005

1470 Words
MAYA Ich werfe einen Blick auf meinen Arm, doch das Licht flackert immer noch grell, fast so, als wollte es mich blenden. Ich versuche, meine Arme zu bewegen, aber sie fühlen sich schwer an, als würde eine unsichtbare Last auf ihnen liegen. Was zum Teufel? Ich bleibe einige Sekunden starr, bevor das Licht allmählich schwächer wird und das Gefühl in meinen Armen zurückkehrt. Ich reiße sie hoch in die Luft. „Was ist gerade mit mir passiert?“ Jaden sagt nichts. Er starrt mich nur an. „Vielleicht ist das die Art der Academy, dich willkommen zu heißen.“ Er steht auf. „Mich willkommen heißen? Aber ich war doch nie hier?“ Ich bin völlig verwirrt. Wie soll ich diesem blasshäutigen Typen mit den blutroten Augen glauben? Er geht zur Wand, beißt sich in den kleinen Finger, und aus dem Blut formt sich wieder die Tür. „Wohin gehst du? Sollen wir nicht auf die Grandmistress warten?“ frage ich, folge ihm aber trotzdem. „Ich brauche keinen Freak, der mir das Gelände zeigt. Ich kenne jeden Winkel der Academy. Ich kam nur ins Büro, um meine Königin zu begrüßen.“ Er grinst, und seine Fangzähne blitzen auf. „Welche Königin? Kannst du mir endlich erklären, was hier los ist? Ich sollte gar nicht hier sein.“ „Du erinnerst dich wirklich an nichts?“ Er dreht sich zu mir um, beugt sich leicht vor und sieht mir tief in die Augen. Ich schaue weg. Seine Augen sind hypnotisch. „Wenn ich mich erinnern würde, warum würde ich dann noch fragen?“ Er seufzt und beißt sich auf die Lippen. Ich kann nicht leugnen, dass er geheimnisvoll aussieht – wie jemand, der dunkle Geheimnisse hütet. „Es gibt nichts zu sagen. Du sollst nicht mehr wissen, als die Academy zulässt.“ Er öffnet die Tür und hält sie mir auf. „Ladies first.“ Dann tritt er hinaus, nimmt meine Hand und führt mich zu den Treppen. „Vertraust du mir?“ „Wie soll ich dir vertrauen? Ich kenne dich nicht einmal.“ Ich reiße meine Hand los. Dieses brennende Gefühl, das mich jedes Mal überkommt, wenn er mich berührt, macht mich wahnsinnig. Ich streiche über meinen Körper, um die Gänsehaut loszuwerden, und gehe in die entgegengesetzte Richtung, direkt auf die großen Türen der Academy zu. Er folgt mir nicht, aber ich spüre seinen Blick auf mir. „Du kannst die Blood Valley Academy nicht einfach verlassen. So funktioniert das hier nicht. Du würdest sterben.“ Seine Stimme klingt träge, verwöhnt – wie jemand, der immer bekommt, was er will. Ich ignoriere ihn und marschiere weiter. Hoffentlich verschwindet diese Tür nicht auch wieder, wenn ich sie erreiche. Und wie öffne ich sie überhaupt? „Es wäre schade, die Königin in dem roten Meer verbrennen zu sehen, das sie selbst gegen ihre Feinde entfesselt hat.“ Seine Stimme ist jetzt lauter, ernster. Ich bleibe stehen. „Was meinst du damit?“ „Wenn du durch dieses Tor gehst, ohne vorbereitet zu sein, stirbst du. Vergiss das kochende rote Meer – unter dem Tal lauern verlorene Seelen und vergessene Könige. Andere Academies führen Krieg gegen die Blood Valley.“ In einem Wimpernschlag steht er neben mir. Wie ist er so schnell hierhergekommen? Er läuft langsam Kreise um mich, und in meinem ganzen Körper kribbelt es. Warum reagiere ich so auf ihn? Ich habe mich noch nie so gefühlt – nicht einmal bei dem Jungen, den ich mein Leben lang geliebt habe. „Wenn du hier raus willst, musst du deine Kräfte zurückgewinnen. Und solange du hier bist, musst du lernen, die Academy zu verstehen. Wenn du den Test der Academy nicht bestehst, stirbst du ebenfalls.“ Er hebt mein Kinn an und neigt seinen Kopf, flüstert gegen meine Lippen. „Du musst mir vertrauen. Ich bin der Einzige, der dir helfen kann.“ Ich versuche, ruhig zu atmen, aber es geht nicht. Ich befeuchte meine Lippen, schlucke. Er sagt, ich soll ihm vertrauen, aber mit seinem Aussehen – den Tattoos, dem zurückgekämmten Haar, den Ringen, diesem perfekten Gesicht – sieht er aus wie jemand, dem man auf keinen Fall vertrauen sollte. Ich atme tief ein, bemühe mich, ruhig zu klingen, als ich frage: „Kannst du bitte einmal Klartext reden?“ Doch meine Stimme zittert. „Klartext? Gut. Du gehst – du stirbst. Du bleibst – du kämpfst. So sind die Gesetze des Blood Valley.