Rebeccas Perspektive
„Oh mein Gott, Rebecca!“, schrie jemand entsetzt und riss mich augenblicklich aus dem Schlaf. Ich schreckte im Bett hoch und sah mich um. Mein Magen zog sich zusammen, als ich die Menschenmenge im Zimmer sah. Alle Augen waren auf mich gerichtet.
„Was hast du getan?“ Die Person war Diane, die neben einem mörderisch dreinblickenden Leon stand.
Ich schluckte. Was sollte das ganze Chaos? Dann sah ich an mir herab, und mein Blut gefrore in den Adern. Ich war unbekleidet. Das Einzige, was mich bedeckte, war die Bettdecke. Ich war splitternackt, während alle mich anstarrten; ihre Mienen verrieten Schock und Abscheu.
Ich hörte Murmeln. Ich hörte „Schlampe“, „Hure“, „Miststück“, aber meine Augen wichen nicht von dem Mann ab, dessen Blick sich am stärksten in mich hineinfraß.
„Leon—“,
„Alle raus, und zwar SOFORT!“, befahl er.
Niemand musste es zweimal gesagt bekommen.
Ich versuchte, nach Worten zu ringen, doch Leons Stimme dröhnte und erstickte jeden Erklärungsversuch im Keim.
„Wie kannst du es wagen?“, knurrte er, die Fäuste an den Seiten geballt. „Du hast mich verraten – unser Band, unser Vertrauen – und wofür? Um mit einem anderen Mann zu schlafen?“ Er kam auf mich zu, seine Wut war greifbar, jeder Schritt wie Donner in meinen Ohren. „Glaubst du, das ändert irgendetwas? Glaubst du, ich werde dich nicht heiraten? Du wirst mein sein, Rebecca. Selbst wenn ich dich tretend und schreiend zum Altar schleifen muss. Du wirst das bereuen, das verspreche ich dir.“
Mein Atem stockte, als Dianes süffisante Stimme die Spannung durchschnitt. „Aber Leon, schau mal.“ Sie zeigte auf meinen Hals, und mein Magen krampfte sich vor Entsetzen zusammen.
Leons Blick folgte ihrem Finger zu dem frischen Mal auf meiner Haut – dem unverkennbaren Abdruck eines Bisses, um den ich gebeten hatte. Es war ein Glück, dass der Mann weg war, sonst wäre er jetzt tot. Doch die Erkenntnis traf Leon wie ein Schlag ins Gesicht.
„Wer. War. Das.“ Seine Stimme brach vor Zorn. „Du hast dich von jemandem markieren lassen?“ Seine Augen wurden wild und brannten vor Hass. „Du hast dich von jemand anderem beanspruchen lassen?“
Bevor ich antworten konnte, rammte er seine Faust in die Wand neben mir, sodass der Raum bebte. Er wandte sich mir zu, seine Wut richtete sich nun nach innen, und seine Worte troffen vor Gift.
„Du hast alles ruiniert, Rebecca. Jetzt werde ich dich bezahlen lassen. Ich werde dir alles nehmen – deine Würde, deinen Stolz, einfach alles. Ich werde dir zeigen, was passiert, wenn man mich verrät.“ Er trat näher, sein Gesicht vor Zorn verzerrt. „Du wirst in der Hölle leben, und ich werde derjenige sein, der dafür sorgt, dass du es nie vergisst.“
Dianes Grinsen wurde breiter, während sie zusah, wie er die Beherrschung verlor, doch ich nahm ihre Anwesenheit kaum wahr. Mein Kopf drehte sich, und mein Herz hämmerte gegen meine Brust. Ich hatte keine Ahnung, wie das enden würde, aber eines wusste ich sicher – jetzt gab es kein Zurück mehr.
„Lass es uns einfach beenden“, meine Stimme zitterte. „Das kann so nicht weitergehen. Nicht, wenn ich das Mal eines anderen Mannes auf meinem Körper trage.“
Er erstarrte, bevor er lächelte, doch es war ein Lächeln aus Zähnen und scharfen Kanten. „Dann werde ich dich zu meiner Hure machen. Du wirst kein Leben außerhalb von mir haben. Du wirst nur existieren, um mich zu befriedigen und für mich zu bluten.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Das klang schlimmer als der Tod.
