Das heutige Gourmet-Dinner besteht aus dicken Käsesandwiches mit Tomatenscheiben. Ich bin am Verhungern, da ich den ganzen Tag außer ein paar trockenen Crackern nichts gegessen habe. Ich verschlinge die beiden Sandwiches, gerade bevor Sally mit einer Plastiktüte in der Hand zurückkommt. Sally ist im gleichen Alter wie ich, 23. Sie hat dunkles Haar, das zu einem Pixie-Schnitt geschnitten ist, dunkelbraune Augen und ist etwa 1,70 m groß mit einer schlanken Statur. Sie ist eine attraktive Frau und hat ein großes Herz. Sally ist meine Lieblingskrankenschwester hier; sie erklärt mir immer geduldig alles, was ich nicht verstehe, und hat einen tollen Umgang mit den Patienten.
Bei jeder Schicht nimmt sie sich Zeit, um mich zu sehen. Als sie hereinkommt, stehe ich auf, und sie umarmt mich herzlich, streicht mir sanft über den Rücken. Sie reicht mir die Tüte, in der ich ein paar Flaschen Wasser und einen kleinen Orangensaft finde, den ich sofort greife, um die Sandwiches hinunterzuspülen. Sally war auch am Automaten und hat ein paar Proteinriegel und Chips besorgt. Zu meiner Freude finde ich auch einige Stücke Obst.
„Ich habe gehofft, dass du noch unter der Dusche bist. Ich weiß, dass du es nicht magst, Hilfe anzunehmen, aber du musst wirklich anfangen, auf dich selbst zu achten. Wann hast du das letzte Mal eine richtige Mahlzeit gegessen? Du siehst so dünn aus.“ Ich lächle sie leicht an. Es ist schwer, meine Emotionen in ihrer Nähe im Zaum zu halten. Sally hat mich in meinen verletzlichsten Momenten gesehen. Sie zieht an meinem Shirt und meinen Jogginghosen, um zu betonen, wie viel Gewicht ich verloren habe. Ich bin nicht blind. Ich weiß, dass ich viel abgenommen habe. Meine Kleidung passt nicht mehr so, wie sie sollte. Ich muss sogar einige meiner Hosen aufrollen, damit sie auf meinen Hüften bleiben.
„Ich weiß, ich versuche es ja. Es ist nur so schwer, bei dem ganzen Chaos, das mein Leben gerade ist.“
Sally seufzt und drückt meine Schulter. „Ich muss zurück an die Arbeit, aber vergiss nicht zu essen. Ich habe am Mittwoch wieder Schicht. Ich werde dir also ein paar Sachen mitbringen.“ Sie stopft die Plastiktüte in meine Handtasche und zieht den Reißverschluss zu, damit ich sie mitnehme, bevor sie hinausgeht, um sich um ihre anderen Patienten zu kümmern.
Ich setze mich wieder hin und warte darauf, dass mein Handy noch etwas mehr auflädt, bevor ich es ausstecke. Es ist jetzt 20:30 Uhr. Ich muss vor neun zurück sein, um sicherzustellen, dass ich nicht ausgesperrt werde. Ich beuge mich hinunter, gebe meiner Mutter einen Kuss auf die Stirn, bevor ich hinausgehe und zurück zu meinem Auto laufe.
Der Rückweg geht schnell. Heute Nacht ist es zum Glück nicht allzu kalt. Ich öffne den Kofferraum, schnappe mir meine Decke und mein Kissen und steige schnell auf den Vordersitz, klappe den Sitz ganz nach hinten. Ich kuschle mich unter meine Decke und schließe die Augen, in der Hoffnung, dass der Schlaf mich schnell überkommt.
Am nächsten Morgen wache ich schön warm auf, wie ein menschlicher Burrito in meiner Decke eingewickelt. Mein Wecker schreit laut und vibriert auf meinem Armaturenbrett. Stöhnend greife ich nach oben und schalte das verflixte Ding aus, bevor der Lärm mir noch Kopfschmerzen beschert. Ich strecke mich, mein Körper schmerzt von der ganzen Nacht in derselben Position. Ich vermisse mein Bett; ich vermisse es, mich auszustrecken und herumzuwälzen, ohne Angst haben zu müssen, dass mir ein Sicherheitsgurtknopf in den Rücken sticht.
