Chapter 6

1138 Words
Ich träumte von Zähnen. Scharf. Heiß. Sie gruben sich in meinen Hals, während sein Knoten in mir anschwoll, mich offen hielt und mir Welle um Welle der Erlösung aus einem Körper entlockte, der mir nicht mehr gehorchte. Ich schreckte aus dem Schlaf hoch. Der Schweiß hatte das Fell unter mir durchnässt. Meine Beine waren verkrampft und schmerzten. Meine Brustwarzen pochten vor Kälte und Erregung. Und zwischen meinen Schenkeln – Feuchtigkeit. Eine neue, beschämende Flut davon. Keine weitere Welle der Hitze. Noch nicht. Aber fast. Zu nah. Als ich mich aufsetzte, rieb das Lederhalsband an meinem Hals. Instinktiv griff ich danach und stellte fest, dass es keine Schnalle oder Verschluss gab. Nur dickes Leder. Sein Zeichen war wie ein Brandzeichen eingebrannt. Ich trug ihn immer noch. Die Höhle war dunkel. Vom Feuer im Kamin waren nur noch glühende Kohlen übrig. Kael war weg. Aber sein schwerer, kräftiger Geruch, der aus Rauch, Kiefer und Moschus bestand, durchdrang den gesamten Raum. Und mich. Ich zog meine Knie an meine Brust und schlang meine Arme darum. Ich hielt mich zurück, nicht zu weinen. Ich wollte es. Aber ich war zu leer, um überhaupt Tränen zu finden. Stattdessen saß ich da und schaukelte langsam hin und her. Meine Oberschenkel waren klebrig von getrocknetem Sperma. Meine inneren Wände zuckten noch immer vor der Phantom-Erinnerung an seinen Knoten, der mich festhielt. Meine Lippen waren geschwollen und verletzt. Meine Haut trug seine Fingerabdrücke wie blaue Flecken, die mir in Scham tätowiert waren. Und schlimmer – schlimmer als all das – war das Verlangen. Das Verlangen. Mein Körper wollte ihn wieder. Meine Gebärmutter pulsierte leise und warm und verlangte nach einer weiteren Dosis von ihm. Nach einer weiteren Befruchtung. Nach einem weiteren Knoten. Ich wollte mich übergeben. Später quietschte die Tür, als sie sich öffnete. Ich zuckte zurück und stolperte zurück ins Bett, während sich die Felle wie Seile um mich herum verhedderten. Kael trat mit langsamer, gelassener Selbstsicherheit ein. Mit nacktem Oberkörper. Frisch gewaschen. Er hatte nasses, zerzaustes braunes Haar. Er trug ein Holztablett mit Brot, Fleisch, Obst und einem Wasserschlauch. Er sah aus wie ein Versorger. Ein Beschützer. Nicht wie der Mann, der mich vor Dutzenden von Wölfen gebrochen und erniedrigt hatte. Er stellte das Tablett auf den kleinen Tisch neben dem Bett. Ich blieb regungslos liegen. „Iss“, sagte er einfach. „Nein.“ Kael drehte sich zu mir um. Sein Blick wanderte langsam über meinen Körper. Diesmal nicht hungrig. Herausfordernd. „Iss“, wiederholte er. „Du wirst es mit Drogen versetzen.“ Er lachte – leise und amüsiert. „Ich muss dich nicht mit Drogen betäuben“, sagte er. „Dein Körper erledigt die Hälfte der Arbeit für mich.“ Ich presste meine Kiefer aufeinander. Dann griff ich vorsichtig nach der Platte, aber meine Handfläche schlug sie mit einer heftigen Bewegung um. Essen und zerbrochenes Holz waren überall verstreut, als die Schüssel zu Boden fiel. Kael erstarrte. Nur das Knistern des Feuers und das Klopfen meines Herzens waren für einen kurzen Moment zu hören. Dann bewegte er sich. Schnell. Geschmeidig. Furchterregend. Mit eiskalter Stimme beugte er sich über das Bett, packte mein Kinn und drehte mein Gesicht zu sich. „Du willst dich wie ein Balg benehmen?