Ich rannte, bis das Rudelhaus weit hinter mir lag, mein Wolf heulte laut in meinem Kopf und drängte mich voran. Meine Beine brannten, und mein Körper schmerzte von der langen Tagesarbeit, aber ich hielt nicht an. Ein Teil von mir wünschte, das Laufen könnte alles beenden – wünschte, ich könnte einfach weiterlaufen, bis ich umfiel und diesen Schmerz nicht mehr fühlen musste. Aber ich drängte weiter voran, die Füße stampften gegen die Erde, ohne mich zu kümmern, wohin ich lief. Als ich schließlich langsamer wurde, war die Nacht tiefer geworden, wahrscheinlich nahe Mitternacht. Ich fand einen kräftigen Baum und kletterte hinauf, legte mich auf einen breiten Ast und hoffte, im Schlaf nicht herunterzurollen. Die Erschöpfung traf mich hart, zog mich hinunter, und ich versuchte nicht einmal, die Tränen aufzuhalten, die über mein Gesicht strömten, während ich einschlief.
Am nächsten Morgen wachte ich vom Zwitschern der Vögel und dem Rascheln kleiner Tiere im Unterholz auf. Ich hatte nichts bei mir – kein Essen, keine Vorräte – nur mich und meinen Wolf. Ich würde mich auf sie verlassen müssen, um das durchzustehen. Ich glitt vom Baum herunter, landete weich auf dem Boden und atmete tief durch. „Also gut, Alexa“, murmelte ich zu meinem Wolf durch unsere Gedankenverbindung, „lass uns das machen.“ Es war unsere erste Verwandlung, und ich stellte mich auf den Schmerz ein, von dem alle immer sprachen – die knackenden Knochen, die reißenden Muskeln. Aber er kam nie. Stattdessen veränderte sich mein Körper in einer einzigen fließenden Bewegung. Wo meine Beine gewesen waren, standen ihre Pfoten, silbernes Fell glänzte im Morgenlicht. Ich hatte kaum Zeit, es zu verarbeiten, bevor Alexa losstürmte, ihre Instinkte übernahmen.
„Wir brauchen Essen“, sagte ich zu ihr, meine Stimme hallte in unserem gemeinsamen Geist wider. Sie musste es nicht zweimal hören. Wir bewegten uns durch den Wald, ihre Sinne scharf, erfassten jedes Geräusch und jeden Duft. Es dauerte nicht lange, ein paar Kaninchen aufzuspüren. Alexa sprang zu, schnell und präzise, und wir rissen sie auf, der rohe Geschmack erdete uns im Moment. Es war nicht viel, aber es reichte, um uns weiterzubringen. Nachdem wir gegessen hatten, spürte ich Alexas Aufregung aufsteigen. „Los“, sagte ich zu ihr und lächelte innerlich. „Lauf. Lass uns sehen, was du draufhast.“
Sie zögerte nicht. Wir rasten durch die Wälder, ihre Pfoten berührten kaum den Boden, der Wind strömte an uns vorbei. Zum ersten Mal seit langer Zeit ließ ich mich entspannen, ließ sie die Kontrolle übernehmen, während ich einfach … existierte. Es war befreiend, auf eine Weise, sie uns tragen zu lassen, wohin sie wollte. Ich musste nicht an das Rudel denken, die Zurückweisung oder das Chaos, das ich hinterlassen hatte. Für eine Weile waren wir nur wir und der Wald.