„Ich kann nicht glauben, dass du das tun würdest“, weinte Diane. „Nach allem. Ich hätte Besseres von dir erwartet.“
Das war von Anfang an ihr Plan gewesen, und ich war törichterweise darauf reingefallen. Schon wieder. Wann würde ich es endlich lernen?
„Ich bin von einem anderen Mann markiert, Leon“, wiederholte ich. „Ich gehöre dir nicht.“
Leons Augen brannten vor Wut, als er näher trat, seine Stimme triefend vor Bosheit. „Du glaubst wirklich, du hättest gewonnen, nicht wahr? Dieses – dieses erbärmliche Mal an deinem Hals – bedeutet gar nichts. Der Mann, der dich beansprucht hat? Ein Niemand. Er wird dich niemals öffentlich anerkennen, geschweige denn eine Hexen-Hure wie dich einfordern.“
Ich ballte meine Fäuste und kämpfte gegen die Panik an, die an meiner Brust krallte. „Ich gehöre dir nicht, Leon“, spie ich aus, meine Stimme bebend, aber trotzig.
Seine Lippe verformte sich zu einem bösartigen Lächeln, und ich wusste, was als Nächstes kommen würde. Seine Hand schoss hervor, die Ohrfeige sollte mich vernichten, doch gerade als sie auf mein Gesicht zuschnellte, ertönte eine Stimme von hinten.
„Fass nicht an, was mir gehört, Bruder.“ Ein Knurren ließ mein Herz aussetzen.
Mein Herz machte einen Sprung. Die Gestalt, die aus dem Badezimmer trat, war von bronzener Haut, die zu glänzen schien. Seine Augen waren so dunkel wie Onyx.
Meine Augen weiteten sich, als ich ihn erkannte.
Lysander Castille. Groß, imposant, seine Augen mit einer gefährlichen Ruhe auf Leon fixiert. Seine bloße Anwesenheit schickte eine Welle durch den Raum. Ich hatte mit ihm geschlafen. Er hatte mich markiert.
Leon erstarrte, sein Gesicht verzerrte sich vor Unglauben, während das Gewicht von Lysanders Worten in der Luft hing. „Du?“ Leons Stimme schwankte, sein Zorn schlug in etwas Dunkleres um.
Lysander trat vor, sein Blick wich nicht von Leon. „Ja, ich.“
„Das kann nicht dein Ernst sein“, spottete Leon. „Du hast meine Frau markiert.“
Lysander trat vor, sein Blick kalt und unnachgiebig. „Soweit ich weiß, war sie nicht deine Frau. Und soweit ich weiß, hattest du keinen Anspruch auf sie. Ich schon.“ Seine Stimme war endgültig und schnitt durch die Spannung.
Bevor Leon reagieren konnte, bewegte sich Lysander mit unmenschlicher Geschwindigkeit; seine Hand packte Leons Arm und stieß ihn mühelos von mir weg.
„Lass mich eines klarstellen“, Lysanders Stimme war tief und gefährlich. „Rebecca ist meine Gefährtin. Und ich will sie. Es ist mir egal, was du denkst oder was du sagst. Sie gehört jetzt mir. Und niemand, nicht einmal du, kann sie mir nehmen.“
Im Raum herrschte Grabesstille.
Mein Herz pochte in meiner Brust, Unglaube und Angst krampften sich in meinem Inneren zusammen. Meine Welt drehte sich. Lysander hatte mich markiert, aber mich so zu beanspruchen? Das so öffentlich zu sagen? Das Gewicht seiner Worte – seiner Absichten – schlug wie ein Sturm ein, und die Welt, die ich kannte, brach weit offen.
„Rebecca wird niemals zustimmen“, knurrte Leon und wandte sich dann mir zu. „Weise ihn zurück. Weise ihn sofort zurück.“ Er starrte mich wütend an.
Ich blickte von Leon zu Lysander, und meine Wahl war getroffen. „Ich nehme das Gefährtenband an.“