“ Er beißt sich mit seinen scharfen Zähnen in die Lippe, Blut tropft zu Boden. Seine Finger wandern von meinem Kinn zu meinem Hals – sanft, zu sanft – und es fühlt sich verboten gut an. Ich spüre Wärme an meiner Taille – tiefer, zwischen meinen Schenkeln. „Warum hilfst du mir überhaupt?“ Er legt seine Nase an meinen Hals, atmet ein und stößt ein zufriedenes Grunzen aus. „Sagen wir einfach, du schuldest mir einen Gefallen, Mate. Und wenn die Zeit gekommen ist, wirst du ihn mir zurückzahlen – als Hex Queen.“ Sein Atem streift meine Lippen. Ich denke, er will mich küssen, aber dann tritt er schnell zurück, schüttelt den Kopf und murmelt etwas Unverständliches. Atme. Atme. Atme!!! Ich mache ebenfalls einen Schritt zurück. „Warum redest du ständig in Rätseln? Wenn du etwas weißt, dann sag es einfach!“ Ich werfe die Hände in die Luft. Er grinst gefährlich und geht zur Treppe. „Ich weiß, dass du meine Mate bist.“ „Was ist ein Mate?“ Ich laufe ihm nach. „Fuck, meine Königin.“ Er lacht leise. „California hat dir echt zugesetzt.“ „Woher weißt du, wo ich wohne!?“ Ich bleibe abrupt stehen. Mir wird klar, dass ich bisher nur Fragen gestellt habe – und keine einzige richtige Antwort bekommen habe. Er lacht wieder, diesmal dunkel. Kein fröhliches Lachen – eines, das einem Raubtier gehört, kurz bevor es zuschlägt. „Wie ich weiß, wo du wohnst, ist das Letzte, worüber du dich aufregen solltest.“ Er steigt die Treppen zum vierten Stock hinauf und biegt links ab. „Du solltest wissen, dass hier nicht jeder dein Freund ist. Du musst dein sechstes Gespür aktivieren, um zu erkennen, wem du trauen kannst—“ „Ich habe nicht vor, hier lange zu bleiben. Wie komme ich raus?“ Ich unterbreche ihn. Ich fühle mich mutiger, jetzt, wo er mich nicht mehr berührt und kein Zauber auf mir liegt. Wir treten in einen langen Flur, auf beiden Seiten Spinde. Verdammt, bin ich wieder in der Highschool? „Ich werde ein Blutritual durchführen, um dich herauszuholen. Aber du musst tun, was ich dir sage, dann bist du bald frei. Maya—meine Königin.“ Er korrigiert sich und greift sanft nach meinem Handgelenk, dreht mich zu sich. „Dieses Gespräch hat nie stattgefunden. Du darfst mit niemandem darüber sprechen. Du weißt nicht, wer der wahre Feind ist.“ „Okay, Freak.“ Meine Stimme zittert. Ich kann meine Angst kaum noch verbergen. „Du denkst, ich bin ein Freak?“ Er lacht und öffnet einen der Spinde. „Warte, bis du den Kurs Magical Objects 201 besuchst.“ Er wirft die Hände in die Luft, als würde er eine Show ankündigen. „Willkommen zur Freakshow!“ Wir treten durch die Tür und stehen plötzlich auf einem Feld. Ein Feld in einem Raum? Ich drehe mich um, aber die Tür ist verschwunden. Jaden führt mich über die Lichtung zu einem Klassenzimmer. Der Raum ist mit blühenden Zweigen und Ranken geschmückt. Ich habe kaum Zeit, die Schönheit zu bewundern, da geschieht es. Magische Energie explodiert. Objekte beginnen zu glühen und prallen gegeneinander. Tränke kippen um. Der Boden bebt, und alle starren auf mich. Ich sehe Spiegelbilder in ihren Augen – ihre Gedanken, ihre Ängste, alles spiegelt sich vor mir. Einige schreien, andere versuchen, ihre Kräfte zu beschwören. Der Himmel donnert, glühende Steine prasseln herab, und alle ducken sich. Mein Blutdruck schießt in die Höhe. Mein Körper brennt, und ich beginne zu zittern. Blätter welken, Vögel kreischen und fliegen davon. Jaden kniet sich neben mich, will mich berühren, doch der Professor ruft: „Lass sie!“ Er steigt auf das Podium, mischt Tränke, murmelt Beschwörungen, seine dürren Finger blättern hektisch in alten Zauberbüchern. Meine Augen finden den Spiegelmann – er sieht wahnsinnig aus. Neben ihm steht der Mann aus meinem Traum, jetzt leibhaftig hier. Er flüstert dem Spiegelmann etwas zu, wirkt besorgt. Ich würge, kämpfe gegen den Schmerz, der mich zerreißt, und dann sehe ich ihn. Einen muskulösen Mann in der Ecke, seine Augen weit aufgerissen vor Schock. „Unmöglich.“ Seine Lippen bewegen sich nicht, aber ich höre seine Stimme in meinem Kopf. „Ich habe gesehen, wie du gestorben bist.“ Er taumelt zurück, als hätte er einen Geist gesehen. Mein Körper brennt, der Boden bebt, doch alles, woran ich jetzt denken kann, ist die Bedeutung seiner Worte.
Free reading for new users
Scan code to download app
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Writer
  • chap_listContents
  • likeADD