“, fragte er. „Dann werde ich dich auch wie eines behandeln.“ „Nimm deine Hände weg von mir ...“ Er ließ mein Kinn los, legte aber nur seine raue Hand um meinen Nacken. „Wenn du wieder mein Essen wegwirfst“, sagte er düster, „werde ich dich festbinden und dich mit meinen Fingern füttern. Stück für Stück. Vielleicht probiere ich es zuerst. Vielleicht spucke ich es dir wie einem Jungtier in den Mund.“ Ich schnappte nach Luft. Kael beugte sich näher zu mir. Ich spürte seinen Atem auf meinen Lippen. „Das wäre schön, nicht wahr?“ Ich murmelte: „Ich verachte dich.“ „Nein“, sagte er. „Du hasst es, dass du mich willst.“ Er ließ mich los und trat zurück. „Ich kann warten“, sagte er beiläufig. „Deine nächste Brunst wird dich schneller brechen, als ich es jemals könnte.“ Ich rollte mich zusammen und ballte die Fäuste. Kael kniete sich hin und begann, die Unordnung zu beseitigen, die ich angerichtet hatte. Still. Ruhig. Dieses Bild beunruhigte mich mehr als seine Drohungen. Der Alpha – er putzte wie ein Diener, während ich vor Wut und Verlangen zitterte. Als das Tablett wieder an seinem Platz stand, stand er auf. „Das nächste Mal wirst du essen.“ „Das werde ich nicht.“ Er wandte sich zum Gehen. „Dann wirst du verhungern.“ Stunden vergingen. Vielleicht sogar länger. In Kaels Höhle hatte Zeit keine Bedeutung. Die Steinwände dämpften alle Geräusche. Es gab keine Fenster. Nur das Feuerlicht, die Stille und das stetige Pochen meines Körpers, der das wollte, was meine Seele nicht akzeptieren wollte. Ich dachte an mein Zuhause. An meinen Vater – Lord Veyne – und daran, ob er mich holen kommen würde. Ob er überhaupt wusste, dass ich weg war. Ob es ihn überhaupt interessierte. Ich dachte an die Geschichten. An die alten Warnungen vor abtrünnigen Alphas wie Kael. An die brutalen Rituale der alten Rudel. An knotverrückte Omegas, die sich in ihrer Brunst verloren, bis sie ihren eigenen Namen vergaßen. Früher hatte ich ihnen keinen Glauben geschenkt. Jetzt erlebte ich sie am eigenen Leib. Mein Magen krampfte sich vor Hunger zusammen. Mein Mund war trocken. Aber schlimmer als all das war die beschämende Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln, die nicht getrocknet war. Ich wollte ihn wieder. Selbst jetzt noch. Selbst nach allem. Kurz bevor die Flammen vollständig erloschen waren, öffnete sich die Tür. Kael stand in der Tür mit einer Schüssel dampfendem Wasser und einem gefalteten Tuch. Bevor ich etwas sagen konnte, sagte er: „Ich bin nicht hier, um zu reden.“ „Ich bin hier, um dich zu säubern.“ „Ich kann mich selbst säubern.“ „Das will ich nicht.“ Er näherte sich dem Bett und kniete sich neben mich. Seine Finger griffen nach dem Unterkleid, das noch an mir klebte. Ich schlug seine Hand weg. Er hielt inne. Dann versuchte er es erneut. Ich hielt ihn nicht auf. Langsam zog er das Tuch zurück und zeigte meine Blutergüsse, die Bissspuren an meinem Oberschenkel und den Beweis für seine Behauptung zwischen meinen Beinen. Er tauchte das Tuch in Wasser und begann, mich sanft abzuwischen. Ich hasste es, wie vorsichtig er war. Ich hasste es, wie viel schlimmer das alles dadurch wurde. „Du kannst das nicht in Ordnung bringen, indem du nett bist“, sagte ich mit heiserer Stimme. „Ich versuche nicht, es in Ordnung zu bringen“, sagte er. „Was willst du dann?“ Er sah mir in die Augen. „Dich.“
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