner Hosentasche und machte sie los. „Danke." „Du hat dir beim Sturz auf die Straße den Knöchel verstaucht, mein Schatz. Der Arzt kommt nachher nochmal nach dir schauen. Er hat dir Medikamente verabreicht gegen die Schmerzen!" Ihr Knöchel tat tatsächlich weh, aber sollte ein verstauchter Knöchel nicht unheimlich schmerzhaft sein? Warum sorgte er sich darum, schließlich war es seine Schuld, dass sie jetzt einen verstauchten Knöchel hatte. „Ich komme nachher noch mal nach dir schauen und bringe dir dein Essen. Ich will ja nicht, dass du dich überanstrengst und die Treppen runter gehen musst. Wer weiß auf was für Gedanken du dabei noch kommst?" Er ging und schloss die Zimmertür hinter sich ab. Nun war sie genau an dem Punkt wie vor ein paar Wochen. Eingeschlossen in einem Zimmer von einem Mann, der sie geschlagen hatte, nur weil sie etwas Freiheit wollte. War alle ihre Mühe, ihr Leben in Ordnung zu bekommen, umsonst? Sie war verzweifelt. Vielleicht könnte sie Michael anrufen und er würde ihr helfen, aber wo war ihre Tasche? Sie versuchte vom Bett aufzustehen und humpelte zum Fenster um die Vorhänge aufzuziehen. Dort erwartet sie der nächste Schock - Joshua hatte Gitter am Fenster anbringen lassen! Es gab keinen Weg mehr ihm noch einmal zu entkommen. Aber sie fühlte sich auch viel zu benommen, einen erneuten Fluchtversuch zu planen. Auch war ihr etwas schwindelig. Niemals hatte sie erlebt, dass ein Schmerzmittel solche Wirkung auf sie hatte. Sie legte sich wieder auf ihr Bett um sich auszuruhen. Sie musste eingeschlafen sein, sie erschrak, als die Tür aufging. Sie hatte gar nicht gehört, dass aufgeschlossen wurde. Sie fühlte sich schon etwas besser, vielleicht war sie auch nur übermüdet gewesen. Vor ihr stand Joshua mit einem Arzt. „Amy, das ist Dr. Johnson. Ich hatte dir ja gesagt, dass er heute noch zu dir kommen wollte." Amy schaute sich den Arzt ganz genau an. Joshua schien ihn schon länger zu kennen, denn er redete ihn beim Vornamen, Robert, an. „Amy, du bist etwas unglücklich gestürzt und hast dir eine leichte Prellung zugezogen, es ist also nichts Ernstes. Das wird in ein paar Tagen wieder. Allerdings gebe ich Joshua Medikamente mit, die du nach dem Essen nehmen musst und auch ein Medikament, das deinem Immunsystem hilft, da du sehr unterkühlt warst. Du warst nachts unterwegs und nicht dem Wetter entsprechend gekleidet." Amy hörte ihn zu, verstand aber nicht, warum er das sagte. Man hatte sie entführt, sie war nicht die ganze Nacht unterwegs gewesen und unterkühlt war sie auch nicht. Aber er war ja Arzt, er musste wissen, was er sagte. Vielleicht war sie wirklich unterkühlt gewesen? Aber sie merkte ja nichts davon. Er wies sie nochmal darauf hin, dass sie sich ausruhen musste, dann verabschiedete er sich und ging mit Joshua raus. „Ich danke dir nochmal, Robert! Hier ist dein versprochenes Geld. Ich bin sicher, dass es ihr bald besser gehen wird!", sagte Joshua mit einem Lächeln im Gesicht. Ein Angestellter brachte ihn noch zur Tür. „Denk daran Joshua, eine Tablette morgens und eine abends, dann wirkt sie hervorragend", sagte er noch bevor er ging. Kurze Zeit später ging Joshua erneut zu Amy um ihr etwas zu Essen zu bringen. Amy sah ihn verwundert an. Machte das nicht normalerweise sein Personal, warum machte er das nun selbst? „Ich bringe dir etwas zur Stärkung, meine Liebe! Ich bleibe noch etwas bei dir, damit du nicht so allein bist!" Amy wollte eigentlich allein sein, doch wollte sie ihm das nicht sagen. Er war gerade so freundlich zu ihr und zeigt sich wieder von seiner lieben und fürsorglichen Seite. Diese Seite liebte sie an ihm. Er beobachtet sie mit Adleraugen. Jeden Bissen, den sie nahm und jeden Schluck, den sie trank war unter seiner Beobachtung. War er wirklich nur besorgt um sie? Für einen Augenblick vergaß sie den Schmerz den er ihr zugefügt hatte und empfand etwas wie Zuwendung für ihn. Sie war verwirrt. Sie