Ich öffne die Fahrertür und rolle mich aus dem Auto. Dann stehe ich auf und beuge mich nach vorne, berühre meine Zehen und strecke meinen Rücken und meine Schultern. Nachdem ich mich wie eine Katze gestreckt habe, öffne ich die Tür zur Rückbank. An Tagen, an denen ich meine Kleidung nicht schon am Abend zuvor bereitgelegt habe, habe ich immer ein paar Outfits hinten hängen. Ich greife nach einer dunklen, schicken Skinny-Jeans in Dunkelblau, einer schwarzen Bluse mit Reißverschluss und meinem Blazer. Ich schiebe mir meinen BH unter mein Shirt und manövriere meine Arme hinein, bis ich ihn in Position gebracht habe.
Sitzend auf dem Fahrersitz reiße ich mir schnell meine Hose vom Leib und ersetze sie durch die Jeans. Als ich aufstehe, merke ich, dass sie mir fast vom Leib rutschen. Verdammt, das sind meine Lieblingsjeans. Ich öffne den Kofferraum und wühle herum, bis ich einen brauchbaren Gürtel finde, aber selbst der reicht nicht aus. Seufzend benutze ich meine Autoschlüssel, um ein zusätzliches Loch in den Gürtel zu stanzen, damit er die verdammten Hosen an Ort und Stelle hält. Als ich fertig bin, ziehe ich mir mein Shirt aus und schlüpfe in die Bluse, ziehe den Reißverschluss gerade rechtzeitig hoch, um das Geräusch der sich öffnenden Rolltore der Parkgarage zu hören.
Ich beuge mich vor und betrachte mich im Autofenster. Ich sehe anständig aus. Das ist eines meiner Lieblingstops. Früher war es ein wenig zu klein, bevor sich meine Lebensumstände änderten, aber jetzt sitzt es wie eine zweite Haut, betont meinen großen Busen und lässt ein großzügiges Dekolleté frei. Normalerweise mag ich es nicht, meine Vorzüge zur Schau zu stellen, aber dieses Top? Sie sehen verdammt fantastisch aus, auch wenn ich das selbst sagen muss. Schnell schnappe ich mir meine schwarzen Absätze, schlüpfe hinein und beuge mich vor, um die Riemen zu schließen.
Als ich fertig bin, gehe ich die Rampe hinunter, um Tom zu treffen. Sein Gesicht hellt sich sofort auf. „Da ist mein Mädchen. Wie war deine Nacht?“
„Gut, es war nicht kalt letzte Nacht und ziemlich ruhig. Wie geht es deiner Frau?“ Tom tritt näher und reicht mir einen Cappuccino im Pappbecher. Ich danke ihm und wärme meine Hände daran, während ich einen Schluck nehme.
„Es geht ihr gut. Ich habe eine Überraschung für dich. Mary hat letzte Nacht Fleischbällchen gemacht, und es gab jede Menge Reste, also habe ich sie in einem chinesischen Behälter für dich mitgebracht.“ Ich lehne mich zu Tom und gebe ihm eine seitliche Umarmung. Er erinnert mich an meinen Großvater. Tom erwidert die Umarmung, legt seinen Arm um meine Schultern.
Wir gehen schnell zurück zu meinem Auto. Ich hole meine Handtasche und die wenigen Dinge, die ich brauche, um mich fertig zu machen, dann schließe ich das Auto ab und folge ihm zum Eingang.
An meinem Schreibtisch angekommen, schalte ich alles ein und starte meinen Computer. Während ich darauf warte, dass alles hochfährt, trinke ich meinen Cappuccino aus und gehe ins Bad, um meine Haare und mein Make-up zu machen. Gerade als ich die Kaffees für meine Chefs fertigstelle, kommen sie wie immer pünktlich aus dem Aufzug. Sie sind nie zu spät. Sie sind immer pünktlich.
