Kapitel 2: Die Reise ins Ungewisse Seite 1

1502 Words
"Ich gebe dir den Wagen unbeschädigt zurück und tanke ihn noch einmal voll!" "Hey, Michael, das kannst du nicht machen. Das ist mein Auto!" "Natürlich kann ich das, du schuldest mir etwas! Oder soll Mr. Donovan erfahren, wer seine Tochter wirklich schwanger gemacht hat? Das kostet dich deinen Job, und ich erhalte eine Beförderung, Carl. Du hast die Wahl!" Carl starrte Michael schockiert an und reichte ihm widerwillig die Autoschlüssel. Michael schaute ihn an, nahm die Schlüssel und grinste. "Ich sehe, wir sind uns einig." Dann stieg er in den grünen, etwas heruntergekommenen Land Rover und fuhr vom Grundstück. Er wusste, dass er früher oder später etwas von Carl für seine Verschwiegenheit erwarten konnte, wenn es darum ging, die Affäre zwischen ihm und der Tochter seines Chefs geheim zu halten. Jetzt, wo sie schwanger war - und nicht von ihrem Verlobten -, würde die Wahrheit nicht nur seinen Job, sondern auch seine eigene Familie gefährden. "Christine, ich habe eine Überraschung für dich!" "Warum bist du so aufgeregt, Mike? Was hast du?" "Schließ deine Augen und gib mir deine Hand." Sie folgte seinen Anweisungen und er führte sie vor die Tür. "Oh mein Gott, Michael! Wo hast du das her?" rief sie aus, als sie die Augen wieder öffnen durfte. "Ein Arbeitskollege schuldet mir noch etwas. Ich habe ihn mir geliehen, bis wir wieder zurück sind. Jetzt musst du dir keine Sorgen mehr machen, okay?" Er lächelte und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Möge dieser Wagen bis nach Idaho halten und vor allem auch die Rückfahrt überstehen", bemerkte Maria aus dem Hintergrund. Ihre Begeisterung für das Auto hielt sich in Grenzen. Die beiden schauten sie verwundert an. Warum war sie immer so negativ eingestellt? Ja, das Auto war alt und sah schon ziemlich mitgenommen aus, aber zumindest war es vorerst eine Lösung für ihr Problem. "Ich erinnere mich nicht daran, dass du eine bessere Lösung hattest", sagte Michael und warf Maria einen abwertenden Blick zu. Warum musste sie immer alles schlechtreden? Was hatte sie davon? "Du bist großartig. Was würde ich nur ohne dich tun?" Christine war überglücklich. Sie strahlte, klatschte in die Hände und umarmte Michael so fest, dass er dachte, er bekäme keinen Atem mehr. Dann war es wieder da, dieses Knistern zwischen ihnen. Sie schauten sich tief in die Augen, und dann passierte es. Christine küsste ihn. Dieser Moment war längst überfällig, und Michael genoss jede Sekunde davon. Lange genug hatte er daran gezweifelt, dass der Kuss von damals sich jemals wiederholen würde. Doch nun war er da, und er konnte es nicht glauben. Es schien nur ein paar Minuten gedauert zu haben, bis er Christine so fest umarmte wie nie zuvor. Er wollte diesen Moment so lange wie möglich genießen und sie am liebsten nie wieder loslassen. Christine löste sich allmählich von seinen Armen und ging ein paar Schritte verlegen zurück. "Entschuldige! Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist. Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren. Wir sollten die Reise planen." Er zog sie wieder an sich und küsste sie. "Ich weiß, aber..." "Komm schon, Mike!" Sie nahm seine Hand und zog ihn zum Schreibtisch, an dem sein PC stand. Sie suchten im Internet nach einer Route und einer preisgünstigen Unterkunft. "Christine, ich bin gleich wieder da. Ich muss nur kurz weg!" rief Maria, doch die beiden waren so in ihre Recherchen vertieft, dass sie sie überhörten. Maria schnappte sich noch schnell ein paar Unterlagen und schlug die Tür hinter sich zu. "Maria? Maria?" rief Christine aus dem Büro heraus, aber sie erhielt keine Antwort. "US Weekly. Sie sprechen mit Miss Stanford. Wie kann ich Ihnen helfen?" "Hi, ich hätte gern mit Jonathan Hampton gesprochen. Hier ist Maria Martinez." "Einen Moment, ich verbinde Sie." "Hampton!" "Jonathan, hier ist Maria. Maria Martinez. Erinnerst du dich noch an mich?" "Maria, lange ist es her. Natürlich erinnere ich mich. Wie könnte ich dich nur vergessen?" "Jonathan, könnten wir uns sehen, nur der alten Zeiten wegen? Ich brauche wirklich jemanden jetzt, und ich denke, du kannst mir helfen." "Maria, ich weiß nicht. Nach allem, was zwischen uns war, ich bin verheiratet. Versteh mich nicht falsch, aber ich finde es nicht so eine gute Idee." "Jonathan, ich benötige dringend deine Hilfe. Denke bitte daran, dass du durch mich zu dem geworden bist, was du heute bist. Du schuldest mir etwas!" Er verstummte ein paar Sekunden lang. "Also gut. Vierzehn Uhr im Café De Mama in 1102 S