Die Nacht war bereits fortgeschritten, aber Adrian konnte nicht schlafen. Sein Geist war ein chaotisches Durcheinander, spielte den Moment, in dem er Ashley zurückgewiesen hatte, immer und immer wieder ab – den Stich seiner Hand, als sie ihr Gesicht traf, den Verrat in ihren Augen, als sie sich umdrehte und rannte. Katrina war noch da, schwebte in der Nähe, ihre Stimme weich und überredend, während sie versuchte, eine weitere Ausrede zu finden, um ihn am Gehen zu hindern. „Adrian, du musst bleiben“, sagte sie, ihr Ton fast flehend. „Du bist aufgebracht. Lass mich dir helfen.“
Aber er konnte es nicht ertragen, das zu hören. Ihre Worte fühlten sich wie Ketten an, die versuchten, ihn an einen Fehler zu fesseln, den er nicht ungeschehen machen konnte. Ohne zu antworten, ging er aus dem Rudelhaus, die Tür schwang hinter ihm zu. Sein Wolf, normalerweise eine ständige Präsenz in seinem Geist, war verstummt, hatte sich so weit zurückgezogen, dass Adrian sich hohl fühlte. Es erschreckte ihn. Ein Alpha ohne Wolf? „Verdammt dumm“, murmelte er unter seinem Atem, seine Stimme d**k vor Selbsthass. „Was habe ich mir gedacht?“ Er hatte Alessandros Lügen und Katrinas Manipulationen sein Urteil trüben lassen, und jetzt zahlte er den Preis. Er beschleunigte seinen Schritt, seine Stiefel knirschten gegen den Boden, während er sich ohne klares Ziel bewegte, angetrieben nur von dem Bedürfnis, seinen eigenen Gedanken zu entkommen.
Die Stille seines Wolfes war ohrenbetäubend. Ohne diese Verbindung konnte er Ashley nicht spüren, konnte sie in seiner menschlichen Form nicht aufspüren. Das war die Fähigkeit eines Wolfes, und seiner hatte ihn vollständig ausgesperrt, bestrafte ihn für das, was er getan hatte. Er blieb am Waldrand stehen, seine Brust eng, und stieß einen zitternden Seufzer aus. Das Gewicht seiner Taten lastete auf ihm, schwer und unnachgiebig. Schritte näherten sich von hinten, und er drehte sich um und sah Lucas, seinen Beta, dort stehen, sein Ausdruck vorsichtig, aber besorgt.
„Adrian“, sagte Lucas, seine Stimme leise. „Es ist spät. Du hast morgen dieses Treffen mit Alessandro, bevor er abreist. Es ist bereits angesetzt. Du musst dich ausruhen.“
Adrians Kiefer spannte sich an, seine Hände ballten sich zu Fäusten. Ausruhen? Wie konnte er sich ausruhen, wenn seine ganze Welt sich anfühlte, als fiele sie auseinander? Er wollte Lucas anfauchen, ihn packen und verlangen, ob er nicht gesehen hatte, was geschehen war – ob er nicht begriff, was die Zurückweisung Ashleys ihn kosten konnte, das Rudel kosten konnte. Verstand denn niemand die Tragweite davon? Aber stattdessen drehte er sich um und begann zurück zum Rudelhaus zu gehen, seine Schritte schwer vor Resignation.
Katrina wartete an der Tür, ihr Gesicht erhellte sich, als sie ihn sah. „Adrian!“ rief sie und rannte auf ihn zu, ihre Arme ausgestreckt, als dächte sie, sie könnte alles mit einer Umarmung in Ordnung bringen. Aber er streifte an ihr vorbei, warf ihr nicht einmal einen Blick zu und ging geradewegs nach oben. Ihre Schritte folgten, schnell und beharrlich, aber er erreichte sein Zimmer und knallte die Tür zu, schloss sie ab, bevor sie ein weiteres Wort sagen konnte. Er wollte ihre Stimme nicht hören, ihre Ausreden, ihre Lügen – nicht heute Nacht.
Am nächsten Morgen schleppte sich Adrian aus dem Bett, sein Körper schmerzte von einer unruhigen Nacht. Sein Geist war noch immer ein Sturm aus Reue und Zorn, aber er musste dem Tag ins Auge sehen. Er machte sich auf den Weg zu seinem Büro für das Treffen mit Alessandro, dem Mann, dessen Lügen geholfen hatten, dieses Desaster zu entfachen. Lucas war bereits da, und bald kam Alessandro mit seinem Beta an, ihre Anwesenheit füllte den Raum mit Spannung. Sie setzten sich alle, aber die Luft war schwer, als wartete jeder darauf, dass etwas zerbricht.