Doch ich halte inne, als ich sie sofort nach dem Verlassen des Aufzugs streiten höre. Das ist ungewöhnlich. Ich bleibe in der kleinen Küche, um nicht Zeugin ihres hitzigen Streits zu werden, aber ich kann nicht umhin, einen Teil ihrer Diskussion mitzubekommen. Theo ist selten wütend, und es ist merkwürdig, dass er seine Stimme gegen Tobias erhebt, der, wie ich aus seinem scharfen Tonfall heraushöre, von Sekunde zu Sekunde wütender wird. Ihre Stimmen ändern ihre Lautstärke nicht, also stelle ich mir vor, dass sie sich noch im Foyer befinden. Normalerweise führen sie ihre Liebesstreitigkeiten in einem ihrer Büros, nicht dort, wo jeder sie hören kann.
„Du kannst die Bindung nicht einfach ignorieren und dich in deinem Büro verstecken. Du wirst irgendwann durchdrehen, und das wird sie noch mehr verängstigen.“ Theos Stimme wird höher, je wütender er wird. Ich friere ein und lausche aufmerksam. Wer ist diese mysteriöse Frau?
„Halt dich da raus. Ich habe meine Triebe unter Kontrolle. Es sind deine, um die ich mir mehr Sorgen mache“, faucht Tobias, die Worte tropfen förmlich vor Gift von seiner Zunge.
„Nun, zumindest leugne ich sie nicht so wie du“, kontert Theo.
„Sie ist ein Mensch, schwach, und sie gehört nicht in unsere Welt. Ich habe es satt, immer wieder denselben Streit zu führen. Es geht nicht nur um uns; das würde sie in Gefahr bringen. Ist das, was du willst, Theo?“ Tobias' Stimme wird lauter, jeder seiner Worte ist von Zorn erfüllt.
Meine Gedanken rasen. Menschen? Sind wir nicht alle Menschen? Ich muss mich verhört haben, und wer ist in Gefahr? Mein Herzschlag beschleunigt sich, pocht in meinen Ohren. Gänsehaut breitet sich auf meinen Armen aus; meine Hand bleibt wie eingefroren, meine Knöchel sind weiß, weil ich den Wasserkocher so fest umklammere. Warum sind mein Geist und Körper plötzlich vor Angst gelähmt?
„Buh!“ Eine Stimme ertönt plötzlich direkt neben meinem Ohr. Ich schrecke zusammen. „Du weißt, was man über Lauschen sagt“, flüstert Theo, sein Atem streift meinen Nacken. Er tritt näher, seine Brust drückt gegen meinen Rücken. Meine Hände zittern leicht, als ich den Wasserkocher zurück auf die Theke stelle.
„Alles in Ordnung, Imogen?“ Er klingt besorgt. Mit einem falschen Lächeln drehe ich mich um, um ihm ins Gesicht zu sehen, aber er steht schon bei der Tür. Habe ich mir die ganze Situation nur eingebildet? Es kann doch nicht sein, dass er sich so schnell bewegt hat, ohne dass ich es gehört habe. Ich werde wirklich verrückt, vielleicht habe ich sogar einen Nervenzusammenbruch. Ihr Gespräch spielt sich immer wieder in meinem Kopf ab, aber es wird so durcheinander, dass ich mich nicht einmal mehr daran erinnern kann, worüber sie gestritten haben. Tobias tritt hinter Theo in den Raum, steckt seinen Kopf um die Ecke der Tür und starrt mich an. Ein unbehagliches Gefühl überkommt mich, und ich bekomme meine Gedanken nicht geordnet. Mein Kopf fühlt sich benebelt an, und haben Theos Augen schon immer so hell geleuchtet? Aus irgendeinem Grund kann ich meinen Blick nicht von seinem lösen, während ein Gefühl der Beklommenheit in mir aufsteigt und die Spannung zunimmt. Was geht hier vor sich?