Western Ave. Ich warte da." Sie hörte nichts mehr außer einem Klacken; er hatte aufgelegt. Als sie das Internetcafé verließ, schaute sie noch einmal auf die Uhr. Es war gerade mal zwölf Uhr, und das Café De Mama war nicht allzu weit entfernt. Was sollte sie hier noch zwei Stunden machen? Wenn sie jetzt zurückginge, würden Christine und Michael vielleicht fertig mit ihren Plänen sein und sie ausfragen, wo sie war. Was sollte sie ihnen sagen? Und würde sie es wieder schaffen, sich spontan den beiden zu entziehen? Sie musste sich etwas einfallen lassen, um sich die Zeit zu vertreiben. Das sollte auch nicht allzu schwer sein. Schließlich war sie ja in Kalifornien, und da gab es immer jede Menge zu tun. Mit ein paar Einkaufstüten ging Maria um kurz vor vierzehn Uhr zum Café De Mama. Sie bevorzugte es draußen zu sitzen und bestellte sich erst einmal einen Kaffee. "Jonathan, lange ist es her. Wie geht es dir? Und du siehst noch genauso gut aus wie damals." Sie nickte ihm zu und deutete auf den freien Stuhl neben ihr. Jonathan setzte sich und wedelte mit der Hand, um den Kellner auf sich aufmerksam zu machen. „Bringen Sie mir bitte einen Kaffee mit Milch und ein Stück Apfelkuchen!“, bat er in einem ruppigen Ton. "Jonathan, du arbeitest noch für die US Weekly, wie ich weiß. Erinnerst du dich an diesen Sänger? Wie hieß er doch gleich? Er ist verhaftet worden. Joshua ... wie hieß er doch weiter?" "Maria, rede nicht um den heißen Brei herum. Du hast mich nicht hergeholt, weil du über alte Geschichten reden wolltest. Also, was willst du?" "Ich will den Namen seiner Schwester. Ich wurde beauftragt, ihr etwas zu überbringen, von meinem Vater aus. Und er sagte mir, dass du wahrscheinlich noch ihre Kontaktdaten hast." "Darf ich fragen, was genau es ist, dass du ihr überbringen willst?" "Das wirst du zum späteren Zeitpunkt erfahren, nicht jetzt." "Das hört sich sehr nach einer neuen Story an. Ich mache dir einen Deal. Ich helfe dir und lasse dir die Adresse zukommen, solange du mich noch auf dem Laufenden hältst, okay? So hast du, was du willst, und ich eine eventuelle neue Schlagzeile, okay?" Er war noch nicht fertig mit seinem Apfelkuchen, als sie Geld für ihren Kaffee auf den Tisch legte. Schnell schrieb sie noch etwas auf eine Serviette und stand auf. "Dort steht die Rufnummer, unter der du mich erreichst. Beeile dich, es ist dringend!" Er schaute sich noch einmal nach ihr um, aber sie war in der Menschenmasse verschwunden. "Hola, ich bin wieder hier!" rief sie, als sie Michaels Wohnung betrat. "Maria, da bist du ja. Packe bitte alle deine Sachen zusammen, wir fahren morgen weiter." Maria war etwas irritiert; das ging auf einmal alles sehr schnell – viel zu schnell. Was sollte sie jetzt machen, wenn Jonathan sie sehen wollte? Und was ist, wenn er anrief? "Morgen Abend fahren wir los. Michael hat eine Route, die sich ziemlich gut anhört. Da können wir zwischenzeitlich auch mal etwas halt machen und vielleicht ein paar Sehenswürdigkeiten besichtigen. Was meinst du?" "Perfekt!" Maria lächelte, doch innerlich hätte sie sich gewünscht, dass sie noch etwas länger bleiben könnten, wenigstens genug Zeit, um noch mehr Informationen zu erhalten. Schnell eilte sie in ihr Zimmer und begann, ein paar Sachen zusammenzupacken. Als sie Christine hörte, wie sie mit Michael sprach, und dann die Tür ins Schloss fiel, holte sie schnell das Einweghandy aus der Tasche, das sie vorhin gekauft hatte, und rief Jonathans Büro an. "U.S. Weekly, Sie sprechen mit Herrn Hampton." "Jonathan, ich bin's, Maria. Wir haben keine Zeit mehr. Ich fahre morgen mit Christine weiter. Wir fahren nach Idaho morgen Abend." "Dann willst du die Sache abblasen? Ich habe gerade die Kontaktdaten von Denise Johnson auf dem Tisch liegen." "Nein, natürlich will ich es nicht abblasen. Du musst sie noch heute anrufen und sie morgen um ein Treffen bitten." "Maria, du setzt mich ganz schön unter Druck. Was bekomme ich denn dafür?" In seiner Stimme war eindeutig zu hören, dass er mehr wollte als nur eine neue Schlagzeile, und Maria wusste nur zu gut, dass er noch eine Schwäche für sie hatte. "Wenn du das für mich hinbekommst, mein Schatz, zeige ich mich nachher auch ganz dankbar. Du verstehst doch sicher, was ich meine?" Natürlich wusste er es. Er wusste, dass, wenn er ihr gab, was sie wollte, es wieder eine sehr heiße Autofahrt werden würde, und sie sicherlich an einem Rastplatz halt machen würde. "Dann zieh dir schon mal etwas Schönes an!" Mit diesen Worten beendete er das Gespräch.
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