Als Alexa schließlich langsamer wurde, bemerkte ich einen See voraus, sein Wasser so klar, dass es wie Glas aussah. „Wow, schau dir das an“, sagte ich durch die Gedankenverbindung, meine Stimme weich vor Ehrfurcht. Alexa schlich näher, ihre Pfoten lautlos auf der weichen Erde, bis wir den Rand des Sees erreichten. Ich erblickte ihr Spiegelbild im Wasser, und mir stockte der Atem. Sie war ein silberner Wolf, ihr Fell schimmerte wie Mondlicht, mit weißen Flecken, die sich hindurchzogen. „Du bist wunderschön“, flüsterte ich, überwältigt. Silber- und weiße Wölfe waren selten – fast unhörbar. Ich hatte nie einen persönlich gesehen, und jetzt stand ich hier und starrte auf meinen eigenen Wolf. „Wir sind selten, Alexa. Wusstest du das?“
Sie stieß ein tiefes, zufriedenes Knurren aus, ihr Stolz hallte durch unsere Bindung. Ich lehnte mich in meinem Geist zurück, ließ sie dort stehen und den Anblick von sich selbst aufnehmen. Ein Gedanke formte sich, langsam und zögernd. „Dieser Ort“, sagte ich, meine Stimme leise, aber bestimmt. „Er könnte uns gehören, weißt du? Irgendwohin, wohin wir kommen können, wenn alles zu schwer wird. Ein Heiligtum.“ Alexas Zustimmung summte durch mich, warm und stetig, und für einen Bruchteil einer Sekunde vergaß ich den Stich der Zurückweisung, das Gewicht, ausgestoßen zu sein. Es waren nur ich, mein Wolf und dieser perfekte, stille Moment.
„Hey, Alexa“, sagte ich, ein kleines Lächeln zupfte an meinen Gedanken. „Glaubst du, wir könnten für immer hier draußen bleiben? Nur du und ich, jagen, rennen, niemand, der uns sagt, was wir tun sollen?“ Sie gab ein verspieltes Jaulen als Antwort, ihr Schwanz wedelte. „Ja, ich weiß“, lachte ich leise. „Wahrscheinlich nicht realistisch. Aber es ist schön, zu träumen, oder?“
Ihre Ohren zuckten, und ich spürte, wie sie sich unter mir anspannte, ihr Körper wachsam. „Was ist los?“ fragte ich und musterte die Bäume durch ihre Augen. Der Wald war still, zu still, und ein Prickeln der Unruhe lief durch mich. „Nur der Wind, wahrscheinlich“, sagte ich und versuchte, es abzuschütteln. Ich zwang ein Lachen hervor, aber es fühlte sich hohl an. „Komm schon, werde jetzt nicht ganz zappelig.“
Dann hörte ich es – ein Rascheln, scharf und absichtlich, wie trockene Blätter, die unter einem Fuß knirschten. Alexas Kopf schnellte herum, ihre Augen verengten sich, während sie nach der Quelle suchte. „Ruhig, Mädchen“, flüsterte ich, aber mein Herz begann zu rasen. „Es ist nichts. Nur ein Eichhörnchen oder so etwas, oder?“
Aber bevor ich mich überzeugen konnte, raste etwas in uns hinein, hart und schnell. Die Kraft schleuderte uns fort, die Welt kippte, als wir mit einem dumpfen Aufprall auf den Boden trafen. Ich keuchte, versuchte zu begreifen, was geschah, aber was auch immer es war, pinte uns fest, bevor wir reagieren konnten, und hielt uns dort mit einer Kraft, die wir nicht abschütteln konnten.
Es war ein großer grauer Wolf, der mich festhielt, sein Gewicht schwer und unnachgiebig. Ich wand mich darunter, rief all meine Kraft herbei, um ihn abzuschütteln. Alexa knurrte in meinem Kopf, ihre Instinkte befeuerten meinen Kampf. Der Wolf wich nicht leicht, aber ich schaffte es, ihn zurückzuschleudern, nur damit er erneut auf mich zukam. Wir prallten aufeinander, Zähne schnappten, Krallen schlugen zu, Körper krachten in einer Unschärfe aus Fell und Wut ineinander. Dann, in einem Augenblick, verwandelte sich der Wolf. Wo das Biest gewesen war, stand eine große, schlanke Frau mit blondem Haar, ihre Augen auf mich gerichtet mit einer Intensität, die meine Haut prickeln ließ.
„Verwandle dich“, befahl sie, ihre Stimme fest, aber nicht grausam.
Ich blieb stehen, Trotz stieg in meiner Brust auf. Alexa knurrte zustimmend, und ich starrte die Frau an. „Ich bin nicht hier, um dir zu schaden“, sagte sie, ihr Ton etwas weicher. „Jetzt verwandle dich, Rogue.“
Das Wort traf mich wie ein Schlag. „Ich bin kein Rogue“, zischte ich und ließ die Verwandlung mich zurück in meine menschliche Form nehmen. Meine Stimme zitterte vor Wut, während ich dort stand, die Fäuste geballt. „Ich bin keiner.“