Alessandro wartete nicht lange, bevor er sprach, seine Stimme triefte vor falschem Mitgefühl. „Schwere Nacht, hm, Adrian? Du siehst aus, als würdest du das Gewicht der Welt tragen. Magst du teilen, was dich so durcheinandergebracht hat?“
Adrians Kiefer verkrampfte sich, seine Hände umklammerten die Armlehnen seines Stuhls. „Wir sind wegen etwas anderem hier“, sagte er, seine Stimme angespannt, während er kämpfte, sein Temperament im Zaum zu halten. Er würde Alessandro nicht erlauben, ihn dazu zu reizen, die Kontrolle zu verlieren – noch nicht.
„Oh, richtig, Geschäftliches“, sagte Alessandro und lehnte sich mit einem selbstgefälligen Grinsen zurück. „Aber so etwas? Das ist was für echte Männer. Das lässt mich wünschen, dein Vater wäre noch da. Er wüsste, wie man mit Dingen richtig umgeht.“ Seine Worte waren durchzogen von Spott, jedes einzelne ein absichtlicher Stich, der unter Adrians Haut graben sollte.
Adrians Hände zitterten, sein Zorn stieg wie eine Flutwelle. Er griff den Stuhl fester, versuchte, sich zu erden, aber Alessandro machte weiter. „Ich habe mich wirklich auf dieses Bündnis gefreut, Junge“, sagte er, sein Ton herablassend. „Aber wenn du nicht einmal dein eigenes Chaos – dein eigenes Rudel – in den Griff bekommst, wie willst du dann mit mir zusammenarbeiten? Du bist nur ein Junge, der Alpha spielt.“
Das war der letzte Tropfen. Adrian schoss auf die Füße, sein Stuhl schabte zurück, während seine Augen vor Wut loderten. „Du schamloser Drecksack“, brüllte er, packte Alessandro am Kragen und riss ihn nah heran. „Was sind deine Absichten? Was hast du mit meiner Gefährtin gemacht?“
Alessandro zuckte nicht einmal. Er stieß ein tiefes, dunkles Lachen aus, seine Augen glitzerten vor Belustigung. „Deine Gefährtin? Du meinst die, die du zurückgewiesen hast? Ach, komm schon, Adrian. Ich werde mir nicht die Hände schmutzig machen mit einem matelosen kleinen Alpha wie dir.“ Er lehnte sich näher, seine Stimme sank zu einem bedrohlichen Flüstern, sein Atem heiß gegen Adrians Gesicht. „Aber du solltest besser aufpassen, Junge.“ Mit einem schnellen Ruck riss er sich aus Adrians Griff, drehte sich zum Gehen, sein Beta folgte ihm wie ein treuer Hund.
Adrians Brust wogte, sein Zorn kochte über in etwas Unkontrollierbares. Ohne nachzudenken, griff er den nächsten Stuhl und schleuderte ihn quer durch den Raum. Er zerschmetterte gegen die Wand mit einem lauten Krach, splitterte in Stücke. Lucas stand erstarrt, seine Augen weit vor Schock, aber bevor er etwas sagen konnte, flog die Tür auf. Katrina stürmte herein, ihr Gesicht blass, ihre Stimme hektisch. „Adrian!“ schrie sie und griff nach ihm, als könnte sie den Sturm in ihm beruhigen.
Aber sein Wolf, seit letzter Nacht still, wählte diesen Moment, um an die Oberfläche zu drängen. Ein tiefes, kehliges Knurren riss aus seiner Kehle, gerichtet direkt auf Katrina. Sie erstarrte, ihre Hände sanken, während sie einen Schritt zurücktrat, ihre Augen weit vor Angst. Lucas trat vor, seine Stimme scharf. „Adrian!“
Adrian wirbelte zu ihm herum, seine Augen leuchteten mit der rohen Kraft seines Wolfes. „Ich bin dein Alpha“, knurrte er, seine Stimme tief und gefährlich, jedes Wort schwer von Autorität. „Von diesem Tag an nennst du mich nicht mehr Adrian.“ Er entließ seine Alpha-Aura, das Gewicht davon drückte auf den Raum wie eine physische Kraft. Lucas und Katrina verstummten, ihre Köpfe neigten sich, während sie die Hälse entblößten in Unterwerfung, unfähig, dem Befehl ihres Alphas zu widerstehen.
Adrians Blick wandte sich zu Katrina, sein Atem schwer, während er näher trat. Sie schrumpfte unter seinem Starrblick, ihr übliches Selbstvertrauen zerfiel unter dem Gewicht seines Zorns. Zum ersten Mal sah er sie anders – nicht als die loyale Freundin, der er immer vertraut hatte, sondern als etwas anderes. Etwas Manipulatives, etwas Gefährliches. Sein Wolf knurrte zustimmend und drängte ihn, die Wahrheit zu sehen, für die er zu lange blind gewesen war.
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und bewegte sich zum Fenster. In einer einzigen schnellen Bewegung sprang er, verwandelte sich mitten in der Luft in seine Wolfsform. Seine Pfoten trafen den Boden, und er raste los, rannte durch die Wälder ohne Richtung, ließ seinen Wolf ihn tragen, wohin er auch wollte.