hasste ihn für das, was er ihr antat und doch hatte er auch eine liebevolle Seite die, wenn er sie zeigte, sie sehr an ihm mochte. „Vergiss nicht, deine Tablette zu nehmen, sie wird dir helfen!", sagte er zu ihr. Er sah ganz genau hin als sie die Medizin nahm. Doch sie dachte sich nichts weiter dabei. Er nahm ihr Tablett, gab ihr noch ein Kuss auf die Stirn und ging. Nun war sie wieder allein. Eigentlich wollte sie noch nicht, dass Joshua ging, aber sie musste sich ausruhen. Sie fand seine Gesellschaft gerade angenehm, weil sie sich doch etwas einsam fühlte in ihrem Zimmer. Sie war den ganzen Morgen schon allein, da wäre etwas Unterhaltung schön gewesen. Nach einer Weile wurde ihr wieder schwindelig und sie wurde auf einmal sehr müde. Erneut musste sie sich hinlegen um zu schlafen. Das musste an den Medikamenten liegen, ansonsten konnte sie sich nicht erklären, warum sie andauernd so müde war. Als sie wiedererwachte, war sie immer noch etwa benommen, doch sah sie eine Silhouette vor ihr sitzen. Als ihr Blick wieder etwas klarer wurde, erkannte sie Joshua. „Du hast sechsunddreißig unbeantwortete Anrufe auf deinem Handy! Wer hat dir gesagt, dass du ein Handy haben kannst? Lass mich raten - es war Michael." Amy sah ihn erschrocken und verängstigt an. Sie hatte, als sie noch bei ihm lebte, nie ein Handy gehabt. Sie konnte es damals nicht verstehen und wollte es jetzt auch nicht verstehen. Aber trotz allem hatte sie Angst vor seiner Reaktion, er hatte wieder diesen drohenden Unterton in seiner Stimme. „War er gut, Amy?", schrie er sie an. „Joshua, bitte, so war es nicht! Ich habe bei ihm gewohnt, mehr nicht!„ Ihre Stimme zitterte aber sie musste versuchen ihn zu beruhigen. „Bist du jetzt eine kleine Schlampe geworden? Ich werde dir schon zeigen, bei wem du wohnst und wem du zu gehorchen hast!„ Er kam auf sie zu, schnallte seinen Gürtel ab und schlug damit immer wieder auf sie ein. Amy hielt sich die Arme vor das Gesicht und schrie fürchterlich. Er traf sie mit dem Gürtel wiederholt an ihren Oberschenkeln und ihre Leiste. Es schmerzte so sehr, aber er hörte nicht auf. Nach einiger Zeit ließ er erschöpft seinen Gürtel auf den Boden fallen und setzte sich in den Sessel. Er schlug die Hände über den Kopf und versuchte sich wieder zu fangen. „Siehst du, was ich jetzt mache, Amy?„ schrie er und warf das Handy gegen eine Wand. Amy erschrak als das Handy in kleine Stücke zersprang. Er hob die SIM-Karte auf und zerschnitt sie. „Dazu hast du mich getrieben! Warum musst du immer gegen die Regeln verstoßen? Und Michael - den gibt es für dich nicht mehr - nie wieder! Hast du mich verstanden?" Auf einmal stand er auf und lief wie ein Tiger in dem Zimmer auf und ab. Man sah ihm an, dass er um seine Fassung kämpfte. Amy saß immer noch zusammengekauert auf ihrem Bett, weinte und beobachtete sein Verhalten. Er schaute sie an, ging zu ihr und schubste sie so, dass sie auf dem Bett lag. Er griff nach ihrer Hose und zog sie runter. Amy versuchte sich zu wehren und strampelte mit den Beinen. Doch dann beugte er sich über sie, ergriff sie beim Hals und flüsterte ihr ins Ohr „Du gehörst nur mir!". Ihre Angst war unerträglich und Tränen rollten über ihr Gesicht. Sie fühlte sich paralysiert und ließ ihn einfach machen. Eine Chance ihn zu entkommen hatte sie nicht. Sie fühlte sich dreckig und eklig je mehr er ihren Körper berührte, und je tiefer er in sie eindrang desto mehr wünschte sie sich einfach zu sterben. Dann hätte das endlich ein Ende. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, aber irgendwann ließ er endlich von ihr. Er verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. „Joshua, bitte ... lass mich hier raus! Bitte!" Sie weinte und fühlte sich hilflos. Warum suchte Michael nicht nach ihr? Warum half ihr niemand? Was hatte sie Joshua jemals getan, dass er sie so behandelte?
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